© Fotos by zvg und Matthias Brunner
"Atemberaubende Umgebung": Ockerfelsen von Rousillon

Ein Reit-Paradies im Herzen der Provence

Der Reithof "Le Trèfle à cinq Feuilles" bietet berauschende Landschaft und kulinarische Spezialitäten und: Man spricht Deutsch


Von Matthias Brunner


Im Herzen der Provence liegt der Reithof "Le Trèfle à cinq Feuilles" von Uli und Edmond Freess. Nebst individuellem Unterricht in klassischer Reitweise erwarten die Gäste herrliche Ausritte in einer traumhaften Umgebung, eine Einführung ins "savoir vivre" sowie moderate Preise.


"Le Trèfle à cinq Feuilles" steht neben einem piaffierenden Pferd und einem grünen Kleeblatt auf dem Schild am Strassenrand. Hier ist also unser Ziel: Der kleine, aber feine Reitbetrieb, welcher seit bald 25 Jahren von Uli und Edmond Freess geführt wird. Der rund 300 Jahre alte Bauernhof im typisch provençalischen Stil liegt im bekannten Weinbaugebiet zwischen den Hügelzügen des regionalen Naturschutzgebietes Lubéron und dem Vorgebirge des Mont Ventoux, der nicht nur den Velofahrern ein Begriff ist, sondern insbesondere durch den italienischen Dichter und Humanisten Petrarca in der Geschichte Berühmtheit erlangte.

Unweit vom verschachtelten Hof mit den vier einfachen, aber gemütlich eingerichteten Doppelzimmern (alle mit eigenem WC und Dusche oder Bad) befindet sich auf einem Hügel mit prächtiger Rundumsicht das pittoreske Städtchen Roussillon, welches für seine beeindruckenden Ockerfelsen weitherum berühmt ist.

Französisches "savoir vivre" und Reiterlebnis

Schon gleich nach der Ankunft werden wird man mit der familiären Atmosphäre vertraut gemacht: Zum Empfang gibts ein kühles Glas Rosé oder einen Pastis, dem französischen "Nationalgetränk", sowie ein paar köstliche Oliven. Gastfreundschaft wird in der Provence noch gross geschrieben.

Dabei stammt das Gastgeber-Ehepaar überhaupt nicht aus der Gegend. Die gross gewachsene, schlanke Uli kommt ursprünglich aus Schleswig-Holstein im Norden Deutschlands. Die Liebe hat sie damals als Aupair-Mädchen in die Provence verschlagen, als sie Edmonds Charme erlag. Er, ursprünglich in Paris geboren und aufgewachsen, ist durch und durch Künstler. Als er in den siebziger Jahren als Regisseur Filme in der Gegend drehte, blieb er schliesslich hier hängen. Einem seiner Filme, für die er auch berühmte Schauspieler wie Liselotte Pulver und Philippe Noiret gewinnen konnte, verdankt übrigens der Reithof seinen Namen.

Unterschiedlicher könnten die Beiden in ihren Charakteren nicht sein, doch ergänzen sie sich hervorragend. Die Rollen sind klar verteilt: Uli kümmert sich um den Reit-Unterricht und die Pferde, während Edmond die Gäste mit seinen Kochkünsten verwöhnt.

Feinfühlig ausgebildete Pferde - individueller Unterricht

Die Pferde sind meist spanische Kreuzungen und reagieren selbst auf feinste Hilfen. Schliesslich wurden sie alle von Uli persönlich liebevoll, aber konsequent ausgebildet. Nachdem sie zuerst das französische Wanderreitlehrer-Diplom absolvierte, widmete sie sich danach zunehmend der klassisch-barocken Reitweise. Ihr grosses Vorbild ist dabei Nuno Oliveira, der 1985 verstorbene, begnadete portugiesische Reitmeister, dessen berühmte Schriften noch heute ihre Gültigkeit haben. Bekannte Pferdegrössen wie Jean Gauttri, Michel Henriquet, Lucien Gruss und Philippe Karl, der zehn Jahre Reitmeister bei der französischen Elite-Truppe "Cadre Noir" war, haben sie im Laufe der Jahre in der Hohen Schule bis zur Perfektion unterrichtet.

