© Fotos by OnlineReports.ch
Landeskirche driftete ab": Triumphierender Bischof-Antipode Pfarrer Franz Sabo

Schwere Niederlage für Bischof Koch vor Gericht - Sabo darf vorläufig bleiben

Der Bistums-Oberhirte wollte kritischen Röschenzer Pfarrer auf grundrechtswidrige Weise los werden


Von Peter Knechtli


Schwere Niederlage für Bischof Kurt Koch und die römisch-katholische Landeskirche Baselland im Streit um den Röschenzer Pfarradministrator Franz Sabo: Das Baselbieter Kantonsgericht hat heute Mittwochnachmittag eine Beschwerde der Kirchgemeinde Röschenz gegen die Landeskirche und ihre Aufforderung zur Entlassung Sabos gutgeheissen. Das Verdikt: Der Bischof und die Landeskirche hätten Sabo das rechtliche Gehör nicht gewährt und so gegen Grundrecht verstossen.


Die Beschwerde der katholischen Kirchgemeinde Röschenz vom 14. Juni 2006 richtete sich gegen eine Verfügung des römisch-katholischen Landeskirchenrates Baselland vom Sommer letzten Jahres. Ihr umstrittener Inhalt: Die Kirchgemeinde Röschenz wird angewiesen, den seit 1999 in der Kommune tätigen Pfarreradinistrator Franz Sabo zu entlassen, nachdem ihm Bischof Kurt Koch die Seelsorge-Erlaubnis ("Missio canonica") am 9. Februar 2005 aufgrund eines "zerrütteten Vertrauensverhltnisses" entzogen und den Missio-Entzug im März sowie im September jenes Jahres bestätigt hatte.

Faire, differenzierte und brillante Beratung

In seiner über vierstündigen Beratung auf höchstem juristischen Niveau kam das Baselbieter Kantonsgericht in seiner Funktion als Verwaltungsgericht zu einem einstimmigen Urteil: Die Beschwerde wird gutgeheissen, die Verfahrenskosten von 10'000 Franken muss zu zwei Dritteln die Landeskriche und zu einem Drittel das Bistum Basel übernehmen. Dasselbe Verhältnis gilt für die Bezahlung der weit höheren Anwaltskosten von Sabo und der Kirchgemeinde Röschenz.

Fachlich bestritt die Verhandlung über weite Strecken der brillante Richter und Referent Stefan Schulthess. Er schälte insbesondere heraus, dass Bischof Koch bei seinem Missio-Entzug gegenüber Sabo durch Nicht-Gewährung des rechtlichen Gehörs Grundrechts verletzte habe. Es sei offensichtlich gewesen, dass Koch schon am 9. Februar 2005 den Entzugs-Entscheid gefasst hatte, die eigentliche Begründung dafür aber auf Schmähreden Sabos bezog, die er erst später gehalten hatte - unter anderem eine 1. August-Rede in Sissach. Koch aber hätte gegenüber Sabo seine Entlassungsmotive detailliert darlegen müssen, damit der Betroffene die Chance zur Gegenrede gehabt hätte. Statt dessen habe sich Koch bloss auf das "zerrüttete Vertrauensverhältnis" berufen, was eine "Leerformel" sei. Der Missio-Entzug gegenüber Sabo sei somit "nicht in hinreichender Dichte begründet worden", wie es der schwerwiegende Schritt einer Entlassung erfordere.

Auch Landeskirche verweigerte rechtliches Gehör

Auch die Landeskirche unter dem damaligen Präsidenten und heutigen CVP-Regierungsrat Peter Zwick bekam im Gerichtssaal ihr Fett ab: Sie hätte sich als Aufsichtsorgan weigern müssen, bei der Kirchgemeinde Röschenz die vom Bischof geforderte Entlassung Sabos zu verfügen. Zudem habe auch die Landeskirche dem in der Gemeinde äusserst beliebten Pfarradminsitrator das rechtliche Gehör verweigert. Referent Schulthess: "Der Bischof hat der Landeskirche die schriftlich verlangten Entlassungsgründe nicht geliefert. Es kam damit zweimal zu Grundrechts-Verletzungen."

