© Foto by Beat Stauffer, OnlineReports.ch
"Imageverlust ist gewaltig": Strassenszene in Tripolis

"Niemand wird den Mut haben, in Libyen zu investieren"

Ghadhafis Geiselnahme dürfte dem diktatorisch geführten Land langfristig mehr schaden als nützen


Von Beat Stauffer


Libyen hat seine Forderungen gegenüber der Schweiz in fast allen Punkten durchsetzen können und die Alpenrepublik regelrecht gedemütigt. Doch dieser "Sieg" könnte sich als trügerisch erweisen: Insider erachten den Imageschaden für Libyen und die indirekten wirtschaftlichen Folgen des Konflikts als gewaltig.


Der Streit um die Ehre von Hannibal Ghadhafi, an dessen Lösung allein auf Schweizer Seite während Monaten Dutzende von gut bezahlten Juristen, Völkerrechtlern, Diplomaten und Nahostenexperten beschäftigt waren, hat ein Ende gefunden. Die Kosten für diese ganze Übung dürfte, zurückhaltend geschätzt, ein Mehrfaches der vereinbarten Summe kosten, welche die Schweiz aller Voraussicht nach an Libyen wird überweisen müssen – es sei denn, die undichte Stelle in der Genfer Verwaltung kann ausfindig gemacht werden.

Beträchtlich sind aber auch die Verluste von Schweizer Firmen, die in Libyen bis im Sommer 2008 Geschäfte getätigt hatten oder Waren geliefert hatten. Vor allem in der Westschweiz sollen Dutzende von KMUs Schäden in Millionenhöhe erlitten haben.

In Libyen "alles verloren"

Vordergründig steht deshalb die Schweiz als Ganzes wie auch die betreffenden Schweizer Unternehmen ganz klar auf der Verliererseite. "Libyen hat praktisch alle seine Forderungen, die es bereits im August 2008 auf den Tisch gelegt hat, durchbringen können", sagt Miguel Stucky, Unternehmer aus Lausanne, dessen Firma in Libyen einen Verlade-Terminal für den Import von Zement erstellt hat und dessen Mitarbeiter Rachid Hamdani im August 2008 in Libyen festgenommen wurde.

Stucky gehört selber zu diesen Verlierern: Da er nicht mehr nach Libyen einreisen konnte, keinen direkten Kontakt zu seinen rund hundert Mitarbeitern und auch keinen Zugriff mehr auf seine libyschen Bankkonten hatte, musste er das Projekt einstellen. Über die Höhe des erlittenen Verlusts mag Stucky im Detail nicht sprechen; er begnügt sich mit der lapidaren Feststellung, er habe in Libyen "alles verloren".

Ausstieg im letzten Moment geschafft

Andere haben den Ausstieg noch im richtigen Moment geschafft. Zu ihnen gehört der Basler Investor Roland Zanotelli, der mit seiner "Beroko Holding" in Tripolis ein Luxushotel erbaut hat, das nächstens in Betrieb gehen wird. Zanotelli, dessen Firma von Malta aus operierte, konnte seine Anteile "zu einem anständigen Preis" an eine libysche Investmentgesellschaft verkaufen und auf solche Weise einen geordneten Rückzug antreten.

Doch auch Libyen wird dieser Konflikt mittelfristig wohl teuer zu stehen kommen. "Der Imageverlust für das Land ist gewaltig", sagt der in der Schweiz lebende libysche Regimegegner Idriss Boufayed. Dieser Ansicht stimmen auch andere Beobachter zu, die keine Rechnungen mit dem dortigen Regime zu begleichen haben. Klar ist, dass das Verhalten des Ghadhafi-Clans alle nur denkbaren Klischees über die Willkürherrschaft arabischer Machthaber und Despoten bestätigt.

Grosser Image-Verlust für Libyen

Vieles weist aber darauf hin, dass die Rettung von Hannibals "Ehre" dem libyschen Volksmassen-Staat auch wirtschaftlich einen grossen Schaden zugefügt hat – und vor allem zufügen wird. Davon ist Bauingenieur Stucky aus Lausanne felsenfest überzeugt. "Der Konflikt mit der Schweiz wird die Auslandsinvestitionen gewaltig dämpfen", sagt Stucky. "Niemand wird den Mut haben, in den kommenden Jahren in Libyen zu investieren." Denn potentielle Investoren hätten in Zukunft "keinerlei Garantie, dass nicht einer ihrer Manager in Geiselhaft geraten könnte".

