© Foto by Peter Knechli, OnlineReports.ch
"Das alles geht aber sehr schnell": Basler Bus-Passagierin

Wenn es plötzlich rumpelt im Fahrgast-Raum

Vollbremsungen in Bus und Tram können für die Passagiere schwerwiegende Folgen haben


Von Fabian Schwarzenbach


Es ist ein Zielkonflikt der gröberen Sorte: Wenn ein Buschauffeur oder eine Wagenführerin voll in die Bremse tritt, um eine Kollision zu verhindern, kann es im Fahrgast-Raum zu schweren Verletzungen kommen – auch schon mit Todesfolge. Doch es gibt Möglichkeiten, vorzubeugen, dass der Körper nicht zum Geschoss wird.


Forscher arbeiten an dem Problem. Chauffeuren wird es in der Fahrschule verständlich gemacht und die Prävention kümmert sich darum: Fahrgastunfälle. Meist vermeidbar, wenn sich Fahrgäste hinsetzen oder sich festhalten. Und der umgebende Verkehr auf den Öffentlichen Rücksicht nimmt.

Wenn ein Bus- oder ein Tramchauffeur eine Vollbremsung durchführen muss, dann wird es für die Passagiere unangenehm – für die stehenden mehr, als für die sitzenden. Kann sich ein Fahrgast nicht mehr an einer Stange halten, so liegt er im dümmsten Fall auf dem Boden oder schlägt sich den Kopf an einem Sitz oder einer Stange an.

0,8 G bei einer Vollbremsung

Solche Unfälle kommen vor, im grösseren Rahmen kürzlich in einem 48er-Bus an der Wanderstrasse (OnlineReports berichtete). Bernhard Gerster, Professor für Automobiltechnik an der Fachhochschule Bern, rechnet vor, was bei einer Vollbremsung geschieht: "Es wirken Kräfte von 0,8 G auf den Körper, also 80 Prozent des Eigengewichtes". Ein Fahrgast mit 75 Kilogramm Körpergewicht muss bei einer Vollbremsung 60 Kilogramm mit der Hand an einer Haltestange wiederstehen. "Das alles geht aber sehr schnell", betont Gerster.

Einer, der selber bereits einen solchen Fall erlebt hat, ist der Sekretär des Personalverbandes Städtischer Verkehrsbetriebe Basel (PSVB), Christoph Steinmann. "Mir fuhr ein Velofahrer vor das Tram", erzählt der Wagenführer und erläutert seine zwei Varianten, die ihm zur Verfügung standen: "Entweder ich mache eine Vollbremsung und hinten fliegt jemand oder ich erwische den Velofahrer". Steinmann hat gebremst und im Fahrgastraum ist jemand gestürzt.

Chauffeure zweifeln am Handeln

"Das geht nicht spurlos an einem vorbei", meint er mit ernster Stimme. Hinterher kämen immer Zweifel auf: "Habe ich alles gemacht, um Schlimmeres zu verhindern?", fragt er sich noch heute. Steinmann fährt wie alle seine Kolleginnen und Kollegen mit diesem Risiko.

Diese Gefahr kennt auch Markus Hegglin. Das Vorstandsmitglied der "Interessengemeinschaft Öffentlicher Verkehr" weiss, dass Chauffeure diesen Zielkonflikt täglich mit sich ausmachen müssen und für sie ein Dauerthema ist. Daher sei "wichtig", dass Wagenführer im Ernstfall Unterstützung und Betreuung erhalten. "Ein Care-Team kümmert sich dann um den Chauffeur", ist Steinmann froh.

Bremsmanöver mit Todesfolgen

Jelena Dobrivojevic ist das Brems-Problem bekannt. "Wir sensibilisieren unser Personal auch nach der Fahrschule laufend", sagt die Mediensprecherin der BVB. Passiert dann doch einmal etwas, empfiehlt sie dem Personal, lieber einmal zu oft die Sanität aufzubieten. Es gingen zu viele Personen nach Beinahe-Kollisionen nach Hause und bemerkten die Schmerzen erst Stunden später.

