Werbung

Aurel Schmidt: "Seitenwechsel"

<< [ 1 | (...) | 181 | 182 | 183 | 184 | 185 | 186 | 187 | 188 | 189 | 190 | (...) | 206 ] >>

Lieber Margen als Märkte

Der Markt regelt alles. Er bietet die Lösung aller Probleme an. Nur: Ob es sich dabei um eine Erlösung oder Auflösung handelt, bleibt unentschieden.

Die Rede vom Markt ist immer ergreifend anzuhören, aber selten durchdacht. Markt heisst Konkurrenz, und Konkurrenz ist angeblich gut für die Wirtschaft. Die Unternehmen strengen sich an und entwickeln verbesserte, das heisst wettbewerbsfähige Produkte, dies erst noch zu tieferen Preisen, was die Konsumenten, diese armen Teufel, sich dankbar gefallen lassen. So werden Umsatz und Geschäft belebt.

Schön wärs. Das Gegenteil ist der Fall. Nichts ist in Tat und Wahrheit so schlecht für die Wirtschaft wie Markt und Wettbewerb. Für das Lehrbuch und die Rhetorik mögen sie genügen, für den Geschäftsalltag sind sie Gift.

Zwei Beispiele. Es gibt in der Schweiz 4'500 Tankstellen. Viel zu viele, sagen Fachleute. Zwar profitieren die Automobilisten davon, aber als Folge werden die Erträge gedrückt. Das ist der unerwünschte Nebeneffekt des gepriesenen Prinzips Markt.

Die Baufirmen Zschokke und Batigroup haben sich zusammengeschlossen. Weil die Firmen allein zu klein sind, um sich auf dem Markt behaupten zu können, fusionieren sie und steigen so in die Champions League der Baulöwen auf. Sie werden kompetitiv. "Die Fusionspläne sind bei den Anlegern an der Börse gut angekommen", kommentierte die "Basler Zeitung" am 16. November 2005. Nebenbei wurden als Folge des Deals 650 Stellen abgebaut.

In der gleichen Sache kam die "Handelszeitung" zur hübschen Erkenntnis: "Es gibt viel zu viele Baufirmen, die sich gegenseitig die Aufträge streitig machen und die Preise und damit auch die Margen in den Keller drücken." Sage ich ja: Der Markt ist schlecht für die Margen. Eine Ausnahme bilden die Ärzte. Je mehr es von ihnen gibt, desto teurer das Gesundheitswesen.

Man weiss jetzt, was Kompetitivität heissen will. 650 Stellen weg und Wohlgefallen an der Börse. Für die eingebetteten Wirtschaftsjournalisten zählt nur, dass die Rechnung stimmt. Die Nachteile übersehen sie. Die gehören nicht in ihren Kompetenzbereich.

Im gleichen Zeitraum wie die beiden erwähnten Fälle wurde bekannt, dass die "Swiss Re" für 6,8 Milliarden Dollar die Rückversicherung von "General Electric" erworben hat. Auch hier müssen Stellen abgebaut werden, "allerdings keine in der Schweiz". Sonst hätten die journalistischen Begleitmusiker von der bedauerlichen, aber ökonomisch gerechtfertigten Notwendigkeit gesprochen. Zur Übernahme liess sich der Konzernchef Coomber so vernehmen; "Grösse war in unserem Geschäft nie wichtiger als heute."

Da liegt der Hund begraben. Nicht Konkurrenz ist das Ziel, sondern Grösse beziehungsweise Beherrschung des Markts. Also weniger Konkurrenz. Wegen der Margen. Siehe oben.

Natürlich müssen die "immensen Schäden verdaut" werden ("Basler Zeitung"), die in der Branche aufgelaufen sind (die Risikoversicherung scheint ein intestinales Problem zu sein). Die Ursache dieser Schäden ist keiner Überlegung wert. Auch andere Fragen erübrigen sich, wenn die Börse ihren Segen erteilt und der hypothetische Markt alle Probleme gelöst hat.

28. November 2005
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Aurel Schmidt, Jahrgang 1935, war bis Mai 2002 Redaktor der "Basler Zeitung" (vorher "National-Zeitung"). Er war mitverantwortlich für das jeden Samstag erscheinende "Basler Magazin" und verfasste zahlreiche philosophische Essays, Reise-Reportagen, Kommentare und Kolumnen. Schmidt, der heute als Schriftsteller und freier Publizist in Basel lebt, machte sich auch als Autor mehrerer Bücher einen Namen: "Der Fremde bin ich selber" (1982), "Wildnis mit Notausgang. Eine Expedition" (1994), "Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen" (1998). Ausserdem liegen vor: "Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika" (2002), "Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden" (2006), "Auch richtig ist falsch. Ein Wörterbuch des Zeitgeists" (2009). Zuletzt erschienen: "Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte" (2011). © Foto by OnlineReports.ch

aurel.schmidt@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Zahlen stimmen bei weitem nicht"

Sie erwähnen in Ihrem Bericht, dass es in der Schweiz 4'500 Tankstellen betrieben werden. Ich weiss nicht, woher Sie diese Zahlen haben, sicher stimmen sie bei weitem nicht.
 
1988 gab es 3'985; 2004 waren es noch 3,495 also ein klarer Trend zur Konzentration. Massgebend für die Verringerung der Zapfstellen war nicht nur die stagnierende Nachfrage, sondern in erster Linie die strengen Umweltschutzauflagen. Die zitierten Angaben stammen aus dem Jahresbericht der Erdölvereinigung.