Das Gericht billigte der Exekutive der römisch-katholischen Kirche Baselland abgesehen von diesem groben Fehler ein äusserst sorgfältiges Vorgehen zu im Versuch, den kirchlichen Frieden im Laufentaler Dorf doch wieder herzustellen. "Der Landeskrichenrat ist sehr behutsam und lange auf dem Pfade der Tugend gewandelt. In der letzten Phase aber hat er den Pfad verlassen und ist in das abgedriftet, was wir nicht mehr schützen können", hielt Gerichtspräsident Peter Meier fest.

Keine Einmischung in innerkirchliche Konflikte

Grossmehrheitlich kam das Gericht in der ersten Hälfte seiner Beratung zur Auffassung, die Aufsichtskompetenz der Landeskriche reiche aus, die Kirchgemeinde Röschenz zur Entlassung Sabos anzuweisen, auch wenn dies in der geltenden Kirchenverfassung so nicht ausdrücklich vorgesehen ist. Ein Aufsichtsrecht bedeute auch eine Aufsichtspflicht. Eine Aufsichtsbehörde müsse im gegebenen Fall durchgreifen können: "Eine Aufsicht, die nur bellen und nicht beissen kann, ist keine Aufsicht", führte Meier aus. Es sei ebenso unbestritten, dass die Missio canonica zwingende Anstellungs-Voraussetzung für seelsorgerische Tätigkeit in der katholischen Kirche sei.

In seinem abschliessenden Kommentar kam der Vorsitzende Meier auf Grundlegendes dieses Falles zu sprechen. Es sei keinesfalls Sache des Gerichts, die Gründe für einen allfälligen Missio-Entzug zu beurteilen. Das Komplexe an diesem Fall sei aber, dass dieser Entzug auch Auswirkungen ausserhalb des kirchlichen Rechts habe, indem Bischof Koch seine "Black Box" - die nicht transparenten Entlassungsgründe - ungeöffnet zur Grundlage des Handelns der nichtkanonischen Landeskirche mache. "Das kanonische Handeln des Bischofs ist allein seine Sache. So lange es innerkirchlich bleibt, geht es staatliche Instanzen nicht an", grenzte Meier die grundlegende Bedeutung des Urteils ein. "Aber die elementaren Grund- und Verfahrensrechte muss der Bischof beachten."

Sabo muss weiter bangen

Dieser Fall berühre "wichtige und zum Teil auch ungelöste Problembereiche im Verhältnis von Kirche und Staat und sei deshalb "weit mehr als ein simpler Beschimpfungsfall". Meier erklärte weiter - und dies dürfte landesweit klärend sein: "Innerkirchliche Vorgänge sollen nicht vor staatlichen Organen beurteilt werden. Aber eine Kirche muss die rechtstaatlichen Grundlagen einhalten, wenn sie staatliche Institutionen beansprucht."

Mit dem Urteil ist die Stelle Sabos in Röschenz allerdings nicht langfristig gesichert: Der Bischof kann das Bundesgericht anrufen - oder den Entscheid akzeptieren und die Anhörung Sabos formell nachholen, wodurch die Entlassung eine saubere rechtliche Grundlage hätte.

Jubel-Szenen vor dem Gerichtsgebäude

Der Prozess erregte nahezu einmaliges öffentliches Interesse. Erstmals in der Geschichte des Baselbieter Gerichts wurden die Verhandlungen in einem Publikumkssaal im Gerichtsgebäude übertragen. Dort verfolgten rund 50 Sabo-Gläubige, die per Bus aus dem Laufental angefahren waren, die Verhandlungen.

