Kämpft gegen Bedrohung und Vertreibung: Zeitschrift "Pogrom"

"Pogrom", die Zeitschrift für die Ohnmächtigen

Die Zeitschrift der "Gesellschaft für bedrohte Völker" hat mit bisher 200 Ausgaben gegen Unrecht, Folter und Genozide angeschrieben


Von Ruedi Suter


Sie schreibt für die Ohnmächtigen, Ungehörten und Rechtlosen. Sie nennt Folter, Unterdrückung und Völkermord beim Namen. Und sie gibt den Opfern der Diktaturen, Kolonien und Konzerne eine Stimme: "Pogrom", die Zeitschrift der seit 30 Jahre tätigen "Gesellschaft für bedrohte Völker". Eine Würdigung der sich hartnäckig gegen den Zeitgeist stemmenden Publikation aus Anlass der 200. Ausgabe.


"Pogrom"? Der Begriff weckt üble Assoziationen, hat nichts Beruhigendes und nichts Tröstliches. Vielmehr schockt er, wühlt auf und hallt unangenehm nach. "Pogrom" ist ein Anti-Titel für eine Zeitschrift, die gelesen sein will. Dennoch ist "Pogrom, die Zeitschrift für bedrohte Völker" im deutschsprachigen Raum die vielleicht wichtigste regelmässig erscheinende Publikation zum Thema bedrohte Völker und Menschenrechte.

Sie vermittelt, was in einer Welt vor lauter Fun, Trends und virtueller Realiäten zusehends verloren geht: relevante Inhalte. Über Leben und Tod, über Frauen und Männer, die tagtäglich und von der sogenannten Weltöffentlichkeit weitgehend ignoriert oft unter grösster Gefahr gegen das Kaputtmachen ihrer alten Kulturen und Rechte sowie für die Rettung ihrer bedrohten Lebensgrundlagen kämpfen.

Eine Gegenstimme zu den Vertuschungsmedien

Was die wild wuchernde Industrie der Vertuschungsmedien an Ablenkungen, Banalitäten und Lächerlichem produziert, versucht Pogrom (Auflage 7.000 Exemplare) trotz beschämend wenig Mittel alle zwei Monate mit seiner durchschnittlich 60-seitigen Lektüre pflichtbewusst und professionell aufzufangen. Eine Leistung, die Respekt verlangt.

Die Zeitschrift der "Gesellschaft für bedrohte Völker" (GfbV) wird im Zeitalter der Globalisierung, des Nachrichten-Overkills, der Schnelllebigkeit und galoppierenden Vergesslichkeit für die Betroffenen und für die Leserschaft im Ozean der Informationen zusehends zu einer Art Rettungsinsel.

Verdrängte Themen werden hartnäckig in Erinnerung gerufen

• Pogrom verleiht unbekannten, bedrohten oder wehrlosen Völkern und Gruppen im deutschen Sprachraum wider jede mediale Modeströmung eine dauernd hörbare Stimme.

• Die Zeitschrift sortiert die Nachrichtenflut und prangert seit ihrem ersten Erscheinen im April 1970 mit engagierten Recherchen unbeirrbar und hartnäckig Menschenrechtsverletzungen an: Völkermorde, Vertreibungen, kollektive Diskriminierungen, Unterdrückung, Folter, Vernichtung von Kulturen und Lebensräumen.

• Pogrom verbalisiert und druckt Kampagnen zur Unterstützung bedrohter Völker und erarbeitet einschlägige Dokumentationen zuhanden von Politikern, Medienleuten, Hilfswerken und anderen Interessierten. Erinnert sei nur an die umfangreichen Aktionen der ersten grossen Europa-Delegationen nordamerikanischer Indianer, die vielen Europäern erstmals bewusst machten, dass der bei Menschenrechten gerne grosse Besorgnis markierende Weltpolizist USA die Rechte seiner Urbevölkerung immer noch mit den Füssen tritt.

Erinnert sei weiter an die von der Zeitschrift geforderte Anerkennung der Sinti und Roma als Holocaust-Opfer. Oder an die seit Jahrezehnten hartnäckig mit Berichten gebrandmarkten Genozide des Irans, Iraks und der Türkei gegen die Kurden; des Nordsudans gegen den Süden; Indonesiens gegen Osttimor; Jugoslawiens gegen den Kosova.

Täter und Untaten beim Namen genannt

• Gleichzeitig, und dies ist besonders wichtig, ermutigt die Zeitschrift mit ihren zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Betroffenen in ihrem Kampf um Gerechtigkeit und Überleben. Getreu Ihrem Grundsatz, den Unterdrückten zur Seite zu stehen und entsprechend ihrem aufwühlenden Titel macht sie bekannt, was sonst kaum bekannt würde: Sie nennt die Namen und Taten der Untäter, egal, ob diese nun Staaten, Konzerne, Gruppen oder Einzelfiguren sind. Und sie analysiert, stellt Forderungen auf und Zusammenhänge her.

Dass diese Arbeit mitunter ungenau, einseitig oder gar irreführend sein kann, liegt auf der Hand und hat weniger mit dem schlechten Willen oder den oft fehlenden Recherchiermöglichkeiten der Berichterstattenden vor Ort als mit der Materie selbst zu tun.

Denn: Wo um das nackte Überleben gekämpft wird, entwickeln sich bei den Betroffenen meistens auch verschiedene Ansichten, Gruppierungen und Strategien, die zu Streit und Missgunst führen können. Sich hier als zumeist fremdsprachiger Aussenstehender so objektiv wie möglich an die Wahrheit heranzutasten, ist ein Kunststück, das lange nicht immer gelingt.