Zwar werde es auch weiterhin ausländische Firmen geben, die den Libyern gerne ihre Produkte verkauften. Doch sobald es darum gehe, hochqualifizierte Fachleute nach Libyen zu schicken oder mit libyschen Partner zusammen industrielle Projekte ins Leben zu rufen, sei die Interesse äusserst gering. Als Beleg für seine These führt Stucky die Firma GECOL an: Diese staatlich-libysche Elektrizitätsgesellschaft habe grosse Probleme, einen ausländischen Partner zu finden, der bereit wäre, sich an der Erneuerung des veralteten libyschen Stromnetzes und der Erstellung neuer Kraftwerke finanziell zu beteiligen. Für Miguel Stucky ist klar, dass der Konflikt mit der Schweiz für Libyen mittelfristig "katastrophale Folgen" haben werde.

"Business as usual"

Andere in Libyen engagierte Unternehmen schätzen die Folgen des Geisel-Konflikts weniger dramatisch ein. Er gehe davon aus, dass dieser Fall relativ rasch in Vergessenheit gerate und dass in den Geschäftsbeziehungen wieder eine Art Normalität einkehren werde, sagt ein Manager einer auch in Libyen tätigen Weltfirma. Diese Ansicht vertritt auch der Basler Investor Zanotelli. Sobald sich die Lage wieder beruhigt habe, würden viele Geschäftsleute ihre Fühler wieder nach Libyen ausstrecken, weil sich dort gute Geschäfte machen liessen.

Die kürzlich bekannt gewordenen Pläne für eine Befreiung der verschleppten Schweizer, so ergänzt Zanotelli, könnten allerdings die "Normalisierung" mit Libyen noch einige Zeit hinauszögern. Auch er selbst will seine Beziehung zu arabischen Ländern trotz des Rückzugs aus Libyen weiterpflegen. Zanotelli prüft bereits Pläne für Projekte im Bereich Solarenergie in Tunesien und Marokko.

Für die ABB, deren Mitarbeiter Göldi eine faktische Geiselhaft zu erdulden hatte, steht ein Rückzug aus Libyen zurzeit nicht zur Diskussion. "Die ABB hat im Sinn, ihr Geschäft in Libyen weiter zu betreiben" erklärt Konzernsprecher Wolfram Eberhardt. Dieses Geschäft bewege sich bezüglich des Umsatzes in einem niedrigen zweistelligen Millionenbereich in US-Dollars und liege in der Grössenordnung von 0,5 Prozent des gesamten Umsatzes. Von der Firma Alsthom, die ebenfalls im Libyen-Geschäft engagiert ist, sind in dieser Sache keine Auskünfte zu erhalten.

Investoren wollen berechenbare Politik

Über die wirtschaftlichen Folgen des unseligen Zwistes lässt sich derzeit nur spekulieren. Doch vieles weist darauf hin, dass auch Libyen in den kommenden  Jahren einen hohen Preis für den von ihm heraufbeschworenen Konflikt zu bezahlen hat. Denn Rechtssicherheit, Schutz vor Willkür und eine berechenbare Politik sind grundlegende Voraussetzungen, um Investoren wie auch hochqualifizierte Fachleute anzuziehen. So gesehen könnte sich der "Sieg" Libyens in der Causa Hannibal als trügerisch herausstellen.

2. Juli 2010

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Theater Basel

"Medea" im Theater Basel
Veranstaltungs-Hinweis

 

FUNNY MONEY
"Mir chaufe Bali!" – Was würden Sie tun, wenn Sie aus Versehen einen Koffer mit 5 Millionen Franken mitnähmen? Um diese Frage dreht sich Ruedis Geburtstag in der Farce in drei Akten von Ray Cooney.

Was Ruedi mit dem unerwarteten Geldsegen anstellt, erfahren Sie zwischen dem 14. und 28. April im Saalbau zum Wilden Mann in Frenkendorf. Das Theater Rampenlicht freut sich auf Sie.

Alles mit scharf

Wachsen und Widerstand

"Und übrigens ..."