Einen solchen Unfall mit tödlichem Ausgang musste die Autobus AG Liestal (AAGL) im Januar 2011 bewältigen (OnlineReports berichtete). Ein Automobilist verhielt sich damals verkehrswidrig, worauf der Chauffeur des Linienbusses eine Vollbremsung einleiten musste. Ein Bus-Passagier starb an den Folgen von Verletzungen.

Wenn Fussgänger aufs Smartphone starren

"Wir haben den Vorfall intern thematisiert", erläutert Roman Stingelin. Der Geschäftsführer der AAGL ist überzeugt, dass in jedem Fall eine Vollbremsung zu machen sei. Bei einer Kollision gehe immer ein Ruck durch den Bus, wie auch beim anderen betroffenen Fahrzeug, meint Stingelin. "Daher muss der Chauffeur auf jeden Fall eine Vollbremsung machen, wenn sich damit eine Kollision vermeiden lässt." Dies sei auch der normale natürliche Reflex.

Prävention sei bei diesem Problem auf drei Ebenen nötig, meint Wissenschafter Gerster: "Bei den Fahrgästen, den Fahrern sowie beim umgebenden Verkehr." Letzterer macht dem Experten zunehmend Sorgen, insbesondere der Langsamverkehr mit Fussgängern und Velofahrern. "Fussgänger, die auf ihr Smartphone starren und plötzlich die Richtung wechseln, sind für Busfahrer sehr gefährlich", warnt er. Da nütze vorausschauendes Fahren, das allen Chauffeuren beigebracht werde, nichts, weil der Chauffeur sonst beinahe permanent auf der Bremse stehen müsste.

Ein Tram kann nicht ausweichen

Die BVB versucht mit weiteren Ansätzen, Sicherheits-Bewusstsein zu schaffen. "Vorsicht Tram", heisst eine derzeit laufende Kampagne. Da wird dem umgebenden Verkehr erklärt, dass das Tram (fast) immer Vortritt hat. Die Kampagne erinnert zudem, dass Trams einen anderen Bremsweg haben und nicht ausweichen können.

Um sich vor solchen Unfällen zu schützen, rät Steinmann den Fahrgästen: "Setzen sie sich oder halten sie sich fest". Er weist darauf hin, dass die Tram- und Buschauffeure nicht nach jedem Halt nach hinten kommen und nachschauen können, ob alle Fahrgäste sitzen und sich an Stangen festhalten.

Experte empfiehlt "Tarzan-Technik"

Ein Problem sieht Steinmann bei spielenden Kindern. Diese würden bei einer Vollbremsung durch den Fahrgast-Raum geschleudert. Mit der "Tarzantechnik" empfiehlt Stingelin einen hilfreichen Trick: "Tarzan schwingt sich im Urwald von Liane zu Liane". Beinahe genauso sollen sich Fahrgäste von Haltestange zu Haltestange bewegen. Zudem sollten Passagiere immer den nächstbesten Sitzplatz nehmen, rät er.

Gurten hält Bernhard Gerster für keine Lösung, da die Gefährdung bei stehenden Passagieren am Grössten sei. "Die kann man nicht angurten". Daher empfiehlt der Experte, sich irgendwo anzulehnen, am besten in Fahrtrichtung. "Es reicht mit der Schulter". Den optimalsten Schutz hätten die rückwärts fahrenden sitzenden Passagiere, weil sie bei einer Vollbremsung gegen die Sitzlehnen gedrückt würden.

Weniger Unfälle bei ruppigen Chauffeuren

Gerster forscht in der aktiven und der passiven Sicherheit. Bei der "aktiven Sicherheit" werden Massnahmen gesucht, die helfen, Unfälle zu verhindern. Bei der Forschung im Bereich der "passiven Sicherheit" geht es um Versuche mit Crashtest-Dummies, um zu sehen, wie beispielsweise Innenräume von Bussen gestaltet werden könnten. Gerster führt diese "Crashtests" auch mit Linienbussen durch.

