Eine super-digitale Promotions-Pleite

Das mit Millionen-Aufwand forcierte DIGit-Super-Radio ist eine Totgeburt


Von Peter Knechtli


Das von der Telecom PTT mit Millionenaufwand lancierte digitale Radio entpuppt sich als Promotions-Pleite: Die Kunden blieben aus, die Kabelnetzfirmen wollen sich Tarifforderungen der Telecom widersetzen.


Wieviel die Telecom als treibende Kraft in DIGit-Super-Radio (DSR) investiert hat, ist laut Radiocom-Direktor Walter Riedweg "nicht für die Öffentlichkeit bestimmt". Nach Projekt-Vertrauten wurden allein für Marketingaktionen und Werbung rund 15 Millionen Franken verbraucht, auch die Investition lag bei einem zweistelligen Millionenbetrag - zurück kommt so gut wie nichts.

Mit den 16 Programmen der Schweizer Palette und einem ebenso grossen deutschen Paket werden mehr als eine Million verkabelte Haushalte zu monatlichen Kosten von 2,5 Rappen bedient. Genutzt wird das Angebot nach Riedwegs Angaben aber nur gerade von 10'000 Besitzern von Digital-Empfängern. Andere Quellen nennen gar Zahlen zwischen 2'000 bis 3'000 Nutzern.

Somit liefern die Kabelnetzbetreiber, zusammen mit der SRG anfänglich begeisterte Partner des DSR-Projekts, der Telecom jährlich 300'000 bis 500'000 Franken ab. Diese Kosten stehen in keinem Verhältnis zur Zahl der Nutzer: Die Nichtnutzer subventionieren die wenigen Digit-Fans.

Riedweg macht für diesen Flop ausschliesslich die Gerätehersteller verantwortlich. "Trotz ihrer Zusicherung" hätten sie das Projekt "von Beginn an nicht genügend unterstützt". Umso verwunderter fragen sich Beobachter, weshalb die Telecom an Ausstellungen noch vor wenigen Monaten Werbematerial zum Super-Radio auflegte.

Kenner gehen davon aus, dass der klotzigen Promotion eher spekulative Annahmen als seriöse Bedürfnisabklärungen vorausgegangen waren. Die Telecom investierte Millionen unkoordiniert in einen Markt, der gar nicht vorhanden ist: Während ihre Propagandalawine lief, herrschte in den Werbeauslagen der Radiofachgeschäfte tote Hose.

Heute steht die Hör-Revolution aus dem Anfang der neunziger Jahre auf dem Abstellgleis. Die veraltete Technologie ermöglicht keinen mobilen Empfang, zudem ist jetzt Datenreduktion gefragt, damit die Kanäle besser und billiger genutzt werden können. Auch wurde der teure Digital-Empfänger an der Kundschaft vorbeikonzipiert: Sie verlangte nach einem kombinierten und kostengünstigen Gerät, auf dem auch UKW-Sender hätten empfangen werden können.

Gar nicht zur Freude der Telecom sind innerhalb der Kabelnetzbetreiber und der SRG die Stimmen jener zahlreich, die das digitale "Super"-Radio schon Ende nächsten Jahres einstellen möchten.

Leo Fischer, dem Verwaltungsrats-Delegierten des mit Abstand grössten Schweizer Kabelnetzbetreibers Cablecom, kann das Ende gar nicht schnell genug kommen: "Einstellen, fertig Schluss." Pikant: Die Telecom ist massgeblich an der Cablecom beteiligt. Der Luzerner Kabelspezialist Fischer verhehlt indessen nicht, dass er selbst zu den feurigen Digital-Promotoren gehörte. Misserfolge müssten in diesem sich rasant entwickelnden Gebiet in Kauf genommen werden.

Von einem baldigen Ende will Radiocom-Chef Riedweg nichts wissen. Er spricht von einer "mittel- bis langfristigen Ablösung" von DSR durch ein anderes digitales System. Welches System das sein wird, ist noch unklar - es könnten auch mehrere sein: Im Vordergrund stehen dürfte nach Telecom-Vorstellungen das für mobilen Empfang geeignete Digital Audio Broadcasting (DAB), das bereits als "Radio-Highway der Zukunft" beworben wird. Im Gespräch sind aber ebenso Astra Digital Radio (ADR) oder Digital Video Broadcasting (DVB).

Doch ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem das Ende des "Super"-Systems naht, will die Telecom von den Kabelnetzbetreibern mehr Geld: Die Gebühr von 2,5 Rappen pro Abonnent und Monat soll auf 5 Rappen verdoppelt werden. Eigentlich, so Radiocom-Chef Riedweg, sei mit mit dem Branchenverband Swisscable ursprünglich ein Stufentarif vereinbart worden, wonach ab Anfang nächsten Jahres 30 Rappen fällig würden.

Schon die vorgeschlagene Verdoppelung scheint Swisscable-Geschäftsführerin Claudia Bolla keine Eile abzunötigen. Eine von der Telecom auf Mitte November erbetene Stellungnahme steht noch aus. Der Verband scheint zu warten, bis sich das Problem von selbst erledigt.

Derweil verströmt Walter Riedweg unentwegt Optimismus: Obschon SDR-Empfänger bestenfalls noch als Ladenhüter zu haben sind, bezeichnet er die fünf Rappen immer noch als "Promotionstarif".

22. November 1996


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