Im Anschluss an den Urteilsspruch kam es vor dem Gerichtsgebäude auf dem Liestaler Bahnhofplatz zu Freude-Szenen: Sabo und Kirchenrats-Mitglied Bernhard Cueni wurden mit Jubel und Applaus empfangen, es floss Sekt - bevor es aufging nach Röschenz, wo Freinacht ausgerufen wurde. Erfolgstrunken fielen böse Worte wie "ausmisten" über Glaubensgenossen, die jetzt immer noch dem Bischof die Treue halten.

5. September 2007

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Hoffentlich reichen sich beide Seiten die Hand"

Ich bin froh, dass Röschenz Recht bekommen hat und freue mich mit den mutigen Röschenzern; (auch) Röschenz war anwaltlich exzellent vertreten. Es wäre schön, wenn Bischof Koch die Niederlage vor dem weltlichen Gericht akzeptieren würde; es würde ihm Grösse geben. Ich kann aber auch Bischof Koch ein bisschen verstehen. Es wäre zu wünschen, dass auch Pfarrer Sabo seinen Frieden mit der Kirche findet und weiterarbeiten kann. Es sollte ein neues Kapitel zwischen Bischof, Röschenz und Pfarrer Sabo aufgeschlagen werden. Hoffentlich reichen sich beide Seiten die Hand.


Heinrich Ueberwasser, Grossrat und Kantonalpräsident EVP BS, Riehen



Was Sie auch noch interessieren könnte

Ackermann jetzt abzuschreiben
wäre ein fataler Fehlschluss

25. Oktober 2020

Leitartikel: Peter Knechtli über die plötzliche Dynamik im Basler Wahlkampf.


"Offensichtliche Verkennung
der Interessenlage"

15. Oktober 2020

"Grün 80": Peter Knechtli über den Sprachrohr-Anspruch an die Info-Medien.


Reaktionen

Piccolos und Guggen treiben
Anwohner zur Verzweiflung

25. September 2020

Kleinhüningen: Die musikalischen Dauer-Übungen im Frühherbst stören.


Video: 18.9.2020 Gugge übt in Kleinhüningen

Velobahn-Test: Das
grüne Amigo-Geschäft

10. September 2020

Peter Knechtli über die unverständliche
Kumpanei des Duos Kirchmayr/Reber.


Reaktionen

Auf dem Velo-Highway
zum Schwing- und Älplerfest

9. September 2020

Prototyp geplant: Eine vierspurige
Velobahn
zwischen Pratteln und Augst.


Wenn das Digital-Gerät
Verzweiflung auslöst

30. August 2020

Gratis-Angebot "Digi-Coach" hilft bei
niederschwelligen Problemen weiter.


Laden Sie doch Facebook
zur Medienkonferenz ein!

26. August 2020

Soziale Medien: Peter Knechtli über
die Illusion der grossen Wirkung.


Corona: Frankreich büsst
Basler Familiengärtner

23. August 2020

Keine Pachtzins-Reduktion trotz
dreimonatiger Areal-Schliessung.


200 Meter hohe
Windturbinen an der A2

11. August 2020

"Primeo Energie" plant zwei Windkraftwerke am Randes des Hardwaldes.


Das Rosskopf-Haus
kann abgerissen werden

18. Juli 2020

Rufacherstrasse: Einsprachen
gegen Abbruch abgelehnt.


www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
LGBTQIA+*

Jessica Brandenburger
Basler SP-Grossrätin
in einem Vorstoss
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Liebe Genossinnen Bekämpft Tapfer Qualen In Amt Und Geburten

RückSpiegel

 

Das SRF-Regionaljournal, die BZ, fasnacht.ch sowie LDP-Grossrat Michael Hug (Interpellation) nahmen die OnlineReports-Recherche über Lärmprobleme durch Trommler, Pfeifer und Gugge in Kleinhüningen auf.

Bajour schreibt, die Berichte von OnlineReports zur Baselbieter Velobahn-Affäre gefielen ihr "am besten".

In ihrem Kommentar über staatliche Medienförderung geht Prime News auf das über zwanzigjährige Bestehen von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung und die BZ zitierten in ihren Berichten über das Velobahn-Amigo-Geschäft von Klaus Kirchmayr und Isaac Reber ausführlich aus OnlineReports.

