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Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Ein Vorschlag im Basler Qualjahr

Sie ist vorbei, die Zeit der organisierten Feiern, und wir atmen auf. Jedenfalls ich. So auf Knopfdruck feiern zu müssen, weil jetzt grad alle Welt feiert, weil das jetzt halt so ein Must ist zu dieser Jahreszeit, das mag ich so wenig wie andere Musts. Louis Vuitton-Taschen, Burberry-Mäntel oder nackte Füsse in Turnschuhen im Winter. Überstanden jetzt, das grosse Feiern.

Aber bloss das. Denn wir haben Wahljahr, und Wahljahr ist Qualjahr. Für Donald Trump ebenso wie für Conradin Cramer, Tanja Soland, Lukas Engelberger und den Grossen Rat von Basel-Stadt. Und für die Wählerinnen und Wähler. Auch für die.

Sie bündeln Altpapierberge und sehen in Gesichter, die lächeln und versprechen, sie gehen spazieren, und es lächelt und verspricht aus allen Ecken, von allen Wänden. Im Fernsehen, in allen möglichen und unmöglichen Medien, es lächelt, verspricht. Und empört sich. Und prangert an, instrumentalisiert, manipuliert, gestikuliert, polarisiert. Es wird überzeichnet und übergangen. Wahlkampf ist hart geworden, brutal auch, Wahlkampf macht keinen Spass, weder dem, der ihn führen muss, noch dem, der umworben wird. Zu viel, das alles.

Das Publikum rächt sich. Hackt den Frust in die Tasten und setzt den Verriss auf Facebook, Instagram, Twitter. Die Werbung freut's, mehr Posts, mehr Klicks, der Rubel rollt. Immerhin weiss da die angegriffene Politikperson meist, wer sie fertigmacht, anders als bei anonymen Briefen.

"Du blödi Sau !" schrieb mir kürzlich einer, mit Leerschlag vor dem Ausrufezeichen, nebst anderen Unflätigkeiten, auch mit Leerschlägen vor den Ausrufezeichen. Manchmal ahnt der Empfänger, wer das war, so wie ich hier, manchmal ist es aussichtslos. Aufregen tut dies so oder so niemanden mehr. Dicke Haut, abgestumpft, anders geht es nicht, ist es nicht auszuhalten.

 


"Es ist unglaublich schwierig geworden,
eine intelligente Politik zu betreiben."


Die Aussenparteien schaukeln sich gegenseitig hoch. Macht Links einen Vorstoss, macht Rechts deren zwei. Und Links wieder drei. Die Mitte steht da wie der Schiedsrichter beim Tennis, das Volk schimpft sie Wendehals und wählt links oder rechts. Denn da weisst du, was du hast.

Es ist unglaublich schwierig geworden, eine intelligente Politik zu betreiben. Der Druck und die Versuchung, beim marktschreierischen Hickhack mitzumischen, sind riesig. Differenzierte Politik braucht Zeit, die Vorlagen müssen analysiert und durchgedacht werden. Die Folgen für diese und jene Bevölkerungsgruppe müssen klar sein, es muss jeder Politiker, jede Politikerin für sich entscheiden, was ihm oder ihr wichtig ist, und was noch wichtiger. Und das muss kommuniziert werden können.

Wichtig wäre, es könnte auch erklärt werden. Bloss hört keiner mehr zu. Sofern überhaupt Zuhörer an einen Anlass kommen, ist nach dem zweiten Satz des Referenten Schluss. Jeder zückt sein Handy, checkt Mails, Facebook oder den Stand des Matchs von Roger Federer. Und die, die da vorne sprechen, könnten jeden Quatsch erzählen. JEDEN.

Ob ihrem Votum schliesslich gefolgt wird, entscheiden Kleider, Frisur, Sympathie, Antipathie. War doch ganz nett, die da, gute Figur. Aber der andere, diese fettigen Haare, die der so peinlich über die Glatze klebt, nein Danke. Und so kommt es, wie es kommen muss: Wer gewählt werden will, muss sich verkaufen, ausstellen, austeilen, auffallen. Egal wie.  

