© Foto by DRG
"Die Rehe wissen das": Jungwild auf dem Basler Friedhof "Hörnli"

Rehe naschen vom Buffet am Friedhof "Hörnli"

Zum Leidwesen der Friedhofsgärtner: Rehe, Dachse, Füchse und Raben kümmern sich nicht um die Pietät Verstorbenen gegenüber


Von Fabian Schwarzenbach


Der Ort der ewigen Ruhe und der Trauernden ist das Refugium von hungrigen Rehen: Doch was Tierliebhaber auf dem Basler Friedhof "Hörnli" begeistert, sorgt bei den Trauernden für Entsetzen, wenn sie an einem Grab vor auseinandergerissenen Kränzen und angefressenen Blumen stehen.


Die Rehe geniessen die für sie vorzügliche Lebenssituation auf dem Friedhof "Hörnli". Es gibt für die Tiere grosse Grünflächen und viele Rückzugsmöglichkeiten – und ein Buffet, das sie gerade zur kalten Jahreszeit sonst weit und breit nicht fänden: Blumen auf den Gräbern, frisch gesetzte Pflanzen und die Kränze, die den Verstorbenen auf das Grab gelegt werden.

Schätzungen gehen von 16 Rehen aus

"Insgesamt wird die Rehpopulation auf sechzehn Tiere geschätzt", sagt Marc Lüthi, Leiter der Basler Friedhöfe. Diese Herde sorgt für reichlich Betrieb bei den Friedhofsgärtnern. Immer wieder stellen sie Schäden fest, vor allem an den frischen Blumen und Anpflanzungen.

Es gebe immer wieder Reklamationen von Besuchern und auch Trauernde, die wenig Verständnis zeigen, erklären Lüthi und Obergärtner Patrick Goepfert unisono. Beide verstehen den Ärger. "Die Grabanpflanzungen und Kränze sind teuer", nennt Goepfert eines der Argumente. Teilweise bleibe auch den Friedhofsgärtnern nichts anderes übrig, als neu anzupflanzen. Lüthi kann den Schaden nicht beziffern. "Es arbeiten 35 Gärtner in der Anlage. Da kann nicht jeder Buch über Wildschäden führen", zeigt er den nötigen Aufwand auf.

Sandwich-Verteidigung

Im Sommer würden sich aber viele Besucher über eine Beobachtung der Rehe und auch über deren Junge sehr freuen. Lüthi geniesst das ebenfalls. "Ich sitze gerne über Mittag auf einer Bank", erzählt er und fügt schmunzelnd an: "Dabei musste ich mein Sandwich auch schon gegen die Rehe verteidigen." Zu den beinahe paradiesischen Bedingungen kommt noch hinzu, dass auf dem Friedhofs-Areal keine Hunde erlaubt sind. "Die Rehe wissen das", ist Lüthi überzeugt.  

Massnahmen gegen das Wild würden ergriffen, versichert Lüthi und erläutert, dass der ganze Friedhof umzäunt sei und abends abgeschlossen werde. "Wir haben aber vier Eingänge im Wald, die auch von den Rehen genutzt werden", erklärt Lüthi. Die Tiere benützten wie die Besucher korrekt die Eingänge, ergänzt er. Regelmässig versuchen die Gärtner, die Rehe zu vertreiben. Mit allerlei Gegenständen wird geklappert und die Rehe in den Wald verscheucht. Doch, so Lüthi: "In zwei Tagen sind sie wieder da." Goepfert fügt an, dass auf dem Areal nicht gejagt werden darf.

Eine der Gegenmassnahmen: Keine Primeli

Der Obergärtner greift bereits bei der Bepflanzung des Friedhofes zu einfachen Gegenmitteln. So verzichten er und sein 35-köpfiges Team beispielsweise auf Primeli. "Die pflanzen wir nicht mehr, weil die Rehe sie gerne haben", nennt er den Grund. Begonien und im Sommer Brombeeren werden vermehrt angepflanzt, weil die den Vierbeinern nicht besonders schmecken. Dafür wird auf Tagetes und Rosen verzichtet. "Wir geben uns Mühe", fasst Goepfert die Abwehrmassnahmen in einfache Worte.

Nicht nur für Rehe ist das "Hörnli" ein Schlaraffenland. "Der Dachs macht Sorgen", erklärt Lüthi ein weiteres Problem. "Im frischen Kompost sind Würmer drin, die wiederum die Dachse anziehen", sagt Goepfert. Dachse graben sich Höhlengänge quer durch das Areal. Dabei haben die Tiere auch schon Gräber untergraben. "Letzten Herbst mussten wir ein Grab wieder instand stellen, das von Dachsen verunstaltet worden war", beschreibt Lüthi die Folgen. Die Gärtner vertreiben die Dachse, indem sie deren Gräben wieder zuschütten.

