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"Wie ein Stammbaum": Geldvermehrer Dieter Behring

Anlage-Akrobat Dieter Behring verhaftet

Strafverfolgungsbehörden stellten immense Datenmengen des wundersamen Anlage-Imperiums sicher


Von Peter Knechtli


Das Firmen-Imperium um den Basler Anlage-Akrobaten Dieter Behring ist geplatzt: Behring und mehrere Mitarbeiter wurden verhaftet und immense Datenbestände beschlagnahmt. Die Ermittler sprechen von einem Schaden von mehreren hundert Millionen Franken.


Ein riesiger Wirtschaftsskandal um das Imperium des Basler Anlage-Unternehmers Dieter Behring mit einer Schadensumme von mehreren hundert Millionen Franken ist geplatzt: Die Strafverfolgungsbehörden von Basel-Stadt und Zürich haben heute in Zusammenarbeit mit der Bundesanwaltschaft in den Kantonen Basel-Stadt, Zürich, Zug und Aargau in mehreren Behring-Firmen und Privathaushalten umfangreiche Hausdurchsuchungen durchgeführt und Beweismaterial sichergestellt.

Mehrere Personen wurden verhaftet - so insbesondere Dieter Behring (49), wie Markus Melzl, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, gegenüber OnlineReports bestätigte. Nicht hinter Gitter befindet sich dagegen sein Anwalt und Geschäftspartner Peter Weibel. Der im elsässischen Leymen wohnhafte Mitbegründer von Fonds auf den Bahamas, die Behring kontrollierte, meldete sich freiwillig bei der Staatsanwaltschaft und wurde nach ein paar Stunden wieder entlassen. Weibel gilt als früherer Kompagnon des Basler Boutiquen- und Immobilienunternehmers Philipp Maeder, der früher mit riskanten Baukrediten der Basler Kantonalbank einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe zufügte. Nicht in Untersuchungshaft befindet sich Behrings Ehefrau Ruth.

Geldvermehrung in Off-Shore-Firmen

Die grosse Polizeiaktion steht laut Angaben der Basler Staatsanwaltschaft "in Zusammenhang mit Kapitalanlagen, welche ihrer Bestimmung nach mittels eines von Dieter Behring entwickelten, als sicher und ertragsstark angepriesenen Börsenanalysesystems in Off-Shore-Firmen hätten bewirtschaftet werden sollen". Die Staatsanwaltschaft spricht vom Verdacht auf ein Anlagebetrugsdelikt von erheblichem Ausmass: Eine "Vielzahl von geschädigten Personen" und ein Verlust des in hochriskante Hedge Funds investierten Anlagekapitals im Umfang von mehreren Hundert Millionen Franken.

Wie die Fahnder mitteilen, sind bei der heutigen Aktion "zahlreiche Dossiers" und "riesige elektronische Datenbestände" sichergestellt worden, deren Auswertung "längere Zeit" in Anspruch nehmen werde. Ebenso erfordere das Verfahren verschiedene internationale Rechtshilfeverfahren.

Bund dürfte Strafverfahren übernehmen

Es sei in Prüfung, ob diese Strafverfahren, das auch grosse Kapazitäten an spezialisierten Revisoren erfordert, durch die Bundesanwaltschaft übernommen würden. Dies sei der klassische Fall für die Bundesanwaltschaft und die neu geschaffene Bundeskriminalpolizei, sagte Melzl. Was die Strafverfolgung heute unter ihre Kontrolle genommen habe, sei so etwas "wie ein grosser Stammbaum".

Behring hatte in den vergangenen Wochen vergeblich versucht, seine Anlagefirmen zu verkaufen. Unter anderem wollte er vor einem Monat seine Holding LFG International zu zwei Dritteln an die North American Sureties (NAS) sowie Karl Prinz von Thurn und Taxis abstossen. Doch auch dieser Deal platzte, nachdem er mit Kaufempfehlungen an Partner, Freunde und Bekannte den Kurs in die Höhe trieb. Schon früher war ein Verkauf geplatzt. In Behrings Imperium, seit Monaten in den Schlagzeilen, war es zu eigenartigen personellen Konstellationen gekommen. So wurde Alfredo Fuhrmann Sarmiento, dessen österreichische Diskont Bank Ende der neunziger Jahre Pleite ging, Direktor in der Redsafe Bank, die Dieter Behring übernommen hatte. Eine Lizenz der Bankenkommission freilich hatte die Bank nie erhalten.

Behring-Spende für Anita Fetz

Ins Gerede kam der sogenannte Hedge-Funds-Spezialist Behring dieses Frühjahr, als er erst wie ein Komet am Basler Mäzeanten-Himmel auftauchte. Doch im März begann der Tages-Anzeiger kritisch zu hinterfragen, wie die durchschnittlichen Traumrenditen von über 58 Prozent, die Behring versprach, möglich sein können. Später brachte die SonntagsZeitung aus, dass die Stiftung Pro Facile, in der die Basler SP-Ständerätin Anita Fetz (47) als Vizepräsidentin fungierte, Gelder in einen Fonds auf den Bahamas investierte, der nach Behrings Vermehrungs-Prinzip funktionierte. Anita Fetz räumte im August ein, dass Behring, ebenfalls Stiftungsrat von Pro Facile, und seine Frau einen Betrag von 25'000 Franken an ihren Ständeratswahlkampf letzten Herbst gespendet habe.

In seinen besten Zeiten - im März dieses Jahres - verwaltete Behring Vermögen in Höhe von gegen zwei Milliarden Franken. In einem Londoner Nobel-Restaurant liess er für ein Nachtessen mit Freunden 100'000 Franken liegen. So schnell können Zeiten ändern.

19. Oktober 2004


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