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"Das Nebeneinander von Slums und Luxushotels ist unerträglich": Tourismusexpertin Christine Plüss

"Geht es in die Ferien, schalten viele das Gehirn aus"

Seit 20 Jahren redet Christine Plüss (51) der Tourismusindustrie ins Gewissen, Menschenrechte und Umweltschutz zu respektieren


Von Ruedi Suter


So schön Ferien und Reisen auch sind, so problematisch sind die Auswirkungen der rasant wachsenden Tourismusindustrie. Mit ihr eng verzahnt sind oft auch Menschenrechtsverletzungen, soziale Ungerechtigkeit und Naturzerstörung. Dies deutlich zu machen und bei Reiseanbietern und Reisenden Verhaltensänderungen auszulösen, hat sich der Basler Arbeitskreiskreis Tourismus und Entwicklung (akte) zur Aufgabe gemacht: Ein Gespräch mit Geschäftsleiterin Christine Plüss.


OnlineReports: Als Reisefachfrau waren Sie bald schon überall auf der Welt – Christine Plüss, wohin führte die erste erinnerungswürdige Reise?

Christine Plüss: Uff – lange her! Ich muss überlegen... Genau! Ich war 17, und wir fuhren im Zug mit unserem Italienischlehrer aus der Kantonsschule Aarau nach Apulien in die Nähe von Lecce. Dort wohnten wir in einem kleinen, fast fensterlosen Reihenhäuschen von Emigranten. Es war eines der ersten Male, bei dem ich die Schweiz verliess. Und ich entwickelte sofort eine heisse Liebe zu Süditalien. Diese einfache Familie mit ihrem Höfchen mit den  Orangen- und Zitronenbäumchen, dieser Brunnen im Garten, der auch dem Duschen diente und vor allem – dieses absolut traumhaft gute Essen! Das hat mir schon sehr gefallen und mich fürs Reisen angemacht. Das war Mitte der siebziger Jahre, als noch ein Lüftchen der Freiheit wehte.

OnlineReports: Und dieses spürten sie auch noch nach Schulabschluss?

Plüss: Und wie! Zwei Wochen nach der Matura konnte ich eine Stelle in Ischia antreten. Das war 1975, am Tag, als die Amerikaner Saigon aufgaben. Ich sprang ins kalte Wasser, musste als Übersetzerin, Buchhalterin und Einkäuferin für 150 Essen arbeiten. Mit dem Geld, das ich im Hotel verdiente – es waren immerhin mehr als eine Million Lire -, ging ich nach Florenz, um Italienisch und Kunstgeschichte zu lernen. Dann bewarb ich mich als Reiseleiterin bei der Airtour Suisse und das Reisen begann so richtig: Italien, Balearen, Tunesien, später Kanaren und schliesslich Senegal, wo ich acht Monate in Dakar arbeitete.

OnlineReports: In Afrika also, in einem Drittweltland: besondere Eindrücke?

Plüss: Ich sah zum ersten Mal hinter die Kulissen, denn bislang hatte ich mehr Sun and Fun erlebt. Aber in Dakar zerrten einem bettelnde Kinder bereits am Flughafen die Koffer aus der Hand. Und es reisten viele Touristen und Touristinnen nur deshalb an, um Sex zu haben.
 

 

"Willst Du l'amour?"

 


Die fragten ganz direkt: "Wo gibt es schwarze Haut?" Ich lebte in der Hotelfachschule, aber auch da klopfte es jede Nacht an der Tür, und junge Frauen und Mädchen fragten: "Willst Du l'amour?" Ich erlebte zudem, wie ein Fünfsternhotel rasch zwischen Weihnachten und Neujahr, an den Club Mediterranée verkauft wurde. Und ich sah, wie über Nacht auch auf dem Rücken der Einheimischen unglaublich viel Geld verdient wurde.

OnlineReports: Und? Haben Sie hierauf der Reisebranche den Rücken gekehrt?

Plüss: Nein, im Gegenteil. Mich interessierte die Ferienbranche nach wie vor. Ich wollte aber mehr über die Mechanismen, die Auswirkungen des Tourismus wissen und ging nach Paris, wo ich mit Stadtführungen meinen Lebensunterhalt verdiente und an der Uni büffelte: Französisch, Geschichte, Soziologie, Ethnologie und Geographie. Glücklicherweise gab es auch neue, von Frauen geführte Lehrgänge über die Dritte Welt und Geschlechterfragen. 1986 schloss ich – übrigens im Zusammenhang mit einem kritischen Grundlagenbuch zum Tourismus – mit einer Arbeit über das Fallbeispiel "Maledevien und der Inseltraum im Westen" ab.

