Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

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Theater Basel, Kleine Bühne
Uraufführung/Auftragswerk
 
"Wiederauferstehung der Vögel"

Schauspiel von Thiemo Strutzenberger, basierend auf "Tropenliebe" von Bernhard C. Schär
 
Inszenierung: Katrin Hammerl
Bühne und Kostüme: Lisa Dässler
Musik: «Club Für Melodien» (Fabian Chiquet, Joël Fonsegrive, Victor Moser)
Choreographie: Gina Gurtner
Licht: Roland Heid
Dramaturgie: Michael Billenkamp
 
Mit Andrea Bettini, Jonas Götzinger, Urs Peter Halter, Simon Kirsch, Maximilian Kraus, Isabelle Menke, Wanda Winzenried



Eine Containerladung Text

Es wäre lohnend, wenn die Basler Schulkinder Bernhard C. Schärs Studie "Tropenliebe" von 2015 durchackerten. Sie erführen, wie der Basler "Daig" (die Oberschicht) mit Hilfe des europäischen Kolonialismus zu unvorstellbarem Reichtum gelangte, obwohl die Schweiz keine Kolonien hatte. Und dass der kolonialistische Rassismus auch die wissenschaftlichen Bemühungen der Vettern Fritz und Paul Sarasin grundierte, den Gründern des Basler "Völkerkundemuseums" (heute: "Museum der Kulturen").
 
So bestückten sie ihr Museum und das naturhistorische auch mit Menschenschädeln aus Asien, die sie sich auf unwissenschaftliche und nach heutigen Massstäben unethische Weise beschafften. Auf ihren Expeditionen nach Sri Lanka und Indonesien fotografierten und vermassen sie (mutmasslich ohne deren Einwilligung) die "Urvölker", und belieferten so ohne Absicht nationalsozialistische Rassentheoretiker mit Material (Fritz Sarasin publizierte dagegen in einer einschlägigen Zeitschrift).
 
Ihre Expeditionspfade durch die Wälder nutzten die niederländischen Kolonialherren für Kriegszüge und Massaker an den Einwohnern. Dafür können die Sarasins nichts. Aber sie nutzten die militärische Macht der Kolonialherren, um ihre Expeditionen durchzusetzen, wenn sich die Bevölkerung dagegen sperrte.
 
Der Historiker Schär nennt die beiden Sarasins "konservative Naturpriester". Ihre Forschungsgegenstände hätten sie im Zuge von Darwins frisch publizierter Evolutionstheorie nicht wissenschaftlich durchdrungen, sondern als Christen die göttliche Schöpfung vermessend abgefeiert. Ein weiteres Element ist ihre homosexuelle Liebe. Schär macht spürbar, auf welche Ablehnung Fritz und Paul in den "Daig" stiessen, und dass die Asienreisen eine Befreiung darstellen mussten.
 
Die Geschichte ist also hochbrisant – um so verdienstvoller, wenn das Theater Basel nun mit Podiumsdiskussionen, einer Ausstellung und auch mit einem Theaterstück darauf eingeht. Aber Autor Thiemo Strutzenberger, der sich dem Basler Publikum als Bühnendarsteller von finsteren und schwierigen Männercharakteren einprägte, wirft eine ungeheure Menge sperrigen, manierierten Textes ins Auditorium.
 
Kahl und grau die Bühne: Sie sieht mit Tisch und Stühlen aus wie das Sitzungszimmer einer IT-Firma in einem Industriebau. Erzählt wird keine Geschichte, Strutzenberger reiht Dialoge aneinander. Darin wird diskutiert: in einer langen Tropennacht, wie sich die christliche Wissenschaft zur britischen Schule um Darwin abgrenzt. Oder (auch in den Tropen) der Missionar Adriani wirft Fritz vor, Sprache und Religion der Toalas mit falschen Methoden zu erforschen. In der Tischrunde der Sarasins (anno 1877): Die These, ob die menschliche Entwicklung vorhersehbar sei. Die 105 Minuten verstreichen zäh.
 
Finger hoch, wer die Theorien eines gewissen Wallace kennt! Gelegentlich wähnt man sich in einer Schulfunk-Sendung, in der historische Szenen nachgespielt werden. Hier fehlt die Off-Stimme davor und danach, die den historischen Zusammenhang erklärt. Natürlich, die angetippten Inhalte dienen hier meist als Ankicker für Emotionen: Die Verlorenheit von Paul und Fritz in den Tropen, deren Angst vor dem Urteil der Nachwelt oder auch dem Jenseits, die steife Kälte in Pauls Elternhaus, die kolonialistische Herablassung gegenüber dem "nur halben" Niederländer, dem Übersetzer Brugmann, dem sich Paul erotisch annähern will.
 
Gewisse Regungen sind derart subtil verfasst, dass ein Filmregisseur auf die Nahaufnahme schneiden würde. Dem Ensemble fehlt die Plastizität, um sie über die Bühne hinaus wirken zu lassen (Ausnahme: Andrea Bettini). Es setzt oft Emotionen drauf. Die Textgestaltung, die hier hätte Kontur schaffen müssen, wurde vernachlässigt.
 