Bei der Politik ginge es eigentlich um das Gesamtwohl, und nicht um die Selbstdarstellung, zu der jeder, der sich für dieses Gesamtwohl einsetzen möchte, heutzutage gezwungen ist. Es wäre theoretisch anders machbar. Wir könnten den unsinnigen Wettbewerb gemeinsam herunterfahren. Links und Rechts und alle andern an einen Tisch setzen und einen Codex erarbeiten. Wir könnten uns gemeinsam auf einen vernünftigen Wahlkampf einigen, bei dem jede Partei ihre Anliegen fair offenlegt. Und auf die Clownereien verzichten.

Das hatten wir früher, und wir haben es nicht mehr, seitdem ein herrschsüchtiger Herr aus Herrliberg die Herrschaft übernahm. Und plötzlich jeder jedem die Show stehlen muss, statt zu argumentieren. Aber will das Volk überhaupt, dass wir herunterfahren? Oder will es die Spiele? Das ist die Frage.

Wie auch immer: Im Januar 2021 werden dann sowohl die Feiertage 2020 als auch das Qualjahr vorbei sein. Und dann wird es, hier im Kanton Basel-Stadt, wirklich möglich sein, aufzuatmen. Bis zum nächsten Mal.

13. Januar 2020
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitete als Anwältin auf dem Gebiet des Geistigen Eigentums und ist seit 2021 pensioniert. Die ehemalige Präsidentin der damaligen CVP Basel-Stadt (neu: "Die Mitte Basel-Stadt") ist Grossrätin und Fraktionspräsidentin ihrer Partei. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel. © Foto OnlineReports.ch

andreastrahm@bluewin.ch

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"Die Mitte trägt eine Mitschuld"

Stimmt alles, irgendwie. Ich hab's zweimal gelesen, um die Gedanken zu fassen, die mir da oder dort in den Sinn gekommen sind. Zum Beispiel, dass der "herrschsüchtiger Herr aus Herrliberg" die Herrschaft übernehmen konnte, weil er es verstand, gut zu argumentieren. Er hat nicht mit "Show", sondern mit Aussagen "in der Sprache des Volkes" viele Menschen ansprechen können. Er hat nicht "vornehm" mit vielen Worten nichts gesagt, sondern deutlich Position bezogen, besonders in Fragen über "heisse Eisen".

Der Zwang zur "Selbstdarstellung" ist auch das traurige Resultat der Tatsache, dass die Medien Politik und Politiker – ganz wie das Volk – zunehmend emotional, nicht etwa mehr sachlich zur Kenntnis nehmen. Da kommt mir sogleich der ehemalige Bundesrat Schneider-Ammann in den Sinn – er bleibt vermutlich den meisten Bürgern als eine müde Witzfigur in Erinnerung. Seine tatsächlich grossartigen politischen Erfolge in der Förderung von Wirtschaft und Ausbildung, aber auch der Diplomatie, waren den meisten Medien kaum Raum wert – war für das leichtfertige Volk auch nicht "emotional" genug.

Das Publikum, das sich rächt, indem es den Frust in die Tasten hackt, tut das mehrheitlich aus der "Blase" heraus, in dem es hockt. Der angegriffene Politiker muss lernen zu erkennen, ob sich ein sachliches Argument hinter der Emotion versteckt; denn so etwas sollte stets zu denken geben, und sei es, um es nötigenfalls zu widerlegen. Das beherrschte der "Herr aus Herrliberg" vorzüglich.

Mein Fazit: Es ist sehr viel einfacher, in Sachfragen die emotional eher extremen Positionen zu vermitteln, als eine kluge Vernunft, die niemanden "richtig" glücklich macht, aber auch (fast) niemanden total ausstösst. Eine der grössten Stärken der Politik, der Demokratie in der Schweiz war stets, dass die Anliegen der Minderheiten respektiert und berücksichtigt wurden.

