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"Anfang 2008 geht's los": Baustellenleiter Peter Berini, Vorgesehener Kraftwerkstandort*

Ein Gaskraftwerk geht bald ans Netz – mitten in Basel

Die Industriellen Werke Basel (IWB) modernisieren mit Hochdruck ihr Fernheizkraftwerk an der Voltastrasse


Von Marc Gusewski


Das Projekt in Birsfelden ist vom Tisch, doch mitten in Basel - im Fernheizkraftwerk Volta - soll Anfang 2008 ein Gaskombikraftwerk in Betrieb gehen. Grund: Die Stromerzeugung soll reaktiviert werden. Derzeit investieren die Industriellen Werke Basel (IWB) rund 32 Millionen Franken in ihre älteste Energiezentrale. Die Gas- und Dampfturbine ist mit 20 Megawatt allerdings deutlich kleiner als die Anlage, die derzeit im Raum Schweizerhalle im Gespräch ist.


"Wenn alles klappt, liefern wir rechtzeitig zum Winter Strom", zeigt sich Benedikt Gratwohl, der zuständige Planungsingenieur der Industriellen Werke Basel (IWB), zuversichtlich. Auf der Baustelle am Voltaplatz wird gehämmert und geschraubt. Elektrodengeruch vom Schweissen schwängert die Atmosphäre. "Bitte nicht stören", sagt Gratwohl mit Blick auf die Bauarbeiter, "wir sind eng im Zeitplan." Die Halle, die früher Boiler beherbergte, wurde bereits ausgekernt. Weiter oben im Gemäuer, das der Voltastrasse entlang führt, gähnt ein riesiges Mauseloch. Gratwohl zeigt darauf: "Da kommt die Turbine rein. Eine Hebebühne senkt sie anschliessend auf den Turbinentisch."

Schwertransport für Gasturbine

Die delikate Aktion wird in der Nacht von Donnerstag auf Freitag über die Bühne gehen, für den Turbinen-Schwertransport muss sogar die Voltastrasse gesperrt werden.

Geht alles plangemäss, rechnen die IWB mit der Inbetriebnahme ihrer neuen Produktionsanlage bis Ende Januar 2008. Laut Baustellenleiter Peter Berini soll der Probebetrieb am 2. Januar 2008 aufgenommen werden. Erwartet wird eine Stromerzeugung von rund 100 Millionen Kilowattstunden sowie einem Mehrfachen an Nutzwärme. Das Erdgas befeuerte Gas- und Dampfkombi-Turbinenwerk erzeugt dabei umgerechnet genug Nutzenergie für die Versorgung von 28'000 bis 30'000 Basler Haushalten mit Strom, Heizung und Warmwasser im Winter. Im Sommerhalbjahr wird die Anlage voraussichtlich aus betrieblichen Gründen abgestellt.

Die einzelnen Budgetposten addiert, kostet die Modernisierung rund 32 Millionen Franken. Das Vorhaben wurde vom Basler Grossen Rat ohne grössere Diskussionen anlässlich der Beratungen der Budgets der IWB von 2006 und 2007 bewilligt - also zu Zeitpunkt, als die Diskussion der CO2-Problematik von Gaskombikraftwerken nicht den heutigen hitzigen Stand erreicht hatte.

Lokale Stromerzeugung lange vernachlässigt

Im Grunde genommen ist die Anlage im Fernheizkraftwerk aber nichts anderes als ein Gaskraftwerk im Westentaschenformat - klein, aber oho! Im Vergleich mit einem "Grossen", wie es etwa in Birsfelden in Diskussion war, ist dasjenige an der Voltastrasse rund zwanzig Mal weniger gross, aber deutlich effizienter. Der Clou ist: Die verfeuerte Energie aus Erdgas wird gleich für Strom und Wärme genutzt nach dem Prinzip der so genannten Wärmekraftkopplung. Anders bei einer Grossanlage wie etwa der für die Industrie in Schweizerhalle in Diskussion befindlichen: Dort würde die Abwärme über einen Kühlturm abgelassen.

Im Basler Fernheizkraftwerk hat die hohe Energieausnutzung aber Tradition: Hier wird seit dem Jahr 1900 Wärmekraftkopplung betrieben; hier wurde auch der erste Strom für Basel-Stadt erzeugt. Im Jahr 1998 wurde die zuletzt 1975 installierte Strommaschine mehr oder weniger zur Notstromreserve degradiert, weil sie zu teuer geworden war und Probleme bei den Luftreinhaltevorschriften bereitete.

Jede produzierte Kilowattstunde willkommen

Mit dem Schattendasein der Stromerzeugung im Volta-Heizwerk hat es nun ein Ende: Vergangenes Jahr mussten die IWB 570 Millionen Kilowattstunden zusätzlich auf den Strombörsen einkaufen, um ihren Bedarf zu decken. Das kam die IWB teuer zu stehen, weil wegen Trockenheit die eigenen Kraftwerke deutlich weniger erzeugten als in einem Durchschnittsjahr. Da wäre jede zusätzliche Kilowattstunde willkommen gewesen, wie sie jetzt im Fernheizkraftwerk produziert werden sollen.