OnlineReports: Was hat die "Traumdeutung" ergeben?

Plüss: Erschreckendes: Mit den erschlossenen Malediven-Inseln schnitt sich die Tourismusindustrie sozusagen Stücke aus der zauberhaften Landschaft heraus, kommerzialisierte und internationalisierte sie. Heute gehören die Inseln wie nicht mehr zu den Malediven. Dabei werden die Ressourcen des Landes schonungslos genutzt. Das Grundwasser wurde beispielsweise derart abgepumpt, dass Inseln in der Mitte regelrecht einbrachen und der Strand weggeschwemmt wurde. Das muss dann kostspielig wieder befestigt werden.
 

"Das Geld fliesst auf europäische Banken."

 


Kam hinzu, dass die Einheimischen in ihrer grossen Mehrzahl am Tourismus kaum etwas verdienten und dieser sogar von Kinderarbeit profitierte. Das habe ich selbst erlebt, da ich später lange dort arbeitete. Heute noch werden die Malediven von einer autokratischen Oligarchie geführt. Es sind immer noch der gleiche Präsident und das gleiche Halbdutzend Familien an der Macht. Besonders stossend ist, dass die Menschenrechte verletzt werden und das Geld aus den Hotelübernachtungen meist nicht nachhaltig im Land selbst investiert wird, sondern auf Bankkonten nach Europa oder Singapur fliesst.

OnlineReports: Dass die meisten Tourismuseinnahmen nicht in den Gastländern bleiben, daran hat sich bis heute ja kaum etwas geändert.

Plüss: Ja, aber die Malediven mit ihren insularen Luxuszonen für Reiche waren die Vorläufer für exklusive Tourismuszonen auf der ganzen Welt. Dort lässt man sein Geld liegen, dort erholt man sich – abgesichert, abgeschirmt und fern der schreienden Armut der Einheimischen. Als jahrelange Reiseleiterin  in unterschiedlichsten Destinationen bin ich vielerorts solchen Exklusivzonen begegnet – in Afrika, in Asien, in Nord- und Südamerika. Was der Tourismus an Segen, vor allem aber an Zerstörungen bringt, davon habe ich viel gesehen.

OnlineReports: Und davon profitiert nun der Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung, den Sie jetzt seit genau 20 Jahren leiten. Was waren zu Beginn Ihre Ambitionen?

Plüss: Ich wollte in der Schweiz die Reisenden und die Reisebranchen für die Probleme, die sie mit dem Tourismus lostreten können, sensibilisieren und sie zur Veränderung ihres Verhaltens bewegen.
 

 

Sie hatten keine Ahnung,
wo sie ihre Ferien verbrachten."

 


Es gab da Leute, die ohne jede Vorbereitung in ein Flugzeug stiegen und nicht einmal wussten, wohin sie genau flogen. Sie hatten also keine Ahnung, wo sie auf der Weltkarte ihre Ferien verbrachten. 95 Prozent aller Kunden und Kundinnen, die ich betreute, waren an sich nette Leute. Aber wenn es in die Ferien geht, schalten viele ihr Gehirn aus. Sie tun dann Dinge, die sie daheim nie tun würden. Beispielsweise informieren sie sich nicht oder werfen den Abfall achtlos weg, den sie zuhause säuberlich trennen würden.

 

OnlineReports: Das ist pure Ignoranz, gegen die wohl noch kein Kraut gewachsen ist.

Plüss: Doch! Ich machte folgende Erfahrung: Wenn die Leute informiert sind und wissen, was sie anders tun sollten, dann machen sie es in der Regel viel Interesse. Mich ärgerte immer, dass man die Leute nicht besser ins Bild setzte und motivierte. Die Reiseanbieter behaupteten einfach: "Die Kunden wollen ihren Frieden und nicht belehrt werden!" Ich sah aber, dass die Reisenden motiviert werden konnten, sich besser zu informieren, rücksichtsvoller zu verhalten und damit auch soziale Verantwortung zu tragen.