In ihrem Bericht über die Umgestaltung der Basler Meriangärten nimmt die BZ auf eine zuvor erschienene OnlineReports-Recherche Bezug.

Die Badische Zeitung zitierte in ihrer Vorwahl-Analyse der Basler Regierungs-Wahlen aus einem OnlineReports-Kommentar.

In der BZ-Kolumne nahm Daniel Wiener Bezug auf den OnlineReports-Kommentar über den Macht-Poker um die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

In ihrem Leitartikel über den Zustand des Kantons Basel-Stadt zitierte die BZ aus dem OnlineReports-Interview mit Michael Hug.

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

In ihrem Beitrag über den Protest gegen das "General Sutter"-Denkmal in Rünenberg nahm die BZ auf OnlineReports Bezug.

Die BZ zog die OnlineReports-News über den Rücktritt von Beat Jans als IWB-Verwaltungsrat nach.

Auch das Regionaljournal zog die OnlineReports-Geschichte über Probleme in den Familiengärten nach, verzichtete aber vornehm auf eine Quellenangabe.

Die BZ nahm die OnlineReports-Recherche über die erneute Schliessung der Familiengärten an der Landesgrenze auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Berufung des Staatsanwalts im Fall der FCZ-Schlägerei im Lehenmattquartier auf.

Das Regionaljournal griff die OnlineReports-Geschichte über Kurzarbeit bei BaZ und BZ auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Stadtpräsidenten-Ambition von Kantonsspital-CEO Jürg Aebi auf.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Story über den anstehenden Gerichtsfall zum Rothenflüher Blechpolizisten-Sprenger auf.

In ihrem Basler Medien-Epos nahm die Medienwoche auch auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung, Prime News und die BZ berichteten unter Berufung auf OnlineReports über Adrian Plachesis Abgang bei Telebasel.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Das Basler Marionetten Theater unterbricht per sofort seine Saison bis mindestens Ende 2020.

Die Basler FDP nominierte für den zweiten Wahlgang der Regierungsrats-Wahlen erwartungsgemäss ihr Mitglied Baschi Dürr sowie die LDP-Liberale Stephanie Eymann.

Auf der Autobahn A3 bei Eiken, wo 120 km/h erlaubt sind, wurde am frühen Morgen des 24. Oktober eine Autofahrerin mit Tempo 214 km/h als Raserin geblitzt.

Die Basler Juso bitten die Regierung in einer Petition, sich aktiv dafür einzusetzen, 100 Menschen aus dem Camp Moria in den Kanton Basel-Stadt aufzunehmen.

Der Stiftungsrat der Stiftung Brasilea hat die 37-jährige brasilianisch-schweizerische Doppelbürgerin Tatiana Andrade Vieira als neue Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Daniel Faust gewählt.

Die Basler SP hat am 16. Oktober ihre Initiative "Kinderbetreuung für alle" mit über 3'000 Unterschriften eingereicht.

Dominik Beeler wird neuer Präsident der Grünen Liestal und damit Nachfolger von Erika Eichenberger.

Die Volksinitiative "für ein klimagerechtes Basel", die die Treibhausgas-Emissionen in Basel-Stadt bis 2030 auf Null senken will, ist am 8. Oktober mit über 3'700 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht worden.

Die Stadt Liestal hat die Einführung eines Ortsbusses namentlich in den Quartieren Sichtern und Langhag/Hanro mit 2'246 Ja-Stimmen gegen 2'717 Nein-Stimmen deutlich abgelehnt.

Binningen hat die SP-Initaitive gegen den Verkauf von gemeindeeigenem Boden mit  2'823 Ja gegen 2'809 Nein hauchdünn angenommen.

Münchenstein hat der Quartierplanung "Spenglerpark" mit dem 100 Meter hohen Hochhaus mit einem Ja- Anteil von 58 Prozent zugestimmt.