Dass sie das Gelernte vollständig verinnerlicht hat, wird deutlich, wenn sie sich in den Sattel ihres Rappwallachs Django schwingt. Mit kaum sichtbarer Hilfengebung zeigt das völlig eins gewordene Paar ganz ohne Druck schwierigste Lektionen wie Passagieren, Piaffieren oder den spanischen Tritt. Kaum zu glauben, dass Uli ihren inzwischen 17 Jahre alten vierbeinigen Kameraden einst vor dem Schlachter gerettet hat.

Ihr gesammeltes Wissen und Können gibt sie mit viel Engagement und grossen Einfühlungsvermögen an motivierte Reitschüler weiter. Dabei entgeht ihrem geschulten Auge kein Fehler und die feinfühlig ausgebildeten Pferde machen dem Reitschüler sofort klar, wo seine Schwächen liegen. Besonderen Wert legt Uli dabei auf einen ausbalancierten Sitz, der eine feine Hilfengebung erst möglich macht.

Pferde werden artgerecht gehalten

Uli ist durch und durch ein Pferdemensch und lebt das Horsemanship vor. Das wird schon bei der Pferdehaltung sichtbar: Die meisten Pferde leben in einem Offenstall, täglicher Weidegang in der Gruppe ist selbstverständlich. Den besten Beweis dafür, dass die Pferde in Top-Form sind, liefert der bereits 28-jährige Schecke Mingus, der nach wie vor mit Freude beim Anfängerunterricht mitmacht. Dafür sind auch das artgerechte Futter, die sorgfältige Pflege, das ständige Training und natürliche die liebevolle Zuwendung verantwortlich.

Natürlich kommen auch abwechslungsreiche Ausritte in die atemberaubend schöne Umgebung nicht zu kurz. Hier ist die Provence noch weitgehend ursprünglich: Auf schmalen Pfaden schreiten die trittsicheren Pferde mit traumwandlerischer Sicherheit durch lichte Pinien- und Eichenwälder, vorbei an imposanten Ockerfelsen. Weite Ebenen laden zu einem rassigen Galopp ein.

Der Reiz der Jahreszeiten

Dabei besitzt jede Jahreszeit ihren besonderen Reiz. Im Frühling verwandeln die blühenden Obstbäume die Landschaft in ein Blütenmeer, während im Sommer duftende Lavendelfelder locken und die ausgedehnten Weiden mit knallroten Mohnblumen übersäht sind. Wenn sich im Herbst die Blätter der Rebstöcke verfärben, ist die wichtige Zeit der Weinlese gekommen.

Uli kennt praktisch jeden Weg und weiss unterwegs ganz nebenbei so manch Interessantes über die Natur oder die Geschichte der Provence zu erzählen. Die Ausritte sind entspannt und an die bequemen Wanderreitsättel, die einen sehr sicheren Halt verleihen, hat man sich rasch gewöhnt. Meist gibts einen kleinen Halt in einem gemütlichen Bistro eines der sehenswerten Dörfer oder auf einem schmucken Weingut, wo die köstlichen Weine der Region gekostet werden können, während die Pferde verschnaufen dürfen.

Französische Esskultur kennen lernen

Wenn die Reitersleute nach einem erlebnisreichen Tag glücklich auf den Hof zurückgekehrt sind, erwartet sie bereits ein weiterer Höhepunkt. Jeden Abend zaubert Edmond erneut eines seiner köstlichen mehrgängigen Gerichte aus der winzigen Küche auf den Tisch, mit dem er seine Gäste nach bester Manier mit französischer Lebensart vertraut macht.

Getafelt wird gemeinsam an einem langen Tisch im stilvoll eingerichteten Esszimmer. So kommt man rasch mit seinem Tischnachbarn ins Gespräch. Die Atmosphäre ist locker und, wie unter Reitersleuten üblich, schnell ist man per Du. Oft dauern die Gespräche bei einem oder mehr Gläsern des bekömmlichen Tischweins aus der Region bis tief in die Nacht, wobei über Gott und die Welt philosophiert werden kann.

Weitherum bekannt ist Edmond für seine legendäre Bouillabaisse. Dafür reist er extra nach Marseille, wo er bei seinen Freunden auf dem Arabermarkt am alten Hafen die Fische fangfrisch einkauft. Manches Fünf-Sterne-Lokal kann da nicht mithalten. Fast alles, was Edmond anfasst, ist eben Kunst. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Lebenskünstler: Er war Kunstmaler, Filmregisseur und Reitlehrer, bis er zusammen mit Uli den Reithof "Le Trèfle à cinq Feuilles" aufbaute.