OnlineReports: Und heute, verhalten sich Reiseunternehmen und Reisende bewusster?

Plüss: Schwierige Frage, denn heute reisen ungleich mehr Menschen als noch vor zwanzig Jahren. Der Tourismus ist zum schnellst wachsenden Wirtschaftszweig der Welt avanciert. Allein 2007 waren rund 900 Millionen Reisende international unterwegs! 1976, als ich mit Reiseleitungen anfing, waren es rund 230 Millionen.

 

"Im Schweizer Tourismus ist das Verantwortungsbewusstsein gestiegen."


Ein Wahnsinn. Immer mehr Menschen machen Ferien, stets kommen neue Leute hinzu, und manchmal denken wir im Team, wieder ganz vorne anfangen zu müssen. Aber in der Schweizer Tourismusindustrie ist das Verantwortungsbewusstsein in den letzten Jahren gestiegen, trotz des harten Konkurrenzkampfes. Es gibt immer mehr Leute, die sich sehr engagieren. Ihnen ist klar, dass ohne mehr Engagement und Rücksichtsnahme in wenigen Jahren auch die letzten schönen Erholungsgebiete kulturell und ökologisch zerstört sein werden.

OnlineReports: Bewegte sich ausserhalb der Schweiz, die eines der reichsten und reisefreudigsten Völker hat, auch etwas?

Plüss: In Europa sicher. Ein Beispiel: Vor zehn Jahren sprachen wir in Madrid mit der Tourismusbranche über globale Ethik. Ich sagte Francesco Frangalli, dem Generalsekretär der UNO-Welttourismusorganisation, dass auch der klimaschädliche Luftverkehr hinterfragt werden müsse. Er wusste nicht einmal, wovon ich sprach! Das Fliegen etwas Negatives? Heute wird er nicht müde, für bessere Flugzeuge und ernsthaften Klimaschutz zu werben. In zehn Jahren hat sich das Bewusstsein in Sachen Umwelt und Sozialem geändert. Jetzt steht sogar die "Armutsbekämpfung" im Tourismus zur Diskussion.

OnlineReports: Aber doch nur, weil Armut und die Zerstörung der Natur durch menschliche Einflüsse den Reisezielen ihren Reiz rauben.

Plüss: Klar. Frangalli erkannte, dass der Reisebranche die Felle davonschwimmen. Er nutzt in gewissem Sinn die Stimmung der laufenden Klima- und Armutsdebatte: Der globale Tourismus sei die stärkste  Wirtschaftskraft, um das Millenniumsziel zu erreichen, vertritt er heute. Da ist immer noch viel Rhetorik, aber das Bewusstsein, dass sich die Dinge ändern müssen, ist da.
 

"Die Konkurrenz ist knallhart."


Wie aber der "neue" Tourismus die Entwicklung fördert und die Natur schont, das muss erst noch bewiesen werden. Denn Konkurrenz und Preiskampf sind nach wie vor knallhart, und die Leute wollen immer noch möglichst günstig reisen – obwohl dies in der Regel weder umweltverträglich noch sozial ist.

OnlineReports: Dazu müssen sich also die Reiseanbieter und ihre Kundschaft ändern. Ist das realistisch?

Plüss: Schon jetzt gibt es viele engagierte Leute in der Branche. Touroperators oder Touristen sollen nicht einfach als "hirnlose Idioten" ins böse Eck gestellt werden. Aber die Rezepte, wie der Welttourismus als Mitverursacher dem Klimawandel, der Umweltzerstörung und der Armut zu begegnen hat, sind noch nicht überzeugend. Auch da wird immer noch zuviel geschwatzt anstatt gehandelt.

OnlineReports: Zu den Menschenrechten: Kann ich als Tourist Ferien in einer Diktatur machen, wo Menschen unterdrückt und gefoltert werden?

Plüss: Diese Frage lässt sich weder pauschal noch global beantworten. Sicher ist:  Tourismus kann auf vielen Ebenen zur Verletzung der Menschenrechte beitragen.

OnlineReports: Beispiele?

Plüss: Zum Beispiel das Abzapfen von Wasser, auf das die einheimische Bevölkerung angewiesen ist, Landenteignungen für Hotelkomplexe und Golfplätze, die weit verbreitete Ausbeutung der Hotelangestellten oder der sexuelle Missbrauch von Kindern und Frauen durch Touristen.
 

