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"Unkonventionelle Massnahmen": Neuer Coop-CEO Joos Sutter

Coop segelt sicher durch düstere Wirtschafts-Wolken

Der Detailhändler steigert Umsatz dank der Übernahme von "Transgourmet" auf 27,7 Milliarden Franken


Von Peter Knechtli


Der Schweizer Detailhandelskonzern Coop steigerte vergangenes Jahr seinen Umsatz massiv auf 27,7 Milliarden Franken – Grund ist die vollständige Übernahme des "Transgourmet"-Konzerns. Hingegen sank der Gewinn um 8 Prozent auf 432 Millionen Franken.


Letztes Jahr noch stand in Muttenz der langjährige Konzernchef Hansueli Loosli an der Jahresbilanz-Medienkonferenz am Pult, um Rechenschaft über das Geschäftsjahr abzulegen. Auf Anfang September zog er sich auf die neue Funktion des Verwaltungsratpräsidenten zurück. Seine Stelle als Vorsitzender der Coop-Geschäftsleitung hat der Bündner Joos Sutter übernommen. Noch leicht verhalten im Vortrag, meisterte er seinen ersten grossen Presseauftritt souverän.

Schwacher Euro drückt auf Gewinn

Drei Faktoren des schwachen Euros machten Coop allerdings zu schaffen: Der vermehrte Einkauf im grenznahen Ausland – im Detailhand ist von einem Mittelabfluss von jährlich fünf Milliarden die Rede –, fehlende Touristen vor allem in der Parahotellerie, wo Coop über ein dichtes Verkaufsstellennetz verfügt, und starke Preissenkungen auf der Beschaffungsseite, teils auch zulasten der Marge.

Coop hatte bekannt Aufsehen erregt, als sie Produkte marktmächtiger Lieferanten, die als Währungsgewinnler auftraten, vorübergehend kurzerhand aus dem Sortiment nahm. Sutter sprach von "unkonventionellen Massnahmen", die schliesslich zu tieferen Preisen für die Konsumenten führten.

Dennoch meisterte Coop das Jahr zufriedenstellend. Der Umsatz stiegt von 20 auf 27,7 Milliarden Franken (+38,6 Prozent) an. Grund ist die Übernahme der zweiten 50 Prozent-Tranche an "Transgourmet", dem zweitgrössten Cash&Carry-Unternehmen Europas. Allein diese Akquisition schlägt mit 8,2 Milliarden Franken Umsatz zu Buche. Der Gewinn sank um 8,1 Prozent auf 432 Millionen Franken.

Megastores gewannen Marktanteile

Die Megastores und Supermärkte inklusive Restaurants brachten 11 Milliarden Franken in die Kasse. Bei einer Minusteuerung von 3,2 Prozent entspricht dieses Ergebnis einem realen Wachstum von 0,6 Prozent, nominal aber sank der Umsatz um 2,6 Prozent. Sutter ist mit diesem Ergebnis zufrieden, das Retailgeschäft habe sogar Marktanteile gewonnen. Die Gesamtzahl der Verkaufsstellen blieb mit 816 unverändert. Für Basel-Stadt markant: Die Eröffnung des grössten Basler Coop-Supermarkts beim Bahnhof SBB letzten Juni.

Ein ähnliches Muster zeigt sich im Bereich Trading mit den Warenhäusern Coop City, Bau+Hobby, Import Parfumerie, Toptip/Luminart, Interdiscount und Christ und insgesamt 567 Verkaufsstellen, 27 mehr als im Vorjahr. Nominal ging der Umsatz um 3,9 Prozent zurück, doch ergab sich durch die Minusteuerung von 4,3 Prozent ein Real-Wachstum von 0,4 Prozent.

Preiszerfall bei Interdiscount

Einen Umsatzrückgang von 5,4 Prozent musste Coop City hinnehmen. Grund: Preisabschläge und die Ausgliederung von Parfümerien an den Bereich Import Parfümerie, der sich in einem schrumpfenden Markt auf Wachstumskurs befindet. Unter einem "regelrechten Preiszerfall" (Sutter) litt Interdiscount. Dennoch behauptete sich die Sparte Unterhaltungselektronik in einem stark schrumpfenden Markt mit einem Umsatz-Minus von 8,3 Prozent (912 Millionen Franken) beachtlich. Die Fust AG setzte 938 Millionen Franken um, 56 Millionen Franken weniger als letztes Jahr.

"Erfreulich" entwickelten sich laut Sutter die Online-Shops, hauptsächlich die Plattformen coop@home und microsport.ch. Zusammen mit vier weiteren Online-Shops belief sich der Umsatz auf 204 Millionen Franken (+10,5 Prozent).

Noch mehr Gewicht auf nachhaltige Produktion

Marketingchef Jürg Peritz bekräftigte den Willen des Unternehmens, neben der "Preiskompetenz" auch die Politik der nachhaltigen Produktion weiter auszubauen. Erstmals sprach er von "spannenden Initiativen" wie Urban Farming oder Indoor Farming, was soviel wie das Hineinwachsen der Landwirtschaft in die Städte bedeutet.

Mit ihren Bio-Lebensmitteln erzielte Coop ein Umsatzwachstum von vier Prozent auf 829 Millionen Franken. Die Produkte der Nachhaltigkeits-Eigenmarken und der Gütesiegel erzielten einen Umsatz von erstmals über zwei Milliarden Franken (Naturaplan +2,8 Prozent, ProSpecieRara +15 Prozent). Bis zum Jahr 2023 strebt Coop CO2-Neutralität an.

Vor allem dank der Übernahme von "Transgourmet" stieg der Personalbestand von 53'500 auf 75'300 an, darunter 3'385 Lernende.

Reto Conrad neuer Finanzchef

Wie Sutter (derzeit auch interimistisch Finanzchef) weiter ausführte, wird der langjährige "Emmi"-CFO Reto Conrad ab 1. Juni neuer Direktor Finanzen / Services.

Der Ausblick der neuen Coop-Chefs auf das laufende Jahr fiel wenig begeisternd aus. Er sprach von einem "generell schwierigen Umfeld für den Detailhandel" und einem Euro, der ihm auch dieses Jahr weiterhin zu schaffen mache. Sutter rechnet mit einer Verschlechterung der Arbeitsmarkt-Situation, einem anhaltenden Preisrückgang von 1,1 Prozent in seiner Branche und steigenden Rohstoffpreisen. Dennoch sei er "optimistisch", auch in diesem Jahr wieder Marktanteile gewinnen zu können.

14. Februar 2012


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