© Fotos by OnlineReports.ch
"Sportlicher Fahrplan": Baudirektorin Elsbeth Schneider, Finanzdirektor Adrian Ballmer

Dank Spezialgesetz soll H2 "unverzüglich" gebaut werden können

Zur Finanzierung der Schnellstrasse bei Liestal soll der Verkehrssteuerrabatt während höchstens zehn Jahren aufgehoben werden


Von Peter Knechtli


Um den Bau der Schnellstrasse H2 zwischen Liestal und Augst wegen ungesicherter Bundesbeiträge nicht weiter anstehen zu lassen, geht die Baselbieter Regierung jetzt in die Offensive: Mit einer Aufhebung des Verkehrssteuerrabatts während höchstens zehn Jahren soll der Strassenbau vorläufig kantonal finanziert werden.


Die Regierung legt dem Parlament ein äusserst schlankes "Spezialgesetz" mit nur gerade fünf Paragrafen vor, mit dem die H2 durch den Kanton finanziert werden soll - konkret: durch die Baselbieter Automobilisten. Das Gesetz sieht vor, dass der Verkehrssteuer-Rabatt während fünf, höchstens aber während zehn Jahren aufgehoben wird. Damit sollen Beiträge von jährlich 17,2 Millionen Franken in einen Fonds fliessen, der ausschliesslich zum Bau der H2 verwendet werden darf. Pro Verkehrssteuerzahler, hiess es, entstehe dadurch eine jährliche Belastung von gut 60 Franken, was etwa einer Tankfüllung entspreche. Gutgeschrieben werden dem Fonds auch zweckgebundene Mittel des Bundes.

Verstecktes Plebiszit über wesentliche Projektänderung

Das Gesetz sieht weiter vor, dass während der Bauphase Gelder aus dem Fonds auch für Vorkehrungen zur Sichererstellung des Verkehrsflusses auf der Rheinstrasse verwendet werden dürfen. Sanierung und Rückbau der Rheinstrasse dagegen werden aus allgemeinen Staatsmitteln bezahlt. Eine Konsultativkommission aus Vertretern der Verwaltung, der Wirtschafts- und der Verkehrsverbände soll die Regierung beraten und über die sachgerechte Verwendung des Fonds wachen. "Jetzt wollen wir den gordischen Knoten durchschneiden", sagte Ballmer mit den Ziel, "dass die H2 unverzüglich gebaut werden kann".

Der bewilligte Kredit für die Schnellstrasse zwischen der bisherigen chronisch verstopften Rheinstrasse - der am stärksten befahrenen Kantonsstrasse der Schweiz - und der Ergolz beträgt 267 Millionen Franken. Nach Angaben der beiden Regierungsräte sind davon zwischen 200 und 250 Millionen Franken zu Bundesbeiträgen berechtigt. Doch ob, wann und wieviele H2-Millionen aus dem Infrastrukturfonds von Bern nach Liestal fliessen, ist noch unklar. Finanzdirektor Adrian Ballmer: "Rechtskräftige Subventionszusicherungen liegen nicht vor." Es sei, räumt er weiter diesbezügliche Schwierigkeiten beim Durchblick ein, "lange gegangen, bis ich begriffen habe, wie viele Töpfe die in Bern haben". Sicher sei nur, dass es noch Jahrzehnte dauere, bis die H2 als Teil des Grundnetzes vom Bund bezahlt würde. So lange mag das Baselbiet angesichts der chronischen Stau-Lage nicht warten.

Ein Punkt des Finanzierungsgesetzes dürfte aber noch besonders zu reden geben. Denn es enthält mit der im Bereich Schönthal offenen Linienführung gegenüber dem vom Volk bewilligten Projekt eine wesentliche Aenderung. Denn im Text heisst es, die H2 sei "mit den notwendigen und bis anhin vorgenommenen Projektanpassungen und und Projektänderungen" ohne Verzug zu verwirklichen. Auf die Frage von OnlineReports, ob es sich dabei um ein verstecktes Plebiszit für eine wesentliche Projektänderung handle, zeigten sich die beidne Regierungsmitglieder ahnungslos. "Daran haben wir nie gedacht", so Adrian Ballmers Originalton.

