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"Ein verrücktes Projekt": Hotel-Chef Ueli Genner

Eine ganz schön anderes, normales Hotel

In Basel geht das von Behinderten betriebene "Breite-Hotel" in Betrieb


Von Peter Knechtli


Es ist ein Pionier-Projekt, das in der Schweiz (noch) seinesgleichen sucht: Im Basler Breite-Quartier wird morgen Samstag ein 36-Zimmer-Hotel eröffnet, das von körperlich und leicht geistig behinderten Menschen betrieben wird. Die Verantwortlichen hoffen, dass das Modell des "Breite-Hotel" Ausstrahlung in die ganze Schweiz hat.


36 Zimmer mit 54 Betten, alle mit Dusche oder Bad, WC, Fön, Safe, Direktwahl-Telefon, Fernseher und kostenloser Internet-Zugang, 18 hoteleigene Parkplätze, der ganze Komplex komplett hindernisfrei gebaut. Dies sind die äusseren Merkmale der Dreistern-Garni-Herberge "Breite-Hotel" (offizielle Schreibweise: "Das Breitehotel"), die morgen Samstag ihren Betrieb aufnimmt. Doch das ganz normale Hotel ist "ganz schön anders", wie es der Werbe-Flyer nennt: Betrieben wird es von 30 Angestellten, die leicht körperlich oder geistig behindert sind und eine IV-Rente beziehen; geleitet wird es von einem professionellen Führungsteam.

Basler Pioniergeist soll Ausstrahlung haben

Wie Eric Bertels, Präsident des Träger-"Vereins zämme - das andere Hotel", an einer Medienorientierung ausführte, handelt es sich bei diesem Projekt um das erste eigens von Behinderten betriebene, neue gebaute Hotel. Ein ähnliches Projekt existiert mit dem Hotel "Dom" in St. Gallen; dieses wurde allerdings umgebaut. Die frühere St. Galler CVP-National- und Regierungsrätin Rita Roos-Niedermann gab in ihrer Funktion als neue Direktorin von Pro Infirmis Schweiz der Hoffnung Ausdruck, dass "so viel Pioniergeist Ausstrahlung in die ganze Schweiz hat". Dieses Projekt sei "äusserst sinnvoll", weil es nicht nur Arbeitsplätze für Behinderte schaffe, sondern weil sich darin auch ein natürlicher Kontakt von Behinderten und Nichtbehinderten ergebe.


Die wegen eines Sportunfalls an den Rollstuhl gebundene kaufmännische Angestellte mit Berufsmatura Soja Häsler (28) schilderte ihr "tolles Gefühl, nicht mehr bloss vovn der Rente zu leben, sondern einen Teil der Einkünfte selber verdienen zu können". Im "Breite-Hotel" wird sie an der Rezeption und im Finanzbereich eingesetzt.

Das Projekt geht zurück auf das Fest "Zämme feschte - zämme läbe", das vor zehn Jahren in Basel stattfand und den Plan eines von Behinderten betriebenen Hotels spriessen liess. Nach erfolgloser Prüfung von zwanzig Liegenschaften und verschiedenen Unwägbarkeiten durch den Verein gab die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) den entscheidenden Ausschlag dafür, das Hotel in das geplante "Quartierzentrum Breite" zu integrieren. Gleichzeitig beschaffte die GGG Spenden von einer Million Franken, die den finanziellen Boden legten. Heute sind von 7,75 Millionen Franken Baukosten über 7,5 Millionen Franken gesichert. Pro Informis leistete einen Beitrag an das Betriebskonzept. Direktor Ueli Genner (52) erfreut: "Hier hatten nicht die Erbsenzähler das Sagen, sondern die Verrückten."

Behinderte emanzipieren sich weltweit

Die am Projekt beteiligten führten übereinstimmend aus, dass in den letzten Jahrzehnten weltweit eine "wachsende Emanzipationsbewegung" zugunsten der Behinderten zu beobachten sei. Diese Tendenz lässt sich in der Region Basel gleich mehrfach belegen. Neben dem neulich eröffneten Restaurant "Blinde Kuh", das weit gehend von Blinden betrieben wird, seien das Wohn- und Bürozentrum in Reinach, der Einsatz niederfluriger öffentlicher Verkehrsmittel, behindertengerechte Baubestimmungen, Integrationsschulklassen und das neue Basler Leitbild, das die "Förderung und Nutzung der produktiven Ressourcen" Behinderter ausdrücklich vorsieht, erwähnt.

Direktor Genner, gelernter Koch, Absolvent der Hotelfachschule und über Jahre als Management-Berater tätig, ist denn auch zuversichtlich, was die Rentabilität und Bettenbelegung des direkt an der Autobahn A2 gelegenen "Breite-Hotels" betrifft. Bereits wurden für die Fussball-Europameisterschaft und die "BaselWorld" Zimmer gebucht in einem Hotel, "das es noch gar nicht gibt". Betrieben werde eine "faire Preispolitik", die sich am Durchschnitt der Basler Drei-Sterne-Kategorie orientiert. So kostet ein Doppelzimmer mit "grand lit" zwischen 170 bis 210 Franken (Montag bis Donnerstag) und 120 bis 160 Franken (Freitag bis Montag). Während Messen gelten erhöhte Tarife.



Fest und Brunch: Mit einem Fest wird am 12. November das "Breite-Zentrum" und damit auch das "Breite-Hotel" offiziell eröffnet. Am Sonntag wird von 11-14 Uhr zum Preis von 29.50 ein reichhaltiger Brunch angeboten, der öffentlich zugänglich und vor allem auch für die Quarierbevölkerung gedacht ist.

28. Oktober 2005


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"diese idee ist einfach grandios"

sehr geehrter herr genner, ich gratuliere ihnen herzlich zu ihrer neu eröffnung. die idee ist einfach grandios und ich hoffe, dass ihr hotel zukunft hat. ich arbeite selber mit behinderten menschen und weiss, wie viel engagement eine solche aufgabe beinhaltet. auf ihr hotel bin ich gestossen, weil ich mich beruflich verändern möchte und ein bisschen umschaue. ganz sicher werde ich einmal gast sein in ihrem hotel. ich werde meinen freund, der in basel wohnt, bei gelegenheit überraschen. auch werde ich meine freunde auf ihr hotel aufmerksam machen. ihnen und ihrem team wünsche ich von herzen viel glück und freude bei der arbeit.


bernadette zumbühl, oberentfelden


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"Wer nicht begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

Basler Zeitung
vom 2. Oktober 2019
über ein Manser-Zitat
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Wer richtig gelesen und korrekt geschrieben hätte, hätte das authentische Zitat dokumentiert: "Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

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