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"Immer rechts der Mitte": Gewerbe-Direktor Gysin, Liestaler "Haus der Wirtschaft"

Die Hans Rudolf Gysin-Story: Auf der Spur eines Phänomens

Der abtretende Direktor der Wirtschaftskammer war während dreissig Jahren die mächtigste politische Figur im Baselbiet


Von Peter Knechtli


Ohne vom Volk dafür gewählt zu werden, regierte Gewerbe-Boss Hans Rudolf Gysin während drei Jahrzehnten das Baselbiet. Am 31. August geht er als Direktor der Wirtschaftskammer Baselland in Pension. Selbst seine Kritiker, nicht wenig an der Zahl, attestieren ihm phänomenale Qualität.


Hans Rudolf Gysin, so ein geflügeltes Wort, sei der sechste Baselbieter Regierungsrat. Keiner  habe so viel Einfluss auf die fünfköpfige Exekutive wie er. Diese Einschätzung ist eine krasse Untertreibung: Der heute 71-jährige "e. FDP-Nationalrat" (so seine Bezeichnung), ein halbes Menschenleben lang Direktor der Wirtschaftskammer Baselland, bestimmte die Baselbieter Politik stärker mit als jeder amtierende Regierungsrat der letzten dreissig Jahre.

Kein Politiker und kein Verband vermochte das politische Leben so sehr zu dirigieren und von den Volksrechten so häufig Gebrauch zu machen wie Gysin und seine Wirtschaftskammer. Der Freisinnige ("immer rechts der Mitte") lanciert Volksbegehren in einer Kadenz, in der Parlamentarier Vorstösse einreichen.

Die Liste der Initiativen und Referenden, die er initiierte oder präsidierte, umfasst allein seit 1992 drei A4-Blätter. Eine davon trug 40'000 Unterschriften. Steuersenkungs-, Gewerbe- und Verkehrspolitik ziehen sich wie ein roter Faden durch Gysins Forderungs-Arsenal. 400 Abstimmungskampagnen führte oder unterstützte die Wirtschaftskammer unter Gysins Leitung. Zahllos sind die oft im Ton inszenierter Empörung gehaltenen Communiqués, mit denen die PR-Zentrale im Liestaler "Haus der Wirtschaft" die politischen Debatten und Akteure beeinflusste.

Ohne Anmeldung vor Regierungs-Office

In seinem Umfeld heisst es, Gysin sei vor den Büros der bürgerlichen Finanz-, Bau- und Volkswirtschaftsdirektoren auch schon mal ohne Anmeldung aufgekreuzt. Einer der Regierungsräte soll ihm sogar den Schlüssel zum Office angeboten haben "für den Fall, dass du etwas brauchst".

Am "Neujahrs-Apéro", zu dem die Wirtschaftskammer traditionell in den Liestaler "Engel" ruft, schüttelte Gysin jeweils so viele Hände, dass er sich ein Band gegen Schmerzen am Ellenbogen überziehen musste. Kein bürgerlicher Regierungsrat kann sich leisten, diesem  Empfang unbegründet fernzubleiben. Die Regierung oder eine Delegation davon unterbricht zwecks Besuchs des Apéros jeweils flugs die Konferenz der Kantonsregierungen, die zu jener Zeit alljährlich in Interlaken stattfindet. Ein regionaler Bundesparlamentarier: "Ohne Not lässt die Regierung einen Anlass, den Gysin inszeniert hat, nicht aus."

Auch zu linken und grünen Regierungsräten, die er auch mal zur Wiederwahl empfiehlt, so lange die bürgerliche Regierungsmehrheit nicht gefährdet ist, unterhält der rechtsbürgerliche Gewerbedirektor ein pflegliches Verhältnis. Kaum schaffte letztes Jahr der Grüne Isaac Reber (Bild links) auf Kosten des von der Wirtschaftskammer unterstützten Bisherigen Jörg Krähenbühl (SVP) überraschend die Wahl, war Gysin einer der Ersten, der dem politischen Gegner lachend gratulierte. Ein gutes Verhältnis zum neuen Entscheidungsträger gleich von Anfang an kann nur von Nutzen sein.

