Zilpaterol: Lonza schweigt

Bericht über die Produktion des Tierwachstums-Dopings in Visp schlug nicht nur im Wallis Wellen


Von Peter Knechtli


Der Bericht der SonntagsZeitung über die Produktion des Tiermast-Anabolikiums Zilpaterol in den Visper Lonza-Werken schlug Wellen. Doch die Konzernleitung will sich zum Trend nach geringeren, aber aktiveren und gefährlicheren Wirkstoffen weiterhin nicht äussern. Ihr Argument: Es handle sich um eine Auftragsproduktion, weshalb Projekte und Produktion diskret zu behandeln seien.


Der Walliser Chemiekonzern Lonza mit Sitz in Basel will zur Produktion des Tierdoping-Mittels Zilpaterol und zu den wachsenden Risiken bei der Herstellung von Hochtox-Produkten weiterhin nicht Stellung nehmen. Einen Interview-Wunsch lehnte Sprecher Walter Eschenmoser auch nach dem Bericht der vorigen SonntagsZeitung aufgrund von Geheimhaltungsvereinbarungen ab.

Lonza spricht von "offener interner Gesprächskultur"

Umso ausführlicher nahm der "Walliser Bote" am Dienstag das Tagesgespräch in den Visper Lonza-Werken und in kommunalen und kantonalen Behörden auf. Das Blatt zitiert leitende Lonza-Manager mit der Aussage, dass das Projekt zur Produktion des hochgiftigen Tierwachstums-Präparats Zilpaterol intern tatsächlich "längere und heftige Diskussionen" ausgelöst habe. Dies als Folge einer "offenen internen Gesprächskultur". Grund der Verunsicherung ist vor allem die Herstellung der letzten Stufe, die ein Maximum an Sicherheitsmassnahmen erfordert. Mit einem erlaubten MAK-Wert von 0,56 Mikrogramm pro Kubikmeter ist die maximale Arbeitsplatz-Konzentration von Zilpaterol äusserst tief.

Schon vergangenen Montag äusserte sich Helmut Rupp, als Chef der Feinchemikalien und Spezialitäten die Nummer zwei in der Konzernleitung, in einer internen "Mitteilung" modert zum Artikel, den OnlineReports in der SonntagsZeitung veröffentlichte. Darin bestätigt er, dass Lonza "zunehmend auch die Fertigung von aktiven Substanzen übertragen" werde. Deshalb sei ein "Reinraumlabor" - andere sprechen von einem Hochtoxlabor - eingerichtet worden. Laut Rupp sind "sämtliche genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen zur Erforschung und zum Betrieb unserer derzeitigen Produktepalette vorhanden und den Behörden bekannt". Andere firmennahe Exponenten sprachen von Angstmacherei - eine Meinung freilich, die der Markt, der ja bekanntlich immer Recht hat, nicht teilt: Die Lonza-Aktien zogen in der ersten Wochenhälfte deutlich an.

Sommaruga: "Eine von vielen Zeitbomben"

Das umstrittene Anabolikum Zilpaterol, das im Auftrag von Hoechst Roussel Vet im Umfang von mehreren Tonnen hergestellt werden soll, wird insbesondere Rindern einige Wochen vor dem Schlachttermin verabreicht. Dabei wird Fett in Muskel umgewandelt, wodurch sich das Verwertungsgewicht des Tiers erheblich erhöht.

Heftige Reaktionen löste Zilpaterol denn auch bei Konsumenten- und Tierschutzorganisationen aus. Simonetta Sommaruga, Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz, sieht sich darin bestärkt, "dass uns in der Fleischproduktion neben der BSE-Seuche noch viele neue Zeitbomben bevorstehen, die nichts mehr mit einer natur- und artgerechten Tierhaltung und Fütterung zu tun haben".

3. Dezember 2000


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"Die Sprecherin der Swiss Indoors antwortete nicht auf die Anfrage dieser Zeitung."

BZ Basel
vom 27. November 2017
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Auf unsere Medienanfrage zu einem Gerichtsfall hat die Sprecherin auch nicht geantwortet. Die Swiss Indoors-Schweigerin.

"Und übrigens ..."

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