© Foto by Street Reporter OnlineReports.ch
"An Nachhaltigkeit orientierter Lebensstil": Brotwaren-Entsorgung von "Aldi" in Frenkendorf

Trotz Nachhaltigkeit: Wenn "Aldi"-Brotwaren im Abfallsack landen

Weil der Bauer die Ware nicht abholte, landete sie im Müll / "Aldi" spricht von "Einzelfall"


Von Peter Knechtli


Der deutsche Detailhändler "Aldi" besticht in der Schweiz durch seine Lohnpolitik und die Nachhaltigkeits-Versprechen in seinen Unternehmens-Grundsätzen. In seiner Frenkendörfer Filiale landeten Brotwaren im Abfallsack.


Seit rund einem Jahrzehnt mischt der deutsche Discounter den Schweizer Detailhandelsmarkt auf. Die anfängliche Skepsis, die tiefen Preise seien nur mit tiefen Löhnen zu erreichen, hat er durch den gegenteiligen Tatbeweis zum Verschwinden gebracht. "Aldi" zahlt mit 4'352 Franken den Mindestlohn den höchsten Lohn für eine ungelernte Verkaufsperson im Schweizer Detailhandel – mehr als die Branchenführer Migros und Coop.

Vor Ladenschluss in den Abfallsack

Weniger positiv allerdings war eine Beobachtung, die eine OnlineReports-Quelle vergangenen Mittwochabend – dem Tag vor dem Nationalfeiertag – in der "Panetteria" der "Aldi"-Filiale in Frenkendorf machte: Kurz vor Ladenschluss rückte eine Arbeitskraft mit dem grossen schwarzen Abfallsack in die Brot-Abteilung vor und spedierte die nicht verkauften Waren, die Sekunden zuvor noch zum Kauf angeboten wurden, vor den Augen der Kundschaft blechweise in den Müll.

Als liefe nicht längst international über "Foodwaste", wie die immense Verschwendung von Lebensmitteln auch genannt wird. Laut dem Verein "foodwaste.ch" geht in der Schweizer rund ein Drittel aller in der Schweiz produzierten Lebensmittel "zwischen Feld und Teller verloren oder wird verschwendet".

Das entspricht jährlich rund zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel oder der Ladung von rund 140'000 Lastwagen. Haushalten und Gastronomie verursachen fast die Hälfte der Abfälle – nach Vereinsangaben pro Person und Tag durchschnittlich 320 Gramm einwandfreie Lebensmittel.

Hehre Unternehmens-Grundsätze

Die im Frenkendörfer "Aldi" beobachtete Szene ist umso befremdlicher, als der Tiefpreis-Gigant durchaus hehre Unternehmens-Grundsätze präsentiert und damit "unseren Kunden einen gesunden und an Nachhaltigkeit orientierten Lebensstil ermöglichen" will. Darin ist die Rede von einer "qualitativen Optimierung unserer Produkte" und dem Bestreben, diese "über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg möglichst sozialverträglich sowie ressourcen- und umweltschonend zu gestalten".

Wenig glaubwürdig wirkt angesichts der Brot-Vermüllung die Formulierung: "Wir unterstützen gemeinnützige Organisationen mit Geld- und Produktspenden."

Fall Frenkendorf: "Ein Einzelfall"

"Aldi" ging auf die OnlineReports-Fragen zeitgerecht, aber nur summarisch ein. Laut Sprecher Philippe Vetterli werden "Panetteria"-Produkte, die auch als «Brot vom Vortag» nicht verkauft werden – wenn beispielsweise der darauffolgende Tag ein Sonn- oder Feiertag ist – "grösstenteils gratis an landwirtschaftliche Betriebe abgegeben". Eine Vielzahl Schweizer "Aldi"-Filialen pflegten "eine enge Beziehung mit einem Bauernbetrieb aus der Region", der die Ware in der jeweiligen Filiale abholen kann.

Auch die Filiale Frenkendorf arbeite mit einem Bauerbetrieb aus der Region zusammen, der die diese Brotwaren abholt. In dem von OnlineReports geschilderten Fall sei der Bauer jedoch "nicht in der Filiale erschienen, weshalb diese Brote entsorgt werden mussten". Als Grund vermutet Vetterli den folgenden Nationalfeiertag von gestern Donnerstag. "Es handelt sich hierbei demnach um einen Einzelfall." Die Zusammenarbeit mit dem Bauer in Frenkendorf verlaufe "ansonsten zu unserer vollsten Zufriedenheit".

Warum nicht an Bedürftige?

Damit ist bleibt aber immer noch offen, weshalb die Backwaren beispielsweise Schweinen verfüttert statt bedürftigen Menschen abgegeben werden. Immerhin versprechen die Unternehmens-Grundsätze: "Wir unterstützen gemeinnützige Organisationen mit Geld- und Produktspenden."

Mehr über den Autor erfahren

2. August 2019

Weiterführende Links:


Die Verhinderungs-Strategie


"Aldi"-Sprecher Philippe Vetterli schildert folgende Massnahmen, die der Detailhändler zur Verhinderung von Lebensmittelabfällen trifft:
 
Artikel, die vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind, werden je nach Warengruppe und Restbestand mit einem Rabatt von bis zu 50 Prozent an die Kundinnen und Kunden abgegeben. Die Ware, die reduziert angeboten wird, sei "qualitativ stets einwandfrei".