Raben haben Grabkerzen im Visier

Auch die Raben sorgen für Mehrarbeit bei den Friedhofsgärtnern. Sie picken mit ihren Schnäbeln das Fett und den Schmalz aus den Grabkerzen. Dabei nehmen die Tiere keine Rücksicht auf die aktuelle Gestaltung eines Grabes. "Leider entsorgen viele Leute ihre Küchenabfälle in den Mulden", erzählt Goepfert. Von diesen Abfällen ernähren sich die Füchse. Dabei komme es zwischendurch auch zu Tumulten zwischen den Tieren. Folge davon sei ein grössere "Sauerei".

Trauernde und Besucher des "Hörnlis" müssen gerade im Frühling mit Wildschäden rechnen, obwohl die Friedhofsgärtner sehr viel gegen die ungebetenen Gäste unternehmen. Immerhin: Die Beobachtung von jungen Rehen im Sommer sollte wieder eine Entschädigung für die zusätzlichen Aufwendungen bei der Grabpflege sein.

27. Februar 2013


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

Was Sie auch noch interessieren könnte

Basel-Stadt ermittelt wegen
Faustschlag gegen Stiefvater

5. November 2022

Tat des jungen Marokkaners in Muttenz
könnte für ihn ernsthafte Folgen haben.


Geklaut: Geld und Schmuck
aus Bottminger Häusern

12. September 2022

Innerhalb einer Stunde: OnlineReports
dokumentiert drei Einschleich-Diebstähle.


Reaktionen

Rehe im Friedhof "Hörnli":
Umsiedlung statt Abschuss

9. August 2022

Runder Tisch denkt über Alternativen zum Abschuss von Wild nach


Reaktionen

Ein staatlicher Blitz-Auftrag
mit vielen Fragezeichen

30. März 2022

Baumverpflanzung Margarethenstrasse:
Kanton prüfte weder Firma noch Akteure.


Reaktionen

Andreas Bernauer: Der
grosse Verwandlungskünstler

12. März 2022

"Pianobar"-Betreiber, Claraturm-Bekämpfer, Grossbaum-Verpflanzer.


BVB: Strafanzeige
gegen Kadermitarbeiter

5. Februar 2022

Der Mann soll firmeneigene Rasenmäher
und weitere Geräte entwendet haben.


"Er zwang mich zum Sex":
Tonband belegt Gegenteil

21. Januar 2022

Frau muss wegen falscher Anschuldigung
ihres Ex-Mannes vors Strafgericht.


Betrüger Behring: Gläubiger
müssen weiter warten

4. November 2021

Aargauer Konkursamt überfordert:
Schwere Vorwürfe an Bundesanwaltschaft.


Reaktionen

Deutsche Bahn: Blindflug
ins Fussball-Stadion

1. November 2021

Roland Stark staunt über Schattenseiten
des Autotechnologie-Landes Deutschland.


FCB-Hooligan will
DNA-Anlyse verhindern

10. Oktober 2021

2017 griff er einen Wachmann an,
2019 zündete er im "Joggli" Pyro-Fackeln.


Reaktionen

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Veranstaltungs-Hinweis


Buchvernissage
29. November 2022, 19.30 Uhr

Christiane Widmer und Christian Lienhard: "Eine Prise Leidenschaft. Gespräche mit 81 Köchinnen und Köchen in der Schweiz"
Vernissage mit Urs Hofmeier, Direktor Schweizer Salinen; Lukas Ott, Stadtentwickler; Daniel Jenzer, Restaurant Wanderruh; Christiane Widmer, Autorin.

Anmeldung erforderlich, Teilnahme gratis: ticket@biderundtanner.ch
061 206 99 96
Mehr Infos
 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Unbekannter, 165–170 cm gross, nordafrikanischer Typ, schlanke Statur, schwarze kurze Haare, Perücke, Frisur, Gesicht usw., Augen, Brille, Bart, trug weissen Pullover ..."

Staatsanwaltschaft Basel-Stadt
in einem Fahndungsaufruf
vom 1. November 2022
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Zwei Beine fehlen noch im Textmodul-Baukasten.

RückSpiegel


20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Angriff auf den Stiefvater vor dem Muttenzer Gerichtsgebäude auf.

Die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über die Rückkehr von Christine Keller in den Basler Grossen Rat auf.

In ihrer Analyse über die unklare Gesundheitsversorgung des Laufentals ging die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche ein.

Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Recherche über Lärm-Überschreitungen im Osten des Gundeldinger-Quartiers auf.

Auf die OnlineReports-News über den Rücktritt der Laufener Finanzkommission reagierte die BZ Basel mit einem Nachzug.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Analyse der Basler FDP auf einen OnlineReports-Artikel aus dem Jahr 2005 Bezug.

Die BZ Basel nahm in ihrem Bericht über den Protest gegen entwässerte Basler Brunnen auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-News über stehengelassene BVB-Buspassagiere wurde von der BZ Basel aufgenommen.

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Aufnahme von Frauen in die drei Kleinbasler Ehrengesellschaften auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über Login-Probleme bei der Basler Kantonalbank (BKB) nach. Ebenso das Regionaljournal, das aber keine Quelle nannte.