"In Diktaturen floriert der Tourismus besonders."


Tatsache ist, dass der Tourismus besonders in diktatorisch geführten Staaten floriert. Diktatoren sorgen auf Kosten ihrer Völker für "Ruhe und Ordnung". Das sahen wir in Griechenland unter den Generälen und in Spanien unter General Franco. Und das erleben wir heute in Burma, auf den Malediven und in etwas weniger gravierender Form wohl in vielen autoritär geführten Staaten, wo Herr und Frau Schweizer gerne ihre Ferien verbringen wie Ägypten oder Tunesien.

OnlineReports: Das wären also Länder, um die ich als Tourist einen weiten Bogen machen sollte?

Plüss: Wir vom Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung sagen: Das hängt davon ab, was die Menschen im Ferienland selber sagen. Ich würde nie leichtfertig einfach von der Schweiz aus zumr Boykott eines Landes aufrufen. In Burma gibt es aber eine gewählte demokratische Bewegung, die 1990 die Wahlen haushoch gewann, aber nie zur Macht zugelassen wurde. Ihre Führerin, die Friedensnobelpreis-Trägerin Aung San Suu Ky, wiederholt bis heute: "Kommen Sie jetzt nicht nach Burma. Weder als Touristen, noch als Investoren!" Klar, dass wir diese Stimme aufnehmen, damit sie hier gehört wird. Ich kenne kein anderes Land, das die gleiche Situation hätte. Im Gegenteil: In Tibet ist die tibetische Minderheit froh, wenn Touristen kommen und Zeugen werden von der gewaltsamen Niederschlagung ihrer Proteste. Zusammengefasst: Es gibt kein Pauschalrezept.


OnlineReports: Was aber ist mit Volksgruppen, die sich in Ferienländern gar nicht äussern können, wie etwa viele der vom Tourismus betroffenen indigenen Völker?

Plüss: Eines unserer wichtigsten Anliegen ist es, dass solche Leute das Recht erhalten, sich überhaupt dazu äussern zu können. Wir versuchen, diesen Stimmen Gehör zu verschaffen, zu Beispiel mit unserer von der Eidgenossenschaft mitfinanzierten Homepage. Ganz wichtig ist, dass Indigene, Frauen und Kinder oder Tourismusangestellte auf Organisationen zählen können, die sie stärken – politische Gruppen, Kirchen, Menschenrechtsorganisationen. Ich bin nicht naiv. Wir wissen an den meisten Orten überhaupt nicht, was die Leute über den Tourismus denken. Doch in der Regel haben sie keine Wahl und werden auch nicht gefragt.
 
OnlineReports: Zum Sextourismus, den Sie aus Menschenrechtsgründen schon seit langem bekämpfen: Hat sich hier etwas bewegt?

Plüss: Der Sextourismus, insbesondere der Kindersextourismus, ist heute verpönt. Vor zwanzig Jahren noch wurden beispielsweise die Flüge der "Bumsbomber" nach Thailand von der Tourismusbranche als notwendiges Übel und als Marktchance für das Ferienland betrachtet. Heute gibt es klar definierte Massnahmen gegen den Missbrauch von Kindern im Verhaltenskodex der Tourismusindustrie. Trotzdem gibt es immer noch viel zu viele Kinder, die unter Kinderhandel oder sexueller Ausbeutung leiden. Verantwortlich dafür sind Armut, fehlende Schulen, Eltern, die wegziehen, Aids-Waisen und natürlich das gewissenlose Verhalten skrupelloser Sextouristen. Ob sich unter dem Strich etwas für die Betroffenen geändert hat, ist schwer zu sagen.
 

"Die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger
ist ein Verbrechen."


Ich war diesen Sommer in einer Stadt an der Ostküste Brasiliens und sah, wie sich zahlreiche Kinder gerade auch Schweizer Sextouristen anboten. Brasilien ist nach der Tsunami-Katastrophe in Thailand zu einem besonders beliebten Ziel von Sextouristen geworden. In diesem Zusammenhang muss gesagt werden: Die sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen ist ein Verbrechen und muss unbedingt geahndet werden. Jeder Tourist und jede Touristin soll sich dessen bewusst sein und wenn immer möglich die Sexverbrecher auch anzeigen. Die Täter sollen wissen, dass Reisende sie beobachten! Und dass das, was sie mit Kindern in Not treiben, eine schwere Straftat ist und sie vor Gericht bringt.

