Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Wie ich beim Maskenball einen Bart einfing

Das Wahlfieber hat sich gelegt, das Corona-Fieber nicht. Die Ansteckungszahlen steigen, die einen schreien nach Lockdown, die andern nach der totalen Freiheit, und dazwischen steht die Regierung, die es niemandem recht machen kann. Die Regierung, die nun hoffentlich mit Baschi Dürr und Stephanie Eymann komplettiert wird, nebenbei bemerkt. Nur die zwei auf den Wahlzettel setzen, das reicht.

 

Aber eben, die alltäglichen Probleme all derer, die nicht krank sind, sind doch ganz andere, hautnahe. Nicht das Klopapier, das haben wir nun zur Genüge, sondern die Masken.

 

Natürlich ziehe ich eine an, öfter, als ich müsste. Mir ist völlig egal, wer was befiehlt, ich will möglichst gesund bleiben. Allerdings bin ich auch eitel. Und Tetrachromatin (googeln Sie, ich weiss es auch erst seit kurzem). Und ich habe eine Zahnarztphobie (ausser bei Thomas). Wie auch immer: Diese hellblau-weisslichen Papiermasken gehen nicht, und zwar sowas von ganz und gar nicht. Grässlich.

 

Die Maske muss farblich passen. Zur Brille, zur Jacke, zum T-Shirt, zum Mantel. Sie muss vom Schnitt her passen, zur Nase, zu den Ohren, zum Kinn. Sie muss antiviral beschichtet sein und die medizinischen Anforderungen erfüllen.

"Wie das juckt, all diese Mini-Härchen,
die unter die Maske geraten."

Inzwischen habe ich ein ganzes Maskenarsenal, in allen Farben, Mustern, Schnitten und Designs, online kriegst du alles, einschliesslich oranger Masken für politische Aktionen. Es gäbe auch Masken im Burberry-Muster, Louis-Vuitton-Masken, Masken mit Schnauz oder Kussmund drauf, mit Totenkopf, Herzchen, Leoparden-Print, Blümchenwiese, Katzenschnauze. Aber das führe ich nicht, denn da würden meine Farbrezeptoren durchstarten.

Ein paar der Masken sind hübsch, aber unbrauchbar, weil ich darin aussehe wie Schlumpfine. Andere reichen von der Gurgel bis zu den Augenbrauen oder sind so gross, dass ich sie gleich als Kapuze nutzen könnte. Das sind halt die Risiken des Maskenkaufs, aus seuchenpolizeilichen Gründen geht anprobieren vor dem Kauf ja nicht.

 

So grossartig diese neue Mode ist, sie ist auch tückisch. Anfangs wusste ich zum Beispiel nicht, wohin mit dem potenziell infizierten Ding, zog es mit spitzen Fingern am Gummi weg. Aber dann? Wohin damit? Um den Arm gümmelen? Die Seuche würde dann ja verschleppt auf alles, was ich mit dem Arm berühre. In die Tasche stecken? Um Himmels willen, mit all den Viren dran. Also habe ich nun eine Kordel um den Hals, wie für eine Lesebrille, und da hängt die Maske in ihrer Gebrauchspause zufrieden vor sich hin.

 

Ein paar kleine Probleme bleiben dennoch. Die Brille läuft an. Und fliegt davon, wenn ich die Maske nicht sorgfältig ablege. Der Schal verheddert sich in der Maske. Und die Maske mit dem Kopfhörerkabel, das ist mal unter dem Maskengummi, mal darüber, eine Nestelei ohne Ende. Mein Mitgefühl mit denjenigen Zeitgenossen, die darüber hinaus noch ein Hörgerät ihr Eigen nennen und dieses mit der Maske kombinieren müssen, ist grenzenlos.  

 

Wenn es kalt ist oder wenn einer mit Katze im Tram neben mir sitzt, läuft meine Nase. Sich schnäuzen wäre dann dringend angebracht, geht aber nicht. Oder beim Coiffeur. Wie das juckt, all diese Mini-Härchen, die unter die Maske geraten. An der Nase reiben geht nicht, Stephan würde umgehend infiziert, möglicherweise. Als ich das letzte Mal zuhause die Maske endlich abnehmen konnte, hatte ich einen Bart. Zum Glück musste ich mich nur waschen und nicht rasieren.

 

Aber die Dame von Welt ist hart im Nehmen. High Heels, knallenge Röcke und raffiniert geschnittene Abendkleider sind auch nicht einfach. Und da geht es nicht darum, eigenes oder das Leben von anderen zu retten. Deshalb: Solange die Farbe passt, der Stoff der richtige ist und der Schnitt stimmt, ist dieser Maskenball doch ein Klacks.

 

Wie schon erwähnt, wir brauchen jetzt Baschi Dürr und Stephanie Eymann in der Regierung. Setzen Sie diese beiden auf Ihren Wahlzettel, nur sie. Die tragen auch Maske, beide eine dunkelblaue aus Stoff, jede Wette.

2. November 2020
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums in einer Basler Wirtschaftskanzlei. Die ehemalige Präsidentin der damaligen CVP Basel-Stadt (neu: "Die Mitte Basel-Stadt") ist derzeit Präsidentin der "Mitte"-Sektion Grossbasel-West und Parteileitungs- und Vorstandsmitglied der Basler "Mitte". Sie ist Grossrätin und Fraktionspräsidentin ihrer Partei. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel. © Foto OnlineReports.ch

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