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"Für mich ist er ein Willi Tell": Zerstörungsobjekt Blechpolizist

Blechpolizist-Angreifer von "Radarfluh" muss vor Gericht

In tiefer Nacht setzte er in Rothenfluh einen verhassten Blitzerkasten ausser Gefecht


Von Peter Knechtli


Seit der Tempo-Blitzerkasten am Dorfeingang gesprengt wurde, heisst Rothenfluh alternativ auch "Radarfluh". Im Frühling muss sich der vermutete Täter vor dem Strafgericht verantworten. Ihm begegnet auch Solidarität.


Wer von Ormalingen nach Rothenfluh fährt, erreicht das Dorf auf einer schnurgeraden Strasse, die schon im Bereich der ersten Häuser mit "Tempo 50" markiert ist. Automobilisten liessen ihren Wagen dann noch etwas über dieser Marke "auslaufen" oder beschleunigten dorfauswärts schon etwas früh. Davon ist zumindest auszugehen angesichts der Tatsache, dass sich im fraglichen Raum ein Blechpolizist um Verstösse gegen die Temporegel kümmerte.

"Horror-Knall-Rakete" gezündet

Der grüne Kasten im offenen Gelände erfreute sich bei einigen Automobilisten nicht grosser Beliebtheit. Am Morgen des 11. November 2018, um 3.39 Uhr, krachte es in der Grünrabatte. Ein damals 22-jähriger Mann aus einem der Nachbardörfer setzte dem Blechpolizisten ein sofortiges Ende.

Noch vor dem Morgengrauen hatte er an der "semistationären Radaranlage" (so die offizielle Bezeichnung) eine "Horror-Knall-Rakete" (so die Anklageschrift) mit Malerklebeband befestigt. Die Staatsanwaltschaft bezeichnet diese "Rakete" als ein "pyrotechnisches Erzeugnis mit einem brisanten Blitzknallsatz", der einen entsprechend "grossen Explosionsdruck und Knalleffekt" bewirkt. Dann zündete er die Litze.

Weniger als einen Monat später war ihm die Polizei auf die Schliche gekommen. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, wurde er am 5. Dezember 2018 um sechs Uhr morgens verhaftet und nach gut vier Stunden frei gelassen.

11'200.80 Franken Schaden

Jetzt hat die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen "Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht" sowie wegen Sachbeschädigung Anklage erhoben. Privatklägerin war die Polizei Basel-Landschaft, vertreten durch Stephanie Eymann, der Chefin der Baselbieter Verkehrspolizei. Sie macht einen Schaden von 11'200.80 Franken geltend.

Ob er diesen happigen Betrag gänzlich aus dem eigenen Sack zahlen muss, ist noch offen. Er ist nicht der Einzige, bei dem der verhasste Blech-Blitzer Aggressionsgefühle auslöste:  Eine unserer Redaktion bekannte Quelle aus Rothenfluh hatte sich auch schon "ernsthaft überlegt, die Anlage mit schwarzem Metallgrundierer zu besprayen".

Diese Person hatte nämlich soeben gelesen, dass "die schweizerischen Regierungen für 2019 gesamthaft einen Bussen-Totalbetrag von einer Viertelmilliarde Franken im Budget voranschlagen". Dass es mit diesem happigen Betrag nur um Verkehrssicherheit geht, mag die Quelle nicht glauben.

"Den Gesslerhut von der Stange geholt"

Denn in Rothenfluh stand die Radaranlage jenes Jahr "vier Mal über Monate oder Wochen an verstecktem, unnötigem Ort". Keinen Menschen sehe man dort je auf der Strasse. Selbst der Gemeindepräsident habe sich öffentlich kritisch zu dieser Massierung geäussert.

Der verärgerte Automobilist erwog sodann einen Fan-Club zu gründen, um "diesen Mann mit einem symbolischen Geldbetrag unterstützen". Mit "diesem Mann" ist der Angeklagte gemeint. "Für mich ist er ein Willi Tell, der den Gesslerhut von der Stange geholt hat!"

Wie das Dreiergericht den Fall beurteilt, wird am 19. Mai bekannt. Dann findet die Verhandlung am Strafgericht in Muttenz statt.

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6. März 2020

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