Werbung

Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

<< [ 1 | (...) | 131 | 132 | 133 | 134 | 135 | 136 | 137 | 138 | 139 | 140 | (...) | 174 ] >>

Skandal: Frau erneut zu Kolumne genötigt

Es war kein Ausländer, immerhin. Ansonsten: "Frau vergewaltigt", "Am helllichten Tag: Jugendlicher zusammengeschlagen".  Schaue ich gerade jetzt (Sonntag, 16. September 2012, 10:30) mein Lieblings-News-Portal an, dann hat's da zehn Pfeile mit Schlagzeilen, zwei rote und acht graue. Die roten heissen "Zwei Schwerverletzte … " und "Vater tötete …" Das scheinen die weltbewegenden zu sein. Bei den acht grauen hat es noch drei der Kategorie "Unfälle und Verbrechen". Die Hälfte der Schlagzeilen dieses doch eigentlich seriösen Mediums hat also mit Themen zu tun, die traditionellerweise ins Ressort von "Blick" & Co. fallen.

Dies ist kein Einzelfall, alle Medien informieren zwischenzeitlich entsprechend. Mit der Erregung von Gefühlen wie Angst, Empörung und Entsetzen, Lust oder Lüsternheit ("Sex sells") werden Leser und Leserinnen an Land gezogen. Und das gibt Kohle, denn je grösser die Leserschaft ist, desto mehr Werbung wird geschaltet.

Die Krux: Seit Gratisblättchen die Massen überschwemmen und News im Internet gratis und franko erhältlich sind, verdient keine Zeitung, kein Newsportal und keine Nachrichtensendung ihr Geld mehr mit den Abonnenten, sondern nur noch mit Werbung. Und die Werbung verlangt nach der Masse. Die Folge sind plakative Schlagzeilen und da muss die interessierte Leserin durch, will sie zu den interessanten Themen gelangen. Es geht bei dieser Art der Berichterstattung also nie um die Opfer, um Prävention oder Aufklärung, sondern um Leserzahlen und damit, fürs Medium, ums nackte Überleben. Informieren ist nicht mehr wichtig, nur noch erregen zählt.

Warnen und aufklären tut die Polizei, und dies praktisch unbeachtet von den Medien. Die "Aktion Augen auf und Tasche zu" läuft das Jahr hindurch, Aktion "Noël" bei den Taschendiebstählen in der Vorweihnachtszeit. Es gibt Durchsagen im Tram und der Polizeibus kommt ins Quartier, warnt vor Dämmerungseinbrüchen und verteilt Broschüren, wie vorgesorgt werden kann. Wer möchte, kriegt Besuch vom Fachmann, der Wohnung oder Haus gratis und franko begutachtet und schaut, wo Sicherheitsvorkehrungen angebracht sind, damit kein Einbrecher eindringen kann. Die Polizei stellt Kriminalitätsstatistiken zur Verfügung, zeigt auf, wo Handlungsbedarf besteht, und dies wird von der Regierung Ernst genommen. Es geht also nicht nichts. Bloss berichtet kaum ein Medium darüber.

Klar ist: Die erdrückende Mehrheit aller Frauen wird nicht vergewaltigt, Jugendlichen nicht beraubt oder zusammengeschlagen, und die allermeisten Väter töten ihre Kinder nicht und Mädchen kommen nachts sicher nach Hause. Auch gehen die meisten Ausländer auf niemanden mit einem Messer los, ausser auf den Sonntagsbraten. Die moderne Berichterstattung bauscht auf und erweckt so einen Eindruck, der den Tatsachen nicht entspricht. Sie schafft ein Klima der Angst, welches jeder Objektivität entbehrt. Und wer diese Optik zurechtrücken will, dem wird unterstellt, er spiele die Risiken herunter.

Dies wird derzeit im Wahlkampf breit instrumentalisiert. Den Ball haben die Medien zugespielt, die Kandidaten nehmen ihn dankbar auf. Die Sicherheit ist zum Lieblingsthema vieler geworden. Dabei wird übersehen, dass damit einer billigen Stimmungsmache ein Wahrheitsgehalt zugestanden wird, der jenseits aller Realitäten ist. Es besteht die Gefahr, dass mit dieser Sicherheitsdebatte Mittel gebunden werden, die anderswo dringend benötigt würden.