Die Sonderstellung, die Gysin bei den bürgerlichen Regierungsräten genoss und geniesst, hat ihren plausiblen Grund in der Interessens-Übereinstimmung von Geben und Nehmen. Eine Regierungspolitik gegen Gysin ist nicht denkbar, weil er mit seinen 10'000 Verbandsmitgliedern und gegen 20'000 Mitgliedern des Hauseigentümerverbandes die stärkere Mobilisierungsmacht hat als alle bürgerlichen Parteien zusammen. Anderseits bietet die Wirtschaftskammer der Regierung Sukkurs bei Wahlen oder Abstimmungen – so wie kürzlich, als CVP-Gesundheitsdirektor Peter Zwick die Spitäler auslagerte.

Schon Gysins Vorvorgänger Livio Meyer liess von sich wissen, wie er seine Interessen im Direttissima in die Politik einbrachte: Indem er nach der Dienstagssitzung mit der Regierung jassen ging. Gysin ging nicht jassen, sondern den diskreten Weg des Einspeisens. So hielt er einen guten Kontakt zu Landschreiber und Parteikollege Walter Mundschin, was etwa beim Ansetzen von Abstimmungsterminen hilfreich war, oder er mimte Distanz zur Regierung, indem er einen Disput mit einem Direktionsvorsteher arrangierte und öffentlich gegen ihn antrat. Ein Parteikollege: "Der ist mit allen Wassern gewaschen."

Mit Spitteler begann das Polit-Marketing

Kaum eine Rochade von Tragweite in Regierung, Verwaltung oder in seiner FDP blieb von Gysin unbeeinflusst. Seine Hände im Spiel hatte er – wie gut informierte Kreise wissen – beim Wechsel von Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro (FDP) in die gewerbepolitisch auftragsträchtige Bau- und Umweltschutzdirektion, beim Nochmals-Antritt von Finanzdirektor Adrian Ballmer (FDP) oder bei der Wahl seines früheren Vizedirektors und des heutigen SVP-Nationalrats Thomas de Courten zum neuen Baselbieter Wirtschaftsförderer.

Die Geschichte von Hans Rudolf Gysin als erfolgversprechender Wahlkampfhelfer hat eine dreissigjährige Tradition. Dass der Bennwiler Bauer Werner Spitteler (SVP) im April 1982 zum Nachfolger des charismatischen Rothenflüher Pfarrers Paul Manz (SVP) in die Regierung gewählt wurde, war auch der Wirtschaftskammer zu verdanken. "Ich habe gespürt, dass Manz Spitteler als seinen Nachfolger wünschte. Da haben wir für Spitteler den Wahlkampf gemacht", schilderte Gysin OnlineReports.

Spittelers Wahlerfolg trieb Gysin an, das Polit-Marketing fest in sein Portfolio aufzunehmen. "Wir spürten damals, dass ein kleiner Gewerbeverband in der Lage war, entscheidend in Wahlen einzugreifen."

Propaganda-Zentrale im Untergeschoss

Heute befindet sich im Untergeschoss des "Hauses der Wirtschaft" eine der effizientesten Marketing-Fabriken der Schweiz. "Spedition" steht unauffällig am Eingang zur äusserst leistungsfähigen Abteilung für Polit-Progaganda geschrieben, in der Grafiker, Texter, ein ganzer Stab von Datenverarbeitern und Spediteure arbeiten. Drei leistungsfähige Grossdrucker sorgen dafür, dass zehntausend Protest-Mailings oder Unterschriftenbögen sozusagen auf Knopfdruck produziert und innert Tagesfrist verschickt werden können.

