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Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Mensch und Elektronik am Zündschloss

Ohne Elektronik geht nichts mehr. Mit Elektronik auch nicht, jedenfalls bei mir. Wir mögen uns nicht, diese ganzen Stromsachen und ich. Und dies, wo doch heutzutage alles "E" ist, E-Bike. E-Auto. Am liebsten hätte ich ja einen Gasherd, da siehst du, was Sache ist. Fossil ist ehrlicher, stinkt, raucht, warnt. Strom ist heimtückisch, zack und du bist tot. Aber lassen wir das, wir müssen die Umwelt schützen. Auch vor der Heiligsprechung der elektrischen Energie.

Kürzlich nun streikten mein Autoschlüssel und/oder das Zündschloss des Autos. Da ist ja bei beidem Elektronik drin, also war unklar, was Sache ist. Die Türen konnte ich zwar mit der Fernbedienung aufklicken, den Schlüssel aber nicht ins Zündschloss stecken, es blockierte. Ich wechselte mal versuchsweise die Batterien, nichts. Ich las mich durch die Bedienungsanleitung, und die kam mir spanisch vor, weil sie spanisch war.

Also googelte ich "Zündschloss blockiert" und erhielt ruckzuck zahlreiche Antworten von Usern, deren Zündschloss auch blockiert hatte. Neunundneunzig Prozent sagten, ich solle die Batterie auswechseln, das Schloss ausbauen, ein neues Auto kaufen und ähnliches, und der Rest sprach von automatischer Blockierung für den Fall eines Diebstahls. Ich müsse erst mit dem Ersatzschlüssel alles zuschliessen, dann mit der Fernbedienung wieder alles aufmachen.


Das kam mir etwas esoterisch vor, wie auch immer, es half nichts. Immerhin brachte ich das Auto schliesslich mit dem rein mechanischen Ersatzschlüssel zum Laufen. Typisch, dachte ich, ist ja klar, der einfache analoge Ersatzschlüssel funktioniert, aber mit der elektronischen Fernbedienungs-Variante macht das Schloss dicht.


"Es gibt Momente, in denen man sich
saublöd vorkommt. Das war so einer."


Es begab sich, dass ich bei meiner Stammgarage vorbeifuhr und gleich die Gelegenheit ergreifen wollte, einen neuen elektronischen Schlüssel zu bestellen. Die Garage gehört Vater und Sohn, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Der Vater ist klein, dunkel, braungebrannt, ölverschmiert, und steht in der Werkstatt. Der Sohn ist gross, modebewusst, immer auf Achse, und verkauft Autos. Ich fuhr also vor, und da stand auch schon der Vater und strahlte mich an.


Wir redeten zunächst über die Pandemie, dann seine Nierensteine, mein Home-Office, seine Grosskinder, das Wetter, die Politik. Der Sohn fuhr auf seiner Vespa vorbei, riss einen Vollstopp, wie geht es dir, montieren wir die Sommerräder, und so ging das ein ganzes Weilchen. Irgendwann kam ich dann zur Sache, gab dem Senior den Schlüssel, und sagte, das Zündschloss blockiere, ich bräuchte einen neuen Schlüssel. Ungläubig setzte er sich hinters Steuer, und es ging auch bei ihm nicht. Ich war so was von erleichtert, Sie kennen das, Vorführeffekt. Doch die Erleichterung war nicht von Dauer.  

Er hievte sich wieder raus und blickte mich strafend an. Sehr, sehr strafend. Ich verstand absolut rein gar nichts und erklärte wortreich, was ich alles schon versucht hatte, einschliesslich Esoterik. Der Blick wurde noch strafender, die Augen rabenschwarz. Schliesslich hob er den Schlüssel hoch, deutete mit seinem knorrigen Zeigefinger darauf - und schüttete sich aus vor Lachen.

Nichts blockiert, völlig verbogen, dein Schlüssel, was hast du denn damit gemacht?! Ging grinsend und kopfschüttelnd in seine Werkstatt und man hörte ihn hämmern. Kam wieder, steckte den Schlüssel ins Schloss, und natürlich ging der Motor an. Es gibt so diese Momente in einem Menschenleben, in denen man sich saublöd vorkommt. Das war so einer.

