Roche baut weltweit 3'000 Stellen ab - Basel mit 600 Arbeitsplätzen betroffen

Restrukturierung der Pharma-Division soll Umsätze erhöhen und Kostenstruktur verbessern


Von Peter Knechtli


Der Basler Pharmakonzern Roche will in den kommenden zwei bis drei jahren welt 3'000 Stellen der Pharma-Division abbauen, 600 davon in Basel und Kaiseraugst. Dies gab das Unternehmen am Mittwochabend bekannt. Die Gewerkschaften sind vom Ausmass des Stellenabbaus negativ überrascht und sprechen von "Skandal".


Der Stellenabbau in der Region Basel betrifft vor allem die chemische Produktion und einige Servicebereiche, nicht tangiert ist die Forschung. Die Restrukturierung der Pharmadivision, die derzeit weltweit 41'000 Beschäftigte zählt, hat das Ziel, "die Verkäufe zu verstärken, die Kostenstruktur der Division zu verbessern und damit die Profitabilität der Division Pharma nachhaltig zu erhöhen". Betroffen sind hauptsächlich die Standorte Palo Alto und Nutley (USA), Welwyn (England) und Basel (Schweiz). Roche will die Massnahmen "sozialverträglich und fair umsetzen und die Zahl der Entlassungen auf ein Minimum beschränken".

Geplant sind laut Roche folgende Massnahmen:

• Die Forschungstätigkeiten werden auf weniger Standorte konzentriert; damit soll eine grössere finanzielle Flexibilität gewonnen werden, um vor allen Dingen zusätzliche externe Allianzen einzugehen. In der Folge werden die zurzeit laufenden Forschungsaktivitäten in Welwyn in die anderen Roche-Forschungsstandorte verlagert.

• Optimierung der klinischen Entwicklung. Roche wird die Prozesse in der klinischen Entwicklung weiter optimieren und die entsprechenden Aktivitäten in Palo Alto stoppen und in andere Entwicklungsstandorte verlegen. Dadurch wird eine bessere Ausnützung der vorhandenen Kapazität erreicht.

• Anpassung der Produktion an aktuelle Bedürfnisse. Änderungen im Roche-Produkte-Portfolio haben teilweise zu Überkapazitäten an verschiedenen Produktionsstandorten geführt. Deshalb plant Roche, die globale Produktion zu reorganisieren. Dies wird die Produktion in Welwyn und in Basel betreffen. In der Folge plant Roche, die Produktionstätigkeit in Welwyn einzustellen und die chemische Produktion in Basel zu reduzieren.

• Optimierung der Dienstleistungen und Administration. Roche wird die Kosten im Stammhaus Basel reduzieren und alle Dienstleistungen einer eingehenden Prüfung unterziehen.

• Absatzstärkung durch optimierte Strategien und Intensivierung der Einlizenzierungen oder Akquisition neuer Produkte. Das heutige Portfolio soll durch die zusätzliche Einlizenzierung neuer Verbindungen oder durch Produkteakquisitionen und Allianzen weiter gestärkt werden. Um die Kooperationen mit anderen Unternehmen zu fördern, hat Roche die Funktionen Business Development, Lizenzierungen und Allianzen zu einer neuen verstärkten Abteilung zusammengeführt.

• Länderorganisationen. Angestrebt wird die Entwicklung einer starken marketingorientierten Länderorganisation mit dem Ziel, einerseits die Kosten signifikant zu verringern und anderseits die Marktleistung wesentlich zu stärken. Ein Schwerpunkt des Programms bildet die US-Organisation.

Standort USA am stärksten betroffen

Die vom Stellenabbau betroffenen Standorte sind Nutley (rund 900), Palo Alto (rund 200), Welwyn (rund 700) und Basel (rund 600). Wie in der Vergangenheit sieht Roche vor, faire und den lokalen Rahmenbedingungen entsprechende Lösungen für alle Betroffenen zu finden und die Zahl der Entlassungen auf ein Minimum zu beschränken.

Gewerkschaften protestieren

Für die Gewerkschaften ist der angekündigte Stellenabbau "schlimmer als befürchtet". Die Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) protestiert "aufs Schärfste gegen diese Strategie der Gewinnmaximierung und der Sanierung auf Kosten der Beschäftigten". Am Donnerstag soll die Mittagspause für zu einer Protestversammlung genutzt werden. Die Personalvertretung werde "eigene Vorschläge zur Rettung der bedrohten Stellen und zur Verhinderung von Entlassungen ausarbeiten". Die Gewerkschaft Syna spricht von einem "Skandal", wenn die der Stellenabbau "bei einer Betriebsgewinnmarge von nicht ganz 20 Prozent getroffen wird".

Basler Regierung "betroffen" und "zuversichtlich"

Der Regierungsrat wurde heute Mittwochvormittag von Roche telefonisch über die geplanten Massnahmen informiert. Vom Stellenabbau nicht betroffen seien die Bereiche Forschung und Headquarter. Damit bleibt Basel in diesen Bereichen der zentrale Standort - dies in Übereinstimmung mit früheren Zusicherungen der Konzernspitze. Der Regierungsrat gibt in einem Communiqué seiner "Genugtuung darüber Ausdruck, dass die Firma den Forschungsstandort Basel damit bestätigt; er ist überzeugt, dass Basel für diese Funktionen auch in Zukunft optimale Voraussetzungen bietet" Vom Stellenabbau zeigt sich die Basler Exekutive "betroffen". Gleichzeitig ist sie "zuversichtlich, dass Basel auch weiterhin der bedeutendste Standort für Roche bleiben wird".

30. Mai 2001


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