Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 131 | 132 | 133 | 134 | 135 | 136 | 137 | 138 | 139 | 140 | (...) | 161 ] >>

Theater Basel, Schauspielhaus
Schweizer Erstaufführung

"Dear Wendy"

Regie: Sebastian Nübling
Stück nach einem Drehbuch von Lars von Trier
Vom Ensemble ins Schweizerdeutsch übersetzt
In Koproduktion mit dem jungen theater basel

Mit Claudio Bagno, Alma Handschin, Lucien Haug, Till Lauer, Julia Lehner, Manuel Miglioretto, Hans Jürg Müller und Andrea Bettini als Dorfpolizist Kugler


Ra-ta-ta-ta-ta-ta-ta-ta ...

... knatterten Maschinengewehrsalven, die jungen Leiber zuckten und zappelten getroffen, stürzten auf den dunklen Bühnenboden, junges Leben dahingemäht. Tot. Einzelne Zuschauer lachten auf, Polizeisirenen heulten, der jungverstorbene Glamgott Marc Bolan sang "What ever happened to the teenage dream". Aber kein Ende, noch nicht: Die sechs jungen Helden der "Dandies" erhoben sich nochmals. Ra-ta-ta-ta-ta. Zucken. Stürzen. Liegen. Und nochmals. Ra-ta-ta-ta-ta. Aus. Dunkel. Jubelgeschrei erfüllte das Schauspielhaus. Das Teenager-Publikum feierte seine toten Helden wie Märtyrer. Dieses Ende war wie ein furchtbarer Rausch nach 80-minütigem, unablässigem Spannungsaufbau gewesen. Das Ensemble bestehend aus Gymnasiasten hatte sich dabei ganz auf das Wesentliche konzentriert: Handlung und Emotion.

Regisseur Nübling (Jahrgang 1960) hatte uns die jungen Leute auch allerliebst ans Herz gelegt, die sich mit Pistolen vor der Erwachsenenwelt abschotteten. Der bleichwangige Brillenträger Sämi erklärt uns treuherzig auf Baseldütsch: "Mir sinn totali Losers (Verlierer), aber sit ass mir unseri Partner (Pistolen) hänn, fühle mir uns stark." Sämi hat seine "Bad Deal", Sarah ballert wie eine Zahnspangen-Lara-Croft mit zwei Pistolen in der leeren Fabrikhalle herum. Dandy-Chef Nik hat seine "Wendy". Es ist eine Obsession. Die Waffe im Hosensack gibt ihm "e Gfühl vo Wichtigkeit". Es sind propere Pfadi-Typen, mit Gruppenrufen, Gruppenritualen, Gruppenidealen und Einzelzelten. Kein einziges Glas Cherry trinken sie ohne speziellen Feieranlass.
 
Eifrig halten sie eigene Ballistik-Seminare ab, Schiesskurse, studieren auf Fotos Einschusslöcher, ergehen sich in Pistolenträger-Typologie: Welches Ding passt zu welchem Mann? Dunkel ahnen sie, dass sie so ihre aufkeimende Sexualität sublimieren. Sarah etwa hat ihre Pistole beim Schritt versorgt, muss sie alle paar Sekunden wieder hochschieben, damit sie nicht aus der Jacke fällt. Und Dandy-Chef Nik ist in bläuliches Licht und kühle Ambient-Klänge gehüllt, wenn er einsam dasitzt: Es ist eine Angst-Atmosphäre wie beim ersten "Alien"-Film, wenn das Monster sein erstes Opfer tötet. Hier ist das Monster innen, und dagegen muss ein Werte-Kodex her: "Mir bhalte unseri Partner (Pistolen) im Dunkle", sagt Sarah. Sie ziehen nie, schwören sie.

Mit der jungen Proletarierin Hanna, die der Trottel-Dorfpolizist Krugler bei den Dandies zur Sozialreintegration parkiert, bekommen die romantischen Vorstellungen den entscheidenden Schlag: Sie giesst den Cherry ab Flasche in sich hinein – auch ohne spezielle Feier, macht sich sexuell direkt an Sarah heran und feuert auch mal mit Niks "Wendy". Damit rammt sie das Regelwerk der Dandy-Parallelwelt. Nik lässt die Dandies zu einer "Übung" in der Realität, im eigenen Dorf antreten. Sie endet im Kugelhagel der Polizei-Gewehre.