"Es ist energetisch sinnvoll, Wärme und Strom gleichzeitig zu erzeugen", sagt Planungsingenieur Benedikt Gratwohl. Eine wichtige Quelle für die Basler Fernwärme ist die Kehrichtverbrennungsanlage; demnächst auch das nahe gelegene Holzkraftwerk und nun eben die neue, besonders energieeffiziente Gas- und Dampfturbinen-Kombianlage an der Voltastrasse. Die Basler Fernwärme benötigt an Spitzentagen rund 450 bis 500 Megawatt Wärmeleistung, die, abgesehen von der Voltastrasse, der Kehrichtverbrennungsanlage und der Abwärme der Pro Rheno-Kläranlage, vorab durch Erdgas- und Erdöl befeuerte Kessel bereitgestellt werden.

"Wenn wir möglichst viel Wärme und Strom gleichzeitig erzeugen, umso besser", freut sich Gratwohl. Die Modernisierung des Fernheizwerks durch die neuen Turbinen leisten folglich einen Beitrag von rund 80 bis 90 Megawatt an die Fernwärme, einseitig beheizte Kessel werden überflüssig. Die Stromleistung beträgt 20 Megawatt. Zum Vergleich - zehn solcher "kleinen" Anlagen würden reichen, Basel komplett mit Strom zu versorgen.

Wärmekraftkopplung von CO2-Abgabe bedroht

Aber die Wärmekraftkopplung kämpft in der Schweiz ums Überleben. Ihr Problem ist die geplante CO2-Abgabe auf Brennstoffe. "Wenn das Parlament bei der CO2-Abgabe nicht eine Lösung für lokale Wärmekraftkopplung findet, können wir einpacken", führten kürzlich die Chefs der Elektra Birseck (EBM) aus, die in der Schweiz zu den Pionieren dieser Energietechnologie zählen.

Auch die Basler Fernwärme wird voraussichtlich deutlich belastet werden. IWB-Geschäftsleitungsmitglied Heinrich Schwendener sagte auf Anfrage von OnlineReports: "Nach derzeitigem Stand müssen wir ungefähr die Hälfte der Fernwärmeproduktion mit der CO2-Abgabe belasten, das werden wir natürlich den Kunden weitergeben müssen." Schwendener weiter: "Das ist natürlich seltsam: Da wird die Stromlücke herausgestrichen und gleichzeitig wird die energieeffiziente Stromerzeugung bestraft, die wegen ihres hohen Wirkungsgrades ohnehin etwas teurer ausfällt. Da muss sich die Politik etwas einfallen lassen, wenn sie die Wärmekraftkopplung weiterhin will."

* im Fernheizkraftwerk Volta in Basel

30. Mai 2007


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"Ein Schritt in die richtige Richtung"

Weg von der zentralen Grossproduktion von Strom in Atomkraftwerken, hin zur dezentralen Energieproduktion von Wärme und Strom. Ohne grosse Übertragungsverluste zur Unabhängikeit von Grossproduzenten.

Noch besser wäre, wenn jedes neue Bauvorhaben dazu verpflichtet wäre, seinen Energiebedarf mit Biogas, Holz- und Sonnenenergie zu decken. Es ist absoluter Unsinn, grosse Energiemengen mittels Überlandleitungen um die halbe Welt zu transportieren. Mit der entsprechenden Einsicht und der heutigen Technik, kann Strom und Wärme dezentral, dort wo sie verbraucht wird, auch erzeugt werden können.


Bruno Honold, Basel



"Bravo für die Pionierleistung"

Eine Pionierleistung der Verantwortlichen der IWB. Bravo. Aber seit wann befindet sich die Voltastrasse "mitten in Basel"?


Armin Studer, Frick



"Nutzung von Biogas müsste effizienter werden"

Schenkt man unserer Regierung Glauben, werden die Biomasse-Vergärungsanlagen von "Bio-Power" schon bald grössere Mengen an Biogas liefern können. Wenn wir dieses Biogas (=Methangas, erzeugt durch die Vergärung von nachwachsenden Stoffen wie Holz, Pflanzen und Nahrungsabfällen) dazu nutzen würden, das neue Gaskombikraftwerk zu betreiben, liesse sich die Problematik der CO2-Abgabe bereits deutlich entschärfen. Die Nutzung von Biogas ist in kombinierten Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung um ein Vielfaches effizienter als beim blossen Verbrennen in den Motoren von Gasbussen oder in anderen Kleinanlagen. Wenn schon lokal erzeugte, nicht-fossile Energie, dann sollten wir sie nicht ineffizient im ÖV und Strassenverkehr verheizen!


Rolf Keller, Basel


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Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

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"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
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Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.