© Fotos by Peter Knechtli, OnlineReports / Privatbesitz
"Zwischen zwei Welten": Ghana-Kenner Hans Buser

Ein Sissacher Autoverkäufer in der High Society von Ghana

Hans Buser lässt in einem Buch seine Erinnerungen an die Zeit der Unabhängigkeit des westafrikansichen Staates Revue passieren


Von Peter Knechtli


Der Sissacher Bauernsohn Hans Buser (Bild stehend hinten) ist der Mann, der Kwame Nkrumah, dem ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen westafrikanischen Staates Ghana die Staatslimousine persönlich übergab. Es war ein Chevrolet Cabriolet des Jahrgangs 1957, das in seiner unprätentiösen Eleganz unter viele Kennern als das schönste "Chevi"-Modell überhaupt gilt.

Die neun Jahre, die Hans Buser in Ghana verbrachte, fielen wohl in die spannendste Zeit der jüngeren Geschichte der "Goldküste", wie der Staat als britische Kolonie hiess. Am 31. Mai 1956 flog Buser als Angestellter der in Basel domizilierten "Union Handelsgesellschaft" – der späteren UTC – nach Accra, kaum ein Jahr später feierte Ghana als erster schwarzafrikanischer Staat seine Unabhängigkeit von der britischen Krone. Es war eine Zeit des Wandels, des Aufbruchs und der Neuorientierung. Und der Traum des Vereinigten Afrika mit Accra als Mittel- und Kristallisationspunkt.

 

"Dieser Mann vereinigt Weltgeist
und Bodenhaftung gleichermassen."

 

Als Verkäufer der Marken "Chevrolet" und "Opel" kam Hans Buser rasch in Kontakt mit der High Society des Landes – ja, er wurde, soweit dies als Weisser möglich war, Teil von ihr. Seine rasche Integration mit der neuen führenden Schicht des Landes verdankte er aber auch seinem natürlichen Selbstverständnis, mit dem er der einheimischen Bevölkerung vorbehaltlos Gleichwertigkeit attestierte. Seine Leichtfüssigkeit, sein sonniges Gemüt und sein agiler Geist sind dem heute 75-jährigen Afrika-Schweizer in keiner Weise abhanden gekommen. Wer mit ihm zu tun hat, spürt sogleich: Dieser Mann verfügt über Weltgeist und heimatverbundene Bodenhaftung gleichermassen, wie damals als er vom elterlichen Hof "Voregg" unter der Sissacher Fluh Abschied nahm.

Hans Buser ist nicht nur eine Wurzel, sondern eine Saftwurzel sondergleichen. Freundschaften müssen ihm auch in Afrika nur zu zugeflogen sein. Eine von ihnen war die aus Südafrika stammende Lehrerin Genoveva Marais, die Freundin und ganz enge Vertraute Nkrumahs, die Hans Buser nicht nur beim Ausritt begleitete, sondern ihm auch die Tür in so manche neue geschäftliche und private Beziehung in erlauchter Gesellschaft öffnete. So war auf präsidialen "Grand Balls" ebenso anzutreffen wie auf Parties im kleineren Rahmen, er begegnete dem späteren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela ebenso wie dem Box-Grössten Muhammed Ali.

Doch nie hat Hans Buser ein Aufhebens darum gemacht, nie die Erdung verloren. Trotz eine Unmenge an Erlebnissen, Kontakten, Reisen und Verpflichtungen fällt an Hans Buser eines besonders auf: Sein Elefantengedächtnis. Aus dem Stand heraus kann er auf den Tag genau sagen, wann in den vierziger Jahren beispielsweise ein Herr Rot aus dem Aargau in Ghana eingetroffen war. Es ist auch nach vierzig Jahren ihm ein Leichtes, damalige Vorgänge ohne Verblendung und detailgetreu nachzuzeichnen.

 

"Der Autor entging der Verlockung,
die Verhältnisse zu idealisieren."

 

Dies entging auch den Basler Afrika Bibliographien (BAB) nicht, deren Gründer Carlo Schlettwein den früheren Autohändler in Ghana, heute wieder in seiner Heimat Sissach ansässig, immer wieder aufgefordert: "Schreiben Sie! Schreiben Sie!" Am vergangenen Freitag konnte Luccio Schlettwein (Bild) das von seinem verstorbenen Vater initiierte Werk vor dicht gedrängten 120 Gästen in den BAB-Räumlichkeiten am Klosterberg das Werk vorstellen. Was Hans Buser "Als Schweizer Kaufmann in Ghana" (Buchtitel), unterstützt von OnlineReports-Autor Ruedi Suter, in 46 Einzelgeschichten aus dem schwarzafrikanischen niederschrieb, hat in einer Weise sozial- und kulturhistorischen Wert, dass das Buch nun in englische Sprache übersetzt werden soll, um der ghanesischen Bevölkerung ein Stück ihrer eigenen Geschichte nahe zu bringen.

In seinem illustrierten Band entuppt sich Hans Buser als unverblümter humorvoller Erzähler, der mit gebotener Distanz der Verlockung widerstand, die damaligen Verhältnisse zu idealisieren. Frei von Vorurteilen ("faule Neger") ging er auf die ghanesische Bevölkerung ein, aber er beschreibt auch die nicht immer edlen Tricks und Kniffe des damaligen Geschäftslebens bis hin zur überbordenden Korruption, die auch sein Freund Nkrumah, der sich mehr und mehr vom Volk entfremdete, nicht zu bändigen vermochte. Hans Buser lässt sich politisch in keine Schublade schieben. Er ist ein Freigeist, der sich immer "zwischen zwei Welten" bewegte. Von der Tradition her eher konservativ vertrat er auch linke Ideen – er war Limousinen- und Lastwagenverkäufer und setzte sich in seinem geliebten Baselbiet an vorderster Front für den Naturschutz ein.

 

"We used to call you Uncle Hans."

 

Zahlreiche Reisen nach Ghana – und auch nach Südafrika, seiner zweiten fernen Heimat – hielten bis auf den heutigen Tag die Beziehungen und ein gemeinnütziges Engagement im Land der Träume lebendig. Nicht umsonst verliehen ihm die Bewohner der ehemaligen Goldküste den Häuptings-Ehrentitel. Und bei Ankunft diplomatischen Vertreter aus Ghana in Bern dauert es jeweils nicht lange, bis sich Botschafterinnen und Botschafter in Sissach die Klinke reichen: Hans Buser ist so etwas wie ihr Oberbotschafter.

Als der Ghana-Schweizer vor wenigen Wochen wieder einmal im Kakao-Staat weilte, traf er den Sohn eines früheren Regierungsmitglieds, der heute selbst der Regierung angehört und der den Schweizer vor Jahrzehnten als Halbwüchsiger zuletzt gesehen hatte. Als Buser ihn fragte, ob er ihn noch kenne, umarmte ihn der Spitzenpolitiker und antwortete: "We used to call you Uncle Hans."

 

"Als Schweizer Kaufmann in Ghana – Hans Buser erzählt": Basler Afrika Bibliographien, Basel. 90 Seiten. 25 Franken.

3. November 2009



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