© Foto by OnlineReports.ch
"Keine Warteschlangen mehr": Pilotprojekt Selfscanning, Ausgabestation

Wenn die Kundin auch Kassenfrau wird

Selfscanning: Coop startet in Frenkendorf ein Pilotprojekt, bei den die Käufer ihre Produkte selbst einscannen


Von Peter Knechtli


Zufriedene Kundschaft, weil sie nicht mehr vor der Kasse Schlange stehen muss. Dies ist das Ziel eines Pilotprojekts, das Coop morgen Donnerstag in Frenkendorf startet und bei erfolgreicher Bilanz schweizweit einführt. Dabei übernehmen die Kundinnen und Kunden erstmals in der Schweiz die Arbeit der Kassierin - aber nur teilweise.


Es ist ein Einkaufserlebnis der neuen Art. Wir beziehen im Entree des Coop-Einkaufszentrums in Frenkendorf ein kleines Scanning-Gerät, das uns nach der Kontrolle unserer "Supercard" zugewiesen wird. Wir begeben uns mit dem Einkaufswagen, der eine Scannerhalterung aufweist, ins Ladeninnere und tätigen unsere Einkäufe. An jedem Produkt, das wir einkaufen, lesen wir mit dem Hand-Scanner den Strichcode ein. Der Scanner zeigt uns auf dem Display Art, Zahl und Preis der gekauften Produkte sowie den aktuellen Zahlungsbetrag übersichtlich an. Anfänglich halten wir den Scanner verkehrt in den Händen, was unsere kundige Begleiterin Marianne Wunderlin sofort erkennt und uns freundlich auf das Missgeschick hinweist.

Loosli: "Kein Abbau an Kassen und Personal"

Jetzt sind wir an der Kasse angelangt. Keine ätzende Schlange. Lächelnd wartet die Kassierin auf uns. Die Produkte sind schon in die Einkaufstasche gelegt, sie brauchen nicht mehr auf dem Fliessband ausgebreitet zu werden. Der Kassenfrau übergeben wir nur noch unser Scan-Gerät, dessen Angaben via Zentralrechner auf die Kasse übertragen werden. Bezahlt wird wie üblich mit der Kreditkarte oder bar. Blitzschnell erhalten wir die Quittung - und auf Wiedersehen. Das wars. Auf "mindestens 50 Prozent" schätzt die Kassenfrau die Zeitersparnis, zu der wir mit unserer Produkte-Eingabe beigetragen haben.

"Passabene" heisst das Pilotprojekt "Selfscanning" (selbst scannen), das heute Mittwochmorgen im Beisein von Konzernchef Hansruedi Loosli den Medien im Coop-Center Frenkendorf vorgestellt wurde. Loosli bekannte, auf die Innovation "sehr stolz" zu sein, und beantwortete die sich aufdrängende Frage gleich ungefragt: "Es wird nicht eine Kasse und nicht eine Kassierin abgebaut. Darauf können Sie mich behaften." Allerdings werden konventionelle Kassen zu Schnellkassen umgebaut. Das einzige Ziel auch Konzern-Optik sei die Kunden-Zufriedenheit und - der Coop-Chef stellte es nicht in Abrede - der Gewinn von Marktanteilen: "Es geht darum, eine neue effiziente Dienstleistung zu erbringen." Loosli trat auch Befürchtungen entgegen, die so gewonnenen Daten könnten seinen Marketing-Strategen noch genauere Einkaufs-Profile der Kunden ergeben: Nichts dergleichen werde ausgewertet, der Aufwand dazu wäre personell und infrastrukturell völlig unverhältnismässig.

Erfolgsquote bei 15 bis 20 Prozent

Laut Oskar Sager, Leiter der Coop-Verkaufsregion Nordwestschweiz, soll der Frenkendörfer Pilotversuch kommendes Frühjahr ausgewertet werden. Ist der Test - Kosten: eine Million Franken - erfolgreich, soll das Selfscanning in grossen urbanen Verkaufsläden der ganzen Schweiz eingeführt werden. Vorgesehen ist das Selfscanning vorwiegend für Grosseinkäufe, wo es besonders zeitsparend sein soll. Ein Erfolg stellt sich nach Coop-Meinung ein, wenn mindestens 15 bis 20 Prozent der "Supercard"-Kunden zum Selfscanning bereit sind.

Auf die OnlineReports-Frage, ob dieses System nicht geradezu zum Ladendiebstahl einlade, weil nicht eingelesene Konsumgüter schon verpackt an der Kasse vorbei geschmuggelt werden können, antwortete Loosli verschmitzt: "Es sind nicht alle Kunden Gangster, die in den Laden kommen." Im Vergleichsland Italien, wo Selfscanning wie auch in den USA und andern Ländern schon in Betrieb ist, habe sich die "Diebstahl-Quote nicht verändert". Zudem sind nach Zufallsprinzip Stichproben vorgesehen: Selfscanner müssen ihre Waren zur Kontrolle - wie früher - aufs Fliessband legen, wo es durch die Kassenfrau manuell nochmals erfasst und mit dem kundenseitig eingelesenen Ergebnis verglichen wird. Dabei könne auch festgestellt werden, dass der Kunde zuviel eingescannt - und bezahlt - hat, weil er ein Produkt wieder ins Regal zurück gelegt, die Eingabe auf dem Scanner aber nicht gelöscht hat.

Auch ein Diebstahl des Geräts dürfte schwierig sein: Über die Erfassung der "Supercard" beim Beziehen des Handscanners ist die Identität des Bezügers bekannt.

Aktion gegen "leere Blicke"

Zum Pilotversuch "Passabene" entschied sich Coop nach einer Befragung von 400'000 "Supercard"-Besitzenden in den Jahren 2002/2003. Fazit: Grosse Zufriedenheit, aber Ärger über das lange Warten in der Kassenschlange. Nach einer gewissen Zeit des Wartens, so sei durch Videoaufnahmen dokumentiert worden, komme es zu "leeren Blicken" unter der Kundschaft und "diesen Teil in der Warteschlange operieren wir heraus" (Sager). Auch die lästigen Wartefristen während der Verarbeitung der Kreditkarten sollen durch neue Systeme verkürzt werden.

Chef Loosli glaubt sogar daran, dass das Selfscanning im Einkaufsprozess als "spielerisches Mittel" Anerkennung finde. Der SMS-Effekt auch beim Einkauf sozusagen.

12. Oktober 2005


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Kassendamen werden bald durch kostengünstige Terminals ersetzt"

Da waren Sie wohl etwas blauäugig, wenn Sie Herrn Loosli glauben, durch die Einführung von Self Scanning würden keine Arbeitsplätze abgebaut. Dies wird ganz "spielerisch" geschehen (Zitat Loosli). Die Kassendamen werden in nicht allzuferner Zukunft durch kostengünstige Terminals ersetzt und die investierten Millionen wieder eingespart. Migros ist in einer (kundenfreien) Test-Filiale bereits dabei, diesen Schritt zu üben. An Ihrem PR-Artikel über den spielerischen Abbau von Arbeitsplätzen dürfte Chef Loosli seine helle Freude gehabt haben.


Claude Mutz, Arisdorf


www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Zeichen deuten auf grosse Kualition"

BZ Basel online
Titel vom
25. November 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Kühe aller Fraktionen vereinigt euch!

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Promeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.