Über den extensiven Einsatz von Volksinitiativen mit einseitiger Ausrichtung schaffen es die Parteien am linken und rechten Ende des politischen Spektrums zusehends, die Politik und das Volk im Land zu polarisieren. Emotional, einseitig, unklug. Die sogenannte "Mitte" trägt dabei Mitschuld, weil sie (durchaus zunehmend emotionalisiert) mehrheitlich reagiert statt agiert, möglichst keine "Fehler" machen will, statt das Risiko einzugehen, damit auch mal nicht so gut (in der eigenen "Blase"/Partei) anzukommen; da schliesst sich der Kreis der "Selbstdarstellung" für mich.

Einem "Herrn aus Herrliberg" kann man nur Paroli bieten, indem man ihm in seiner Sprache mit knochenharten Argumenten begegnet, die das Wahlvolk verstehen kann. Die in der eigenen Blase vornehme Zurückhaltung – sei es in der Sprache, sei es bei der Sachfrage selbst – lockt im emotional geprägten Wahlvolk niemanden mehr hinter dem Ofen hervor! Darum bleibt am Ende nur "Lächeln" und "Frisur" ...


Peter Waldner, Basel



"Solches Schulhofgebaren"

Wieder einmal ins Schwarze getroffen, Andrea! Leider. Und weil solches Schulhofgebaren nicht zu "christlich" passt, muss das "C" aus der CVP weg! En avant, collègues!


Rebecca Burkhardt, Basel


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"Er soll mehrere Gedichtbänder veröffentlicht haben."

bz
am 16. Mai 2024
über den Attentäter
in der Slowakei
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Das kann man auch nicht mit Schweizer-Hochdeutsch erklären.

RückSpiegel

 

Baseljetzt, bz, Volksstimme, SDA und Happy Radio nehmen die Recherche von OnlineReports über den geschassten CEO Marcel Allemann auf.

Die bz berichtet, dass Landrat Hannes Hänggi das Mitte-Präsidium übernehmen will, und verweist dabei auf OnlineReports.

Das Portal kath.ch nimmt die OnlineReports-Recherche über die Pläne der Basler Hicret-Moschee in Reinach im Medienspiegel auf.

Baseljetzt nimmt die Recherche von OnlineReports über den "Fuck SVP"-Schriftzug am Nebiker-Turm in Sissach auf.

In ihrem Bericht über die Wahl des neuen Baelbieter SVP-Präsidenten zitiert die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Kommentar.

 

Das Regionaljournal Basel veweist in einem Beitrag über die Probleme der Kitas im Baselbiet auf OnlineReports.

Der Klein Report nimmt die Recherche von OnlineReports über Roger Blums Buch über die Basellandschaftliche Zeitung auf.

Die BaZ bezieht sich in einem Artikel über die Zerwürfnisse in der Baselbieter SVP auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.
 

Weitere RückSpiegel








In einem Satz


Die Israelitische Gemeinde Basel wählt mit Steffi Bollag als Nachfolgerin von Emmanuel Ullmann erstmals eine Frau zur Präsidentin.

Sabina Brocal wird am
1. August Förderchefin der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement Basel-Stadt.

Die Stadtreinigung des Basler Tiefbauamts wird ab 12. August neu von Markus Müller geleitet, sein Vorgänger Dominik Egli geht in Pension.

Christoph Jorns wird am 1. Juli Finanzchef der Basler Lebensversichererin Pax als Nachfolger von Alex Flückiger.

Mirjam Christ-Crain
 von der Universität Basel erhält den mit 200'000 Franken dotierten Otto-Naegeli-Preis für ihre patientenorientierte klinische Forschung.

Kimrobin Birrer übernimmt das Parteisekretariat der GLP Baselland von Yves Krebs.

Barbara Staehelin hat am
1. Mai das Verwaltungsrats-Präsidium des Kantonsspitals Baselland von Madeleine Stöckli übernommen.

Die Baselbieter Regierung hat Kathrin Choffat und Roger Müller als neue Mitglieder des Bankrats der BLKB für die laufende Amtsperiode bis Mitte 2027 gewählt. 

Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.