OnlineReports: Wie wirken sich die explodierenden Lebensmittel und Treibstoffpreise und die damit einhergehenden Hungerkrisen der letzten Monate auf das Reisegeschäft aus? Bahnt sich hier das Ende der globalen Reise-Euphorie an?

 

Plüss: Das Thema der sich verknappenden Ressourcen ist hoch explosiv. Die Hungerkrise hat mich zutiefst schockiert. Dass es gerade in Ägypten, dieser beliebten Touristendestination, zu einer Brotrevolte kam, ist alarmierend. Leute, die mit einem Dollar pro Tag leben müssen, können sich nicht mehr ernähren!
 

"Das Reisen muss wieder
zu einem kostbaren Gut werden."


Ich empfinde dieses Nebeneinander von Verwöhn-Tourismus und absoluter Armut im Zusammenhang mit der wachsenden Verknappung von Wasser und Nahrung als äusserst bedrohlich. Ehrlich gesagt, weiss ich nicht, wohin diese Probleme die Tourismusbranche ohne tiefgreifende Verhaltensänderung von uns allen führen werden. Jedenfalls wird uns dies alles noch  schwer beschäftigen. Denn nur schon dieses Nebeneinander von bitterarmen Slums und traumhaften Luxushotels ist unerträglich und birgt zunehmend mehr Konfliktpotential.

OnlineReports: Der Trend zeigt uns aber, dass immer mehr Menschen reisen wollen. Sollten wir statt dessen besser zuhause bleiben?

Plüss: Nein, das Reisen kann eine riesige Chance sein. Und es muss nicht zwangsläufig zu mehr Ungerechtigkeit und Zerstörung führen. Ich wünsche mir, dass ganz viele Leute auf dieser Welt die Chance haben, wenigstens einmal eine Reise zu machen, um etwas ganz anderes kennen zu lernen, andere Menschen, Landschaften und Kulturen zu erleben und zurückzukommen und erzählen zu können. Das fände ich schön, denn heute reisen nur gerade etwa fünf Prozent aller Menschen über die Grenzen. Reisen ist immer noch das Privileg von ganz wenig Menschen.

OnlineReports: Wenn alle reisen könnten, wäre die Zerstörung der Umwelt ja gigantisch.

Plüss: Ja, wenn die Art des Reisens nicht geändert würde. Der Tourismus dürfte nicht einfach nur mehr der Konsum einer privilegierten Minderheit sein. Das wäre auf die Dauer sowieso nicht vertretbar. Also müsste das Reisen wieder neu entdeckt werden: Als ein kostbares Erlebnis, das ich durch mein persönliches Engagement gestalte, und nicht mehr einfach als konsumierbares Produkt. Wir sollten auch beim Reisen wieder anspruchsvoller werden – uns gegenüber. Und wir sollten das Slow-down, die Verlangsamung, üben. Damit sind zwar bei weitem noch nicht alle Probleme des Tourismus gelöst, aber es wäre ein wichtiger Anfang. Jedenfalls muss das Reisen für uns privilegierte Touristinnen und Touristen wieder zu einem seltenen und kostbaren Gut werden.

26. Juli 2008

Weiterführende Links:


Argusauge auf den Tourismus

Der Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung Basel (akte) gilt als die einzige Fachstelle der Schweiz, die den Tourismus aus entwicklungspolitischer Sicht hinterfragt. Sie informiert Öffentlichkeit und Reisende, setzt sich für einen kritischen Dialog mit Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik für gerechte, faire Beziehungen im Tourismus ein und beobachtet mit Argusaugen die Entwicklungen in der Reisebranche. Der Verein akte wurde 1977 von Entwicklungsorganisationen, engagierten Reiseveranstaltern und Fachleuten gegründet. Als erster Sekretär wirkte der heutige Soziologieprofessor Ueli Mäder, als erste Präsidentin die Publizistin Regula Renschler. Die beiden bauten die Stelle mit viel Elan zu einer bald weit herum respektierten Organisation aus. Später übernahmen die Historikerin Christine Plüss und die Ethnologinnen Marianne Guyer und Gaby Fierz die Geschicke des Arbeitskreises. Die erst 2000 geschaffene Geschäftsstelle wurde von Plüss übernommen.