Kein taktisches Totschweigen

Gleichwohl muss sich Pogrom bewusst auch Einseitigkeiten und klare Positionsbezüge zugunsten bedrohter Menschen und Völker leisten können. Ohne dieses Recht zur Parteinahme würde Pogrom rasch zum Komplizen der überall grassierenden Unverbindlichkeit oder, schlimmer noch, des taktischen Totschweigens. So hilflos und ausgeliefert die von Pogrom vertretenen Völker oft leben müssen, so (über-)mächtig sind die Gegner mit ihren PR-Walzen, Armeen, Kommunikationssystemen und Finanzmitteln.

Die Existenz der Zeitschrift ist ja nicht zuletzt auch dem Irrglauben zu verdanken, der Kolonialismus sei schon längst tot. Dass dessen brutalste Seiten nach wie vor eine zentrale Rolle in der Geopolitik und Weltwirtschaft spielen, beweisen täglich und weltweit die Leiden der 300 bis 500 indigenen Völker.

Aus ihren Gebieten holen die Nationalstaaten im Verbund mit den Konzernen beinahe immer ungefragt und entschädigungslos die Rohstoffe zum Schmieren unserer Zivilisation heraus. Und in ihren Gebieten werden bevorzugt A-Waffen getestet, Giftmüll verbuddelt und Staudämme hochbetoniert. Zurück bleiben zerstörte Lebensgrundlagen und entwurzelte und verzweifelte Menschen.

Bunte Vielfalt statt globaler Eintopf

Nicht zuletzt dank Pogrom konnten in den letzten Jahren solche Zusammenhänge der deutschsprachige Öffentlichkeit aufgezeigt und die GfbV vergrössert werden. Denn unterdessen ist die in Deutschland 1970 aus der "Aktion Biafrahilfe" entstandene Gesellschaft mit nationalen Ablegern in Italien, Österreich, Luxemburg, Bosnien-Herzegowina und der Schweiz erweitert worden. (Die Schweizer Sektion mit Sitz in Bern gibt eine eigene kleine Zeitschrift heraus: "Die Vielfalt".)

Ein weiterer Nebeneffekt erwirkte die Zeitschrift schliesslich damit, dass sie die Leserschaft immer wieder über Völker in Kenntnis setzte, deren Namen nicht einmal bekannt waren. So macht Pogrom die Welt wieder vielfältiger, einfach darum, weil die Zeitschrift sorgfältig wahrnimmt, was wirklich vorhanden ist: Kein globaler Eintopf, sondern eine bunte Vielfalt verschiedenartigster Völker.

Heute wissen wir zweifelsohne mehr über die Existenz und das Schicksal der Urvölker. Und über ihre verblüffenden Überlebenstechniken und ihr uraltes Wissen, das auch uns wieder zugute kommen könnte. So bleibt nur noch ein Wunsch an die Macherinnen und Macher der zukünftigen Pogrom-Zeitschrift: Macht unbeirrt so weiter und lasst noch mehr jene direkt zu Wort kommen, für die ihr euch so einsetzt und von denen sonst kaum eine(r) spricht - die bedrohten, vergessenen und verdrängten Völker.

12. Januar 1999

Weiterführende Links:


Adressen:

"Pogrom, die Zeitschrift für bedrohte Völker"
c/o Gesellschaft für bedrohte Völker
Postfach 2024
D-37010 Göttingen
Fax: +49 551 58028
Email: pogrom@gfbv.de
Homepage: www.gfbv.de

Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz

Geschäftsstelle GfbV Schweiz
Schermenweg 154
CH-3072 Ostermundigen
Tel.: +41 (0) 31 939 00 00

E-Mail: info@gfbv.ch

Homepage: www.gfbv.ch


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https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Fraglos ist der Verbrunnungsmotor ein Meisterwerk der Ingenieurskunst"

BaZ online
vom 2. Oktober 2020
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das wären dann die revolutionären Wasser-Motoren.

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Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Auf der Autobahn A3 bei Eiken, wo120 km/h erlaubt sind, wurde am frühen Morgen des 24. Oktober eine Autofahrerin mit Tempo 214 km/h als Raserin geblitzt.

Die Basler Juso bitten die Regierung in einer Petition, sich aktiv dafür einzusetzen, 100 Menschen aus dem Camp Moria in den Kanton Basel-Stadt aufzunehmen.

Der Stiftungsrat der Stiftung Brasilea hat die 37-jährige brasilianisch-schweizerische Doppelbürgerin Tatiana Andrade Vieira als neue Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Daniel Faust gewählt.

Die Basler SP hat am 16. Oktober ihre Initiative "Kinderbetreuung für alle" mit über 3'000 Unterschriften eingereicht.

Dominik Beeler wird neuer Präsident der Grünen Liestal und damit Nachfolger von Erika Eichenberger.

Die Volksinitiative "für ein klimagerechtes Basel", die die Treibhausgas-Emissionen in Basel-Stadt bis 2030 auf Null senken will, ist am 8. Oktober mit über 3'700 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht worden.

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Binningen hat die SP-Initaitive gegen den Verkauf von gemeindeeigenem Boden mit  2'823 Ja gegen 2'809 Nein hauchdünn angenommen.

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Der Deutsche Florian Röthlingshöfer wird neuer Direktor der Schweizerischen Rheinhäfen und Nachfolger von Hans-Peter Hadorn, der Ende Jahr abtreten wird.

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Ralph Lewin und Andreas Sturm stellen sich nach über zehnjähriger Amtszeit nicht mehr für eine Wiederwahl für die nächste Amtsperiode im Bankrat der Basler Kantonalbank zur Verfügung.

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