Lebensmittel, welche kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind oder die in Form oder Verpackung (nicht in der Qualität) Mängel aufweisen, "werden grösstenteils karitativen Organisationen und Vereinen wie 'Schweizer Tafel', 'Tischlein deck dich, 'RestEssBar' und 'Caritas Markt zur Verfügung gestellt".
 
Fallen dennoch Restmengen an, greife ein Abfallmanagement mit den folgenden Prioritäten:

• Abgabe an landwirtschaftliche Betriebe oder Zoos zur Verfütterung
• Entsorgung über Biogas-Anlagen
• Entsorgung über Restmüll (lediglich Lebensmittel, die nicht über eine Preisreduktion verkauft und nicht von karitativen Organisationen oder von landwirtschaftlichen Betrieben abgeholt wurden, werden entsprechend entsorgt)
 
Dieses System gilt auch für die Backwaren aus der "Panetteria". Durch optimale Planung versuche "Aldi", "die Menge der Backwaren, die am Ende des Verkaufstages übrigbleibt, so gering wie möglich zu halten". Komme des trotzdem vor, dass am Ende des Verkaufstages Backwaren noch nicht verkauft wurden, werde sie am nächsten Tag an allen Standorten als "Brot vom Vortag" zum bis 50 Prozent reduzierten Preis angeboten.


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Wichtige Aufgabe für Filialleiter"

Natürlich gäbe es einige sinnvolle Möglichkeiten und Intuitionen, wo überschüssige Lebensmittel platziert werden können. Nur sollte das allen Mitarbeitern bewusst sein, eine wichtige Aufgabe für die jeweiligen Filialleiter. Nach meinen Informationen sind es besonders Aushilfen, die diesbezüglich nicht immer richtig und korrekt instruiert werden.


Bruno Heuberger, Oberwil



"Wegschmeissen geht gar nicht!"

Mir ist bewusst, dass auch Schweine etwas zu essen haben müssen! Es gibt zum Glück aber einzelne Firmen (wohl eher im städtischen Umfeld), die Lebensmittel an Bedürftige abgeben, sei es in den Caritas-Laden oder für Soup&Chill, der Wärmestube für Randständige. Dort wird fast ausnahmslos mit Esswaren gekocht, welches ihnen gratis abgegeben wird. Dann gibt es noch den Backwaren-Outlet an der Güterstrasse im Gundeli. Und es gäbe sicher noch mehr Abnehmer, wie z.B. die Gassenküche, welche unglaublich viel Geld für Esswaren ausgeben muss. Oder der Treffpunkt für Stellenlose. Oder... oder... Wegschmeissen geht gar nicht! Und MigrosCoopAldi&Co: Umdenken ist längst gefragt!


Beatrice Isler, Basel



"Aldi ist da keine Ausnahme"

Es zeigt wieder einmal, dass "hehre Unternehmensgrundsätze" immer wieder "das Papier" nicht wert sind worauf sie geschrieben werden. Aldi ist da keine Ausnahme.


Albert Augustin, Gelterkinden



"Lidl, Coop, Migros, Denner, Volg"?

Und wie verteilen/entsorgen Lidl, Coop, Migros, Denner, Volg usw. ... ihr Übriggebliebenes? Wäre ebenso interessant zu wissen. Danke für’s Recherchieren auch bei weiteren Lebensmittelverkäufern.


Monika Stucki, Seltisberg



"Man könnte versucht sein ..."

Aldi müsste seinem Personal und der Öffentlichkeit erklären, was der Unterschied ist zwischen Artikel, die vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind, und Lebensmittel, welche kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind.

Was mich ausserdem am Bericht stört ist der letzte Absatz Damit ist bleibt aber immer noch offen, weshalb die Backwaren beispielsweise Schweinen verfüttert statt bedürftigen Menschen abgegeben werden. Man könnte versucht sein zu lesen: was für Schweine taugt, taugt sicherlich auch für bedürftige Menschen!


Dieter M. Troxler, Rünenberg


www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Den Geruch spürt man bis nach Basel."

20 Minuten online
vom 26. September 2019
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Die Gschpürigen rochen sogar etwas.

RückSpiegel


nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Krichgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Die Universität Basel richtet am 1. Februar 2020 mit dem Biologen Carsten Gründemann eine Stiftungsprofessur für translationale Komplementärmedizin ein.

Wechsel in der Geschäftsführung der Suchthilfe Region Basel: Barbara Held übernimmt die Leitung per Januar 2020, nachdem Walter Meury – ein Pionier in der Suchtarbeit – Ende Jahr in den Ruhestand geht.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.

Beat Tschudin (48), seit rund zwölf Jahren den Fachbereich Fahrzeugbewirtschaftung der Baselbieter Polizei, übernimmt ab Dezember die Leitung des Fahrzeugwesens der Bau- und Umweltschutzdirektion als Nachfolger von Christian Oberhausser, der Ende August in vorzeitige Pension geht.

• Das Basler Gesundheits-Departement hat den Umzug von der St. Alban-Vorstadt an seinen neuen Hauptstandort an der Malzgasse 30 in Basel abgeschlossen.

Tom Ryhiner und Balz Stückelberger wurden an einer ausserordentlichen Generalversammlung in den Verwaltungsrat der St. Clara AG und damit gleichzeitig in den Verwaltungsrat des Claraspitals gewählt.

• Am 21. Juni fand der Spatenstich für den Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts) im BaseLink-Areal in Allschwil statt.

• Die Generalversammlung der "SVP Frauen Basel-Stadt" wählte Gianna Hablützel-Bürki einstimmig zur neuen Präsidentin.

• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).