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"Ohne Müller und Waldmeier": Halbierte Berest-Geschäftsleitung

ASE-Anlage-Affäre: Die wundersame Halbierung der "Berest"-Spitze

"Berest"-Geschäftsleitungsmitglied Alfonso Waldmeier firmierte als Direktor des ASE-"Quanto"-Fonds


Von Peter Knechtli


Der Basler Gastro-Konzern "Berest AG" hängt in einem dichten Netz mit Firmen, die personelle Verbindungen zur unter Betrugsverdacht stehenden "ASE Investment AG" haben. "Berest"-Geschäftsleitungsmitglied Alfonso Waldmeier war Direktor des ASE-"Quanto"-Fonds.


Dieser Tage flatterte wieder einmal das von der "Berest AG" herausgegebene "Fine to Dine" (gedruckt von der "Basler Zeitung") in die regionalen Haushalte. Zahlreiche mit der "Berest" liierte Gaststätten schmücken die Seite eins, auf deren Rückseite sich "Berest"-Geschäftsführer Johann Rudolf Meier mit seiner Gattin Latifa an einem Weiher abbilden lässt. Im "Kloster Dornach" oder im "Weiherschloss Bottmingen" – beides renommierte Gaststätten – "kann man die Seele baumeln lassen", machte Meier potenzieller Kundschaft Appetit.

"Berest"-Chef hält sich bedeckt

Doch seit die Liaison des Fricktalers Simon Müller als Präsident der unter Betrugsverdacht stehenden "ASE Investment AG" mit der "Berest AG" bekannt wurde – Müller sass in der "Berest"-Geschäftsleitung und amtierte dort als Vizepräsident des Verwaltungsrates –, tauchte Meier in der Öffentlichkeit ab. Fragen von OnlineReports beantwortete er nicht, an der kürzlichen Generalversammlung des Basler Wirteverbandes, an der er üblicherweise immer teilnahm, fiel seine Abwesenheit auf.

Über die Gründe, weshalb Meier, Präsident der "Vereinigung diplomierter Hoteliers", abtauchte, kann nur gerätselt werden. Es scheint so, als bemühe sich die "Berest" derzeit, alle Verbindungs-Spuren zur "ASE Investment AG" und Personen, die mit ihr in Zusammenhang stehen, zu verwischen. So löschte die "Berest" nicht nur die Foto-Galerie der von ihr betriebenen oder betreuten Restaurants von ihrer Website, sondern auch einen prominenten Link zur "Gesellschaft für Treuhand-Kompetenz AG" (GTK), die mit der "Berest"-Belegschaft praktisch identisch ist.

Halbierte Geschäftsleitung

Auf "Berest"-Dokumenten figurierte vor kurzem noch eine vierköpfige Geschäftsleitung: Johann Rudolf Meier (Gruppenleiter), Roland Högger (Projektleitung), Simon Müller (Treuhand und Finanzen) sowie Alfonso Waldmeier (Leiter Rechnungswesen). Nachdem OnlineReports den sehr wahrscheinlichen Anlagebetrug mit einer vermuteten dreistelligen Millionen-Summe um die "ASE Investment AG" ans Tageslicht gebracht hatte, war Simon Müller, gegen den die Aargauer Staatsanwaltschaft wegen Betrugs und Urkundenfälschung ermittelt, auf der "Berest"-Website plötzlich aus dem Geschäftsleitungs-Quartett getilgt worden. Da waren's nur noch drei.

Seit einigen Tagen sind es nur noch zwei: Auch Alfonso Waldmeier, als Steuer- und Versicherungsexperte ein wichtiger Kadermann der "Berest", ist von der Website verschwunden. Ebenso taucht er in der Fotogalerie der Belegschaft nicht mehr auf – eine Erklärung für das plötzliche Verschwinden fehlt. Meier gab OnlineReports auf Fragen nach den Gründen der Retusche keine Antwort. Gehört Waldmeier der "Berest"-Geschäftsleitung noch an? Wird er aus taktischen Gründen virtuell als inexistent deklariert? Ist er aus der Geschäftsleitung ausgeschieden? Oder hatte er sich gutgläubig und ahnungslos in ein Geschäft mit der vermeintlich seriös arbeitenden ASE einspannen lassen?

Inzwischen häufen sich die Hinweise darauf, dass die personelle und kommerzielle Verflechtung der "Berest"-Führung und der "ASE Investment" stärker ist als bisher angenommen. Auf einem ausführlichen Reglement aus dem Jahr 2010, das OnlineReports vorliegt (Ausriss oben), figuriert Alfonso Waldmeier als Direktor des von der ASE vertriebenen "Quanto Strategic Currency Fund Ltd.". Als Domizil des "Quanto Management Ltd." wird eine Adresse auf den British Virgin Island genannt. Im "Quanto"-Dokument wird der Luzerner Kantonalbank als grundsolide lizenzierte Depotbank ("the leading bank of Canton Lucerne, Switzerland") die Referenz erwiesen.

Luzerner Kantonalbank als Depotbank

Auch auf einem "Quanto"-Prospekt vom 31. März 2012, der OnlineReports ebenfalls vorliegt und der vier unterschiedliche Währungs- und Risikotranchen beschreibt, figuriert die Luzerner Kantonalbank als Depotbank. Administriert von der auf Gibraltar domizilierten "Helvetic Fund Administration Ltd." bezeichnet er die Cayman Islands als ihren Firmensitz. Die vier angebotenen Tranchen mit unterschiedlichen Risiken weisen Jahresrenditen bis 14,8 Prozent aus.