Heute zählt der Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung rund 130 Mitglieder. Es sind Institutionen, welche die Ziele des Vereins unterstützen und das Know-how der Fachstelle nutzen, aber auch interessierte Einzelmitglieder, die sich mit ihren Beiträgen und ihrem Fachwissen für die vielseitigen Aktivitäten des Arbeitskreises einsetzen.

Zu den Vollmitgliedern zählen: Fastenopfer, Swissaid, Brot für alle, HEKS, terres des hommes schweiz, Brücke-Le Pont, Co-Operaid, Christlicher Friedensdienst, Erklärung von Bern, mission 21, Schweizer Kolpingwerk, EED-Tourism Watch. 
Als zugewandte Organisationen wirken Unternehmen, Verbände und Fach(hoch)schulen aus dem Tourismus mit, darunter der Schweizerische Reisebüro-Verband und die Ombudsstelle der Reisebranche.



Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit des Bundes (DEZA) unterstützt den Arbeitskreis mit einem jährlichen Informationskredit.
 Dank Einzelspenden und Gönnerbeiträgen von Stiftungen und Unternehmen und Organisationen könne der Verein seine Aufgaben der Sensibilisierungs- und Lobbyarbeit "qualifiziert wahrnehmen", erklärt Christine Plüss.
 Mit dem neuen, vom Staatssekretariat für Wirtschaft Seco mitfinanzierten Reiseportal www.fairunterwegs.org habe sich die Arbeit des Arbeitskreises enorm dynamisiert. Plüss: "Wir haben heute Anfragen aus der ganzen Welt."


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"Einige Beispiele halte ich für problematisch"

Dazu sind Ferien ja da – um "das Gehirn auszuschalten". Wer kann da dem Reisenden böse sein? Wäre es denn Aufgabe der Touristen oder der Reisebüros, das zu erzwingen, was die Politiker nicht erreichen?

 

Natürlich gibt es auch im Tourismus so einiges, das Schaden verursacht. Dabei definiert oft der eigene, subjektive Standpunkt, was denn nun "Schaden" und was "Nutzen" ist. Den Tourismus oder sogar die Ferienreisenden – die das "Gehirn ausschalten" - aber für alles, was da auf der Erde so an Negativem passiert, mitverantwortlich zu machen, ist denn doch etwas überspitzt.

 

Frau Plüss macht zweifellos eine gute, wertvolle Arbeit. Allerdings finde ich einige ihrer Beispiele etwas sehr problematisch. Zumal wenn sie unendlich aufgeblasen werden: Man könnte ja meinen, die Tourismusindustrie lebe von sexueller Ausbeutung; aber dem ist durchaus nicht so – und das weiss Frau Plüss.

 

Die sehr differenzierte Beurteilung aber in Bezug auf das, was "richtig" oder "falsch" ist, wenn man in sogenannte „Diktaturen“ reist, ist hingegen beachtenswert. Der Respekt der Reisenden vor den Gegebenheiten im Gastland ist denn auch mit einer der – aus meiner Sicht – wohl wichtigsten, und von Frau Plüss durchaus in den letzten Jahrzehnten mitgestalteten Erfolge des "Arbeitskreises". In dieser Hinsicht nämlich darf der Tourist tatsächlich sein Gehirn nicht ausschalten – er ist Gast und sollte sich entsprechend verhalten.

 

So viel aber müssen wir doch festhalten: Schweizer Touristen sind überall angesehen und geschätzt, weil sie eben gerade diesen Respekt nicht vermissen lassen. Dass der Arbeitskreis auch dafür Einfluss über die grossen Reiseveranstalter ausgeübt hat, ist verdankenswert. Aber ebenso erwähnenswert wäre doch gewesen, dass die Bemühungen des "Arbeitkreises" insbesondere durch die grossen Schweizer Reiseveranstalter unterstützt und gefördert worden ist. Es reicht nicht, wenn Frau Plüss – fast schon gönnerhaft – erwähnt: "Touroperators oder Touristen sollen nicht einfach als 'hirnlose Idioten' ins böse Ecke gestellt werden."