Was der einstige Dogma-Regisseur Thomas Vinterberg 2005 im Originalfilm als Blutbad vorführte, das ein ganzes Polizeiheer anrichtet, zeigt Nübling auf der Bühne wie Meister-Regisseur Akira Kurosawa in "Kagemusha": Wir hören nur die Salven krachen, und sehen die Opfer zusammenbrechen. Und mit der ganz leeren Bühne (Magda Willi) und ihrem schwarzen Boden erweisen die Basler Macher Von Triers "Dogville" ihre Referenz. Trotz aller filmischen Zitate: Nübling löste die Geschichte aus dem Film-Kontext der kleinen kanadischen Bergbaustadt, zeigte anstelle von narzisstischen Anti-Stars einfache Menschen und schuf so mit derselben Handlung und denselben Dialogen eine eigenständige Bühnenerzählung. Und wo im Film als "Störenfried" der Schwarze Sebastian auftauchte, platzierte er - politisch korrekter - die blonde Hanna. Was wohl die Beweggründe für diesen Entscheid waren?

7. Mai 2009
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Petitionsstellenden sind der festen Überzeugung, dass der Gemeinderat von Muttenz in Kenntnis aller Fakten wohl kaum (...) die vorgesehene Zonenplanänderung bejahren (...) kann."

Verein Windstill
in einer Medienmitteilung
vom 30. September 2020
zum Windkraft-Projekt
in Muttenz
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Vielleicht kann sie sogar betagt werden.

RückSpiegel

 

Das SRF-Regionaljournal, die BZ, fasnacht.ch sowie LDP-Grossrat Michael Hug (Interpellation) nahmen die OnlineReports-Recherche über Lärmprobleme durch Trommler, Peiffer und Gugge in Kleinhüningen auf.

Bajour schreibt, die Berichte von OnlineReports zur Baselbieter Velobahn-Affäre gefielen ihr "am besten".

In ihrem Kommentar über staatliche Medienförderung geht Prime News auf das über zwanzigjährige Bestehen von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung und die BZ zitierten in ihren Berichten über das Velobahn-Amigo-Geschäft von Klaus Kirchmayr und Isaac Reber ausführlich aus OnlineReports.

In ihrem Bericht über die Umgestaltung der Basler Meriangärten nimmt die BZ auf eine zuvor erschienene OnlineReports-Recherche Bezug.

Die Badische Zeitung zitierte in ihrer Vorwahl-Analyse der Basler Regierungs-Wahlen aus einem OnlineReports-Kommentar.

In der BZ-Kolumne nahm Daniel Wiener Bezug auf den OnlineReports-Kommentar über den Macht-Poker um die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

In ihrem Leitartikel über den Zustand des Kantons Basel-Stadt zitierte die BZ aus dem OnlineReports-Interview mit Michael Hug.

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

In ihrem Beitrag über den Protest gegen das "General Sutter"-Denkmal in Rünenberg nahm die BZ auf OnlineReports Bezug.

Die BZ zog die OnlineReports-News über den Rücktritt von Beat Jans als IWB-Verwaltungsrat nach.

Auch das Regionaljournal zog die OnlineReports-Geschichte über Probleme in den Familiengärten nach, verzichtete aber vornehm auf eine Quellenangabe.

Die BZ nahm die OnlineReports-Recherche über die erneute Schliessung der Familiengärten an der Landesgrenze auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Berufung des Staatsanwalts im Fall der FCZ-Schlägerei im Lehenmattquartier auf.

Das Regionaljournal griff die OnlineReports-Geschichte über Kurzarbeit bei BaZ und BZ auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Stadtpräsidenten-Ambition von Kantonsspital-CEO Jürg Aebi auf.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Story über den anstehenden Gerichtsfall zum Rothenflüher Blechpolizisten-Sprenger auf.

In ihrem Basler Medien-Epos nahm die Medienwoche auch auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung, Prime News und die BZ berichteten unter Berufung auf OnlineReports über Adrian Plachesis Abgang bei Telebasel.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Die Basler SP hat am 16. Oktober ihre Initiative "Kinderbetreuung für alle" mit über 3'000 Unterschriften eingereicht.