Denn klar ist nur eines: Auch wenn an jeder Ecke ein Polizist steht und wir überall Kameras haben – die Medien werden weiterhin jeden Überfall, Unfall und Skandal umgehend aufnehmen, aufbauschen und in Szene setzen, wenn damit die Leserzahlen steigen. Womit sich am Klima der Angst nichts ändern wird, Fakten hin oder her.

Diese Art der Berichterstattung schafft Opfer, anstatt aufzuklären und zu informieren. Die Medien stehen unter Druck, können ihre Verantwortung nicht mehr wahrnehmen, Respekt und Anstand fehlen. Dies ist skandalöser als all die Schlagzeilen, die da in Grossbuchstaben auf Blechkisten prangen. Und dies sollten Politiker nicht unterstützen, sondern anprangern.

Ich habe nichts gegen Information, nichts gegen Sicherheit, nichts gegen Fakten. Aber alles gegen üble Stimmungsmache, reisserische Schlagzeilen.

 

(Redaktionelle Anmerkung: Diese Meinung der Kolumnistin deckt sich ausdrücklich nicht mit jener der Redaktion;-)

24. September 2012
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitete als Anwältin auf dem Gebiet des Geistigen Eigentums und ist seit 2021 pensioniert. Die ehemalige Präsidentin der damaligen CVP Basel-Stadt (neu: "Die Mitte Basel-Stadt") ist Grossrätin und Fraktionspräsidentin ihrer Partei. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel. © Foto OnlineReports.ch

andreastrahm@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Ein Eigengoal geschossen"

@Gabi Mächler: Meines Wissens kandidiert Frau Strahm (erneut) für den Grossen Rat, hat also sehr wohl politische Ambitionen. Ob das Thema und der Stil dieser Kolumne Wahlkampf ist oder nicht, weiss ich nicht. Aber wenn, dann könnte die Kolumnistin damit ein Eigengoal geschossen haben.


Gaby Burgermeister, Basel



"Andrea Strahm macht es sich zu leicht"

Woher weiss eigentlich Herr Müller, aus Molinazzo di Monteggio, ob Basel sicher ist? Auch Andrea Strahm macht es sich zu leicht, wenn sie die Schuld gewissen Medien in die Schuhe schiebt. Ich kenne viele ältere Damen, die weder Blick, Gratiszeitungen noch OnlineReports lesen und trotzdem abends nicht mehr auszugehen wagen, weil sie sich kein Taxi leisten können. Das war früher anders. Nicht nur die Gewalttaten sind ein Problem, sondern auch, dass man anscheindend heute nicht mehr frei darüber diskutieren darf.


Alexandra Nogawa, Basel



"Frau Strahm macht sich über Opfer lustig"

Frau Strahm versucht, die erschreckende tägliche kriminelle Realität und die zunehmende Brutalität der kriminellen Ereignisse in unserer Region zu beschönigen. So macht sie sich bewusst oder unbewusst über die Opfer lustig.


Selbstverständlich gehört klipp und klar gesagt und geschrieben, wer die Täter sind und woher sie kommen. Diese Wahrheitspflicht hat OnlineReports stets erfüllt. Ganz abgesehen davon, dass bei vielen Fällen, wo "Schweizer" vermerkt wird, dahinter "mit Migrationshintergrund" stehen sollte.


Die wahren Prozentzahlen der Herkunftsländer der Täter sind deshalb – leider – wohl nach oben zu korrigieren.


Sabina Droll, Seltisberg



"Danke, Danke, Danke"

Danke, Danke, Danke Frau Strahm für die träfen Worte, sie sprechen mir aus dem Herz. Als Kolumnistin können Sie es nüchtern beleuchten, eine Politikerin würde man des Wahlkampfs bezichtigen. Darum Danke, es aus Ihren Federn immerhin lesen zu dürfen.


