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Schlagartige Entspannung im Asylbereich: Für Flüchtlinge ein Glück, für Betreuungspersonal und Wohnungsvermieter die Kündigung

Stellen- und Wohnungskündigung wegen Entspannung im Asylbereich

Sozialämter und Hilfswerke kündigen massiv Stellen und Wohnraum


Von Peter Knechtli


Die unerwartete Entspannung im Schweizer Asylbereich durch die grosse Zahl der Kosovo-Rückkehrer hat in der Schweiz wirtschaftliche Folgen: Sozialamtsstellen und Hilfswerke müssen teils einschneidend Stellen abbauen und Wohnraum kündigen.


Dass die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz von 9'580 im Spitzenmonat Juni auf 1'849 im Oktober absackte, überraschte Fachkräfte ebenso wie die grosse Anzahl Rückkehrer ins ehemalige Kriegsgebiet Kosovo. Folge: Notunterkünfte und Kollektivzentren werden über das ganze Land reihenweise geschlossen, von die Zahl bei privater Seite angemieteter Wohnungen stark reduziert.

Laut Barbara Walther, Leiterin des Bereichs Migration bei Caritas Schweiz, muss das Hilfswerk "teils befristete Verträge mit 30 Personen" kündigen. Dabei handelt es sich vor allem um Betreuungspersonal in den Kollektivzentren, die Caritas Schweiz in den Kantonen Solothurn, Luzern, Schwyz und Obwalden im deren Auftrag führte.

Caritas will gezielt abbauen

"In kürzester Zeit" zehn Stellen muss die Caritas des Kantons Luzern abbauen, wie der stellvertretende Leiter Karl Kirschbaum der SonntagsZeitung erklärte. Da Caritas Luzern im Auftrag des Kantons seit Jahren per Leistungsvertrag den Asyl- und Flüchtlingsbereich regelt, sind vom Abbau sowohl Sozialarbeiter wie Mitarbeiter der Wohnungsakquisition und -verwaltung betroffen.

Allein im Kanton Luzern kündigte Caritas zudem 50 Wohnungen, "und dieser Trend wird noch weiter gehen", kündigte Kirschbaum an. Der Abbau betreffe vor allem Gemeinden, die überdurchschnittlich viele Asylsuchende aufgenommen haben.

In Basel weiss Flüchtlingskoordinator Walter Rösli von neun Liegenschaften, die das Fürsorgeamt "zur Kündigung freigegeben" hat. Alfred Trechslin, Leiter der Abteilung Einwohnerfürsorge: "Wir werden bezüglich Mitarbeiter und Liegenschaften gezwungen sein, auf die massive Abnahme der Gesuche zu reagieren."

Im Kanton St. Gallen, wo ein Grossteil der Kosovo-Flüchtlinge in Grossunterkünften untergebracht war, werden 12 Vollstellen gestrichen. Laut Thomas Wieland, Abteilungsleiter im Amt für Soziales, sei gegenüber den Angestellten das Risiko einer unerwartet baldigen Kündigung "von Anfang an deklariert" worden.

Im Kanton Zürich werden 160 Stellen abgebaut

Ist im Kanton Zürich die Kündigung von Flüchtlingswohnungen innerhalb des Wohnungsmarktes "ein Tropfen auf den heissen Stein", so ist der personelle Aderlass am gravierendsten. Laut Thomas Graf, dem Sprecher der staatlichen Asyl-Organisation Zürich, sind bereits 80 kurzfristige Arbeitsverhältnisse mit Aushilfs-Betreuenden aufgelöst worden. In den nächsten Monaten, so Graf weiter, würden nochmals gegen 80 Stellen abgebaut, wobei in dieser Welle vor allem professionelle Sozialarbeitende betroffen sind.

Der Tenor ist überall derselbe: Mit der schnellen Reaktion soll deutlich gemacht werden, dass Hilfswerke wie staatliche Sozial-Stellen rasch und flexibel reagieren können und nicht Strukturen auf Vorrat finanzieren - wohl auch ein Zeichen an jene Kreise, die den heutigen Aufwand im Asylbereich schon übertrieben finden.

7. November 1999


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