© Montage by OnlineReports.ch
"Trinationalität bleibt Perspektive": Basler Medienunternehmer Beat Meyer

Basler Mediengruppe schöpft Wachstums-Hoffnung im EU-Raum

Trotz gescheiterter "Dreiland-Zeitung" gelten Südbaden und Elsass als Expansions-Zone


Von Peter Knechtli


Die "Basler Zeitung" ist mit dem Experiment einer trinationalen Zeitung gescheitert. Dennoch glaubt Verleger Matthias Hagemann an Expansionsmöglichkeiten im EU-Raum: Mit den bilateralen Verträgen werden die Grenzen ins Badische und ins Elsass durchlässiger.


Das Projekt der Basler Mediengruppe (BM) war visionär. Ende Februar 1991 lancierte sie unter der Marke "3" die "Wochenzeitung für das Dreiland": Eine anfänglich 24- und später 16-seitige wöchentliche Beilage der "Basler Zeitung" (BaZ), die sich hingebungsvoll den spezifischen Belangen des Dreiländerecks widmen sollte - von Grenzgängern, bilateralen Verhandlungen über Verkehr und Konsum bis zu heimatkundlichen Fragen, kulinarischen Genüssen und aktuellen Veranstaltungen.

An den breiten Leser- und Werbemärkten vorbei

Das "Gross-Ereignis" der "Regionalzeitung mit Weltformat" (so die damalige Werbeslogan), die eine redaktionelle Aussenstelle in Mulhouse und Freiburg betrieb, hatte einen ebenso naheliegenden wie originellen Ansatz, doch nach elf Jahren waren seine Tage gezählt. Schon nach eineinhalb Jahren wurde der Titel in "Dreiland-Zeitung" abgeändert und zu Jahresende 2001 segnete das Zeitliche ein grenzüberschreitendes Printprodukt, das auf der Ebene von Politik und Institutionen zwar viel Lob erntete, aber kommerziell an den unterschiedlichen Bedürfnissen der Leser- und Werbemärkte vorbei produzierte. Die "einzige internationale Lokalzeitung der Welt" (so "Dreiland"-Ressortleiter Urs Weber) vermochte kaum Anzeigen zu generieren. In der badischen Nachbarschaft brachte das Projekt "gewissen Erfolg" im Abonnementgeschäft, die Elsässer dagegen zeigten ihm die kalte Schulter.

Damals vor elf Jahren, an der "3"-Vernissage auf einer Rhein-Schifffahrt bei stockdickem Nebel, sagte BaZ-Chefredaktor und "Dreiland"-Mentor Hans-Peter Platz: "Diese Fahrt entbehrt nicht einer gewissen Symbolik, denn wir bewegen uns auf internationalen Gewässern in den Nebel hinein." Die Metapher war plötzlich weit mehr als Ironie: Minuten später rammte ein Güterschiff das mit mehreren hundert Gästen gefüllte Boot.

"Basler Agenda peilt "Publikum der Kulturstadt" an

Auch der trinationale Wochenbund mochte die Sonnenseite nie erreichen. Seit 10. Januar findet das Publikum anstelle der donnerstäglichen "Dreiland-Zeitung" die "Basler Agenda" vor - eine Art Basler "Züri-Tipp", der sich als reiner trinationaler Veranstaltungskalender versteht und sich nach eigenem Verständnis "an das breite Publikum der Kulturstadt Basel" wendet, grenznahe Nachbarschaft inbegriffen. Die politischen Beiträge werden - wie früher - in den Lokalteil der "Basler Zeitung" integriert.

Mit dem Versuch, die Tageszeitung mit ihrem trinationalen Ansatz auch in Südbaden und im Elsass Fuss zu fassen, war die Basler Mediengruppe zu früh - und wohl auch zu vorschnell - gestartet: "Die negativ verlaufene EWR-Abstimmung im Dezember 1992 hat uns einen bösen Streich gespielt", bilanziert "Dreiland"-Chef Urs Weber (64) rückblickend. "Das war ein harter Schlag. Wir haben uns in eine Getto-Situation begeben." Mit dem Beitritt zum EWR hingegen hätten beispielsweise Jugendliche aus Lörrach oder Saint-Louis ohne weiteres an der Basler Universität studieren können. Mit dem Nein von Volk und Ständen zur europäischen Annäherung blieben aber die hohen Hürden bestehen, an denen das trinationale Zeitungskonzept auflief.

Den hoffnungsvollen Blick rheinabwärts mag Matthias Hagemann, Verwaltungsratspräsident der Basler Mediengruppe, aber nicht abwenden: Nachdem sich sein Unternehmen mit dem Verkauf der Zürcher Jean-Frey-Gruppe ("Weltwoche", "Bilanz", Beobachter", "TR7") an Ringier aus der nationalen Presse-Dimension verabschiedet, sieht Hagemann in der Region am Oberrhein eines der grossen Expansionsfelder.