 

Noch ein Zitat: "Der Tourismus dürfte nicht einfach nur mehr der Konsum einer privilegierten Minderheit sein." Dabei hat Frau Plüss gerade noch erwähnt, dass 2007 "900 Millionen Reisende international unterwegs" gewesen seien. Natürlich sind 900 Millionen gemessen an 7 Milliarden Menschen keine Mehrheit – aber dass diese "privilegierte Minderheit" wohl einigen hundert Millionen Menschen zu Arbeit und Brot verhilft, sollte man nicht übersehen.

 

Fazit: Der "Arbeitskreis" tut eine wichtige, anerkennenswerte Arbeit; aber diese wird nicht besser, wenn man die Tourismusbranche in ein schiefes Licht rückt. Tourismus ist nicht nur einer der grössten, wichtigsten Arbeitgeber auf dieser Erde, sondern er ist es oft sogar in strukturschwachen Gebieten; und das in den meisten Ländern! Einseitig nur die negativen Einflüsse hervorzuheben, ohne die weit überwiegenden positiven, ist ungenügend.


Peter Waldner, Basel



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"Eine Wild!stauden-Mischpflanzung für mehr Biodiversität"

Gemeinde Riehen
Titel einer Medienmitteilung
vom 30. März 2021
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Neue Schreib!weise für Gender*neutralität im Flora?Bereich.

RückSpiegel


In ihrem Report über die Basler LDP nimmt die WochenZeitung (WoZ) Bezug auf ein OnlineReports-Interview mit LDP-Grossrat Michael Hug.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Psychoterror in einem Arlesheimer Wohnblock auf.

Die BZ greift in ihrem Artikel "Bikini-Gate im Schrebergarten" einen Artikel von OnlineReports auf.

Den OnlineReports-Bericht über Masken-Sicherheit an Spital-Porten nahm die Konsumenten-Sendung "Espresso" von Radio SRF zum Anlass, das Thema vertieft zu untersuchen.

Blick, Telebasel, 20 Minuten und die BZ nahmen die OnlineReports-News über die Strafanzeigen gegen den ausländerfeindlichen Basler Grossrat E. W. auf.

Die BZ, die zu Recht die Intransparenz der Baselbieter Steuer(ab)rechnungen kritisierte, nahm in ihren Nachzug auf einen bestätigenden OnlineReports-Kommentar Bezug.

Prime News ging in der Kritik an "Weltwoche"-Kolumnist Christoph Mörgeli auf einen satirischen OnlineReports-Text über Lukas Engelberger ein.

Der Tages-Anzeiger bezog sich in einem Artikel über Impf-Privilegien auch auf einen OnlineReports-Artikel über UKBB-CEO Marco Fsicher.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Abschiedstext über den Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels in Text und Bild auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-Todesnachricht über alt-Landrat Peter H. Müller wurde von der BZ aufgenommen.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über die Schliessung des Zeitungsladens "Press&Books" auf der Basler SBB-Passerelle auf.

Telebasel, das Regionaljournal und die Basler Zeitung nahmen in ihren Nachrufen auf Corina Christen auf OnlineReports Bezug.

Der OnlineReports-Primeur über den Rücktritt das Basler Grünen-Präsidenten Harald Friedl nahmen die BZ, Prime News, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und Telebasel auf.

Die Medienwoche berichtete bezüglich einer "Weltwoche"-Falschmeldung über den Basler Regierungsrat Lukas Engelberger darüber, dass Mörgeli die humoristische Gedankenspielerei auf Onlinereports.ch für bare Münze nahm.

In ihrer Presseschau über die Basler Regierungsratswahlen zitierete die BZ ausführlich aus OnlineReports.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-News über einen geplatzten Baselbieter Strafprozess auf.

Die Wochenzeitung ging in ihrem Bericht über den Abbau in grossen Schweizer Zeitungsredaktion auch auf "kleinere Player" wie OnlineReports ein.

Die BZ zieht den OnlineReports-Report über den Verzicht auf das Muttenzer Multiplex-Kino der "Kitag AG" nach.

Die OnlineReports-News über die Schliessung eines Tanzlokals in der Basler Innenstadt nahm die BZ auf.

In ihrer Besprechung von Roland Starks Kolumne-Buch "Stark!" nimmt die Volksstimme auf OnlineReports Bezug.

Die BZ kritisierte den designierten Basler SP-Regierungsrat Beat Jans für seinen Twitter-Tweet: "Wieso muss man in unserer Region eigentlich 'Onlinereports' lesen, wenn man sich umfassend informieren, statt belehren lassen will?"