Die Marketing-Division arbeitet längst nicht mehr nur für den Eigengebrauch, sondern als Profitcenter. Die hochdetailliert aufbereiteten und teils auch zugekauften Datenstämme von 250'000 Adressen und die Versand-Maschinerie können – ausser Linken und Grünen – auch private Geschäftskunden als Auftraggeber nutzen. Dabei achtet Gysin darauf, dass der Daten-Schatz im Haus bleibt, wo externe Aufträge adressiert und verschickt werden.

Gysin macht weder aus seiner enormen Datenmacht ein Geheimnis noch aus der Tatsache, dass bei ihm ganze Studentenkolonnen die Adressen aus verschiedenen Quellen abtippen und in die Datenbank importieren ("das Telefonbuch abschreiben kann jeder"). Mit seiner Fähigkeit, dank der ausgeklügelten Informatik jederzeit Zehntausende Stimmberechtigte oder Wähler persönlich mit Wahl- oder Abstimmungsempfehlungen direkt anzusprechen, hat sich Gysin, kommunikationstechnisch immer auf dem neusten Stand, eine unangefochtene Monopolstellung erarbeitet. Als Erster hat er im Kanton die Bedeutung des rationalisierten Polit-Marketings entdeckt und systematisch aufgebaut, während andere noch Adress-Etiketten klebten.

Mit seiner so errungenen Mobilisierungs-Macht flösste der Chef-Spediteur vom Liestaler Altmarkt auch bürgerlichen Polit-Strategen Respekt ein: Wehe, wenn die Maschinerie am Sitz der Wirtschaftskammer in Gang gerät. Mit ihr bodigte Gysin bei Bedarf auch unpässliche Vorlagen aus freisinnigen Direktionen: so Andreas Koellreuters Gastgewerbegesetz ("Beizer als Hilfs-Sheriffs") oder Steuervorlagen der Finanzdirektoren Adrian Ballmer und Hans Fünfschilling. Im Organ des Hauseigentümerverbandes, den Gysin präsidiert und der – wie die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" und die "Liga der Baselbieter Stromkunden" – im "Haus der Wirtschaft" domiziliert ist, stellte er im Jahr 2002 FDP-Landräte durch Namensnennung in den Senkel, die für die Regierungskompetenz zur Erhöhung des Eigenmietwertes votierten.

Zwei-Sekunden-Test mit knalligen Plakaten

Wie im ganzen Haus blieb auch in Abstimmungskämpfen nichts dem Zufall überlassen: Eigens schaffte Gysin einen Grossdrucker an, "um Weltformat-Plakate zu testen". Die immer betont knalligen Entwürfe werden für den "Zwei-Sekunden-Test" an einen Kandelaber aufgehängt. Zur Anwendung kommt das Vier-, Sechs- und Acht-Augen-Prinzip: Mitarbeiter brausen mit ihren Wagen vorbei und testen, ob die Botschaft sofort erfasst wurde. Vor Einkaufszentren wird mit Passanten getestet, "ob sie begreifen, worum es geht". Dabei macht sich Gysin über SP-Plakate lustig, die mit umständlichem Klein-Klein mehr Verwirrung stiften als die gewünschte Parole suggerieren.

Dass er über die Funktionärs-Stellung bei entschiedenem Auftreten Einfluss auf den Lauf der Dinge nehmen kann, erkannte Gysin schon bald, nachdem er am 1. November 1968 seine Stelle als "Gewerbesekretär" des "Kantonalen Gewerbeverbandes Baselland" (so die damalige Bezeichnung) mit Sitz in Muttenz antrat. Baudirektor Manz wollte den Bau des Gymnasiums Oberwil an einen Zürcher Generalunternehmer vergeben, als das einheimische Gewerbe den jungen Gysin anheizte: "Jetzt musst du etwas unternehmen."

Der Sekretär berief im Oberwiler "Ochsen" umgehend eine Versammlung mit Vertretern des einheimischen Baugewebes ein mit dem Ziel, eine eigene Generalunternehmung mit Architekten und Ingenieuren zu bilden und an der Submission teilzunehmen. Als die Regierung den Auftrag trotzdem nach Zürich vergab, sprach Gysin bei Manz vor und gab ihm zu verstehen: "Jetzt mache ich den grössten Mais." Der Direktionsvorsteher liess sich etwas einfallen und zahlte dem einheimischen Konsortium schliesslich 80'000 Franken für den zweiten Preis.

