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"Die Vermutungen erhärteten sich": Liesberger Wohnheim "Hirsacker"

Behindertenheim "Hirsacker": Leitungs-Ehepaar fristlos entlassen

Auch im Stiftungsrat des Wohnheims für Autisten in Liesberg kam es zu Turbulenzen


Von Christian Hilzinger


Das von Unruhen an der Spitze erschütterte Beschäftigungs- und Wohnheim "Hirsacker" in Liesberg sucht eine neue Leitung. Grund: Das bisherige Leitungs-Ehepaar wurde nach 20 Jahren fristlos entlassen. Gegen diese Kündigung kämpft das Paar jetzt auf juristischem Weg.


"Ich bin momentan in den Ferien." Diese Antwort erhält automatisch, wer der Leiterin* des Beschäftigungs- und Wohnheim "Hirsacker" (WBH) in der Laufentaler Gemeinde Liesberg eine Email schreibt. Die Antwort ist unter der Annahme falsch, dass man unter "Ferien" versteht, die Heimleiterin kehre wieder an den Arbeitsplatz zurück. Dem ist nicht so.

Der Stiftungsrat hat der Heimleiterin und ihrem Mann fristlos gekündet. Dies nach 20 Jahren Tätigkeit für diese soziale Institution. Der Beschluss sei einstimmig erfolgt, sagt Alex Ertl, der sowohl Stiftungsrat wie auch Anwalt des WBH ist.

Zerrüttetes Vertrauensverhältnis
 

Über die genauen Gründe der Kündigung schweigt sich der Stiftungsrat aus. Gegenüber OnlineReports beruft sich Ertl auf den Persönlichkeitsschutz: "Insgesamt zerstörten jedoch gewisse Vorkommnisse das Vertrauensverhältnis zwischen Stiftungsrat und Heimleitung unwiederbringlich." Der Stiftungsrat sei deshalb der Ansicht gewesen, "die Vorwürfe wiegen so schwer, dass eine fristlose Kündigung gerechtfertigt und für die Stiftung Hirsacker, seine Bewohnenden und Mitarbeitenden die beste Lösung ist".
 

Der Gegenanwalt, Bruno Nüssli, bestreitet im Auftrag des Ehepaars die Vorwürfe. Im Kündigungsschreiben des Stiftungsrats gebe es ein Sammelsurium von Vorwürfen. Keiner sei ein Grund für eine fristlose Entlassung. Für ihn dreht sich der Konflikt hauptsächlich darum, dass das Ehepaar Führungspersonen anstellen wollte, die der Stiftungsrat ablehnte.
 

Das Arbeitsrecht sieht eine fristlose Entlassung nur aus wichtigen Gründen vor, das heisst, wenn das Vertrauensverhältnis schwer gestört und die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht zumutbar ist. Die vorgefallenen Konflikte sind nach Ansicht von Bruno Nüssli "nicht ausreichend für eine fristlose Kündigung".

Schlichtungsverfahren vor Gericht
 

Beide Parteien befinden sich inzwischen in einem gerichtlichen Schlichtungsverfahren. Mit der fristlosen Kündigung erhält das Ehepaar keinen Lohn mehr. Kommt das Gericht zum Schluss, die Gründe reichten nicht für eine fristlose Kündigung, erhält das Ehepaar den vollen Lohn für die ganze Kündigungszeit und zusätzlich einen Schadenersatz von bis zu sechs Monatslöhnen.
 

OnlineReports hätte gerne mit dem betroffenen Ehepaar gesprochen. Sein Anwalt, Bruno Nüssli, lehnte den Wunsch ab. Seine Begründung: Im Gerichtsverfahren zeichne sich eine Lösung ab, die man nicht vereiteln wolle, wenn Medien über den Fall berichten.
 

Das WBH in Liesberg betreut vor allem autistische Erwachsene. Diese Krankheit erschwert den Betroffenen, mit anderen Menschen zu kommunizieren und sich in der Welt zurecht zu finden. Es sind autistische Erwachsene, die sonst in einer psychiatrischen Anstalt landen würden.
 

Das Heim besteht aus zwei Gebäuden und beschäftigt nach eigenen Angaben 68 Mitarbeitende. Die insgesamt 25 Heimplätze seien in den vergangenen Jahren jeweils "voll ausgelastet", so Alex Ertl. Der "Hirsacker" finanziert sich mittels Spenden und Kantonsbeiträgen.


Turbulenzen auch im Stiftungsrat
 

Wenig überrascht von der Kündigung ist der frühere Stiftungspräsident Patrik Biri, und er findet sie richtig. Zehn Jahre lang hatte er den Stiftungsrat dieses für ihn "grossartigen" Heims präsidiert, bis er 2020 zurücktrat, weil er sich in einem Konflikt mit dem Leitungs-Ehepaar befand.

Konkreter will sich Biri nicht äussern. Er attestiert dem Ehepaar, beide seien "fachlich gut", jedoch in Fragen der Führung und des Geldausgebens seien sie sich nicht einig geworden. Als Betrieb sei das Heim "schwierig" zu finanzieren, so Biri. Ihm ist wichtig, dass der gute Ruf des WBH erhalten bleibt.
 

2020 traten die drei alten Stiftungsräte zurück, bis auf Verena Widmer. Aufgrund der Tatsache, dass sie bereits dem Stiftungsrat angehörte, übernahm sie als dienstältestes Mitglied das Präsidium, wie Alex Ertl ausführt. Der Anwalt wurde zugleich in den neuen Stiftungsrat gewählt.

Vermutungen des alten Stiftungsrats erhärtet

 

Nur wenige Monate lang hat Verena Widmer den Stiftungsrat präsidiert. Daraufhin wurde John Augsburger zum neuen Präsidenten gewählt.

Das ebenfalls neugewählte Mitglied Alex Ertl schreibt zum Wechsel: Der neue Stiftungsrat habe "anfänglich den Ausführungen der Heimleiterin vertraut" und nicht den Vorwürfen des Stiftungsrats unter Patrik Biri. "Als sich die Vermutungen des alten Stiftungsrats später jedoch erhärteten, zog der neue Stiftungsrat die Konsequenzen und entliess die Heimleiterin." Ihr Mann ist im Rentenalter und arbeitete mit ihr in einer Teilzeit-Anstellung. Auch ihm wurde gekündet.
 

Das WBH sucht nun in Inseraten eine neue Geschäftsführung. Interimistisch leitet Therese Kassay das Heim. Sie war die langjährige Stellvertreterin der fristlos gekündeten Heimleiterin.


* Die Namen der Eheleute sind der Redaktion bekannt.

2. September 2021


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