Dominik Beeler wird neuer Präsident der Grünen Liestal und damit Nachfolger von Erika Eichenberger.

Die Volksinitiative "für ein klimagerechtes Basel", die die Treibhausgas-Emissionen in Basel-Stadt bis 2030 auf Null senken will, ist am 8. Oktober mit über 3'700 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht worden.

Die Stadt Liestal hat die Einführung eines Ortsbusses namentlich in den Quartieren Sichtern und Langhag/Hanro mit 2'246 Ja-Stimmen gegen 2'717 Nein-Stimmen deutlich abgelehnt.

Binningen hat die SP-Initaitive gegen den Verkauf von gemeindeeigenem Boden mit  2'823 Ja gegen 2'809 Nein hauchdünn angenommen.

Münchenstein hat der Quartierplanung "Spenglerpark" mit dem 100 Meter hohen Hochhaus mit einem Ja- Anteil von 58 Prozent zugestimmt.

Der Deutsche Florian Röthlingshöfer wird neuer Direktor der Schweizerischen Rheinhäfen und Nachfolger von Hans-Peter Hadorn, der Ende Jahr abtreten wird.

Patricia von Falkenstein, die Präsidentin der Liberalen LDP, wird als Nachfolgerin von Helmut Hersberger neue Präsidentin des Hauseigentümer-Verbandes Basel-Stadt.

Roman Brunner (Muttenz) wird per 1. November 2020 neuer Präsident der Baselbieter SP-Landratsfraktion als Nachfolger von Miriam Locher, die sich für das Amt der Parteipräsidentin bewirbt.

Dem Enkeltrickgewerbe fielen in Basel kürzlich Beträge von 15'000 und 4'000 Franken in die Hände, während ein happiger Beutezug von 80'000 Franken misslang.

Der FC Basel und sein Captain Valentin Stocker verlängern den Vertrag vorzeitig um zwei weitere Jahre bis im Sommer 2023 – mit einer Option auf ein weiteres Jahr.

Im vergangenen Sommer lagen die Ozon-Konzentrationen in der Region Basel zwar tiefer als im Vorjahr, aber immer noch deutlich über den Grenzwerten der Luftreinhalte-Verordnung.

Mit zusätzlichen Städtepartnerschaften mit Abidjan (Elfenbeinküste) und einer Stadt in einem Erstfluchtland im Nahen Osten will die Basler Regierung "ein Zeichen der Solidarität setzen".

Teilerwerbstätigen Beziehenden von Ergänzungsleistungen und Beziehenden von Ergänzungsleistungen, die zu einer medizinischen Behandlung fahren, werden im Baselbiet die Kosten für Schutzmasken mit pauschal 30 Franken vergütet.

Ralph Lewin und Andreas Sturm stellen sich nach über zehnjähriger Amtszeit nicht mehr für eine Wiederwahl für die nächste Amtsperiode im Bankrat der Basler Kantonalbank zur Verfügung.

Die auslaufenden Verträge von Cheftrainer Marcel Koller und den Assistenztrainern Thomas Janeschitz und Carlos Bernegger mit dem FC Basel werden "im gemeinsamen Einvernehmen" nicht verlängert.

Die auf Gebäudetechnik und Energiekonzepte spezialisierte Rapp Gebäudetechnik AG plant die Konzentration ihrer Geschäftstätigkeit am Standort Münchenstein und erwägt die Schliessung ihrer beiden Filialen in Lausanne und Genf.

Der Baselbieter Landrat wird vorläufig – mindestens bis zu den Herbstferien – weiterhin im Basler Kongresszentrum tagen, wie die Geschäftsleitung beschlossen hat.

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt über den Pendlerfonds das Veloverleihsystem Basel mit 2,15 Millionen Franken.

Wegen der Corona-Situation haben der Gewerbeverband und das Erziehungsdepartement entschieden, die 8. Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse  vom 15. bis 17. Oktober nicht durchzuführen.

Auf der A2 bei Birsfelden wurde in der Nacht des 3. August ein in der Region wohnhafter Italiener als Raser erwischt, der bei erlaubten 80 mit 140 Stundenkilometern in Richtung Bern/Luzern unterwegs war.