Dazwischen tauchen Vogelfiguren auf, die die wissenschaftliche Invasion der Europäer aus der Vogelschau der Ethik heiter-sarkastisch kommentieren. Aber deren letzte Szene haben Dramaturg Michael Billenkamp oder Regisseurin Katrin Hammerl gestrichen (womit auch deren "Wiederauferstehung" gekippt wurde) – weil es wohl einfach zu viel war: zu viel nochmals neu gewendete Betrachtung.
 
Über den Figuren hängt ein gewaltiges, weisses Container-Gebilde, das sehr viel bedeuten kann: Gott, die Wissensansammlung der Menschheit, die europäische Tendenz, alles, was da lebt und nicht lebt, in eine Form fassen, die Last des Geltungsbedürfnisses, etwas hinterlassen zu müssen. Hier wird es auch zum Sinnbild für das Stück: Man hat zu viel wollen.

25. Januar 2020
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Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

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"Damit die Bevölkerung dieses Fussballfest auch in den Basler Restaurants, Bars und Cafés gebühren feiern kann, ..."

Bau- und Verkehrsdepartement
Basel-Stadt
in einer Medienmitteilung
vom 7. Juni
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Neue Freizeitbeschäftigung: Gebühren feiern.

RückSpiegel


Telebasel, 20 Minuten und Primenews nahmen die OnlineReports-Exklusivmeldung über den Ausnahmezustand im überfüllten Gartenbad St. Jakob auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über die Berufungen im Fall der Grellinger Kassengriff-Kassiererin auf.

Prime News nahm im Interview mit dem neuen Telebasel-Chefredaktor Philippe Chappuis Bezug auf einen Kommentar von OnlineReports.

Die OnlineReports-News über das Urteil des Aargauer Obergerichts gegen den früheren ASE-Präsidenten wurde von der Aargauer Zeitung aufgenommen.

20 Minuten nahm in der Nachricht über einen Hacker-Angriff auf die Basler Gewerbeschule auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Report über die Basler LDP nimmt die WochenZeitung (WoZ) Bezug auf ein OnlineReports-Interview mit LDP-Grossrat Michael Hug.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Psychoterror in einem Arlesheimer Wohnblock auf.

Die BZ greift in ihrem Artikel "Bikini-Gate im Schrebergarten" einen Artikel von OnlineReports auf.

Den OnlineReports-Bericht über Masken-Sicherheit an Spital-Porten nahm die Konsumenten-Sendung "Espresso" von Radio SRF zum Anlass, das Thema vertieft zu untersuchen.

Blick, Telebasel, 20 Minuten und die BZ nahmen die OnlineReports-News über die Strafanzeigen gegen den ausländerfeindlichen Basler Grossrat E. W. auf.

Die BZ, die zu Recht die Intransparenz der Baselbieter Steuer(ab)rechnungen kritisierte, nahm in ihren Nachzug auf einen bestätigenden OnlineReports-Kommentar Bezug.

Prime News ging in der Kritik an "Weltwoche"-Kolumnist Christoph Mörgeli auf einen satirischen OnlineReports-Text über Lukas Engelberger ein.

Der Tages-Anzeiger bezog sich in einem Artikel über Impf-Privilegien auch auf einen OnlineReports-Artikel über UKBB-CEO Marco Fischer.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Abschiedstext über den Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels in Text und Bild auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-Todesnachricht über alt-Landrat Peter H. Müller wurde von der BZ aufgenommen.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über die Schliessung des Zeitungsladens "Press&Books" auf der Basler SBB-Passerelle auf.

Telebasel, das Regionaljournal und die Basler Zeitung nahmen in ihren Nachrufen auf Corina Christen auf OnlineReports Bezug.

Der OnlineReports-Primeur über den Rücktritt das Basler Grünen-Präsidenten Harald Friedl nahmen die BZ, Prime News, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und Telebasel auf.

Die Medienwoche berichtete bezüglich einer "Weltwoche"-Falschmeldung über den Basler Regierungsrat Lukas Engelberger darüber, dass Mörgeli die humoristische Gedankenspielerei auf Onlinereports.ch für bare Münze nahm.

In ihrer Presseschau über die Basler Regierungsratswahlen zitierete die BZ ausführlich aus OnlineReports.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-News über einen geplatzten Baselbieter Strafprozess auf.

Die Wochenzeitung ging in ihrem Bericht über den Abbau in grossen Schweizer Zeitungsredaktion auch auf "kleinere Player" wie OnlineReports ein.

Die BZ zieht den OnlineReports-Report über den Verzicht auf das Muttenzer Multiplex-Kino der "Kitag AG" nach.

Die OnlineReports-News über die Schliessung eines Tanzlokals in der Basler Innenstadt nahm die BZ auf.

In ihrer Besprechung von Roland Starks Kolumne-Buch "Stark!" nimmt die Volksstimme auf OnlineReports Bezug.