Umstrittene Tunnel-Öffnung in Füllinsdorf

Hinter dem Projekt der H2 steht ein Jahrzehnte langes Seilziehen. Seit 1995 liegt ein bewilligtes Projekt vor, doch realisiert ist die 4,5 Kilometer lange Strasse im Ergolztal, davon 2,2 Kilometer im Tunnel, bis heute nicht. Der Grund liegt unter anderem auch darin, dass der Bund anordnete, es dürfe nur ein kantonales Grossprojekt auf einmal gebaut werden - und dies ist nach dem Willen der Regierung der vorgezogene Umfahrungstunnel in Sissach. Dazu kam die lange andauernde Unsicherheit über die Bundessubventionen und sicherheitstechnische Änderungen am Projekt. So soll der Tunnelbereich ausgerechnet auf der Höhe des Alters- und Pflegeheims Schönthal in den Gemeinden Füllinsdorf/Frenkendorf zu Lüftungszwecken auf einer Länge von 200 Metern geöffnet werden. Die offene Streckenführung - im Bild von links nach rechts zu erkennen - sei "umweltverträglich und ohne weiteres machbar", sagte Baudirektorin Elsbeth Schneider.

Diese Projektänderung führte jedoch zu einer neuen Planauflage und prompt zu 308 Einsprachen von Einwohnerinnen und Einwohnern sowie des Gemeinderates von Füllinsdorf, die Lärm und Abgasimmissionen befürchten und einen durchgehenden Tunnel fordern. Dies allerdings führte zu Mehrkosten von 30 bis 35 Millionen Franken. Der Tunnel könne schon durchgehend geführt werden, falls Füllinsdorf bereit sei, diese Mehrkosten zu zahlen, liessen sich Exponenten der Baudirektion in den letzten Monaten zitieren. Die Tunnelöffnung muss offenbar nicht zwingend eingebaut werden. Vielmehr könnte der Tunnel durch den Einbau eines Belüftungssystems auch geschlossen gebaut werden.

Einsprachen werden "wahrscheinlich" abgelehnt

Baudirektorin Schneider erklärte heute Donnerstagmorgen an einer Medienkonferenz, es sei "noch keine einzige Einsprache zurückgezogen" worden. Aber die Regierung werde die Beschwerden "wahrscheinlich" allesamt ablehnen. Nur damit wäre sichergestellt, dass der "sportliche Zeitplan" (so Finanzdirektor Ballmer) bei der Umsetzung des Gesetzes eingehalten werden kann: Schon am 27. April soll die erste Lesung des H2-Finanzierungsgesetzes im Landrat stattfinden, für 24. September ist ein Termin für eine Volksabstimmung vorgesehen. In Kraft treten soll das Gesetz auf 1. Januar 2007.

Noch in der zweiten Hälfte dieses Jahres soll mit dem Bau der H2 beim Vollanschluss "Schild" in Liestal begonnen werden. Vorgesehen ist eine Inbetriebnahme frühestens im Jahr 2012. Im Anschluss daran soll während zwei Jahren die Rheinstrasse zurückgebaut werden, wofür Kosten von 22 Millionen Franken vorgesehen sind.

Freude der Wirtschaftskammer

Die Wirtschaftskammer Baselland, die immer wieder Druck auf Regierung ausübte, die H2 endlich zu bauen, reagierte mit Freude auf das angekündigte Finanzierungsgesetz. Damit habe die Regierung eine Lösung gefunden, "die einerseits als klug und andererseits als finanziell vertretbar bewertet werden darf". Die rasche Realisierung der Umfahrung bringe dem motorisierten Individualverkehr, aber auch den seit Jahren beeinträchtigten Anwohnern im unteren Ergolztal eine "insgesamt deutliche Verbesserung der Verkehrssituation und damit einen echten Mehrnutzen".

2. Februar 2006

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
fileadmin/templates/pics/echo.gif

"H2 ausbauen - 'Läufelfingerli' einstellen"

Unverzüglich will die Regierung des Kantons Basel-Landschaft die H2 ausbauen. Ebenso zügig plant sie die Einstellung des Bahnbetriebs auf der Strecke Sissach-Läufelfingen-Olten, Linie S 9 der Regio-S-Bahn. Bezüglich Feinstaubproblematik besteht aber offenbar kein dringender Handlungsbedarf.


Willi Rehmann-Rothenbach, Binningen


www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.