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"Nicht die grösste Rendite": Hochhaus-Projekt am Prattler Bahnhof

Am Prattler Bahnhof nistet sich ein architektonischer Adler ein

"Aquila" heisst eines von drei Hochhäusern, die das ehemalige Industrie-Dorf zum urbanen Raum entwickeln


Von Peter Knechtli


Pratteln war über Jahrzehnte ein klassisches Arbeiter- und Industriedorf: Jetzt markieren Hochhäuser einen urbanen Umbruch. Am Bahnhof soll kommendes Jahr der 66 Meter Hohe "Aquila"-Turm entstehen, in dem vor allem Wohnungen, aber auch Geschäftsräumlichkeiten und Cafés angeboten werden.


Die Umgebung des Bahnhofs von Pratteln ist eine emotionale Einöde. Die Umgebung des Bahnhofs von Pratteln eben. Von Verkehrsabgasen und Firmenschloten gezeichnete graue Wände, die geradezu nach einem Anstrich lechzen. Hier befindet sich aber auch das Restaurant "Salmenstube", das schon manchem das Warten auf den nächsten Nachtzug verkürzt hat. Ein ebenfalls leicht heruntergekommenes Gasthaus mit dem sympathischen Caché der sechziger Jahre. Hier im Säli ruhen die Insignien des Arbeiter-Männerchors, hier rauchten an Sitzungen schon die Köpfe von Linken und Emanzen und Ökologen – es liegt einen Steinwurf neben der Bahn- und Tram-Haltestelle.

Im Hochhaus erkennt man das Wappentier

Es könnte einem leid tun: Die "Salmenstube" ist dem Abbruch geweiht und eine geschichtsträchtige Gaststube mit vierzehn Wohnungen verschwinden aus dem Prattler Ortsbild. Es ist die Zeit des Wandels. Hier aber entsteht Neues, das kommenden Generationen genauso als markantes Identitäts-Merkmal haften bleiben wird: Ein 66 Meter hoher Wohn- und Büroturm von zwanzig Geschossen, der das auch auf der Männerchor-Fahne verewigte Prattler Wappentier, den Adler, in sein archiktonisches Grundmuster aufnimmt. "Aquila" heisst der kühne Wurf, den die Basler "Christ & Gantenbein Architekten" ausgedacht haben. Es ist eines von drei Hochhaus-Projekten, die nächstens in der Nähe des Prattler Bahnhofs umgesetzt werden.

Was hier auf Plänen schon Realität ist, erhebt einen ganz besonderen Anspruch, wie Architekt Christoph Gantenbein (Bild rechts) heute Donnerstagmorgen an einer Medienkonferenz im "Salmenstübli" erkennen liess: Die rhomboide Grundform, die auf den untersten drei Geschossen so etwas wie Adlerflügel ausfährt, soll staunenden Bahnpassagieren "ein ikonisches Erlebnis beim Durchfahren" offenbaren. In diese Flügelbauten soll ein "dynamischer Platz" eingebettet werden, der mit 20 Bäumen, Cafés und Sitzbänken Gelegenheit für "die schnelle Ruhe" bieten soll. Es ist also nicht der Ort für lange und laute sommerliche Party-Nächte.

Wohnungen relativ günstig

Das Formkonzept ist darauf ausgerichtet, dass es den Bahnlärm so gut wie möglich abgleiten lässt: Von Bahnhof weg Richtung Süden sind trichterförmig und sozusagen im Lärmschatten die Wohnungen angeordnet. Das Erdgeschoss bietet drei Einheiten für Cafés oder Läden. In den Flügelbauten sind Büroräume vorgesehen, auf den weiteren 16 Geschossen 76 Mietwohnungen. Am Fuss des Turm sind ein Bus-Terminal mit Kreisel, Taxi-Stände und Gelegenheiten für Kurzparkierer vorgesehen. In den Untergeschossen sind 110 Auto- und 140 Velo-Parkplätze geplant.

Bauherrin ist der Immobilienfonds UBS Sima, der das Gelände heute schon gehört und die in Basel schon den St. Jakobs-Turm (90 Millionen Franken) gebaut hat und den Clara-Turm (100 Millionen Franken) am Messeplatz projektiert. Laut Fonds-Direktor Riccardo Boscardin (Bild Mitte) sind 28 2,5 Zimmer-Wohnungen, 42 3,5 Zimmer-Wohnungen und – ganz oben, wo die prächtigste Aussicht auf die Juralandschaft gegeben ist – 6 4,5 Zimmer-Wohnungen geplant. Je nach Lage liegen die vorgesehenen Mietzinse laut Boscardin pro Grössen-Segment bei 1'300 bis 1'400, 1'600 bis 1700 und 2'100 bis 2'200 Franken. Der Fonds sei "nicht darauf angewiesen, eine möglichste grosse Rendite herauszuholen".

"Dynamischste Gemeinde des Kantons"

Schon kommendes Jahr soll Baubeginn sein. Im Jahr 2015, so die Pläne, soll der "Aquila" bezugsbereit sein. Laut Max Hippenmeyer (Bild links), dem Prattler Gemeinderats-Vizepräsidenten, sei dem Bau ein "langjähriger Prozess" mit "harten Verhandlungen" vorausgegangen. So beabsichtigte die Gemeinde erst, am Bahnhof die neue Gemeindeverwaltung zu bauen. Nun aber brachte er an der Medienkonferenz seine "Wertschätzung" gegenüber dem Projekt zum Ausdruck. Die Lage an der Bahn sei "einmalig", der "Aquila" biete nicht nur "etwas mediterranes Flair", sondern bilde das Scharnier vom gut erhaltenen Dorfkern zur Industriezone und zum Entwicklungsgebiet "Salina Raurica".

Hippenmeyer liess auch etwas von Stolz darüber spüren, wie sich der einst immissionsträchtige Standort emanzipiert: "Wir mutieren vom Dorf zur modernen urbanen Agglomerationsgemeinde." Und mit "wir" meinte er: "Die bezüglich Entwicklung dynamischste Gemeinde des Kantons."

27. September 2012

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