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"Räumlichkeiten überdimensioniert": Obtree-Hauptsitz am Basler Bahnhof

Obtree: Verkauf des Beratungs-Geschäfts, Kapitalerhöhung und Stellenabbau

Basler Software-Firma mit Kapitalerhöhung vor einem weiteren Fokussierungsschritt


Von Peter Knechtli


Das international tätige Basler Software-Unternehmen Obtree steht vor einem weiteren Konzentrationsschritt: Wie OnlineReports erfuhr, wird der 50 Personen umfassende Beratungsbereich an die Berner Born Informatik verkauft und das Kapital um 18 Millionen Franken aufgestockt. Gleichzeitig kommt es in Basel zu einem moderaten Stellenabbau. Am Montag sollen die Mitarbeitenden informiert werden.


Das auf Content-Management spezialisierte Basler Software-Unternehmen Obtree steht vor einschneidenden Veränderungen: Nachdem früher schon der von "HQ" übernommene Lehrmittelbereich verkauft worden war, soll jetzt auch der von der Berner Firma Born Informatik übernommene, 50 Mitarbeiter starke Consulting-Bereich an die früheren Besitzer zurück verkauft werden. Nach dieser Abtrennung wird das 1996 gegründete Basler Softwarehaus insgesamt noch 180 Mitarbeitende beschäftigen. Die aktuelle Obtree-Homepage gibt noch die Zahl von über 250 Angestellten an.

Mit Kapitalerhöhung in die Offensive

Gleichzeitig erhöht Obtree laut Informationen von OnlineReports ihr Kapital um 18 Millionen Franken, damit die Expansionsstrategie in Deutschland, England und der Schweiz finanziert werden kann. Verwaltungsratspräsident Rolf Brugger wollte sich zum Verkauf des Consultingbereichs und zur Kapitalerhöhung nicht äussern - unter Verweis auf ein Communiqué, das am Montag veröffentlicht werden soll.

Brugger bestätigte aber, dass er dem aufstrebenden Unternehmen nach Übernahme des Verwaltungsratspräsidiums ein "massives Kostensenkungsprogramm" verschrieben habe. Laut Informationen von OnlineReports mussten in diesen Tagen rund zehn Entlassungen vorgenommen werden, nachdem schon letzten Sommer im Rahmen einer "strukturellen Personalanpassung" in der Schweiz zwölf und in Deutschland fünf Mitarbeitende entlassen werden mussten. Luc Haldimann, einer der Firmengründer und in der Geschäftsleitung zuständig für Technologie, wollte keine Zahlen nennen: "Es kommt aber nicht zu einer Massenentlassung." Der Stellenabbau gehe quer "durch die Geschäftsbereiche".

Leere und teure Räume am Hauptsitz

Die Fokussierung auf Kerngeschäft und rentable Bereiche sowie die Straffung des Personal wirken sich auch auf den Platzbedarf aus. Der Hauptsitz von Obtree befindet sich in einem Trakt des grünen Geschäftskomplexes am Basler Bahnhof SBB ("Peter Merian Haus"), wobei wesentliche Teile der teuren Fazilitäten nicht belegt sind. Präsident Brugger bestätigte auf Anfrage, dass die "Räumlichkeiten in Basel überdimensioniert" seien. Es sei geplant, Teile daraus oder den gesamten Trakt vermieten oder einen neuen Standort zu suchen. Laut Haldimann sei die Raumreserve in Boomzeiten des Einzugs bewusst gewählt worden.

Strube Zeiten hat Obtree auch in personeller Hinsicht hinter sich. Letzten Herbst restrukturierte der Softwarehersteller Management und Verwaltungsrat. Pixelpark-Chef Rolf Brugger übernahm das Verwaltungsratspräsidium, neuer CEO wurde der frühere Diax-Chef Frank Boller, der den während nur wenigen Monaten agierenden Manuel Ebner ablöste.

Kunden-Echo positiv - Aussichten unsicher

Ob sich Obtree mit einem Jahresumsatz von 35 Millionen Franken am Markt langfristig durchsetzt, wird von Fachleuten unterschiedlich beurteilt. Laut Präsident Brugger ist der Gesamtmarkt tatsächlich "nicht einfach". Mit ihren Produkten sei Obtree aber "eine der wenigen Firmen, die im Softwaremarkt eine Rolle spielt". Er sei überzeugt, dass es gelinge, Obtree im Markt "sehr gut positionieren". Die Referenzliste von UBS und Credit Suisse über Swisscom, Sunrise, Roche, Ciba, Compaq bis zu Siemens, Hewlett Packard und BMW ist jedenfalls beeindruckend.

Laut Luc Haldimann ist Obtree im Bereich Content-Management gemessen an Umsatz und den über 400 Lizenzen Marktführerin - noch vor der ebenfalls in Basel domizilierten Firma Day. Bei Kundenpräsentationen, so Haldimann, verspüre er mit seinen Produkten eine "positive Resonanz". Allerdings sei das Geschäft kein Spaziergang: "Es ist nicht mehr die Zeit des Riesenbooms."

24. März 2002


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