Kommentare

<< [ 1 | (...) | 41 | 42 | 43 | 44 | 45 | 46 | 47 | 48 | 49 | 50 | (...) | 226 ] >>

Lukas Ott: Seine Chancen, seine Risiken

Von PETER KNECHTLI

Der Knall-Effekt war perfekt, als die grüne Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann am Mittwochmorgen mit dem grünen Liestaler Stadtpräsidenten Lukas Ott ihren neuen Leiter der einflussreichen Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung präsentierte. Wie bitte – Lukas Ott?, liessen die baffen Gesichter im Presseraum erahnen. Man hätte sich beinahe jeden Namen vorstellen können. Aber Lukas Ott? Seine Wahl durch die Basler Regierung hielt dicht.

Selbst der Liestaler Stadtrat war perplex, nachdem er erst am Abend zuvor durch den Gewählten über seine neuen Berufsperspektiven ins Bild gesetzt worden war.

Die Überraschung war deshalb so gross, weil niemand sich vorstellen konnte, dass der in Liestal sozialisierte Politiker sein berufliches Domizil anderswo aufschlagen wollte als eben in Liestal – oder dann vielleicht noch in Bundes-Bern. Zu lange hatte er dem Kanton erst als Landrat und später während 17 Jahren als Mitglied der Stadtregierung gedient. Seine Wahl zum Stadtpräsidenten war vielen ein mögliches Indiz darauf, dass seine politische Karriere den Weg nach oben nehme.

Dieser Weg scheint sich aber als Sackgasse zu erweisen. Bei der Kandidatur zum Landratspräsidenten 1993 scheiterte Pfarrerssohn Ott fraktionsintern am damaligen Theologiestudenten Daniel Müller. Immerhin gelang ihm um die Jahrtausendwende der Sprung in die Liestaler Stadtregierung und zwölf Jahre später auf den Stuhl des mit gerade mal 90'000 Franken besoldeten Stadtpräsidenten im Teilzeit-Pensum.

Doch dann stockte die politische Karriere. Der Ausbruch aus Liestal misslang schon bei den Nationalratswahlen 1999, als Ruth Gonseth den Sitz holte und der junge Hoffnungsträger Ott sich mit Platz vier begnügen musste. 2015 nahm er nochmals einen Anlauf und verbesserte sich leicht auf Platz drei. Doch dann stand ihm Florence Brenzikofer als Zweitplatzierte vor der Nachrückenden-Sonne für den Fall, dass Nationalrätin Maya Graf vor Ablauf der Legislatur demissionierte. Seither gilt Brenzikofer, die vor wenigen Tagen vom Parteipräsidium zurücktrat, auch als Spitzenkandidatin für die Graf-Nachfolge.


"Lukas Ott wird in Basel unter akribischer
bürgerlicher Beobachtung stehen."


A
uch für einen Platz in der Kantonsregierung sind die Zeichen mittelfristig ungünstig. Erstens ist unklar, ob der formell grüne Sicherheitsdirektor Isaac Reber zu einer dritten Legislatur bereit ist, wodurch eine Thronfolge auf sich warten lässt. Zweitens stünden aber schon andere Kandidaten wie beispielsweise der Prattler Landrat Philipp Schoch, der ein erfolgreiches Jahr als Parlaments-Präsident hinter sich hat, in den Startlöchern.

So wird es Lukas Ott niemand verargen, wenn er sich im Alter von gut fünfzig Jahren für eine Veränderung entscheidet, die ihm einen Jahreslohn von mindestens 180'000 bis 200'000 Franken eintragen wird. Hals über Kopf muss Liestal nun ein neues Stadtpräsidium suchen. Ob es weiterhin in grüner Hand bleiben wird, ist eher fraglich. Hingegen könnte die SP mit ihrer Stadträtin und Staatsarchivarin Regula Nebiker versuchen, den Sitz zu erobern.