Mit Paul Manz in die Polizei-Kontrolle

Mit Manz, vom forschen Gewerbesekretär beeindruckt, verband Gysin bald eine solide Freundschaft. Als Manz nach einem feuchtfröhlichen Abend in Füllinsdorf Gysin in seine Prattler Wohnung fuhr und auf der Hülftenschanz in eine Polizeikontrolle geriet, kurbelte der Baudirektor das Fenster hinunter: "Ich bin der Manz." Und die Promillekontrolle war abgewendet. Als Gysin ihn darauf hinwies, dass er ja noch nach Rothenfluh zurück und wieder durch die Kontrolle fahren müsse, sagte Manz: "Das ist kein Problem."

Am Muster von Gysins Vorgehen - Forderungen stellen, Lobbyieren, Druck machen - hat sich bis heute nichts Grundlegendes geändert. Nur hat sich die Methode verfeinert. Meist hat er die Finger schon früher im Spiel als die Konkurrenz. Ist ein Plan im Gange, der Gysin nicht passt, ist er mehr denn je in der Lage, den "grössten Mais" loszutreten. Dann hagelt es Briefe, Mails mit Kopien an sensible Stellen oder Medienmitteilungen, in denen der Gewerbedirektor grobes verbales Geschütz ausfährt. Verwendet mal ein politischer Gegner sein Abstimmungs-Vokabular und wettert in Plakaten gegen das "verlogene Entlastungsrahmengesetz", zeigt sich Gysin von der dünnhäutigen Seite: Es sei unerhört - ergriff er anwaltschaftlich Partei für die Regierung -, dass ihr "Verlogenheit" vorgeworfen werde.

Die Begabung, Bedeutung zu verleihen

Die verbandspolitischen Erfolge des Gewerbe-Manitus allein mit grossspuriger Drohungs-Rhetorik zu begründen, wäre aber verfehlt. Das Geheimnis seiner Durchsetzungskraft liegt vielmehr in einer Vermengung verschiedener weiterer Faktoren. Die wohl wichtigste Begabung Gysins ist es, Netzwerke zu bilden, seinen Seilschaften das Gefühl von Bedeutung zu verleihen und Abhängigkeiten zu schaffen.

Empfängt er wichtige Gäste, empfiehlt er ihnen, per Zug anzureisen, damit sie beim Dinner auch beherzt zum Glas greifen können. Für den Heimtransport ist Personal der Wirtschaftskammer besorgt. Statuskonform darf es dazu den luxuriösen mit TV-Anschluss ausgestatteten "Audi A8" (Bild) des Chefs benützen. Bei Einladungen kommt es vor, dass Parkplätze von Gästen schmeichelnd mit Namens- und Funktionsschild reserviert werden. Lädt er Gewerbler und Polit-Prominenz zweimal jährlich zu gesellschaftlichen Anlässen, fehlt nie die akurate Gästeliste.

Er liebte in wohldosierten Abständen die grossen Auftritte, bevorzugt mit Bundesräten als Gastrednern. In der Liestaler Frenkenbündten-Halle trat der damalige Verteidigungsminister Samuel Schmid vor 3'000 Gewerblern auf, wonach der "Standpunkt" den Publikumserfolg – Achtung, wir können mobilisieren! – im Bild dokumentierte. Immer dabei ist die Live-Übertragung auf Grossleinwand. Später findet sich der Event im lückenlosen Video-Archiv am Verbandssitz. Unvergessen der Grossanlass zu Gysins 25 Jahr-Jubiläum 1993 im Prattler Kultur- und Sportzentrum, als der Grosse Vorsitzende von hinten den dunklen Saal betrat und, begleitet von einem Scheinwerfer-Spot unter dem Applaus der Basis zum Rednerpult schritt – eine Spur amerikanischer Wahlkampf.