Zu allem hin tröstete er mich dann auch noch. Vermutlich sei der Schlüssel doch bloss mal auf den Boden gefallen, und als ich nicht hinschaute, sei ein Felsbrocken draufgedonnert, so was passiere hier tagtäglich, Steinschlag. Oder Uri Geller sei grad vorbeigefahren. Ich hatte auch noch ein paar abstruse Erklärungen auf Lager, wir überboten uns und lachten uns halbtot. Nur als ich fragte, was ich ihm schuldig sei, wurden seine Augen wieder tiefschwarz und er hob drohend die Hand. Mach', dass du wegkommst, mancherebbe!, fehlte noch.

Tessin halt. In Basel hätte einer, nach längerer Wartezeit, mürrisch meine Adresse aufgenommen, mürrisch die Seriennummer des Schlüssels notiert, mürrisch gesagt, das würde dann sicher zwei Wochen dauern. Und ich solle das vorauszahlen, sonst bliebe er auf noch der Rechnung sitzen.

Und dann wäre ein Mann in Schale mit Dieter-Bohlen-Lächeln aus dem Hintergrund aufgetaucht und hätte superoberfreundlich gefragt, ob er mir den neusten E-SUV zeigen dürfe.

1. Juni 2020
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitete als Anwältin auf dem Gebiet des Geistigen Eigentums und ist seit 2021 pensioniert. Die ehemalige Präsidentin der damaligen CVP Basel-Stadt (neu: "Die Mitte Basel-Stadt") ist Grossrätin und Fraktionspräsidentin ihrer Partei. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel. © Foto OnlineReports.ch

andreastrahm@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Unnötige General-Watsche"

Nette Kolumne, Frau Strahm. Ich finde allerdings, die General-Watsche für die Basler Garagisten am Ende des Textes Ihres Stils unwürdig und völlig unnötig. Es gibt hier in der Region solche Familien-Betriebe, wo sie wahrscheinlich sogar noch einen Kaffee erhalten hätten! Ganz genau so, wie es im Tessin sicherlich auch Autohäuser mit tüchtigen Autoverkäufern gibt.


Daniel Thiriet, Riehen



"Vor dem falschen Auto"

Wunderschöne Geschichte! Habe lesend mitgelitten und zwischendurch laut gelacht. Dabei fiel mir folgendes Basler Episödchen ein:

Ein Freund aus Bern konnte auf einem Parkplatz in Basel die Autotüre nicht elektronisch öffnen. Probierte eine Viertelstunde erfolglos. Garage? An einem Sonntag? Er rief den TCS-Pannendienst. Der kam, fragte für das Rapportformular nach der Kontrollschildnummer des Autos – und meinte dann kopfschüttelnd: "Sie stehen vor einem falschen Auto! So kann der elektronische Schlüssel ja nicht funktionieren." Ein angewandter Fall, um sich wirklich saublöd vorzukommen ...


Peter Amstutz, Sursee


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"Zwei Unfälle mit Velofahrerenden"

Watson
in einem Titel
in der Rubrik Polizeirapport
am 20. Juni 2024
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Am Ende die Velofahrer?

RückSpiegel

 

Die bz vermeldet den Tod von Aurel Schmidt und bezieht sich dabei auf OnlineReports.

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel

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In einem Satz


Markus Jordi, langjähriges Mitglied der SBB-Konzernleitung, übernimmt am 1. Januar 2025 den Vorsitz des Fachhochschulrats der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Karoline Sutter und Urs Berger treten nach über zehn Jahren per 31. März 2025 aus dem Bankrat der Basler Kantonalbank zurück, die Vakanzen werden demnächst ausgeschrieben.

Jacqueline Herrmann und Alexander Bieger lösen Brigitte Jäggi ab, die als Rektorin des Gymnasiums Muttenz in Pension geht.

Bettina Zeugin folgt als Präsidentin von insieme Baselland auf Röbi Ziegler.

Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Peter Schmid gibt das Präsidium des Freundevereins Zoo Basel an seine Parteikollegin und Landrätin Miriam Locher ab.

Eine Findungskommission sucht eine Nachfolge für Anna Schmid, Direktorin des Museums der Kulturen Basel, die 2025 in Pension geht.

Grünen-Politikerin Flavia Müller aus Allschwil rückt für Biljana Grasarevic in den Baselbieter Landrat nach.

Doppel-Pensionierung am Euro-Airport: Direktor Matthias Suhr geht Ende März 2025, sein Stellvertreter Marc Steuer Ende Dezember 2025 in den Ruhestand.

Jo Krebs
übergibt nach über 23 Jahren seine Stelle als Leiter Unternehmenskommunikation von Primeo Energie an Nachfolger Fabian Hildbrand.

Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.