Rudolf Feierabend, Präsident der Schweizerischen Schifffahrtsvereinigung, Basel



"Der Markt wirds nie und nimmer richten"

Eine Utopie geht um im globalen Dorf: Die Utopie, wonach der Markt alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Koordinations- und Regulierungsprobleme lösen wird. Neoliberale Apologeten unterschiedlichster Herkunft und Couleur werden nicht müde, den Markt als die Heilsversprechung anzupreisen. Dabei hat keiner der grossen und echten liberalen Ökonomen den Markt als gute Lösung verstanden. Der Markt ist, wie die Demokratie, die schlechteste Lösung, ausgenommen alle anderen. Und der Markt ist nur so gut wie die ihn beherrschenden Manager bzw. die sie kontrollierenden Aufsichts- und Verwaltungsräte.

Nach dem Lehrbuch beruht das marktwirtschaftliche Wirtschaftssystem auf dem Wettbewerb. Es kommt immer darauf an, besser und stärker zu sein als die anderen. Doch wie gross darfs denn sein? Dieser Egoismus macht vor nichts halt. Immer deutlicher werden die Folgen sichtbar: Stellenabbau, Arbeitslosigkeit, Marginalisierung des Mittelstandes und dadurch Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich, Zerfall der gesellschaftlichen Werte und hemmungslose Ausplünderung der natürlichen Ressourcen.

Der entfesselte Markt allein wird es nie und nimmer richten, zumindest nicht für alle. Wenn wir den Moloch Markt in Schranken halten wollen, so braucht es Leitplanken, die nur der demokratisch legitimierte Staat aufrichten und kontrollieren kann. Nötig sind auch einheitliche Prinzipien für eine globale Wettbewerbspolitik, eine neue Weltwirtschaftsordnung.


Pius Helfenberger, Münchenstein


www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Anwätltin"

Schweizer Fernsehen
Text auf einem Standbild
der Verteidigerin
des Fussballers Dani Alves
am 22. Februar 2024
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Drippelfehler.

RückSpiegel


Die bz zitiert den OnlineReports-Artikel über die Wiedereröffnung des Gefängnisses in Sissach.

Baseljetzt erzählt den OnlineReports-Artikel über die Räppli-Krise nach.

Das Regionaljournal Basel, Baseljetzt, BaZ und 20 Minuten vermelden mit Verweis auf OnlineReports den Baufehler bei der Tramhaltestelle Feldbergstrasse.

Die Basler Zeitung bezieht sich in einem Interview zu den Gemeindefusionen auf OnlineReports.

persoenlich.com und Klein Report vermelden mit Verweis auf OnlineReports die Personalrochade bei Prime News.

Die Volksstimme schreibt über die Wahl von Claudio Miozzari zum Grossratspräsidenten von Basel-Stadt und zitiert dabei OnlineReports.

In einem Artikel über die Leerstandsquote bei Büroflächen in Basel nimmt die bz den Bericht von OnlineReports über einen möglichen Umzug der Basler Polizei ins ehemalige Roche-Gebäude an der Viaduktstrasse auf.

Das Regionaljournal Basel und die bz berichten über die Bohrpläne der Schweizer Salinen im Röserental und beziehen sich dabei auf OnlineReports.

Landrat Thomas Noack zitiert in einem Carte-blanche-Beitrag in der Volksstimme aus dem OnlineReports-Artikel über die Finanzkrise in Baselbieter Gemeinden.

Die Nachrichtenagentur SDA nimmt Bezug auf OnlineReports und schreibt, dass SP-Nationalrätin Sarah Wyss für eine Regierungs-Kandidatur nicht zur Verfügung steht.

Baseljetzt und Klein Report vermelden mit Verweis auf OnlineReports, dass Swisscom die Führungen durch den Fernsehturm auf St. Chrischona einstellt.

20 Minuten und ein Podcast der Zeit nehmen den Artikel von OnlineReports über das Hupe-Verbot für das Kinderkarussell auf dem Münsterplatz auf.

Die bz zieht den OnlineReports-Artikel über die frühere Grellinger Kirchen-Kassiererin nach, die ihre Verurteilung vor Bundesgericht anficht.

Die Basler Zeitung und Happy Radio greifen die OnlineReports-Recherche zur Girema Bau AG auf.  

 

Weitere RückSpiegel

Werbung







In einem Satz


Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.

 

Mitte-Landrat Simon Oberbeck folgt am 1. August 2024 als Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrtund Hafenwirtschaft auf André Auderset.

Die Junge SVP Basel-Stadt hat Demi Hablützel (25) einstimmig für zwei weitere Jahre als Präsidentin wiedergewählt.

Dominic Stöcklin wird neuer Leiter Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung von Basel Tourismus.

 

Samir Stroh, aktuell Gemeindeverwalter in Brislach, übernimmt Anfang Mai 2024 die Leitung von Human Resources Basel-Stadt.

Das Sperber-Kollegium hat Sterneköchin Tanja Grandits zur "Ehrespalebärglemere 2023" ernannt.

Der mit 50'000 Franken dotierte Walder-Preis geht dieses Jahr an Konrad Knüsel, den Präsidenten des Vernetzungsprojekts Rodersdorf und des Naturschutzvereins Therwil.

Götz Arlt tritt am 1. Januar 2024 die Nachfolge von Christian Griss an und übernimmt die Stufenleitung der Sekundarschulen I im Bereich Volksschulen des Erziehungsdepartements Basel-Stadt.

Michael Gengenbacher tritt am 1. Februar 2024 seine neue Stelle als Chief Medical Officer (CMO) und Mitglied der Spitalleitung beim Bethesda Spital an.

Markus Zuber übernimmt am 1. Oktober die Leitung der St. Clara Forschung AG (St. Claraspital).

Das Präsidium der Juso Baselland besteht neu aus Clara Bonk, Angel Yakoub (Vize) und Toja Brenner (Vize).