Gabi Mächler, Basel



"Donation für den OnlineReports-Recherchierfonds"

Gut so, Frau Strahm! Der letzte Wink mit dem Zaunpfahl an die Post war gut ... und nötig! Und nun dieser an die Medien, besser und noch nötiger! Der Kampf um Aufmerksamkeit ist in vollem Gange. Ihr Titel sei Ihnen aus aktuellem Anlass verziehen. Sie haben nebenbei der Idee wirksam nachgeholfen, jene Medien ohne Werbung und ohne das schon Berichtete wiederzukäuen, mit einer Donation zu unterstützen. Ich erteile einen Dauerauftrag über monatlich Fr. 10.-- an die Adresse:


Basellandschaftliche Kantonalbank, Liestal

Postckeckkonto 40-44-0

IBAN CH84 0076 9055 8466 8200 1

OnlineReports Recherchierfonds, 4001 Basel


Bruno Rossi, Gelterkinden



"Medien erwecken einen falschen Eindruck"

Schön, dass eine junge Frau es wagt, diese Meinung zu vertreten. Im Vergleich mit anderen Ländern, auch innerhalb Europa, ist die Schweiz immer noch ein sehr sicheres Land. Zugenommen haben die Verbrechen in den letzten Jahren nur marginal; es sind die Medien, die den Eindruck erwecken, die Welt bestehe aus Verbrechen. Ist halt die Information, die am preisgünstigsten zu haben ist. Polizeiberichte sind gratis. Leider bringt auch OnlineReports mehr und mehr "Unfälle und Verbrechen". Der Nachsatz der Redaktion unter Andrea Strahms Kolumne ist da wenigstens ehrlich. Aber schade ist es trotzdem.


Chirstian Müller, Molinazzo di Monteggio


www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Basler Bauern kämpfen gegen den Dauerregen"

BaZ
in einem Titel
im Regionalteil
am 16. Juli 2024
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Zürcher Blattmacher kämpfen für die Kantonsfusion.

RückSpiegel

 

20 Minuten und zentralplus zitieren die OnlineReports-Recherche über die Baselbieter Obstbauern, die ihre Kirschen nicht verkaufen können.

Die BaZ und 20 Minuten beziehen sich in einem Artikel über den tödlichen Unfall im St. Johann auf einen Bericht aus dem OnlineReports-Archiv.

Die bz nimmt die OnlineReports-Recherche über den Kunst-Coup der Stiftung Im Obersteg auf.

Die bz vermeldet den Tod von Aurel Schmidt und bezieht sich dabei auf OnlineReports.

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel







In einem Satz


Markus Habegger übernimmt am 2. August die Leitung des Tageshauses für Obdachlose in Basel als Nachfolger von
Paul Rubin.

Der Basler Rechtsanwalt und Baurechtsexperte Daniel Gebhardt wird neuer Verwaltungsratspräsident der Rhystadt AG, der grössten Eigentümerin auf dem Klybeck-Areal. 

Die Baselbieter Grünen-Landrätin Erika Eichenberger tritt im September zurück, Natalie Oberholzer rückt nach.

Ass. Prof. Dr. Prisca Liberali wird für ihre Forschung auf dem Gebiet der Gewebebildung mit dem Wissenschaftspreis der Stadt Basel ausgezeichnet.

Sarah Mehler folgt am
1. Oktober als neue Geschäftsführerin der Kaserne Basel auf Eva Heller.

Markus Jordi,
langjähriges Mitglied der SBB-Konzernleitung, übernimmt am 1. Januar 2025 den Vorsitz des Fachhochschulrats der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Karoline Sutter und Urs Berger treten nach über zehn Jahren per 31. März 2025 aus dem Bankrat der Basler Kantonalbank zurück, die Vakanzen werden demnächst ausgeschrieben.

Jacqueline Herrmann und Alexander Bieger lösen Brigitte Jäggi ab, die als Rektorin des Gymnasiums Muttenz in Pension geht.

Bettina Zeugin folgt als Präsidentin von insieme Baselland auf Röbi Ziegler.

Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Peter Schmid gibt das Präsidium des Freundevereins Zoo Basel an seine Parteikollegin und Landrätin Miriam Locher ab.

Eine Findungskommission sucht eine Nachfolge für Anna Schmid, Direktorin des Museums der Kulturen Basel, die 2025 in Pension geht.

Grünen-Politikerin Flavia Müller aus Allschwil rückt für Biljana Grasarevic in den Baselbieter Landrat nach.

Doppel-Pensionierung am Euro-Airport: Direktor Matthias Suhr geht Ende März 2025, sein Stellvertreter Marc Steuer Ende Dezember 2025 in den Ruhestand.

Jo Krebs
übergibt nach über 23 Jahren seine Stelle als Leiter Unternehmenskommunikation von Primeo Energie an Nachfolger Fabian Hildbrand.

Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.