Der Automobiltechniker hat noch einen Ratschlag an die Busfahrer, der ziemlich unorthodox klingt: "Bus-Chauffeure sollen ruppig fahren". Es sei bewiesen, dass zackige Fahrer weniger Unfälle hätten, als solche, die fein fahren, erläutert Gerster. "Bei einem ruppigen Fahrstil suchen die Fahrgäste eher einen Sitzplatz oder halten sich fest", hat der Professor beobachtet. Bei Chauffeuren, die sehr fein anfahren, merken Fahrgäste teilweise nicht, dass der Bus bereits in Bewegung sei: "Dann halten sie sich nicht an einer Stange, was plötzlich sehr gefährlich sein kann". Trotzdem: "Dies ist keine Aufforderung für Chauffeure, wie die Irren rumzufahren", macht Gerster unmissverständlich klar.

3. Juni 2014

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https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Fraglos ist der Verbrunnungsmotor ein Meisterwerk der Ingenieurskunst"

BaZ online
vom 2. Oktober 2020
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das wären dann die revolutionären Wasser-Motoren.

RückSpiegel

 

Das SRF-Regionaljournal, die BZ, fasnacht.ch sowie LDP-Grossrat Michael Hug (Interpellation) nahmen die OnlineReports-Recherche über Lärmprobleme durch Trommler, Pfeifer und Gugge in Kleinhüningen auf.

Bajour schreibt, die Berichte von OnlineReports zur Baselbieter Velobahn-Affäre gefielen ihr "am besten".

In ihrem Kommentar über staatliche Medienförderung geht Prime News auf das über zwanzigjährige Bestehen von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung und die BZ zitierten in ihren Berichten über das Velobahn-Amigo-Geschäft von Klaus Kirchmayr und Isaac Reber ausführlich aus OnlineReports.

In ihrem Bericht über die Umgestaltung der Basler Meriangärten nimmt die BZ auf eine zuvor erschienene OnlineReports-Recherche Bezug.

Die Badische Zeitung zitierte in ihrer Vorwahl-Analyse der Basler Regierungs-Wahlen aus einem OnlineReports-Kommentar.

In der BZ-Kolumne nahm Daniel Wiener Bezug auf den OnlineReports-Kommentar über den Macht-Poker um die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

In ihrem Leitartikel über den Zustand des Kantons Basel-Stadt zitierte die BZ aus dem OnlineReports-Interview mit Michael Hug.

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

In ihrem Beitrag über den Protest gegen das "General Sutter"-Denkmal in Rünenberg nahm die BZ auf OnlineReports Bezug.

Die BZ zog die OnlineReports-News über den Rücktritt von Beat Jans als IWB-Verwaltungsrat nach.

Auch das Regionaljournal zog die OnlineReports-Geschichte über Probleme in den Familiengärten nach, verzichtete aber vornehm auf eine Quellenangabe.

Die BZ nahm die OnlineReports-Recherche über die erneute Schliessung der Familiengärten an der Landesgrenze auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Berufung des Staatsanwalts im Fall der FCZ-Schlägerei im Lehenmattquartier auf.

Das Regionaljournal griff die OnlineReports-Geschichte über Kurzarbeit bei BaZ und BZ auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Stadtpräsidenten-Ambition von Kantonsspital-CEO Jürg Aebi auf.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Story über den anstehenden Gerichtsfall zum Rothenflüher Blechpolizisten-Sprenger auf.

In ihrem Basler Medien-Epos nahm die Medienwoche auch auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung, Prime News und die BZ berichteten unter Berufung auf OnlineReports über Adrian Plachesis Abgang bei Telebasel.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Auf der Autobahn A3 bei Eiken, wo120 km/h erlaubt sind, wurde am frühen Morgen des 24. Oktober eine Autofahrerin mit Tempo 214 km/h als Raserin geblitzt.

Die Basler Juso bitten die Regierung in einer Petition, sich aktiv dafür einzusetzen, 100 Menschen aus dem Camp Moria in den Kanton Basel-Stadt aufzunehmen.

Der Stiftungsrat der Stiftung Brasilea hat die 37-jährige brasilianisch-schweizerische Doppelbürgerin Tatiana Andrade Vieira als neue Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Daniel Faust gewählt.

Die Basler SP hat am 16. Oktober ihre Initiative "Kinderbetreuung für alle" mit über 3'000 Unterschriften eingereicht.