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Der 615. Liestaler Banntag vom 10. Mai ist durch einen Beschluss der vier Rottenchefs aus pandemischen Gründen abgesagt worden.

Innerhalb von zwei Wochen sind über 3’000 Unterschriften gegen die vom Grossen Rat beschlossene Abschaffung der Parkplätze beim Friedhof Hörnli zusammengekommen.

Daniel Urech, Gemeinderat der Freien Wähler Dornach und Kantonsrat der Grünen Solothurn, tritt für das Gemeindepräsidium Dornach an.

Mit einer Geschwindigkeit von 124 km/h statt der erlaubten 60 km/h erwischte die Polizei am 29. März auf der Oristalstrasse in Liestal einen 33-jährigen italienischen PW-Lenker, der in Richtung Büren raste und es jetzt mit der Justiz zu tun bekommt.

Die neugewählten Basler Regierungsmitglieder Esther Keller (GLP) und Kaspar Sutter (SP) wurden zu neuen Verwaltungsratsmitgliedern des EuroAirport ernannt.

Das Referendum gegen eine flächendeckende Parkraum-Bewirtschaftung in Allschwil ist mit über 800 Unterschriften zustande gekommen; das Quorum beträgt 500 Unterschriften.

Waltraud Parisot wird neue Verwaltungs-Chefin an der Musik-Akademie Basel und damit Nachfolgerin von Marc de Haller, der nach 18 Dienstjahren regulär pensioniert wird.

Lina Arti hat heute als 10'000. Baslerin im Impfzentrum die Corona-Zweitimpfung und von Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger einen grossen Blumenstrauss erhalten.

Der Kanton Basel-Stadt hat bis 2. März gesamthaft 25,2 Millionen Franken A-fonds-perdu-Beiträge aus dem Härtefall-Programm an Unternehmen ausbezahlt und 4,9 Millionen Franken Bürgschaften für KMU-Kredite bewilligt.

Dominik Scherrer wird als Nachfolger von Titus Hell neuer Präsident der Jungfreisinnigen Basel-Stadt.

Die Fluxdock AG wird den Kasernen-Hauptbau betreiben, in dem Anfang 2022 das Kultur- und Kreativzentrum seine Tore öffnet.

Marcus Vetter ist neuer Chefarzt für Onkologie und Hämatologie des Kantonsspitals Baselland.

Alexa Ipen-Providoli wird ab 1. April neue Leiterin des Amtes für Beistandschaften und Erwachsenenschutz und damit Nachfolgerin von Sarah Thönen, die ins Erziehungsdepartement wechselt.

Bis 1. Februar erhielten in Basel-Stadt über 9'800 Personen eine erste Impfdosis gegen das Coronavirus, über 3'700 weitere Personen haben bereits zwei Dosen erhalten.

Das Kantonale Laboratorium Basel-Stadt hat bei 36 Haarfärbemittel-Proben neun Produkte mit einem Verkaufsverbot belegt.

Die Wahlvorbereitungs-Kommission beantragt dem Grossen Rat, am 10. März Staatsanwalt Urs Jürg Müller-Egli zum Leitenden Staatsanwalt und Leiter der Allgemeinen Abteilung zu wählen.

Elisabeth Simon wird am 1. August neue Rektorin des Gymnasiums Bäumlihof und somit Nachfolgerin von Anna-Katharina Schmid, die auf diesen Zeitpunkt in Pension geht.

Mit einer Mehrheit von 89,4 Prozent beschlossen die Mitglieder der CVP Basel-Stadt am 25. Januar den Namenswechsel in "Die Mitte Basel-Stadt".

Gegen die Kreditbewilligung des Landrates in Höhe von 17,15 Millionen Franken für die Verlängerung der Tramlinie 14 von Pratteln nach Augst reichte am 25. Januar die Aktionsgruppe "aapacke" Pratteln das Referendum ein.

Mark Eichner (Präsident), Carol Baltermia, Liselotte Henz, Isabelle Mati und Karin Sartorius bilden die Findungskommission zur Evaluation eines neuen Basler FDP-Präsidiums.

Medbase und das Kantonsspital Baselland (KSBL) werden das "Regionale Gesundheitszentrum Laufen" im "Birs Center" betreiben und damit ein breites ambulantes Angebot mit Notfallversorgung anbieten.