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"Keine Fabrik": Swissfirst-CEO Thomas Matter, Private-Banking-Chef Urs F. Kaufmann

"Wir wollen auf dem Platz Basel nicht auf Konfrontation machen"

Mitten in der Stadt will sich Swissfirst als traditionelle, aber agile Privatbank etablieren


Von Peter Knechtli


Bewegung auf dem Banken-Platz Basel: Die bisher in Zürich und Vaduz domizilierte Vermögensverwaltungsbank Swissfirst eröffnet heute offiziell eine Niederlassung in Basel. Das sechsköpfige Start-Team hat UBS-Erfahrung.


An bester Basler Adresse - am Bankenplatz - und mit ihrem markanten roten Schriftzug von aussen unübersehbar hat sich Swissfirst im ersten Stockwerk der Liegenschaft Elisabethenstrasse 2 eingemietet, um künftig vermögende Privatkundschaft der Region Basel angemessen empfangen und betreuen zu können. Geführt wird die "kleine, traditionelle aber aufdatierte Privatbank" (so CEO Thomas Matter, 38) von einem eingespielten sechsköpfigen Team mit einem Durchschnittsalter von 39 Jahren, das zuvor jahrelang zusammengearbeitet hat, aber vor einigen Monaten von der UBS gleich gegenüber der Strasse absprang und von Urs F. Kaufmann (49), neuer Leiter des Swissfirst Private Banking, geführt wird.

Eine Bank, die bei 100'000 Franken Vermögen beginnt

Kein Kommentar war an einer Medienorientierung auf die OnlineReports-Frage zu erhalten, ob das Team gleich auch potente UBS-Kunden zur neuen Konkurrenz transferiert habe. Ziele in Zahlen zur Basler Aktivität - gruppenweit beläuft sich das Anlagevermögen im Private Banking auf 1,4 Milliarden Franken - waren ebenfalls nicht erhältlich. Hingegen wurde bekannt, dass auf einen Anlageberater idealerweise 50 bis 75 Kunden fallen sollen, und dass das minimale Anlagevermögen in der Regel 100'000 Franken betragen sollte. Im Gegensatz zu Bank-"Fabriken" (Matter) will sich Swissfirst als extrem schlanker, extrem kundenorientierter Nischenplayer mit flacher Führungs-Hierarchie etablieren, wie der Niederlassungs-Chef betonte: "Nicht wir managen die Kunden, sondern sie uns."

Dass sich Swissfirst ausgerechnet nach Basel expandiert, hat damit zu tun, dass das Management dem Wirtschaftsraum am Juranordfuss mit seiner tiefen Bankendichte vor allem durch neue Industrien, die Pharmakonzerne, die Medizinaltechnik oder die Immobilienbranche ein überdurchschnittliches Wachstum zutraut.

Räume lassen auf Wachstumsabsicht schliessen

Bei einem Augenschein der hellen und grosszügigen, aber unprätentiös eingerichteten Fazilitäten fällt auf, dass das sechsköpfige Team zumindest bei Geschäftsaufnahme nicht an Platzmangel leidet: "Selektives Wachstum" auf eine Grössenordnung von 20 bis 25 Mitarbeitenden und nachhaltiges Engagement scheinen angesagt. Die gesamte Administration des Basler Geschäfts wird über eine Glasfaserleitung von der Zürcher Zentrale aus gesteuert. "Wir sind stolz, eine Schweizer Bank zu sein", meinte Matter angesichts der Strukturbereinigung, vor der auch die Basler Privatbankenwelt nicht verschont blieb. "Wir werden nicht in diese Konsolidierungsmühle geraten", zeigte sich Matter überzeugt. Anderseits erklärte Filiale-Chef Kaufmann: "Wir wollen auf dem Platz Basel nicht auf Konfrontation machen, sondern wir streben eine Zusammenarbeit mit andern Banken an." Aber: "Der Markt im Private Banking wird kompetitiver."

Bis 21 Uhr und auch samstags erreichbar

Die vor zehn Jahren gegründete Swissfirst, die gesamthaft 103 Mitarbeitende zählt und einen Ertrag von 102 Millionen Franken erwirtschaftete, will die Schweiz als Hauptgeschäftsfeld pflegen und "Opportunitäten im Ausland prüfen". Angestrebt werden langfristige, generationenübergreifende Kundenbeziehungen. "Wenn Swissfirst Basel in zehn Jahren noch ein Thema im Private Banking ist, haben wir unser Ziel erreicht", meinte Urs Kaufmann. Über die agile kleine Konkurrenz dürfte Riesen-Nachbar UBS jedenfalls kaum begeistert sein. Unter anderem ist Swissfirst abends bis 21 Uhr und auch am Samstagmorgen erreichbar. Thomas Matter: "Wir sind wahrscheinlich die einzige Bank in der Schweiz, die diesen Service bietet."

Was auf dem Rundgang weiter auffiel: Jede Wanduhr steht still und zeigt eine andere Zeit. Swissfirst tickt anders.

29. April 2004


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