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"Es gibt besonders böse Kartelle": Übertragungswerk in Laufenburg

Im Elektrizitäts-Mekka Laufenburg bleiben die Drähte

Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg (EGL): Die gloriose Zeit als europäische Strom-Drehscheibe ist vorbei


Von Marc Gusewski


Auf heute Freitag wechselt das aus Laufenburg gesteuerte landesweite Strom-Transportnetz den Besitzer. Die früheren Überlandwerke Atel, BKW, CKW, EGL, EWZ, EGL, NOK sind gesetzlich gezwungen, ihre Leitungen an die Netzgesellschaft Swissgrid abzutreten.


Mit der formalen Besiegelung der Übergabe des rund 6'000 Kilometer messenden Transportnetzes von rund 20 Altbesitzern zu Swissgrid per Handelsregistereintrag findet ein Kapitel Schweizer Elektrizitätsgeschichte sein Ende.

Seit Anfang Jahr ist somit die Netzgesellschaft Swissgrid die alleinige Verantwortliche für den Stromverkehr von den Kraftwerken in die Zentren und den Austausch mit den Nachbarstaaten. So wollte es der schweizerische Gesetzgeber, als er 2009 das Stromversorgungsgesetz (StromVG) in Kraft setzte. Gegenüber OnlineReports bestätigt Swissgrid, dass voraussichtlich heute Freitag der Eintrag ins Schweizerische Handelsregister erfolgen soll.

Damit findet eine von langer Hand geplante und kontroverse Transaktion ihr Ende: Entschädigt werden die Überlandwerke für ihre Leitungen etwa mit 1,7 Milliarden Franken, zum Teil in bar, zum Teil in Swissgrid-Aktien.

Die Trennung von Netz- und Stromhandelsgeschäften ist wichtig für das Funktionieren von Strommärkten und eine Vorbedingung der EU, damit Schweizer am gemeinsamen Elektrizitätsmarkt teilnehmen können. Die eidgenössischen Räte wollten mit der Trennungsregelung zudem verhindern, dass die alpenquerenden Stromleitungen in die Hände multinationaler Konzerne gerieten. Swissgrid wurde eigens für diesen Zweck gegründet.

Das Kartell der Überlandwerke ist passé

Selten haben sich die Schweizer Elektro-Barone so geirrt in der Einschätzung ihrer Zukunft wie bezüglich Strommarkt: Noch 1988 wurde die Einrichtung eines europäischen Strommarktes als "Brüsseler Hirngespinst" dargestellt, so der damalige Präsident des Verbands Schweizerischer Elektrizitätswerke. Der "Glaube an alternative Energiestrategien" wurde als "Wunderglaube" disqualifiziert, so durch die Stromhändlerin Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg (EGL) im Jahr 1981. "Es gibt Kartelle und es gibt besonders böse Kartelle; das Stromkartell", sagte der verstorbene Novartis-Manager Hans Kindler. Eine Sicht, die von vielen Atomkraftkritikern der Region ungeteilt unterstützt wurde.

Die Chefs der Stromwirtschaft waren bisher stets immun dagegen, für ihre Fehlplanungen öffentlich Rechenschaft ablegen zu müssen. Dafür sorgte unter anderem die Vormachtstellung ihrer Unternehmen, die gleichzeitig übers Netz und über die Kraftwerke bestimmen konnte. Zusätzlich sprachen sich die Werke untereinander ab – zum Beispiel, als es um die Planung neuer Atomkraftwerke ging, zuletzt 2010, aber auch in den siebziger Jahren.

Zu den massgeblichen Überlandwerken zählten Atel (heute Alpiq), die Bernischen Kraftwerke BKW, die Innerschweizer CKW (heute Axpo), die EGL (Axpo), das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich, die EOS (heute Alpiq) und die NOK, (heute Axpo). Auffällig dagegen ist die heutige Machtballung bei der Axpo, einer Holding der Nordostschweizerischen Kantonsregierungen sowie deren kantonalen Elektrizitätswerke.

"Stern von Laufenburg" ist Geschichte

Für den in der Region weit herum bekannten Stromstandort Laufenburg hat die neuste Geschichte weitreichende Bedeutung. Vom einstigen "Stern von Laufenburg" (Branchenjargon), einer für Europa zentralen Schaltzentrale, bleibt nichts übrig ausser den "Drähten".

Zurück in Laufenburg bleiben einzig die technischen Installationen: Das riesige Stromfeld, wo sich zehn Fernleitungen treffen, soll in naher Zukunft von Aarau aus ferngesteuert werden, wohin der Sitz der Swissgrid verlegt wird. Die einstige Stromhändlerin EGL, eine Tochter der von der Credit Suisse beherrschten und dann zerschlagenen Zürcher Elektrowatt-Gruppe, wurde vor Jahren nach Dietikon gezügelt. Die Muttergesellschaft Axpo nahm die EGL letztes Jahr von der Börse; heute führt sie als Axpo Trading AG nur mehr ein Schattendasein ihrer einst ruhmreichen Zeit als ebenso legendäre wie kontroverse Stromhändlerin in Europa und der Schweiz.

4. Januar 2013


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"Auf dem verbittert umkämpften Schlachtfeld in den Südvogesen waren (...) 30'000 deutsche und französische Soldaten gefallen."

BZ Basel
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