© Foto by Crossair
Hat ein Problem in den Cockpits: Crossair-Chef Moritz Suter

Crossair fliegen die Piloten davon

Extreme Arbeitsbedingngen und schlechte Entlöhnung führen zum Exodus in den Cockpits der Swissair-Tochterfirma


Von Peter Knechtli


Der Regionalfluggesellschaft Crossair laufen die Piloten davon: Miese Entlöhnung und extreme Arbeitsbedingungen führen dazu, dass dieses Jahr jeder achte Crossair-Pilot das Weite sucht. Bei besseren Marktbedingungen wäre die Fluktuation sogar noch höher.


Zwar steht Crossair vor der grössten Beschaffungsetappe ihrer Geschichte. Doch hinter den Kulissen der Erfolgsfirma schwelt Unmut. "In Scharen", so ein Insider zur SonntagsZeitung, "laufen der Crossair die Piloten davon". Wenn sich eine Gelegenheit biete, sprängen auch treue Piloten ab - vorzugsweise im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Motto: Wer kann, geht.

Kommen und Gehen hat in den Crossair-Kabinen zunehmend Tradition. Dieses Jahr ist der Personalwechsel aber besonders krass. Von gut 800 Kapitänen und Kopiloten steigen rund 100 Arbeitskräfte aus der Firma aus. Dieser Personalwechsel liegt deutlich über der Fluktuationsrate von zehn Prozent des vergangenen Jahres, wie auch André Dosé, Mitglied der Geschäftsleitung und Abteilungsleiter Flug-Operationen, bestätigte.

40 Crossair-Piloten bewarben sich

Als beispielsweise die Charterfirma Balair für ihre Boeing-767 zwanzig Piloten suchte, sollen nicht weniger als vierzig Bewerbungen von Crossair-Angestellten eingegangen sein. Auch dem Swissair-Cockpit-Personal, dessen Fluktuationsgrad nach eigenen Angaben "im Promille-Bereich" liegt, ist "bekannt, dass es bei Crossair eine ansehnliche Anzahl Piloten gibt, die sich gerne bei einer anderen Airline anstellen lassen möchten".

Wer Glück hatte, kam bei Swissair oder in einem EU-Flugunternehmen unter. Auch wenn der freie Personenverkehr noch nicht besiegelt ist - Crossair-Piloten geniessen in der Branche einen ausgezeichneten Ruf: Sie haben mit jährlich über 600 Starts und Landungen eine grosse Erfahrung, sind gut ausgbildet "und wissen auch, was arbeiten bedetet" (so ein Crossair-Kader).

Der Hauptgrund für den latenten Flucht-Wunsch liegt in einer Lohnpolitik, die sich immer noch an den Anfängen des Pionierunternehmens orientiert, und in extremen Arbeitsbedingungen. Ein Insider: "Aufwand und Ertrag stimmen nicht mehr überein."

50'000 Franken brutto für Kopilot

Die Crossair-Piloten arbeiten zwar immer noch in halbwegs familiärer Firmen-Atmosphäre, doch die Löhne liegen im Vergleich zur Swissair auf Tauchstation. Der Brutto-Anfangslohn eines Kopiloten liegt bei 50'000 Franken. Bei den Top-Salären unter den Kapitänen liegt die Differenz im Vergleich zu Swissair, Sozialleistungen mit berücksichtigt, bei fast 200'000 Franken. "Swissair bietet Konditionen, die wir nicht bieten können", weiss auch GL-Mitglied André Dosé.

Nicht nur finanzielle Verlockungen, auch andere, teils hausgemachte Probleme tragen zum Malaise im Cockpit bei. Auf die krassen Verspätungen der vergangenen Sommermonate, ausgelöst durch die "desaströse Situation der europäischen Flugsicherung" (Dosé), war das in starkem Wachstum begriffene Unternehmen ungenügend vorbereitet: Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Präsenzzeit der Piloten um satte 25 Prozent, das Bordpersonal musste die Sommerferien auf Herbst oder Winter verschieben. Aus Personalmangel muss Crossair zudem monatlich über zwanzig Flüge annullieren. Ein Kapitän: "Der ganze Ablauf ist nicht mehr stabil. Allein um die Ferienrückstände abzubauen, müssten mehrere Cockpit-Crews eingestellt werden."

Dass die "Gesichter im Crew-Raum immer deprimierter werden" (so ein Pilot) und die Stimmung "durch die Zusatzproduktionen teilweise gedrückt ist" (so Andreas Thurnheer, Präsident des Cockpit-Personalverbandes CCP), ist auch Chef Moritz Suter bekannt. Der verantwortliche Operationschef André Dosé: "Eine solche Situation kann man nicht über Jahre hinweg durchziehen. Wir wollen sie schnellstens korrigieren."

Crossair rekrutierte ausländische Piloten

Auch wenn der Geschäftsleiter nicht an ein schnelles Ende der Verspätungen glaubt, so stellt er bis zum Jahreswechsel eine Linderung der Extrembelastung in Aussicht. Nicht nur will Crossair einen Jumbolino als zusätzliches Reserveflugzeug einsetzen. In den nächsten Monaten sollen auch 70 vorwiegend ausländische Kapitäne und Kopiloten eingestellt werden.

Nachdem nämlich Dosé seinen Bedarf bis Juni wegen ausgeschöpftem Kontingent ausschliesslich aus dem ausgetrockneten Schweizer Pilotenmarkt decken musste, kann er jetzt dank 60 neuen, bis Ende 2000 geltenden Aufenthaltsbewilligungen rund um den Erdball rekrutieren. Dies hat zur Folge, dass vermehrt Kapitäne und Kopiloten aus den baltischen Staaten, Australien, Neuseeland und Skandinavien in den Crossair-Führerständen Platz nehmen werden. Bis Jahresende rechnet Dosé mit einem Ausländerbestand von 15 Prozent.

Kein Zweifel an solider Ausbildung

Somit dürften Crossair-Passagiere künftig vermehrt feststellen, dass die Stimme aus dem Cockpit ("Hier spricht Ihr Kapitän") nicht mehr in vertrautem einheimischem Deutsch ertönt. An der Ausbildung der ausländischen Fachkräfte sind nach übereinstimmender Meinung von Fachleuten allerdings keine Zweifel angebracht. So würden laut Dosé nur Piloten eingestellt, die "auf denselben Flugzeugtypen fliegen wie Crossair". Ueberdies werden sie auch in die spezifischen Crossair-Flugprozeduren eingeschult (Dosé: "crossairisiert").

Nach einem Treffen zwischen Chef Moritz Suter und Personalvertretern vergangenen Mittwoch bilanzierte Pilotenverbands-Präsident Andreas Thurnheer vorsichtig: "Es herrschte eine konstruktive Atmoshäre. Die Probleme sind erkannt, jetzt müssen die Lösungsvorschläge umgesetzt werden."

30. August 1999


Crossair-Löhne für Kopiloten und Kapitäne in tausend Franken

(gültig seit 1. Januar 1999)

Stufe Kopilot Kapitän
1 50'311
2 53'673
3 55'395
4 61'729
5 63'411
6 65'190
7 66'955
8 68'663 86'395
9 70'343 88'158
10 72'033 89'931
11 73'737 91'738
12 75'478 93'583
13 77'273 95'467
14 97'376
15 99'324
16 101'310
17 103'337
18 105'404
19 107'512
20 110'000

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"Wer nicht begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

Basler Zeitung
vom 2. Oktober 2019
über ein Manser-Zitat
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Wer richtig gelesen und korrekt geschrieben hätte, hätte das authentische Zitat dokumentiert: "Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

RückSpiegel


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