"Gysin ist nun wirklich ein Strippenzieher par excellence", meint ein FDP-Landrat. Was er genau denkt, bleibt immer sein Geheimnis. Hintertreibt er die Wahl eines Kandidaten, geht er später mit offenen Armen und versöhnlich-charmantem Lachen auf ihn zu. Will er Persönlichkeiten für seine Anliegen einspannen, umgarnt er sie "und plötzlich sitzt man in einem feinen Nachtessen", wie sich eine Landrätin in einer Mischung von Erschrecken und Faszination erinnert.

Sah sich Gysin anderseits in die Enge getrieben – wie bei der Wahl seines Nachfolgers Christoph Buser, gegen die anfänglich einige Gewerbetreibende opponierten –, zeigte er sich blitzartig lösungsorientiert: Er verschob die Wahl kurzerhand und legte eine Kennenlern-Runde ein, worauf Busers Kür ohne Nebengeräusche klappte.

Der Sohn eines Gewerkschafters

Die Industriegemeinde Pratteln war – von einer Zeit als Reiseleiter in Holland abgesehen – seit seiner Geburt Gysins privater Lebensmittelpunkt. In einer Arbeiterfamilie als Sohn eines Kaffeerösters, gelernten Hufschmieds, Sozialdemokraten und Gewerkschafters aufgewachsen, ging seine Mutter arbeiten, dass er das Ökonomie-Studium aufnehmen konnte.

Durch seine Erfahrung mit einem bescheidenen familiären Milieu "hatte ich später in den Arbeitgeberverhandlungen ganz andere Voraussetzungen, weil ich wusste, was arme Verhältnisse sind", sagt der Vater eines erwachsenen Sohnes. Auch wenn in Vertragsverhandlungen zuweilen hart gefeilscht wird, attestiert Gewerkschaftsbund-Präsident und SP-Landrat Daniel Münger, dass der Arbeitgeber-Boss "ein überzeugter Verfechter der Sozialpartnerschaft" und in dieser Rolle "immer verlässlich" war. Gysin, dessen netzwerk- und verbandspolitisches Vorbild der Basler Gewerbedirekor Edi Frei war, sei "einer der wenigen bürgerlichen Politiker, die noch wissen, was Sozialpartnerschaft ist".

Als in der Reinacher Firma Allpack ein Arbeitskonflikt ausbrach, kam es im Dezember 2003 dank der Vermittlung von Gysin und dem neuen SP-Regierungsrat Urs Wüthrich zum Streik-Abbruch. Kurze Zeit zuvor hatten sich Wüthrich in seiner Funktion als Präsident der SP-Fraktion und Vorstand des Mieterverbands mit Hauseigentümer-Präsident Gysin noch heftigste verbale Gefechte geliefert. Später verbanden sich Gysin und Bildungsdirektor Wüthrich über die grosse Berufsschau "E Lehr bringt mehr" in Pratteln zu Partnern. Der Clou: Kürzlich liess sich Gysin durch die Regierungsräte Wüthrich und Zwick mit einem "Golden Award" für seine Verdienste um die Berufsbildung auszeichnen.

Vereinnahmung durch publizistisches Lob

Ein anderes Beispiel aus einer Regierungsratswahl: Die Wirtschaftskammer unterstützte SVP-Kandidat Peter Holinger und nicht die CVP-Kandidatin Elsbeth Schneider, weil sie sich unter anderem nicht klar für den Bau der Schnellstrasse H2 ausgesprochen hatte. Kaum war Schneider gewählt, half das Verbandsorgan "Standpunkt" zur Standpunkt-Korrektur nach: Mit einem Bild der lachenden neuen Regierungsrätin im Rheinstrasse-Stau, die fortan hinter der H2 stand – durch publizistisches Lob befeuerter Positionswechsel.