Zeit für Stau und Lottogewinn
RückSpiegel


Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

20 Minuten, die BZ Basel, theworldnews.net, die Basler Zeitung, die Tageswoche, die Bauernzeitung und Telebasel nahmen die OnlineReports-Story über das gescheiterte Projekt von "Urban Farmers" in Basel auf.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung und das Regionaljournal zogen die OnlineReports-Meldung über die Schliessung der Basler Buchhandlung "Narrenschiff" nach.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht vom Tode des früheren BLKB-Bankrats-Präsidenten Werner Degen auf.

In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Abfallkübel statt Herz"

BaZ und BZ Basel
Titel über gleich lautendem
Artikel zum Juventus-Aus
vom 13. April 2018
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

BaZ-Autorenzeile: SDA. BZ-Autorenzeile: Stefan Wyss. Wer suggeriert mehr Eigenleistung?

In einem Satz


• Die Grünen Baselland nominieren im Hinblick auf die Delegiertenversammlung vom 5. Mai in Olten Landrätin Florence Brenzikofer als Vizepräsidentin der Grünen Schweiz.

• Der Gemeinderat von Birsfelden hat auf einen Vorstoss von Désirée Jaun (SP)beschlossen, als erste Gemeinde in der Nordwestschweiz die Auszeichnung als "Fair Trade Town" anzustreben.

• In der Amtsperiode 2018-2022 bilden die Grünliberalen (GLP) im Einwohnerrat Riehen gemeinsam mit dem parteilosen David Moor eine Fraktion.

• Die Basler Badesaison beginnt im beheizten Sportbad St. Jakob (28. April), in den unbeheizten Becken des Gartenbads St. Jakob (12. Mai), im Gartenbad Eglisee (19. Mai) und im Gartenbad Bachgraben infolge Sanierungsarbeiten (2. Juni 2018).

• Die SP Muttenz hat an ihrer Generalversammlung Kathrin Schweizer einstimmig als Regierungsrats-Kandidatin der SP Baselland nominiert.

• Nach fast zwanzig Jahren Tätigkeit verlässt Moderatorin Tamara Wernli Telebasel, weil sie sich künftig aufs Schreiben konzentrieren will.

• Die Gemeinde Riehen ist laut der Einschätzung des Gemeinderates "weiterhin kein Hotspot für kriminelle Aktivitäten".

Heidi Mück und Tonja Zürcher bleiben laut Wahl durch die Mitglieder für weitere zwei Jahre Co-Präsidentinnen von "Basta".

• Der frühere Basler Grossrat und FDP-Nationalrat Urs Schweizer tritt per 15. Mai 2018 nach 15 Jahren als Präsident des ACS beider Basel zurück.

• Nach den Kontrollen an der vergangenen Basler Fasnacht bleiben Pferde von Chaisen und Vorreitern weiterhin erlaubt.

• Die 43-jährige Elisabeth Heer Dietrich wurde mit 82 von 84 Stimmen glanzvoll zur neuen Baselbieter Landschreiberin gewählt.

• Die Revitalisierung der unteren Wiese hat sich aufgrund der vielen Hochwasser um den Jahreswechsel so stark verzögert, dass das Basler Tiefbaumt sie nicht rechtzeitig vor der Fischschonzeit abschliessen konnte und bis Ende Mai pausieren muss.

• Die Rechnung 2017 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 251 Millionen Franken ab und liegt damit 108 Millionen Franken über dem Budget.

Matthias Hubeli, Leiter des Polizeistützpunkts Liestal und stellvertretender Leiter der Sicherheitsabteilung Ost, wird Geschäftsführer des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests 2022 in Pratteln.

• Der von der Wirtschaftskammer Baselland eingereichten Gesetzesinitiative "Für eine faire steuerliche Behandlung der Wohnkosten" (Wohnkosten-Initiative) stellt die Regierung einen Gegenvorschlag gegenüber.

Naomi Reichlin und Florian Sennhauser gehören neu dem Vorstand der FDP-Sektion Liestal an.

Melchior Buchs (FDP) ist neuer Gemeindepräsident von Reinach, indem er mit 2'544 Stimmen die CVP-Kandidatin Béatrix von Sury (CVP) mit 2'452 Stimmen knapp schlug.

• Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022 findet laut Beschluss des Eidgenössischen Schwingerverbands definitiv in Pratteln statt.

• Die Universität Basel erhält fünf von 39 neuen Förderungsprofessuren, die der Schweizerische Nationalfonds (SNF) dieses Jahr vergeben hat.

• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.