Meyer: "Trinationalität ist ganz wichtige Perspektive"

Welche Pläne bestehen, will er "jetzt nicht in die Welt hinaus posaunen", doch konkrete Projekte scheinen weder in seiner Schublade noch auf dem Tisch zu liegen. Dies bestätigt auch BM-CEO Beat Meyer: "In dieser Hinsicht gibt es weder konkrete Überlegungen noch strategische Gedanken im Verwaltungsrat und in der Unternehmensleitung". Dennoch ist er überzeugt: "Trinationalität ist ganz wichtige Perspektive für Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung."

Einfach wird die publizistische Offensive aus Basel in den EU-Raum nicht sein: Sowohl auf französischer wie auf badischer Seite sind die Terrains mit den Tageszeitungen "L'Alsace" und "Dernières Nouvelles d'Alsace" sowie der "Badischen Zeitung" besetzt. Anfänglich hatte die "Basler Zeitung" sogar mit der "Badischen" und der "Alsace" über ihre "Dreiland"-Beilage verhandelt, doch dort stiess das Basler Projekt auf kein Interesse.

Zwar verfolgt die Basler Mediengruppe derzeit primär das Ziel, ihre publizistische Vormachtstellung innerhalb ihres Stammgebiets Nordwestschweiz gegen potenzielle auswärtige Eindringlinge abzusichern. So sind neulich Gespräche von BM-Präsident Hagemann mit Mathis Lüdin, dem Verleger der "Basellandschaftlichen Zeitung" in Liestal in Gang gekommen. Eine finanzielle Verflechtung steht gemäss Lüdin "in keiner Weise" zur Debatte. Dagegen scheint ihm eine technische Kooperation - Vertrieb, Anzeigenkombi und zu einem späteren Zeitpunkt Druck - prüfenswert.

Doch auch ohne konkrete Projekte sieht die Basler Mediengruppe beim Blick nach Norden Silberstreifen am Horizont. "Die wirtschaftlichen Veränderungen stehen uns noch bevor. In zwei oder drei Jahren kann alles schon anders aussehen", glaubt Dreiländereck-Experte Weber zuversichtlich. "Die bilateralen Abkommen der Schweiz mit der EU werden die Wirtschaftsgrenzen ziemlich radikal aufheben." Nicht nur der Bildungsaustausch, auch der Konsum über die Grenzen hinweg werde "deutlich zunehmen" - innovationsfreudige Medienunternehmen könnten die Chance nutzen.

12. Januar 2002


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Wer nicht begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

Basler Zeitung
vom 2. Oktober 2019
über ein Manser-Zitat
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Wer richtig gelesen und korrekt geschrieben hätte, hätte das authentische Zitat dokumentiert: "Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

RückSpiegel


Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.

Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

Die Forscherin Michaela Kneissel nimmt anstelle des Ende Jahr ausscheidenden Ulrich Vischer Einsitz im Universitätsrat der Universität Basel.

Nach dem Rücktritt der neuen Basler Regierungsrätin Tanja Soland aus dem Grossen Rat rückt die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger ab 1. Dezember ins Parlament nach.

Die ausserordentliche Mitgliederversammlung des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest vom 3. November 2019 wählte als Nachfolger von Dominik Beeler Simon Fankhauser in das Co-Präsidium.

Zu sieben Fällen von Sachbeschädigungen an Autos kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag, 2. November, in der Umgebung der Tramhaltestelle "Vogesenstrasse" in Reinach.

Der Gemeinderat von Riehen erwartet für die Planperiode 2020 bis 2023 jährliche Defizite von 1,3 bis 2,5 Millionen Franken.

Susanne Wäfler-Müller (42) wird ab dem 1. Mai 2020 die Führung der Kantonsbibliothek Baselland übernehmen und auf Gerhard Matter folgen, der im Frühjahr in den Ruhestand gehen wird.

Zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 wird Informatik als obligatorisches Fach in allen Baselbieter Gymnasien eingeführt.

Die SP Baselland empfahl an ihrer Delegiertenversammlung vom 22. Oktober, im zweiten Ständerats-Wahlgang die grüne Maya Graf zu wählen.

Die Grünen Liestal und Umgebung haben Marie-Theres Beeler an der Mitgliederversammlung vom 22. Oktober für die Legislatur 2020-2024 für den Stadtrat nominiert.

Am 9. August 2019 hat Eva Meuli dem Landrat ihren Rücktritt als Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungs-Recht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft per 31. März 2020 erklärt.

Am 14. Oktober, lediglich drei Wochen nach Ausschreibung der Publikumsöffnung der ADEV Ökowärme AG, waren alle 3000 neu ausgegebenen Namenaktien gezeichnet.

Die Universität Basel richtet am 1. Februar 2020 mit dem Biologen Carsten Gründemann eine Stiftungsprofessur für translationale Komplementärmedizin ein.

Wechsel in der Geschäftsführung der Suchthilfe Region Basel: Barbara Held übernimmt die Leitung per Januar 2020, nachdem Walter Meury – ein Pionier in der Suchtarbeit – Ende Jahr in den Ruhestand geht.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.