Solches Verhalten ist für den Wirtschaftskammer-Mann kein Widerspruch, sondern Prinzip: "Gib deinem Gegner keine Chance, Gegner zu werden." Er habe in Liestal wie in Bern – etwa mit SP-Nationalrat Rudolf Strahm – "nie eine Retourkutschen-Politik betrieben" und "nie auf den Mann, sondern immer auf die Sache geschossen". Wer etwas erreichen wolle, müsse "auch die Linke im Boot haben und Allianzen schaffen. Mit den Bürgerlichen allein kommt man nicht weiter".

Keiner beherrschte die Methode der Vereinnahmung so meisterlich wie er. Doch nicht immer war sie von Erfolg gekrönt. Als der heutige SP-Nationalrat Eric Nussbaumer Gysin zur Solarmesse nach Freiburg i. Br. einlud, um ihm die Entwicklung sanfter Energietechnologien zu zeigen, kam das Gespräch aufs Bausparen, das Lieblingsthema des Handwerker-Generals. Gysin wollteEnergiefachmann Nussbaumer für eine Bauspar-Initiative gewinnen, die auch einen Gebäudesanierungs-Aspekt enthält. Nussbaumer aber brachte die Idee des reinen Gebäudesanierungs-Sparens ein.

Als Gysin später ein Initiativkomitee bildete, gab ihm Nussbaumer zu seiner grossen Enttäuschung einen Korb. Grund: Am Initiativtext Gysins war nichts mehr zu rütteln, Nussbaumer konnte seine Konzeption nicht mehr einbringen. Gysin über Nussbaumer: "Der hat sich hinten raus geschlängelt." Nussbaumer über Gysin: "Gemeinsames Gestalten mit ihm habe ich nie erlebt. Er kommt erst dann, wenn alles schon in Stein gemeisselt ist."

Ähnlich die Einschätzung des Baselbieter SP-Ständerats Claude Janiak: "Das Muster bei Gysin war immer das Gleiche. Er versuchte, einem einzubinden, wenn alles schon vorentschieden war." Mehrfach hat Janiak den Baselbieter Gewerbedirektor in Bern auch "als Polizisten" erlebt: Jedesmal, wenn in der Kleinen Kammer die Bauspar-Initiativen behandelt wurden, "sass Gysin im Ständeratssaal und schaute, wie ich abstimmte".

Politisiert worden sei er am Basler Realgymnasium, das er als Prattler besuchen durfte. Dort habe er "erstmals erlebt, was Filz bedeutet". Doch den Zugang zur institutionellen Politik fand er im Baselbieter Jugendparlament, das er mitgründete und dessen erster Exekutivpräsident er war. Dort traf er mit Persönlichkeiten wie Willy Bierter (Oeko-Zentrum Langenbruck), René Rhinow (späterer Staatsrechts-Professor), Roger Blum (späterer Publizistik-Professor), Jean-Luc Nordmann (späterer Seco-Direktor) Werner Spitteler (späterer Regierungsrat) oder Thomas Schweizer (späterer Gymnasiallehrer und Buchautor) zusammen.

Gysin trat den Jungfreisinnigen bei, deren Ehrenmitglied der Senior heute noch ist, und fand über das Jugendparlament den Kontakt zu freisinnigen Regierungsräten wie Theo Meyer, FDP-Strategen wie Alfred Oberer oder Nationalräten wie Karl Flubacher, die den Parteinachwuchs betreuten. Über den Prattler Einwohnerrat (1979) und den Landrat (1979) schaffte er 1987 den Sprung in den Nationalrat. Noch bevor er Nationalrat wurde, so geht die Rede, habe sich Gysin zwei Bundesparlamentarier gehalten – Karl Flubacher und Hans-Rudolf Nebiker (SVP).

