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Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

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Theater Basel, Open Air auf dem Theaterplatz
Uraufführung

"Vaudeville! Open Air"
 
Nach einer Idee von und mit FADC (Far a day cage)
 
Künstlerische Leitung: Tomas Schweigen
Regie: Jan-Christoph Gockel, Markus Heinzelmann, Nina Mattenklotz, Massimo Rocchi
Bühne: Stephan Weber, Demian Wohler
Kostüme: Anne Buffetrille
Musikalische Leitung: Martin Gantenbein
Audiokommentar: Tomas Schweigen, Gabriel Vetter
Dramaturgie: Eva Böhmer
Licht: Anton Hoedl
 
Mit Philippe Graff, Jesse Inman, Chantal Le Moign, Johannes Schäfer, Mareike Sedl, Silvester von Hösslin, Vera von Gunten


Eskalationen, Katastrophen, Zusammenbrüche

Würde es halten? Schwarze Wolkenbänke hatten sich zum Vorstellungsbeginn über dem Theaterplatz geschichtet. Magie! Drama! Poesie! Spektakel! versprach die Aufschrift auf der heruntergekommenen Schaubude. Die farbenfroh kostümierte und bunt geschminkte Vaudeville-Truppe wuselte bereits eifrig herum, zelebrierte billige Zaubertricks, sang Chansons, verstolperte sich in falsche Auftritte. Da fielen vereinzelte Tropfen. Die letzte Premiere der Saison: bedroht?
 
Nicht allein die, sondern die Institution "Stadt-Theater" als ganzes, so könnte man nach der 90-minütigen Vorstellung resümieren. Vier hausfremde Regisseure hatte Schauspielchef Tomas Schweigen um eine 15-minütige Vaudeville-Szene gebeten mit der Fragestellung "Was bedeutet für Euch Stadt-Theater?" (Programmblatt). Und alle vier inszenierten Eskalationen, Katastrophen, Zusammenbrüche. Beim ersten Regisseur (Rocchi) läuft der Direktor der Truppe (von Hösslin) beim Probestreit davon, bei Nina Mattenklotz trampeln zwei Herren in die Szene, fragen nach der "Bewilligung" und ziehen der Truppe den Stromstecker aus. Eklat auch bei Nummer drei, Heinzelmann: Affektiert sprengt eine Mutter aus dem Publikum (Komparsin) die Vorstellung. Ihr Junge weint, weil der "Löwe" aus Shakespeares "Sommernachtstraum" eine Hundepuppe "frisst". Zu guter Letzt (Regie: Gockel) räumen Bühnenarbeiter die ganze Schaubude vom Platz. Und überhaupt platzen allerlei "Passanten" in die Szenen.
 
Über den Impuls der Regie-Viererbande zu Katastrophe und Rahmensprengen, darüber liesse sich lange diskutieren, wo hier doch das Selbstverständnis der Macher am subventioniert-gesicherten Stadt-Theater befragt wurde. Und dazu skurrile Schaubuden-Szenen im Stil des 19. Jahrhunderts mit dem "stärksten Mann der Welt", der "bärtigen Frau" etcetera vorgegeben waren.
 
Jan-Christoph Gockel gibt in seiner Viertelstunde dem Publikum die Schuld daran. Es reagiere nicht, selbst wenn "Karl, der kühne Kaskardeur" (Schäfer) auf dem Mofa durch den brennenden Reifen fährt, wenn die "Frau ohne Seele" (Sedl) mit Feuerfackeln jongliert, wenn der "starke Mann" (Inman) Feuer speit. Den Befund spuckt jedenfalls ein riesiger, antiquierter Kasten, der "Applausometer", auf langem Papier aus. Für die Premiere kann man sagen, der Kasten log: Das Publikum lachte und applaudierte nach jedem Gag dankbar.
 
Aber die Truppe heult und zappelt. Dann müsse man halt live einen Affen verbrennen oder Feuer regnen lassen, so lässt Gockel den Zauberer "Magic Marcello" (Graff) delirieren. "Mehr Brutalität" fordert auch die Chanteuse "Madame Josephine" (Le Moign). Und der Kaskardeur springt gar vom nahegelegenen Kunsthalle-Dach. "Wir müssen uns auf das Niveau des Publikums begeben", weiss die bärtige Frau (von Gunten) – und rutscht in Knieschuhen in die Szene.
 
Mehr gegen innen, in die Werkstatt des Inszenierens, richtet Regisseur Markus Heinzelmann den Blick und denunziert das Bühnenspiel als hilflosen Akt. Mit vielen Seitenhieben gegen die Formation "Mummenschanz" gibt die Truppe inbrünstig aber holperig Shakespeares Laienaufführung vor dem König im "Sommernachtstraum". Dazu wird Heiner Müllers Abrechnung mit dem Schauspiel, das Gedicht "Theatertod" rezitiert. Schmierentheater hat auch keine Berührungsängste mit Mozarts Requiem ("Dies irae"): für die Schaubudenleute den geeigneten Background um ungestalte "Tableaux vivants" zu präsentieren.
 
Nina Mattenklotz mixt und verkeilt Märchen wie Rotkäppchen, Dornröschen und die Geschichten von Münchhausen ineinander, bis das Ensemble in Streit über den Text gerät. Und Massimo Rocchis Eklat-Szene beginnt damit, dass der eine erst ab 17 Uhr proben will, die "Frau ohne Seele" ausruft, sie könne keine Frau ohne Seele spielen, und wieder andere die Hauptrolle oder mehr Gage fordern.
 
Der Clou des Abends ist aber der Aufprall vom Schaubudenspiel mit den Kommentaren von Tomas Schweigen und dem Slam-Poeten Gabriel Vetter (gegenwärtig Hausautor), die wie das übliche Sportreporter-Duo über die Vorgänge herziehen. Zwar vermitteln sie vordergründig Historisches zum Theaterschaffen der letzten zwei Jahrhunderte in Basel. Aber hintergründig feuern sie mit naiv getöntem underacting Pointen ab, die den Witz der Darbietungen verschärfen. Übertragen via Kopfhörer, bestens abgemischt.
 
Das Finale des quirlig-pfiffigen Abends bildet eine grosse Tanzchoreographie der Truppe mit den erwähnten Passanten auf dem nun leeren Platz. Die Macher und das Publikum vereint im Tanz: Ein Bild der Hoffnung für das Theater? Die Wolken haben gehalten. Der Abend hat es auch: die bislang spannendste Vorstellung von FADC als group in residence am Theater Basel.

4. Mai 2013
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Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Lange Jahre war er Redaktor und Produzent bei Telebasel. Heute arbeitet er als Redaktor bei "Prime News". Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

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"Er soll mehrere Gedichtbänder veröffentlicht haben."

bz
am 16. Mai 2024
über den Attentäter
in der Slowakei
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das kann man auch nicht mit Schweizer-Hochdeutsch erklären.

RückSpiegel

 

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel







In einem Satz


Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.

 

Mitte-Landrat Simon Oberbeck folgt am 1. August 2024 als Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrtund Hafenwirtschaft auf André Auderset.

Die Junge SVP Basel-Stadt hat Demi Hablützel (25) einstimmig für zwei weitere Jahre als Präsidentin wiedergewählt.