Otts neue Aufgabe bietet mehrere Chancen. Obschon in Liestal eng verbunden, war der Soziologe schon immer ein Geist, der über die Grenzen und die Jetztzeit hinaus dachte: seine frühe Thematisierung der Klimapolitiik, regionale Zusammenarbeit in Universität und Fachhochschule, gemeinsame Spitalpolitik, ja sogar für eine Fusion der beiden Basel warb er vor drei Jahren, ohne dass er daraus politischen Schaden nahm. Und auch aktuell sind keine Zeichen von Fahnenflucht-Vorwürfen zu erkennen – im Gegenteil: Als einer, der regional denkt, wird er in Basel-Stadt auch die Interessen des Landkantons und seiner Gemeinden wirkungsvoll einbringen und stärker in die Breite wirken können. Dieses partnerschaftliche Signal hat Elisabeth Ackermann wohl nicht zufällig gesetzt.

Der Realo-Grüne ist auch ein begabter eloquenter Verkäufer in eigener Sache, auch wenn kurze klare Statements nicht seine Sache sind: Es gelingt ihm, Fäden zu spinnen, politische Andersdenkende ins Boot zu holen und den Gemeinnutzen unideologisch zu vertreten. Als Spitzenbeamter mit grosser subregionaler Exekutiv-Erfahrung dürfte er der um Profil ringenden Regierungspräsidentin Ackermann wohl auch mal in Fragen beratend zur Seite stehen, die nicht direkt mit der Raum-Entwicklung in Zusammenhang stehen.

Die Kaderstelle im Stadtkanton birgt für Ott allerdings auch einige Risiken. Anders als im Schtedtli Liestal, wo er den Einwohnerrat so gut wie "im Sack" hatte, wird er in Basel-Stadt mit seinen praktisch paritätischen Links-Rechts-Lagern unter akribischer Beobachtung der seit Jahren um die Regierungsmehrheit ringenden bürgerlichen Kräfte stehen. Er ist auch nicht der geborene Stadt-Entwickler: Die Dynamik, die Liestal gegenwärtig beflügelt, ist nicht in erster Linie sein Werk als Stadtpräsident, sondern auch jenes früherer Lokalpolitiker, wie diese hinter vorgehaltener Hand betonen.

Klar seine politische Handschrift aber trägt das umstrittene Projekt des 60 Meter-Hochhauses der SBB am Liestaler Bahnhof, über das Ende November abgestimmt wird, und das eine prägnante Referenz im Hinblick auf seine Basler Funktion darstellen könnte. Die Abstimmung hat Schicksals-Charakter, auch wenn die Befürworter Zuversicht versprühen: Würde der Hochhaus-Plan entgegen den Erwartungen verworfen – die Gegner kritisieren eine Verschandelung des Ortsbildes und das Fehlen einer Gesamtplanung – nähme Ott seine Stelle am Marktplatz drei Tage später mit einer schweren Hypothek in Angriff.

Ins Leere laufen Vorwürfe, die Wahl Otts sei "politische Vetterli-Wirtschaft" der Grünen bekritteln. Erstens ist eine inhaltlich übereinstimmende Zielsetzung und Vertrautheit zwischen der Regierungsrätin und ihrem neuen Chef-Entwickler sicherlich kein Nachteil. Zweitens sind Seilschaften in allen Parteien üblich, was nicht grundsätzlich schlecht ist. Auf das Mass kommt es an. Christoph Blocher würde Cédric Wermuth nie als seinen Generalsekretär einstellen.

Die grosse Frage wird auch sein, wie gut Lukas Ott mit seinem Rollenwechsel vom kommunikationsfreudigen Entscheider zum dienstleistenden Entscheidungs-Zudiener zurecht kommt. Die Regierungspräsidentin hat gleich zu Beginn klar gemacht, dass sie die politischen Bewertungen vornimmt, nicht der Stadtentwickler. Doch was, wenn Lukas Ott im Basler Regierungspräsidium zum führenden Repräsentations- und Profilträger heranwächst und seine Chefin überflügelt?

