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"Kein Schischi-Zeugs": Basler Floristin Cécile Bürgin-Kilga

"Wer Blumen kauft, soll dies aus Überzeugung und mit Freude tun"

Die Floristin Cécile Bürgin-Kilga führt seit 50 Jahren einen Blumenladen im Kleinbasel – und mag den Muttertag nicht


Von Anna Wegelin


Die Basler Floristin und Gärtnerstochter Cécile Bürgin-Kilga sorgt seit 50 Jahren dafür, dass Schnittblumen und Topfpflanzen den Alltag und Festtag verschönern. Die altgediente Basler Floristin und Gärtnerstochter führt ihren Laden im Erdgeschoss des Gewerkschaftshauses beim Claraplatz im Kleinbasel.


Es gibt bestandene Läden in Basel, an denen wir jeden Tag vorbeigehen, ohne zu merken, dass wir sie unbedingt betreten müssten: Denn die Menschen, die sie dem "Lädelischtärbe" zum Trotz weiterführen, sind ein Kapitel lebendige Stadtgeschichte auf Zeit.

Wer weiss zum Beispiel schon, dass der Bauch- und Kopfkranz für den "Wilde Maa" (Kultfigur am "Vogel Gryff") seit Jahrzehnten in einem Laden an der Rebgasse 1 in Kleinbasel in akribischer Handarbeit hergestellt wird – und zwar so, dass die Äste des buschigen Flechtwerks aus reifem Efeu beim Tanzen nicht Bauch noch Kopf kratzen? Bei "Bürgin Blumen" bringen wir es in Erfahrung.

Seit 50 Jahren führt Cécile Bürgin-Kilga ihr Blumengeschäft im Gewerkschaftshaus beim Claraplatz. Es liegt im Parterre zwischen einem Gewerkschaftssitz und einem Coiffeursalon und an diesem Montagnachmittag im Mai stehen, ganz schweizerisch, Geranien in acht verschiedenen Farben neben der Eingangstür.

"Den Muttertag mochte ich noch nie"

Bürgin ist eine "Chrampferin" und sichtlich stolz auf ihr Lebenswerk: "Ich werde einfach nie müde", meint sie schulterzuckend. Jeden Morgen früh von Montag bis Samstag nimmt sie Schnittblumen und Topfpflanzen von Grossisten aus der Region entgegen. "Ich bestelle vorzugsweise Schweizer Ware, das haben die Leute gern", erzählt sie. Nur am Sonntag hat sie nicht geöffnet, selbst wenn Muttertag ist: "Den Muttertag hab ich noch nie gemocht: Denn wer Blumen kauft, soll dies aus Überzeugung und mit Freude tun."

Alibiübungen sind definitiv nicht ihr Ding, kitschige Arrangements auch nicht: "Wir machen alles für die Kundschaft, nur kein Schischi-Zeugs mit Osterhäsli", sagt sie und meint mit "wir" ihre Bekannte Heidi Herle, die an diesem Tag im Laden aushilft.

Auch heuer macht Cécile Bürgin keine Ausnahme und fährt zum Muttertag mit ihrer Schwester nach Rügen. Nicht "Jubeltrubel" treffe sie dort an, sondern Ruhe und Natur. Gewohnt wird wiederum in einer Ferienwohnung. Hotels seien nichts für sie, meint sie: "Ich will selbständig sein." Die fünftägige Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer, die sie vor Jahren mit ihrem Mann unternahm, ist ihr noch heute ein Graus: "Ich bin doch kein Herdentier, das man mit dem Stecken vor sich her treibt!" Ihr Mann, Grafiker und Laternenmaler, ist  längst gegangen. Sein schönes Plakat für den Blumenladen seiner Frau hängt bis heute an der Rückwand im Geschäft.

"Schöne Lehrjahre" bei Mäglin

Cécile Bürgin ist gelernte Floristin. Ihr Laden ist ihr Leben. "Die Arbeit ist sehr vielseitig", berichtet sie. Man müsse allerdings gesund sein dafür, fügt sie nachdenklich an. Vor zwanzig Jahren erkrankte sie schwer; dass sie noch am Leben ist, verdankt sie dem Himmel.

Die Lehre machte sie im Blumenhaus Mäglin an der Klybeckstrasse – eine "schöne Zeit", betont sie. Ihr Beruf war ihr sozusagen in die Wiege gelegt worden: Ihre Eltern führten die Gärnterei Kilga an der Grenzacherstrasse. Der Name Kilga stamme aus Österreich-Ungarn, ihre Mutter sei Elässerin gewesen, erzählt sie.

Grossverteiler machen zu schaffen

Eine betagte Frau am Rollator betritt den Laden. Die Stammkundin wohnt vis-à-vis, im Altersheim "Zum Lamm". Die Orchidee, die sie zur "Blumendoktorin" mitbringt, sei "viel zu nass", erklärt Bürgin geduldig: "Ich schau mal, ob daraus noch was wird." Dann arrangiert, schneidet und bindet sie mit gekonnten Bewegungen einen Strauss "Leuemüüli" für die Kundin, führt sie zur Tür und sagt zum Abschied: "Nächste Woche bin ich in den Ferien. Ich bringe Ihnen dann noch einen Zettel vorbei, damit Sie wissen, dass zu ist."

Kleine Geschäfte hätten es nicht leicht, antwortet sie auf die Frage nach den Finanzen. "Man muss idealistisch sein", so Bürgin, immer mehr Basler Blumenläden würden zumachen: "Die Grossverteiler machen uns Kleinen zu schaffen." Wir zeigen auf die schwarze Metall-Kasse Marke Sweda – funktioniert sie noch? "Meine Museumskasse meinen Sie? Ja, sie rechnet richtig, wenn man sie kennt." Als sie sie seinerzeit kaufte, habe es geheissen: "Die ist fürs ganze Leben": "Mein Leben geht länger", so Bürgin lachend. Wir vereinbaren Stillschweigen darüber, wie alt sie ist.

In guter Nachbarschaft

Was zeichnet die kleinen feinen Blumengeschäfte aus? Ihre Antwort kommt prompt: "Die Nähe zu den Kunden und die Zeit, die man sich für sie nimmt." Ihre gefalle es im Gewerkschaftshaus, vor allem die gute Nachbarschaft mit Raymond Leutenegger, dessen Laden an der Rebgasse 1 ebenfalls den Fünfzigsten feiert. "USA Import" war einer der ersten Läden in Basel, die "Levi's"-Jeans und Cowboystiefel führten.

Ja, früher, als Herr Wohler noch seine Buchhandlung nebenan hatte, sei es halt doch anders gewesen, sagt Bürgin. Nachbarschaftlicher. Als der spätere Regierungsrat Karli Schnyder noch VPOD-Sekretär gewesen sei, sei er immer auf einen Schwatz in den Laden gekommen, erinnert sie sich. Aber sie habe keinen Grund zum Klagen. "Ich mach das alles freiwillig." Ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit will sie gegen nichts in der Welt tauschen.

Wie lange wird sie ihr Blumengeschäft noch weiterführen? Cécile Bürgin-Kilga: "Solange es mir passt."

Info: Bürgin Blumen, Rebgasse 1, 5048 Basel. Offen Montag bis Freitag, 8-12 Uhr und 13-18.30 Uhr; Samstag 9-16 Uhr. Telefon 061 691 86 53. Ferien vom 12. bis 25. Mai.

8. Mai 2014


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