Seit Bekanntwerden der ASE-Affäre ist Schluss: Der Handel mit dem Quanto-Fonds ist eingestellt – ein schlechtes Zeichen für gutgläubige Investoren, die teils ihr ganzes Vermögen in die ASE investiert haben. Noch ist aus keiner Quelle – auch nicht aus der Finanzmarktaufsicht (Finma) – zu erfahren, wie seriös der Offshore-Fonds geführt wurde und ob daraus noch namhafte Werte gesichert werden können.

Die Frage, die nicht nur Gastro-Kreise und betroffene Anleger interessiert: Wie tief stecken die "Berest"-Gruppe und ihre Zwillingsfirma "Gesellschaft für Treuhandkompetenz" im ASE-Sumpf – oder wurden sie ohne Absicht in den Sumpf hineingezogen? Die Querverbindungen, die nicht auf Zufälligkeit schliessen lassen, haben den Charakter eines Spinnennetzes: ASE-Präsident Simon Müller sass im "Berest"-Verwaltungsrat. In der "Gesellschaft für Treuhandkompetenz", die am Widenplatz 12 in Frick das Filiale-Domizil mit der ASE teilte, wirkte Müller als Präsident, "Berest"-Meier war Mitglied des Verwaltungsrates. Neu übernahm nun Meier von Müller das Präsidium. Weiterhin als GTK-Verwaltungsrat firmiert Alfonso Waldmeier.

Dichte Firmen-Verflechtungen


Das dichte Netzwerk zwischen Berest-Exponenten und ASE-Präsident Müller zeigt sich auch in der EDV-Firma "iNetWorx AG" mit Sitz im zürcherischen Hinwil, die Domain-Namen mehrerer "Berest"-Betriebe registrierte: Müller sass im Verwaltungsrat, den Meier präsidiert. Revisorin ist die Hinwiler "Gesellschaft für Abschlussrevisionen", die auch Revisionsstelle der "ASE Investment AG" war und Revisionsstelle der "Gesellschaft für Treuhandkompetenz" ist. Bei der "Berest AG" arbeitet Sekretärin I. B., die über eine ASE-Mailadresse verfügte und auf den mittlerweile nicht mehr sichtbaren Websites als Sekretärin von Simon Müller sowohl in der "ASE Investment AG" wie in der "Gesellschaft für Treuhandkompetenz" aufgeführt war.

Die Verstrickung der "Berest" mit ex-ASE-Präsident Simon Meier zeigt sich auch am Beispiel des Nobel-Restaurants "Zum Goldenen Sternen" in Basel: Die Berest-Führungsleute Meier, Müller, Högger und Waldmeier übernahmen im Jahr 2008 die Kapitalmehrheit, Meier (Präsident) und Waldmeier (Mitglied) gehören dem Verwaltungsrat an. Zehn Prozent des Aktienkapitals von 500'000 Franken leistete ausserdem der verhaftete ASE-Geschäftsführer Martin Schlegel.

Die Filz-Fäden laufen bis in die Innerschweiz, wo sie in Ob- und Nidwalden verschmelzen. In Engelberg befindet sich nicht nur das ASE-Domizil, sondern auch die "BAC Advisory GmbH" ("Erbringung von Finanzdienstleistungen aller Art"). Gesellschafter sind Alfonso Waldmeier und die "Ansist Holding AG", in deren Verwaltungsrat Simon Müller und seine Frau Anita sitzen.

Schloss Bottmingen: Lob von der Regierung

Eines der Prunkstücke im "Berest"-Gastronomie-Portfolio ist das "Weiherschloss Bottmingen", das sich in Baselbieter Kantonsbesitz befindet. Als die Finanzdirektion das Schloss im Herbst 2010 der "Berest" als Mieterin zuschlug, fand eine Medienmitteilung von Adrian Ballmers Finanz- und Kirchendirektion lobende Worte: "Mit der 'Berest'-Gruppe konnte der Kanton einen erfahrenen und ausgewiesen erfolgreichen Partner engagieren, der bewiesen hat, langfristig ein qualitativ hochstehendes Restaurant führen zu können."

Die enge Verstrickung der "Berest"-Gruppe und der "Gesellschaft für Treuhandkompetenz" mit dem Präsidenten der "ASE Investment AG" sagt indes noch gar nichts darüber aus, dass auch deliktische Verbindungen bestehen. Strafrechtlich ermittelt, so der aktuelle und von der Aargauer Staatsanwaltschaft bestätigte Stand, wird nur gegen die beiden ASE-Verantwortlichen Schlegel und Müller. Von einem Basler Gastgewerbe-Profi erfuhr OnlineReports, Waldmeier sei "topseriös, ein ehrlicher, arbeitsamer Mensch", auch die "Berest" habe gegenüber ihren Partnern "topseriös gearbeitet".

"Erstaunllches Expansions-Tempo"

Aber zu einem Reputationsschaden dürfte die dichte personelle Verflechtung bereits geführt haben. Wirtekreisen blieb das rasante Wachstum der "Berest"-Gruppe von der Pub-Betreiberin zum renommierten Gastgewerbekonzern nicht verborgen. Ein Basler Insider zu OnlineReports: "Das Expansionstempo der 'Berest' ist schon erstaunlich."

Ob allenfalls Gelder der mindestens 500 betroffenen ASE-Anleger direkt oder indirekt in die "Berest" und ihre Betriebe geflossen sind, ist völlig unklar. An "Berest"-Chef Johann Rudolf Meier läge es seit Wochen, in dieser Frage endlich Klarheit zu schaffen.

Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

24. Mai 2012

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vom 16. November 2019
über die Anhörung von
Marie Yvanovitch,
der früheren US-Boschafterin
in der Ukraine
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Falschübersetzung des englischen Begriffs "smear campaign", was nicht "Schmierenkampagne", sondern "Verleumdungskampagne" heisst.

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