Die BZ Basel und das SRF-Regionaljournal nahmen die OnlineReports-Meldung vom Tod des ehemaligen Baselbieter LdU-Nationalrats Claudius Alder auf.

In ihrem Bericht über den Störungs-Aufruf von "Basel nazifrei" zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Die Baselbieter Regierung hat die Mietung von Räumlichkeiten für das Amt für Migration und Bürgerrecht im Helvetia Tower in Pratteln beschlossen.

Auf die im Februar zurücktretende "Basta"-Grossrätin Beatrice Messerli (70) wird die Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, die Klimaaktivistin Fina Girard (Jahrgang 2001) folgen.

Lorenz Amiet, bisher Vizepräsident, wird neuer Präsident der SVP-Grossratsfraktion als Nachfolger von Pascal Messerli, der neu Parteipräsident wurde.

In Lörrach bewarf dieser Tage ein Unbekannter die Fassade der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde mit Eiern.

Am Riehenring entsiegelt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement als Versuch ab 31. Oktober insgesamt 14 Parkfelder, so dass dort zukünftig Regenwasser in den Untergrund geleitet wird.

Witterungsbedingt muss die Eröffnung der Kunsteisbahn Eglisee in diesem Jahr um zwei Wochen nach hinten verschoben werden, nämlich auf den 12. November.

Ab 1. November müssen sämtliche Personen, die den Kanton in strategischen Führungsorganen der Beteiligungen des Kantons Basel-Landschaft vertreten, ihre Vergütungen offenlegen.

Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 900'000 Franken an der von der Wirtschaftskammer organisierten grössten Berufswahlmesse der Schweiz.

Am 29. Oktober, ab 10.15 Uhr, findet an der Oristalstrasse 100 A in Liestal die öffentliche Fahrzeug-Versteigerung von rund 140 Velos diverser Marken, 4 Autos (BMW X6 xDrive30d, Honda Civic 2.0i Typ R, VW T5 Kombi D 4M BMT, VW Polo Blue GT) und ein Arbeitsanhänger (BZS MA MA MA) statt.

Die Kunsteisbahn Margarethen eröffnet am 22. Oktober, die Eislaufsaison und eine Woche später; ab dem 29. Oktober, ist auch die Kunsteisbahn Eglisee geöffnet.

Die Evangelische Volkspartei Baselland (EVP) feierte am vergangenen 9. Oktober mit Partei- und ihren 100. Geburtstag.

Das Bau- und Verkehrsdepartement erteilt der Wyniger Gruppe den Zuschlag für den Betrieb der Flora-Buvette ab 2023; es soll sich um die "erste klimaneutrale Buvette" handeln.

Per 1. Januar 2023 übernimmt Christopher Henry Tütsch (49) die Geschäftsleitung des Ausländerdienstes Baselland als Nachfolger von Oliver Bolliger, der zum selben Zeitpunkt die Geschäftsleitung der Stiftung Wohnhilfe in Basel übernimmt.

Die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt haben am 20. September Hansjörg Wilde zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach einjährigem Studium am Basler Gymnasium Kirschgarten konnten dieses Jahr 65 junge Erwachsene ihre Passerelle-Ausweise entgegennehmen, die ihnen nach der Berufs- oder Fachmatur den Zugang zu sämtlichen Studiengängen an den Schweizer Hochschulen ermöglichen.

In Muttenz beim Hallenbad beginnen im September /Oktober die Bohrarbeiten zur Erkundung des Untergrundes, da es dort zu Dolineneinstürzen und grossflächigen Absenkungen gekommen ist.

Der Verein "Treffpunkt Arlesheim" (ehemals "Verkehrsverein Arlesheim") beschloss bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, sich aufzulösen.

Gleichzeitig mit dem Start der Bundeskampagne zum Energiesparen senkt die Basler Regierung die Heiztemperatur in seinen Verwaltungsgebäuden auf 19 Grad Celsius.

Der Liestaler Stadtrat hat beschlossen, den "Engel-Saal" unter dem Namen "Stadtsaal" in eigener Regie zu betreiben, womit er den Liestaler Vereinen zukünftig zu vergünstigten Konditionen angeboten werden kann.

Die Baumann & Cie übernimmt rückwirkend per 30. Juni 100 Prozent der Aktien der Vögeli Vermögensverwaltung AG.

In Basel-Stadt ist am 19. August die aus Lehrerkreisen angeregte Initiative zur Erweiterung der Integrativen Schule durch heilpädagogisch geführte Förderklassen eingereicht worden.

Die beiden Ludotheken Bläsi und St. Johann der Robi-Spiel-Aktionen werden nach 2022 nicht weiter betrieben.

Anouk Feurer, die Co-Präsidentin des "Jungen grünen Bündnisses Nordwest", ist Nachrückende für die zurücktretende grüne Basler Grossrätin Michelle Lachenmeier.