Die Antwort ist noch müssig. Aber spätestens in vier Jahren muss sich zeigen, ob die Fortschritte der Basler Stadt- und Kantonsentwicklung der Eloquenz entsprechen, mit der sie sich politisch verkauft.

Bericht: Lukas Ott neuer Basler Stadt- und Kantonsentwickler

17. August 2017
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Peter Knechtli, ist Chefredaktor und Gründer von OnlineReports.ch.

peterknechtli@onlinereports.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Petitionsstellenden sind der festen Überzeugung, dass der Gemeinderat von Muttenz in Kenntnis aller Fakten wohl kaum (...) die vorgesehene Zonenplanänderung bejahren (...) kann."

Verein Windstill
in einer Medienmitteilung
vom 30. September 2020
zum Windkraft-Projekt
in Muttenz
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Vielleicht kann sie sogar betagt werden.

RückSpiegel

 

Das SRF-Regionaljournal, die BZ, fasnacht.ch sowie LDP-Grossrat Michael Hug (Interpellation) nahmen die OnlineReports-Recherche über Lärmprobleme durch Trommler, Peiffer und Gugge in Kleinhüningen auf.

Bajour schreibt, die Berichte von OnlineReports zur Baselbieter Velobahn-Affäre gefielen ihr "am besten".

In ihrem Kommentar über staatliche Medienförderung geht Prime News auf das über zwanzigjährige Bestehen von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung und die BZ zitierten in ihren Berichten über das Velobahn-Amigo-Geschäft von Klaus Kirchmayr und Isaac Reber ausführlich aus OnlineReports.

In ihrem Bericht über die Umgestaltung der Basler Meriangärten nimmt die BZ auf eine zuvor erschienene OnlineReports-Recherche Bezug.

Die Badische Zeitung zitierte in ihrer Vorwahl-Analyse der Basler Regierungs-Wahlen aus einem OnlineReports-Kommentar.

In der BZ-Kolumne nahm Daniel Wiener Bezug auf den OnlineReports-Kommentar über den Macht-Poker um die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

In ihrem Leitartikel über den Zustand des Kantons Basel-Stadt zitierte die BZ aus dem OnlineReports-Interview mit Michael Hug.

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

In ihrem Beitrag über den Protest gegen das "General Sutter"-Denkmal in Rünenberg nahm die BZ auf OnlineReports Bezug.

Die BZ zog die OnlineReports-News über den Rücktritt von Beat Jans als IWB-Verwaltungsrat nach.

Auch das Regionaljournal zog die OnlineReports-Geschichte über Probleme in den Familiengärten nach, verzichtete aber vornehm auf eine Quellenangabe.

Die BZ nahm die OnlineReports-Recherche über die erneute Schliessung der Familiengärten an der Landesgrenze auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Berufung des Staatsanwalts im Fall der FCZ-Schlägerei im Lehenmattquartier auf.

Das Regionaljournal griff die OnlineReports-Geschichte über Kurzarbeit bei BaZ und BZ auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Stadtpräsidenten-Ambition von Kantonsspital-CEO Jürg Aebi auf.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Story über den anstehenden Gerichtsfall zum Rothenflüher Blechpolizisten-Sprenger auf.

In ihrem Basler Medien-Epos nahm die Medienwoche auch auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung, Prime News und die BZ berichteten unter Berufung auf OnlineReports über Adrian Plachesis Abgang bei Telebasel.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Der Stiftungsrat der Stiftung Brasilea hat die 37-jährige brasilianisch-schweizerische Doppelbürgerin Tatiana Andrade Vieira als neue Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Daniel Faust gewählt.

Die Basler SP hat am 16. Oktober ihre Initiative "Kinderbetreuung für alle" mit über 3'000 Unterschriften eingereicht.

Dominik Beeler wird neuer Präsident der Grünen Liestal und damit Nachfolger von Erika Eichenberger.