Die BZ kritisierte den designierten Basler SP-Regierungsrat Beat Jans für seinen Twitter-Tweet: "Wieso muss man in unserer Region eigentlich 'Onlinereports' lesen, wenn man sich umfassend informieren, statt belehren lassen will?"

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Corinne Hügli wird per 1. Oktober neue Leiterin des Statistischen Amts Baselland und Nachfolgerin von Johann Christoffel, der Ende September in den Ruhestand tritt.

Als Nachfolger von Felix Keller übernimmt am 1. Juli Simon Oberbeck das Präsidium der Baselbieter CVP/GLP-Fraktion.

Der diplomierte Ingenieur Florian Kaufmann wird per 1. September im Baselbieter Amt für Raumplanung die Leitung der Abteilung Öffentlicher Verkehr übernehmen (Nachfolge von Eva Juhasz).

Laurent Métraux wird per 1. August neuer Leiter der Baselbieter Finanzverwaltung und Nachfolger von Tobias Beljean, der nach drei Jahren eine neue Herausforderung in der Privatwirtschaft angenommen hat.

CEO Roland Heri hat sich entschieden, den FC Basel zu verlassen und sich "umzuorientieren" und sich "neuen Aufgaben zu widmen".

Josiane Tinguely Casserini wird per 1. August neue Baselbieter Kantonsapothekerin und Leiterin der Abteilung Heilmittel im Amt für Gesundheit.

Das Hafenfest Basel 2021, das vom 3. bis 5. September hätte stattfinden sollen, wurde vom Organisationskomitee aus epidemiologischen Gründen abgesagt.

Die Basler Regierung hat die kantonalen Einschränkungen für "Einrichtungen im Sportbereich" aufgehoben, so dass der Sportunterricht und die Nutzung der Garderoben auf Sekundarstufe I und II ab 3. Mai wieder möglich sind.

Marc-André Giger und Guy Lachappelle werden neue Mitglieder des Verwaltungsrats des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB).

Das Landratspräsidentinnen-Fest zu Ehren der Grünliberalen Regula Steinemann muss aus Pandemie-Gründen vom 24. Juni auf den 26. August verschoben werden.

Rolf Borner, Geschäftsleiter Immobilien Basel-Stadt, verlässt das Finanzdepartement nach 16 Jahren per 1. August und wird Direktor "Infrastruktur und Betrieb" und Mitglied der Universitätsleitung der Universität Basel.

Ab 19. April sind die Sportanlagen im Kanton Basel-Stadt gemäss den Vorgaben des Bundes und unter Einhaltung der Schutzmassnahmen wieder zugänglich.

Salome Bessenich wird Nachfolgerin des zurücktretenden Basler SP-Grossrats Sebastian Kölliker, der Co-Generalsekretär des Basler Präsidialdepartements wird.

Der 615. Liestaler Banntag vom 10. Mai ist durch einen Beschluss der vier Rottenchefs aus pandemischen Gründen abgesagt worden.

Innerhalb von zwei Wochen sind über 3’000 Unterschriften gegen die vom Grossen Rat beschlossene Abschaffung der Parkplätze beim Friedhof Hörnli zusammengekommen.

Daniel Urech, Gemeinderat der Freien Wähler Dornach und Kantonsrat der Grünen Solothurn, tritt für das Gemeindepräsidium Dornach an.

Mit einer Geschwindigkeit von 124 km/h statt der erlaubten 60 km/h erwischte die Polizei am 29. März auf der Oristalstrasse in Liestal einen 33-jährigen italienischen PW-Lenker, der in Richtung Büren raste und es jetzt mit der Justiz zu tun bekommt.

Die neugewählten Basler Regierungsmitglieder Esther Keller (GLP) und Kaspar Sutter (SP) wurden zu neuen Verwaltungsratsmitgliedern des EuroAirport ernannt.

Das Referendum gegen eine flächendeckende Parkraum-Bewirtschaftung in Allschwil ist mit über 800 Unterschriften zustande gekommen; das Quorum beträgt 500 Unterschriften.

Waltraud Parisot wird neue Verwaltungs-Chefin an der Musik-Akademie Basel und damit Nachfolgerin von Marc de Haller, der nach 18 Dienstjahren regulär pensioniert wird.

Lina Arti hat heute als 10'000. Baslerin im Impfzentrum die Corona-Zweitimpfung und von Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger einen grossen Blumenstrauss erhalten.

Der Kanton Basel-Stadt hat bis 2. März gesamthaft 25,2 Millionen Franken A-fonds-perdu-Beiträge aus dem Härtefall-Programm an Unternehmen ausbezahlt und 4,9 Millionen Franken Bürgschaften für KMU-Kredite bewilligt.

Dominik Scherrer wird als Nachfolger von Titus Hell neuer Präsident der Jungfreisinnigen Basel-Stadt.

Die Fluxdock AG wird den Kasernen-Hauptbau betreiben, in dem Anfang 2022 das Kultur- und Kreativzentrum seine Tore öffnet.