© Fotos by Monika Jäggi, OnlineReports.ch / Hotel Palazzo Salis
"Wir wollten etwas anderes machen": Basler Auswanderer Speck, Müller

Vom gestylten Gundeli-Deli in den Bergeller Barock-Palazzo

Dem Ruf des Palazzo Salis im Bergell konnten Monika Müller und Christian Speck nicht widerstehen


Von Monika Jäggi


Der Neustart ist in den Bergen des Bergells geplant: Monika Müller und Christian Speck heissen die neuen Pächter des bekannten Palazzo Salis in Soglio. Ihr Catering-Geschäft, das "Pfifferling Deli" im Basler Gundeldinger-Quartier, werden sie deshalb aufgeben – obschon es erfolgreich war.


Die Baslerinnen und Basler werden sie vermissen. Nach 16 Jahren Catering und vier Jahren "Pfifferling Deli" ist nun Schluss mit den Leckereien. Die Inhaber – Gastronomin Monika Müller und Innenarchitekt / Fotograf Christian Speck – verkaufen ihr Geschäft am Hinterausgang des Bahnhofs an der Güterstrasse und machen wahr, wovon viele träumen: Sie wandern aus.

Nicht nach Australien oder Neuseeland, sondern in die bündnerischen Südalpen – ins tief eingeschnittene Bergell, dem Tal zwischen Malojapass und Chiavenna. Die nüchtern-elegante Ausstattung des "Delis" werden sie dann mit den ein Meter dicken Steinmauern des behäbigen Hotels "Palazzo Salis" in Soglio tauschen.

Trendgastronomie im Gundeli

Zwar läuft das "Pifferling Deli" prima. Die Mischung aus Kaffee- und Delikatessengeschäft kommt bei der Kundschaft an: Die Lebensmittel sind selbstgemacht, die Produkte stammen aus der Region und sind auch schon mal selbst gepflückt. 2014 erhielt das Paar den "Best of Swiss Gastro Award" in der Kategorie "On the Move" – einem Fach- und Publikumspreis für junge oder neue Konzepte, die nicht älter als drei Jahre auf dem Markt sind. "Wir sind stolz, dass wir als kleines Unternehmen auch die Publikums-Auszeichnung für uns gewinnen konnten", sagt das sympathische Paar mit dem unverkennbaren Thurgauer-Dialekt.

Im Gespräch mit OnlineReports erzählt es, weshalb es diesen Gastronomen-Traum aufgibt. Eine Auslandreise gab den Ausschlag gab für Veränderungen. Die Reise mit dem Fahrrad von San Francisco nach Chile liegt zwar schon lange zurück. Dennoch – nach der Rückkehr war klar: "Wir wollten etwas anderes machen und unsererm Leben eine andere Richtung geben", erinnert sich Müller.

Die Qualität muss stimmen

"Was uns in der Schweiz nach der Rückkehr gefehlt hat, war ein Ort, an dem Freundlichkeit, Essen und Innenarchitektur denselben hohen Stellenwert haben", erzählt Speck. Oft sei das Ambiente toll, das Essen hingegen katastrophal oder umgekehrt. "Wir wollten deshalb einen Ort schaffen, der unserem hohen Qualitätsanspruch gerecht wird."
 
Was nach dieser Einsicht erfolgte, war die Zweitausbildung der gelernten Kindergärtnerin zur hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin und vom Primarlehrer zum Innenarchitekten und Fotografen. Der Rest ist Geschichte: Als Störköchin baute Monika Müller, zusammen mit ihrem Partner das "Pfifferling Deli" in Basel auf. Und jetzt geben sie ihrem Leben nochmals eine neue Richtung. "Wir sind immer etwas unterwegs", sagen beide übereinstimmend.

Es begann mit einem Steinhaufen in Soglio

Ausschlaggebend für ihren Entscheid wegzugehen, war ein Steinhaufen in Soglio. Dort begann vor acht Jahren ihre Auswanderungs-Geschichte. Speck wurde beauftragt, mitten im Dorf zwei Bauernhäuser mit Ställen, die seit mehr als hundert Jahren mit einem Durchgang verbunden waren, zu einem Wohnhaus umzubauen.

Als Auswärtiger wurde ihm eine kräftige Portion Misstrauen entgegengebracht, zumal es sich um eine anspruchsvolle Renovation handelte und er diesbezügliche keine Erfahrung hatte. "Es war das erste Mal, dass nicht der lokale Architekt zum Zuge kam", betont Speck. Mindestens anderthalb Jahre benötige der Auswärtige für den Umbau, wurde ihm von den Sogliesi gesagt. "Sie haben mir das nicht zugetraut", schmunzelt er heute.

Weil Speck jedoch während der Zeit des Umbaus – für viel überraschend – in Soglio wohnte, und die Bauleitung übernahm, war dieser innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen. Der Steinhaufen wurde zum Wohnhaus und die Dorfbevölkerung zum Freundes- und Bekanntenkreis. Während jener Zeit änderte sich das Verhältnis der Einheimischen zum Unterländer.