Doch heute widmet er sich am liebsten wieder seiner ursprünglichen Muse, der Malerei. Zwar fühlt er sich keinem Stil fest verpflichtet, doch bleibt sein grosses Vorbild Monet. Im nahe gelegenen Städtchen Roussillon betreibt Edmond seine eigene Galerie, in der er seine Werke ausstellt und im Atelier malt.

Vielfalt der Provence - auch für Nichtreiter attraktiv

Genauso vielfältig wie die Gastgeber sind, ist die Umgebung im Herzen der Provence. So kommen auch Nichtreiter auf ihre Kosten. Die Gegend bietet eine wahre Fülle an Naturschönheiten und kulturellen Sehenswürdigkeiten, die sich auch zum Wandern oder Velofahren eignet. Uli ist bei der Wegplanung gerne behilflich.

So ist der regionale Naturschutzpark Lubéron ein ideales Wandergebiet. Lohnenswert ist auch ein Ausflug nach Fontaine de Vaucluse mit seiner unterirdischen Quelle, welche urplötzlich anschwellen kann. Für einen Tagesausflug lohnt es sich, an die Côte d'Azur mit den zahlreichen schönen Stränden und den mondänen Ferienorten zu fahren oder die Natur der Camargue mit den berühmten wild lebenden weissen Pferden und den wendigen, schwarzen Stieren sowie den Flamingos in den ausgedehnten Schilfgebieten zu entdecken.

Wer kulturell interessiert ist, wird ebenfalls fündig. Praktisch auf Schritt und Tritt begegnet man der Geschichte. Auf keinen Fall sollte man einen Besuch des Felsenstädtchens Gordes auslassen. Nicht bloss, dass man von hier aus eine prächtige Aussicht über die ganze Gegend geniesst, erwähnenswert ist auch das die am Stadtrand gelegene Bories-Anlage. Diese aus Steinen gefertigten Rundhäuser existieren vermutlich bereits seit Jahrtausenden und dienten den Menschen ursprünglich als Behausung, später noch als Vorratskammern.

Nicht weit von Gordes entfernt liegt das Zisterzienser Kloster Sénanques, welches nicht nur für seine Architektur, sondern auch für seine ausgezeichnete Akustik bekannt ist. Und überall hinterliessen die alten Römer ihre Spuren. Davon zeugen unter anderem die Arenen von Arles und Orange, wo heute noch Stierkämpfe, aber auch andere Veranstaltungen, stattfinden.

Bunte Märkte zur Abwechslung

Abwechslung bieten die bunten Märkte an unterschiedlichen Wochentagen. So beispielsweise in Apt, dem Hauptort des Departements Vaucluse oder in Cavaillon, das auch hierzulande vor allem wegen seiner Melonen bekannt ist. Nicht nur wegen seines Antiquitätenmarktes, sondern auch wegen der vielen Wasserräder rund um die Stadt, ist ein Abstecher in das nahe gelegene Isle-sur-la Sorgue empfehlenswert.

Doch der Hof "Le Trèfle à cinq Feuilles" liegt schon in so einer schönen Umgebung, dass es auch erholsam ist, einmal einfach nur "zu sein" und sich vielleicht mit einem Buch im blumengeschmückten Garten unter einen Maulbeerbaum zu setzen. Abkühlung kann man sich im Swimming-Pool mit der garantiert schönsten Aussicht auf Roussillon verschaffen.

Wer will, kann auch etwas für seine Bildung tun und auf dem Hof Französisch-Unterricht nehmen.

28. Mai 2006


INFORMATIONEN

Uli und Edmond Freess
"Le Trèfle à cinq Feuilles"
Hameau les Madons
F-84220 Roussillon

Tel. 0033 4 90 05 63 90
Fax 0033 4 90 05 75 48

Internet:
www.luberon-equitation.com

Email:
infos@luberon-equitation.com


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"Der hat nicht nur die Kantonen, sondern auch Politikern verärgert."

Aargauer Zeitung
im Artikel "Fehler können passieren" vom 4. August 2020 über BAG-Direktor Pascal Strupler.
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