Dominik Beeler wird neuer Präsident der Grünen Liestal und damit Nachfolger von Erika Eichenberger.

Die Volksinitiative "für ein klimagerechtes Basel", die die Treibhausgas-Emissionen in Basel-Stadt bis 2030 auf Null senken will, ist am 8. Oktober mit über 3'700 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht worden.

Die Stadt Liestal hat die Einführung eines Ortsbusses namentlich in den Quartieren Sichtern und Langhag/Hanro mit 2'246 Ja-Stimmen gegen 2'717 Nein-Stimmen deutlich abgelehnt.

Binningen hat die SP-Initaitive gegen den Verkauf von gemeindeeigenem Boden mit  2'823 Ja gegen 2'809 Nein hauchdünn angenommen.

Münchenstein hat der Quartierplanung "Spenglerpark" mit dem 100 Meter hohen Hochhaus mit einem Ja- Anteil von 58 Prozent zugestimmt.

Der Deutsche Florian Röthlingshöfer wird neuer Direktor der Schweizerischen Rheinhäfen und Nachfolger von Hans-Peter Hadorn, der Ende Jahr abtreten wird.

Patricia von Falkenstein, die Präsidentin der Liberalen LDP, wird als Nachfolgerin von Helmut Hersberger neue Präsidentin des Hauseigentümer-Verbandes Basel-Stadt.

Roman Brunner (Muttenz) wird per 1. November 2020 neuer Präsident der Baselbieter SP-Landratsfraktion als Nachfolger von Miriam Locher, die sich für das Amt der Parteipräsidentin bewirbt.

Dem Enkeltrickgewerbe fielen in Basel kürzlich Beträge von 15'000 und 4'000 Franken in die Hände, während ein happiger Beutezug von 80'000 Franken misslang.

Der FC Basel und sein Captain Valentin Stocker verlängern den Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis im Sommer 2023 – mit einer Option auf ein weiteres Jahr.

Im vergangenen Sommer lagen die Ozon-Konzentrationen in der Region Basel zwar tiefer als im Vorjahr, aber immer noch deutlich über den Grenzwerten der Luftreinhalte-Verordnung.

Mit zusätzlichen Städtepartnerschaften mit Abidjan (Elfenbeinküste) und einer Stadt in einem Erstfluchtland im Nahen Osten will die Basler Regierung "ein Zeichen der Solidarität setzen".

Teilerwerbstätigen Beziehenden von Ergänzungsleistungen und Beziehenden von Ergänzungsleistungen, die zu einer medizinischen Behandlung fahren, werden im Baselbiet die Kosten für Schutzmasken mit pauschal 30 Franken vergütet.

Ralph Lewin und Andreas Sturm stellen sich nach über zehnjähriger Amtszeit nicht mehr für eine Wiederwahl für die nächste Amtsperiode im Bankrat der Basler Kantonalbank zur Verfügung.

Die auslaufenden Verträge von Cheftrainer Marcel Koller und den Assistenztrainern Thomas Janeschitz und Carlos Bernegger mit dem FC Basel werden "im gemeinsamen Einvernehmen" nicht verlängert.

Die auf Gebäudetechnik und Energiekonzepte spezialisierte Rapp Gebäudetechnik AG plant die Konzentration ihrer Geschäftstätigkeit am Standort Münchenstein und erwägt die Schliessung ihrer beiden Filialen in Lausanne und Genf.

Der Baselbieter Landrat wird vorläufig – mindestens bis zu den Herbstferien – weiterhin im Basler Kongresszentrum tagen, wie die Geschäftsleitung beschlossen hat.

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt über den Pendlerfonds das Veloverleihsystem Basel mit 2,15 Millionen Franken.

Wegen der Corona-Situation haben der Gewerbeverband und das Erziehungsdepartement entschieden, die 8. Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse  vom 15. bis 17. Oktober nicht durchzuführen.

Auf der A2 bei Birsfelden wurde in der Nacht des 3. August ein in der Region wohnhafter Italiener als Raser erwischt, der bei erlaubten 80 mit 140 Stundenkilometern in Richtung Bern/Luzern unterwegs war.