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"Wir sind öffentlich": Restaurant im "Dalbehof"

Basler Bürgerspital betreibt Restaurant ohne Bewilligung

Das neue Restaurant in der Alterssiedlung "Dalbehof" bedient auch ohne Betriebsbewilligung öffentliche Gäste


Von Peter Knechtli


Die Basler Alterssiedlung "Dalbehof" betreibt ein öffentlich zugängliches Restaurant, obschon sie dafür noch gar keine Bewilligung besitzt. Für den Betrieb verantwortlich ist nicht ein unerfahrener Neu-Beizer, sondern das Basler Bürgerspital. Zudem: Die vier Wohntürme stehen beinahe leer.


Besitzerin der vier "Dalbehof"-Türme an der Kapellenstrasse 17 ist die Christoph Merian Stiftung (CMS). Seit 1. März dieses Jahres betreibt nicht mehr sie die Siedlung, sondern das Bürgerspital Basel. Zum Gebäudekomplex gehört traditionell auch ein internes gastronomisches Angebot. Unter dem damaligen CMS-Regime kochte die GAW Arbeits- und Wohnintegration "für die Bewohnerinnen und Bewohner an sechs Tagen jeweils am Mittag", wie Sprecherin Elisabeth Pestalozzi gegenüber OnlineReports festhielt.

Prüfung "immer noch im Gang"

Das Bürgerspital will nun die bisherige Personalkantine zu einem "Restaurationsbetrieb mit Aussenbewirtung und zur Herstellung von Lebensmitteln und Speisen zur Auslieferung oder Mitnahme" umnutzen. Die Einsprachefrist auf die Baupublikation lief am 17. Mai ab. Laut Tiefbauamts-Sprecher André Frauchiger sind keine Einsprachen eingegangen. Aber die Prüfung des Baugesuchs sei "immer noch im Gange".

Catherine Hof, die Sprecherin des Bürgerspitals, hielt gegenüber OnlineReports schriftlich fest: "Bis zur Erteilung der Betriebsbewilligung werden wie bisher die Bewohnerinnen und Bewohner bewirtet." Und auf eine Nachfrage bekräftigte sie: "Das Restaurant wird nicht öffentlich betrieben."

OnlineReports erfuhr – im Widerspruch zu den offiziellen Angaben – aus glaubwürdigen Quellen, dass der Speisesaal "unter dem Radar" schon als öffentliches Restaurant benutzt wird – und nicht nur als Kantine für Pensionäre. "Es kommen Leute aus dem Quartier, essen und es wird einkassiert", war zu erfahren.

Verifizierung bei "Rivella blau"

Zur Verifizierung dieser Information begab ich mich am Dienstagmorgen dieser Woche zur Vormittagszeit durch den Haupteingang in den "Dalbehof", bog nach links ins Restaurant ein und bestellte ein "Rivella blau".

Ich war noch der einzige Gast. Alle Tische waren gedeckt, einige mit Namen (vermutlich Pensionären) angeschrieben, andere nicht. Das Getränk wurde mir freundlich serviert und auf meine Frage hin, ob hier dieses "Restaurant" (so steht es am Haupteingang bereits angeschrieben) öffentlich zugänglich sei, erhielt ich die Antwort "Ja, wir sind öffentlich."

Betrieb "noch nicht zulässig"

Da weiss im Bürgerspital die linke Hand nicht, was die rechte tut. Denn laut der Bewilligungsbehörde – dem im Bau- und Verkehrsdepartement angesiedelten Bau- und Gastgewerbeinspektorat – ist der heutige Status mit Zugang für jedermann nicht gesetzeskonform.

Departements-Sprecher Frauchiger zur OnlineReports: "Da das Verfahren noch nicht abgeschlossen ist, ist auch der Betrieb des 'Dalbehofs' mit öffentlichem Restaurant noch nicht zulässig. Es braucht ganz klar zuerst eine formelle Bewilligung, um ein öffentliches Restaurant betreiben zu können."

Ein Bild der Leere

Das Bürgerspital ist im "Dalbehof" noch mit andern Baustellen beschäftigt. Bis zu Beginn der Sanierungsarbeiten im Jahr 2013 waren die 53 Wohnungen des "Dalbehof" voll belegt. Bei Übernahme des "Dalbehofs" durch das Bürgerspital am 1. März herrschte ein Leerstand von 40 Wohnungen. Seither finden laut Catherine Hof "monatliche öffentliche Wohnungsbesichtigungen" statt "und die Liste der Interessenten füllt sich".

Enthusiasmus über lebhaften Zulauf wäre aber verfehlt. Derzeit sind gerade erst 18 Wohnungen an hochbetagte Bewohnende vermietet. Die Sonnerie am Empfang zeigt für "Haus A" ein tristes Bild: Hinter den 18 Klingelknöpfen steht nur noch bei einem ein Name (kleines Bild).

Wohnen mit Service

Der Grund für das nicht überschäumende Interesse könnte eine Konzeptänderung sein, die das Bürgerspital mit dem neuen Angebot "Wohnen mit Service" eingeführt und das bisherige "betreute Wohnen" abgelöst hat. Es würden, sagen Szene-Kenner "nur noch Serviceleistungen verkauft".

Auf die Frage, ob das Bürgerspital konzeptionelle Änderungen plane wie zum Beispiel die Umwandlung in Apartmenthäuser für kurzfristige Mieter, antwortete Catherine Hof: Das Bürgerspital werde sein Konzept "Wohnen mit Service" nicht aufgeben, "aber aufgrund des Leerstands an Wohnungen auch andere Optionen prüfen, um Wohnungen zu vermieten, aber nicht an kurzfristige Mieter."

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31. Mai 2019


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