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Jo Vergeat: "Platz für Jo"

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Nicht nur 1946, sondern auch 2024

Eigentlich war mein Kolumnenthema für diesen Monat schon fix: Ich wollte über meine Erfahrung berichten, wie es ist, allein als Frau in Männergremien zu sitzen. 

Doch heute, eine Woche bevor die Kolumne erscheint, bin ich spontan ins Kino gegangen. "C’è ancora domani" – zu Deutsch: Morgen ist auch noch ein Tag. Dieser Film über Frauenrechte – oder sollte ich sagen "Unrechte"? – hat mich im Innersten getroffen.

Es ist keine neue Geschichte, die erzählt wird. Dass Frauen in den 1940er-Jahren keine Rechte hatten, von der Gesellschaft und von den Männern zu Hause schikaniert und geschlagen wurden und ihnen am Ende keiner für ihre immense Arbeit dankte, ist bestens bekannt.

Warum also hat mich dieser moderne Schwarz-Weiss-Film so sehr gefesselt? Vielleicht war es diese ruhige und neue Art, eine brutale Realität zu erzählen. Das Schicksal der Frauen inmitten der Italianità, wie ich sie so sehr liebe. Wer es schafft, Musik und Bild so exakt auf die Geschichte zu timen, hat es nicht nur verstanden, Filme zu machen, sondern auch Gefühle zu vermitteln. 

Wir müssen kämpfen – für jede Frau am Sitzungstisch.

Und doch, diese hohe Filmkunst ist es am Ende nicht, die mich noch zwei Stunden später stark beschäftigt. Ich bin emotional immer noch aufgewühlt und muss es niederschreiben. Weil diese Geschichte, die vor über 70 Jahren spielt, genauso gut aus der heutigen Zeit stammen könnte. Weil Frau zu sein, oder weiblich gelesen zu werden, noch immer ein Todesurteil bedeuten kann. Weil kleingeredet zu werden, für viele Frauen immer noch an der Tagesordnung ist. 

Der Film macht sichtbar, was schon so viele Frauengeschichten vor und nach diesem Film  gezeigt haben und zeigen werden: Wir müssen kämpfen, unfreiwillig. Für jede Frau am Sitzungstisch. Für jede Frau auf dem Nachhauseweg. Für die Mädchen auf dem Pausenhof. Für unsere Vorlieben und unser Wesen. Für unsere Ideen und unsere Rechte. Für alle Männer, die unter diesen engen Strukturen genauso leiden. Und für alle Minderheiten, die immer wieder diskriminiert und niedergemacht werden.

Dabei schauen wir zurück und wissen, dass das Erweitern unserer Strukturen immer ein Gewinn war. Die Hoffnung flammt in den 120 Film-Minuten immer wieder auf. Denn am Ende kommt es (ja) oft gut.

Das Frauenstimmrecht hat die Welt nicht zerstört. Dass Islam Alijaj als behinderter Mann mit Migrationsgeschichte Nationalrat ist, macht unser Land stärker. Die Teilnahme von Mädchen am Banntag würde nichts kaputt machen, sondern ganz viel entstehen lassen. Und doch brüllt vor jeder Veränderung die Angst aus dem Mund der Mächtigen. 

Die Unterschiede der Menschen entscheiden noch immer über unsere Lebensqualität.

"C’è ancora domani" hat mich wütend gemacht. Darüber, dass noch immer die Unterschiede der Menschen über unsere Lebensqualität entscheiden und wir immer noch nicht gelernt haben, dass wir damit einen verdammt grossen Fehler machen. 

Es braucht ihn immer noch: diesen wunderschönen, herzzerbrechend ehrlichen Film, der mit der Vergangenheit eine Geschichte der Gegenwart erzählt. "Morgen ist auch noch ein Tag", um beispielsweise zu erzählen, welche Hürden einer Frau in Männergremien begegnen. 

Heute aber denke ich an alle Frauen – und darüber hinaus an alle bedrohten Minderheiten –, die unter der Gewalt von Männern leiden und sterben. Nicht nur 1946, sondern auch 2024. Nicht weit, weit weg auf fremden Strassen, sondern hier in ihrem Zuhause. 

6. Mai 2024
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
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Jo Vergeat, geboren 1994, hat einen Master in Geographie und Soziologie. Sie arbeitet als Kulturmanagerin und politisiert seit 2019 für die Grünen im Basler Grossen Rat, den sie im Legislaturjahr 2022/23 präsidierte. Vergeat bezeichnet sich selbst als Herzblut-Baslerin, ist FCB-Fan und Chorsängerin. © Foto zvg

info@jo-vergeat.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
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"Er soll mehrere Gedichtbänder veröffentlicht haben."

bz
am 16. Mai 2024
über den Attentäter
in der Slowakei
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das kann man auch nicht mit Schweizer-Hochdeutsch erklären.

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel








In einem Satz


Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.

 

Mitte-Landrat Simon Oberbeck folgt am 1. August 2024 als Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrtund Hafenwirtschaft auf André Auderset.

Die Junge SVP Basel-Stadt hat Demi Hablützel (25) einstimmig für zwei weitere Jahre als Präsidentin wiedergewählt.