Die Volksinitiative "für ein klimagerechtes Basel", die die Treibhausgas-Emissionen in Basel-Stadt bis 2030 auf Null senken will, ist am 8. Oktober mit über 3'700 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht worden.

Die Stadt Liestal hat die Einführung eines Ortsbusses namentlich in den Quartieren Sichtern und Langhag/Hanro mit 2'246 Ja-Stimmen gegen 2'717 Nein-Stimmen deutlich abgelehnt.

Binningen hat die SP-Initaitive gegen den Verkauf von gemeindeeigenem Boden mit  2'823 Ja gegen 2'809 Nein hauchdünn angenommen.

Münchenstein hat der Quartierplanung "Spenglerpark" mit dem 100 Meter hohen Hochhaus mit einem Ja- Anteil von 58 Prozent zugestimmt.

Der Deutsche Florian Röthlingshöfer wird neuer Direktor der Schweizerischen Rheinhäfen und Nachfolger von Hans-Peter Hadorn, der Ende Jahr abtreten wird.

Patricia von Falkenstein, die Präsidentin der Liberalen LDP, wird als Nachfolgerin von Helmut Hersberger neue Präsidentin des Hauseigentümer-Verbandes Basel-Stadt.

Roman Brunner (Muttenz) wird per 1. November 2020 neuer Präsident der Baselbieter SP-Landratsfraktion als Nachfolger von Miriam Locher, die sich für das Amt der Parteipräsidentin bewirbt.

Dem Enkeltrickgewerbe fielen in Basel kürzlich Beträge von 15'000 und 4'000 Franken in die Hände, während ein happiger Beutezug von 80'000 Franken misslang.

Der FC Basel und sein Captain Valentin Stocker verlängern den Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis im Sommer 2023 – mit einer Option auf ein weiteres Jahr.

Im vergangenen Sommer lagen die Ozon-Konzentrationen in der Region Basel zwar tiefer als im Vorjahr, aber immer noch deutlich über den Grenzwerten der Luftreinhalte-Verordnung.

Mit zusätzlichen Städtepartnerschaften mit Abidjan (Elfenbeinküste) und einer Stadt in einem Erstfluchtland im Nahen Osten will die Basler Regierung "ein Zeichen der Solidarität setzen".

Teilerwerbstätigen Beziehenden von Ergänzungsleistungen und Beziehenden von Ergänzungsleistungen, die zu einer medizinischen Behandlung fahren, werden im Baselbiet die Kosten für Schutzmasken mit pauschal 30 Franken vergütet.

Ralph Lewin und Andreas Sturm stellen sich nach über zehnjähriger Amtszeit nicht mehr für eine Wiederwahl für die nächste Amtsperiode im Bankrat der Basler Kantonalbank zur Verfügung.

Die auslaufenden Verträge von Cheftrainer Marcel Koller und den Assistenztrainern Thomas Janeschitz und Carlos Bernegger mit dem FC Basel werden "im gemeinsamen Einvernehmen" nicht verlängert.

Die auf Gebäudetechnik und Energiekonzepte spezialisierte Rapp Gebäudetechnik AG plant die Konzentration ihrer Geschäftstätigkeit am Standort Münchenstein und erwägt die Schliessung ihrer beiden Filialen in Lausanne und Genf.

Der Baselbieter Landrat wird vorläufig – mindestens bis zu den Herbstferien – weiterhin im Basler Kongresszentrum tagen, wie die Geschäftsleitung beschlossen hat.

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt über den Pendlerfonds das Veloverleihsystem Basel mit 2,15 Millionen Franken.

Wegen der Corona-Situation haben der Gewerbeverband und das Erziehungsdepartement entschieden, die 8. Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse  vom 15. bis 17. Oktober nicht durchzuführen.

Auf der A2 bei Birsfelden wurde in der Nacht des 3. August ein in der Region wohnhafter Italiener als Raser erwischt, der bei erlaubten 80 mit 140 Stundenkilometern in Richtung Bern/Luzern unterwegs war.