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"Bisher keinen Nachfolger gefunden": Clariant-Präsident Rolf W. Schweizer

Mit der Aktie begann Clariant-Chef Schweizers Stern zu sinken

Keine andere Aufgabe ist dringender als die Suche eines Nachfolgers für Präsident Rolf W. Schweizer


Von Peter Knechtli


Der Muttenzer Spezialitätenchemie-Konzern Clariant ist auf dem Tiefpunkt seiner jungen Geschichte angelangt. Verantwortlich für Geschäfts- und Börsenbaisse ist Präsident Rolf Schweizer. Dem 70jährigen Unternehmensführer ist es nicht gelungen, rechtzeitig einen Nachfolger zu finden. Spätestens nächsten Mai muss der neue Mann bekannt sein. Die Suche ist ebenso schwierig wie die Startbedingungen des neuen Präsidenten.


Christoph Blocher dürfte am Freitag seine helle Freude gehabt haben. Seine Ems-Chemie-Gruppe trumpfte trotz verschlechtertem Umfeld mit einem Umsatzwachstums von fast 12 Prozent und einer Nettogewinnsteigerung um 18 Prozent auf. Keine einzige Minuszahl stört die Bilanz.

Düster dagegen dürfte die Stimmung bei Branchenkollege Rolf W. Schweizer sein. Seine Clariant ist zwar auch auf dem Gebiet der Spezialitätenchemie tätig. Doch in ihrer Halbjahresbilanz ist das Minuszeichen die auffälligste Konstante. "Miserabel", wetterten die Gewerkschaften, Analysten stuften Clariant zurück, der Aktienkurs tauchte um 15 Prozent.

Blocher: "Schmerzhafter für Schweizer als angenommen"

Gegenüber OnlineReports hielt sich Blocher in der Beurteilung der Differenz stark zurück. Sein Unternehmen habe Ende 1999 nach einer gründlichen Analyse der Konjunkturentwicklung die starke weltweite Abschwächung vorausgesehen, Kosten und Investitionen zurück gefahren und einen Expansionsstopp verfügt. Blocher: "Ob ein anderer Weg für Clariant gescheiter gewesen wäre, kann ich nicht beurteilen. Aber der eingeschlagene Weg ist sicher schmerzhafter als Schweizer dachte."

Dabei sahen die Perspektiven auf der Schlussgerade von Schweizers Laufbahn blendend aus. Im Mai 1994 wurde er zum Delegierten des Sandoz-Verwaltungsrates gewählt, was viele Beobachter als Zeichen dafür werteten, dass er als Nachfolger seines Ziehvaters Marc Moret ausersehen sei. Doch es kam anders. Sandoz begann 1995 als erste, die Chemikalien-Division in Gestalt der neuen Clariant auszulagern. An die Spitze des Spinoffs berief Moret seinen langjährigen Gefährten Schweizer - mit gutem Grund: Keiner war mit dem globalen Chemikalienmarkt besser vertraut. Ein seinerzeitiger Schweizer-Vertrauter: "Er kannte die Bedürfnisse eines Textilienhändlers in Taiwan genauso wie jene eines Edelmetallmischers in Südafrika."

Mit der geplatzten Fusion ging's abwärts

Zwei Jahre später versetzte er Branchenkenner mit einem glänzenden Milliarden-Deal in Staunen, als er das weitaus grössere Spezialitätengeschäft von Hoechst übernahm und dennoch die Macht über das Unternehmen behielt. Den Höhepunkt seiner Karriere schien er am 8. November 1998 erreicht zu haben, als Schweizer zusammen mit dem damaligen Ciba-Präsidenten Rolf A. Meyer die Fusion zum weltgrössten Spezialchemikalienkonzern verkündete. Der designierte Oberchef: Rolf W. Schweizer.

Doch nachdem die Fusion wenige Wochen später platzte, begann Schweizers Stern zu sinken wie die Kurse der Clariant-Aktien. Ein letztes Aufbäumen zeigte er letztes Jahr mit dem Kauf der Feinchemiekaliengruppe BTP - nur stellt sich jetzt heraus, dass er das britische Unternehmen massiv überzahlt hatte. Der Abschreiber in Höhe von 1,2 Milliarden Franken im jüngsten Halbjahresergebnis spricht Bände. Vom Pech verfolgt wurde Clariant diesen Juni: Ein nagelneues Produktionsgebäude bleibt leer, weil Procter & Gamble ein Riesenprojekt fallen liess. Neustens müssen weltweit erneut 1'000 Stellen abgebaut und Fabriken geschlossen werden. Keine Frage: Clariant steht am Tiefpunkt ihrer jungen Geschichte.

"Managementfehler par excellence"

"Es ist jetzt Schweizers allerwichtigste Aufgabe, einen neuen Präsidenten zu finden, der die Firma mit einer klaren Strategie vorantreibt und sich mit dem CEO gut versteht", glaubt ein Branchenkenner, der Schweizer für fähig hält, einen massgeschneiderten Nachfolger zu finden. Die Anforderungen an den neuen Präsidenten sind hoch: Er muss Clariant stärker fokussieren und Akquisitionen wie Kostensteigerungen rund um die Welt verdauen. Er muss aber auch anders führen als Haudegen Schweizer, der zwar als überzeugungsstark galt, aber laut einem Kenner "nie in der Lage war, seine Leute auch emotional zu umfangen".

Ein Spezialchemie-Insider geht mit Schweizer und der Intensität, wie Clariant "Eigenkapital verbraten" hat, deutlich härter ins Gericht: "Hier sind Managementfehler par excellence passiert." Die Strategie des Einkaufs von Wachstum sei gescheitert. Dafür sei das Unternehmen nun in eine "gefährliche Spirale" geraten: Von den Banken sei "nur noch teures Geld" erhältlich; gleichzeitig präsentiere sich die Firma in einer Verfassung, in der es schwer und teuer sei, einen wirklich fähigen neuen Präsidenten für dieses Amt zu begeistern.

Schweizer musste unter schwierigen Bedingungen starten

Branchenbeobachter attestieren Schweizer indes, den Spinoff vor sechs Jahren "unter schwierigen Umständen" angetreten zu haben: Zur Mitgift von Sandoz hätten auch Altlasten bis in die personelle Ebene gehört. Überdies sei die Zeit zu knapp gewesen, einen Nachfolger aufzubauen. Immerhin hat Schweizer im Mai seinen Posten als Konzernchef an Reinhard Handte abtreten können. Doch den neuen Mann an der Spitze des Verwaltungsrates habe er noch nicht gefunden, musste der 70jährige Schweizer an der diesjährigen Generalversammlung einräumen und sich für eine weiteres Jahr verpflichten lassen.

Wann der Nachfolger präsentiert wird, bleibt auch heute noch offen. "Das weiss wohl nur er", kommentierte Clariant-Sprecher Philipp Hammel. Für eigene Prognosen war Schweizer nicht erreichbar. Letzter Termin ist die Generalversammlung vom Mai 2002. Dann steht Schweizer im 72. Lebensjahr.

20. August 2001


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über die Anhörung von
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