Zuschlag für Pacht erhalten

"Die Bergler haben uns kennengelernt und gesehen, dass wir tüchtig und qualitätsbewusst sind und exakt arbeiten", sagt der Thurgauer in seinem spontanen Werbespot. Er habe nur lokale Handwerker beauftragt und lokale Materialien verwendet. "Die Sogliesi sind sehr offen und liebenswürdig, keine verschlossenen Bergler", charakterisiert er seine zukünftigen Nachbarn.

Dass das Paar aus Basel akzeptiert ist, wurde ihnen klar, als sie die Reaktionen auf den Zuschlag für die Pacht des "Palazzo Salis" (Bild) erhielten. Die Erbengemeinschaft von Salis, Besitzerin des Palazzo, suchte einen neuen Pächter. Das Paar aus Basel bewarb sich im Frühling auf das Inserat, das ihnen Bekannte aus dem Bergdorf geschickt hatten – und erhielten nach zähen Verhandlungen im Oktober die Zusage. Was sie aber besonders gefreut habe, sei die Reaktion der Dorfbevölkerung gewesen: "Wir wollten euch", lautete der Tenor.

Am 29. April 2016 ist Eröffnung. Und sobald die Finanzen geklärt sind, wird umgebaut – für einen grösseren Betrag. 25 Jahre lang wurde nicht viel in den Unterhalt gesteckt. "Das war eine unserer Forderungen an die Erbengemeinschaft von Salis", sagt Speck. "Es werden chirurgische Eingriffe sein – unter Beibehaltung der historischen Substanz“. Das Hotel soll so zum Vorzeigeprojekt für das Tal werden.

Noch aber verbringt das Paar seine letzten Monate in Basel – und sucht einen qualitätsbewussten Käufer für ihren "Pfifferling". Die Rheinstadt hatte es damals bewusst als neuen Lebensmittelpunkt gewählt: "Basel hat einen internationalen Ruf. Uns hat die Dreiländer-Situation gereizt", erinnert sich die kreative Gastronomin. Die Stadt sei überschaubar und wenig mondän.

Monika Müller denkt dabei auch an die Essenz ihres Catering-Business, in dem sie immer mal wieder andere unbekannte Geschmacksrichtungen mit neuen Zutaten kreierte und so in Basel einen Trend lancieren konnte, zum Beispiel ihre Rosemarin-Nüsse.

Palazzo: Risiko kalkulierbar

Als neue Pächter im fernen Bergell einzusteigen sei ein einschätzbares Risiko, sind sich Müller und Speck einig. "Es handelt sich um einen einmaligen Ort mit einem einmaligen Haus." Darin liege ein grosses Potential. Ausserdem hätten die Besitzer zugestimmt, die Investitionen zu tätigen. Die langen Winter, wenn das Hotel geschlossen sein wird, werden sie nutzen, um weitere Projekte vorzubreiten – angedacht sind beispielsweise Kulturveranstaltungen.

Vielen Baslern, die sich auch in ihrem Kundenkreis finden, ist der historische Palazzo mit seiner eindrucksvollen Feuerstelle und dem lauschigen Garten bekannt. Eine Win-Win Situation für die zurückgebliebenen Städter, aber auch für die Auswanderer.


Dieser Beitrag war dank des OnlineReports-Recherchierfonds möglich.

17. Dezember 2015

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"Eine hippes Hotel war nie das Ziel"

Die Aussage "25 Jahre lang wurde nicht viel in den Unterhalt gesteckt" im Artikel hängt stark davon ab, woran man denkt, wenn man "viel" definiert. Die BesitzerInnen — alle aus der Familie von Salis — haben in dieser Zeit neben ihrer eigenen Arbeit für den Palazzo alles in den Unterhalt der Gebäude und den Garten investiert, was der Betrieb des Hotels eingebracht hat. Es wurden schonsam neue Nasszellen ins 300 Jahre alte Gebäude eingebaut, die Fassaden, Gartenmauern, Zimmer und vieles mehr zum Teil mit und dank der Bündner Denkmalpflege renoviert und restauriert.

Man kann das als altmodisch ansehen, dass zuerst das Geld erarbeitet wurde, bevor man es ausgegeben hat. Das Ziel der Besitzerfamilien war es aber nie, in Soglio ein hippes Hotel zu besitzen und sich dafür vermehrt zu verschulden. Das Ziel war, dem Dorf ein historisches Gebäude als Hotel und damit der Öffentlichkeit zugänglich, zu erhalten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Auch in Zukunft kann nicht mehr investiert werden, was auch kommuniziert worden ist. Es sei denn, es werden Mäzene gefunden und/oder die neuen Pächter sind so erfolgreich, dass beträchtlich höhere Einnahmen dazu zur Verfügung stehen werden.


Katharina von Salis, Mitbesitzerin, Silvaplana


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RückSpiegel


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Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die SDA und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

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Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

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In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die Generalversammlung der "SVP Frauen Basel-Stadt" wählte Gianna Hablützel-Bürki einstimmig zur neuen Präsidentin.

• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.