Novartis leiht Roche Chemikanten aus

Roche kann von einem Betriebsunterbruch beim Lokalkonkurrenten profitieren


Von Peter Knechtli


Die Schlankheitspille Xenical setzt den Basler Pharmakonzern Roche unter Produktions-Hochdruck. Novartis leiht der Lokalkonkurrenz 20 Chemikanten aus.


"Ja, dies ist zur Zeit der Fall", bestätigt Novartis-Pharma-Sprecher Felix Räber Informationen der SonntagsZeitung. Seit Sommer leiht der Pharmakonzern Novartis der Lokalkonkurrenz Roche bis zum Jahreswechsel 20 Chemikanten aus, wobei die Fachkräfte bei Novartis unter Vertrag bleiben.

Roche-Sprecher Roland Häfeli bescheinigt: "Unser Geschäft läuft sehr gut." Laut einem Insider habe der weltweite Verkaufs-Erfolg der Anti-Fett-Pille Xencial bei Roche zu Kapazitäts-Engpässen geführt. Häfeli präzisierte, dass die Produktion zwar stark ausgelastet, aber nicht überfordert sei. Zutreffend sei, dass der Verkaufserfolg von Xenical, dessen letzte Stufe in Basel produziert werde, für den zusätzlichen Bedarf an Arbeitskräften mit ausschlaggebend sei. Novartis-Chemikanten würden aber auch in der Roche-Vitaminproduktion eingesetzt.

Produktion in einigen Betrieben reduziert

Der Frage nach einer Flaute im Produktionsbetrieb wich Novartis-Sprecher Räber aus. In "einigen Betrieben der Region Basel" sei "die Produktion reduziert worden, um Lager der Chemieproduktion zu bereinigen". Diese "einmalige Aktion" stehe "im Zusammenhang mit der weltweiten Konsolidierung der Produktion". Räber: "Da Roche zur Zeit Bedarf an Arbeitskräften in der Produktion hat, erachten wir dies als eine gute Möglichkeit, temporär einige Novartis-Mitarbeiter &Mac226;auszuleihen‘." Laut Felix Räber beschäftigt Novartis zur Zeit "keine Chemikanten anderer Firmen", doch wäre Novartis umgekehrt "bereit, bei Bedarf an einem solchen Austausch mitzumachen".

Nach Informationen der SonntagsZeitung hätten auch "Planungsfehler" zum Rückfahren der Produktion geführt. Ein Kenner: "Die stellten Pharma-Zwischenprodukte her auf Teufel komm raus, bis sie merkten, dass sie auf Lager produzierten." Grund: Zusätzlich zur eigenen Produktion mussten bindende Abnahmeverträge mit externen Lieferanten erfüllt werden.

Mangelberuf Chemikant

Den "Betriebsunterbruch" (so Räber) will Novartis jetzt nutzen, "um die Produktionsanlagen zu revidieren und auf die Jahr-2000-Tauglichkeit zu prüfen". Laufende Revisionsarbeiten würden während dieser Zeit intensivierter vorgenommen. Bei diesen Arbeiten helfen nach gesicherten Informationen "auch Mitarbeiter der Produktion" mit. Laut Räber sei es allerdings "nichts Aussergewöhnliches, dass Produktions-Personal bei der Revision mit ihrer Expertise mithilft". Es handle sich dabei nicht um bauliche Arbeiten, sondern vielmehr um "technische Revisionen".

Laut Jost Arnet, Sekretär der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI), ist gegen Personalaustausch nichts einzuwenden, "wenn dabei die Arbeitsplätze erhalten bleiben". Allerdings bestehe auf dem Chemieplatz Basel ein Mangel an Chemikanten, weil im Zuge der Abbau-Entwicklung auch die Zahl der Auszubildenden reduziert worden sei.

5. September 1999


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