In Bern die kantonale Agenda gepflegt

Gysins 24-jähriges Wirken in Bern steht nach Beurteilung mehrerer aktiver und ehemaliger Bundesparlamentarier in starkem Kontrast zu seiner kantonalen Bedeutung. Die Aussagen von Rechts und Links sind deckungsgleich: Eine "Nullnummer" und ein "Hinterbänkler" sei er als Nationalrat gewesen, sagten OnlineReports zwei ehemalige FDP-Exponenten, die sich nicht namentlich zitieren lassen wollen. Eine Quelle davon: "Gysins Philosophie in Bern war nicht, wie die Bundespolitik zu gestalten sei, sondern wie inszeniere ich mich und wie setze ich meine Agenda durch."

Dazu habe nicht nur seine schlechte Sitzungs-Präsenz gehört. Statt in den Debatten zu sitzen, habe Gysin, ganz Reiseleiter, häufig Baselbieter Gruppen – Schulklassen oder Gewerbler – durchs Bundeshaus geführt und sich dabei auch mal neben einem Bundesrat fotografieren lassen. Mit solchen Auftritten habe er seine eigene magistrale Aura unterstreichen und "seine Macht im Kanton festigen" wollen.

Im Baselbiet, so heisst es weiter, habe er über weite Strecken autonom und ohne Absprache mit seiner FDP politisiert: "Er reichte noch und noch Initiativen ein, ohne dass die Partei etwas davon wusste. Er brachte sie in Zugzwang und alle machten dicke Hälse", meinte ein Partei-Insider. Die Partei sei für Gysin "nur Mittel zum Zweck" gewesen. Der frühere SVP-Kantonalpräsident Dieter Spiess meint, Gysin habe "eigentlich keine FDP-, sondern Unternehmer-Politik betrieben".

Seit Ausbruch der Sparwut ist die Meinung zu hören, Gysin sei mit seiner fordernden Auftragspolitik für die maroden Baselbieter Staatsfinanzen mitverantwortlich. Seine Entgegnung kommt wie aus der Kanone geschossen: "Das bestreite ich vehement. Ich fühle mich verantwortlich dafür, dass Baselland nur ein Drittel der Staatsschulden von Basel-Stadt und erst noch 100'000 Einwohner mehr hat."

Vor öffentlicher Kritik an Gysin scheuten sich die Parteigänger. Alle gingen in Deckung: Zu gross, so ein FDP-Exponent zu OnlineReports, sei "die Angst gewesen, von Gysin auf die schwarze Liste gesetzt zu werden. Jene, die ihm nützlich sind, fördert er – jene, die gegen ihn sind, bekämpft er auf allen Wegen". Wer sich gegen Gysin auflehnt, so eine Quelle, "steht auf verlorenem Posten". Im Mai letzten Jahres gab die Parteileitung nach aussen sichtbar Widerstand, als sie im Hinblick auf die Nationalratswahlen verlangte, Gysin müsse sich – wie alle andern – dem Nominationsverfahren stellen: Da gab der Mandatsträger nach 24 Jahren zur allgemeinen Überraschung seinen Rücktritt bekannt.

Doch auch jene Parteifreunde, die hinter vorgehaltener Hand gar von einem "Marionetten-System" sprechen und ihn als "egoistischen Machtmenschen" einschätzen, anerkennen, dass Gysin "transparent ist", und reden respektvoll darüber, mit welch sicherem Instinkt er sich sein Gewerbe-Bollwerk bis zur Unentbehrlichkeit auf- und ausbaute: "Gysin hatte die Möglichkeit und nutzte sie."

Wirtschaftskammer als Management- und PR-Firma

Aus dem Gewerbeverband mit einem Gesamtbudget von 60'000 Franken, den Gysin bei seinem Stellenantritt am 1. November 1968 antrat, entstand die Wirtschaftskammer Baselland mit einem Budget von neun Millionen Franken und 60 Angestellten, dem 10'000 Firmen angeschlossen sind. Die Wirtschaftskammer Baselland ist heute eine Management- und PR-Firma, die dank ihrer Verbandsdienstleistungen auch ohne die zwei Millionen Franken Mitgliederbeiträge gut leben könnte. Zum beträchtlichen Umsatz tragen nicht wenige Staatsaufträge ("Leistungsvereinbarungen") bei – so zur Schaffung von bisher 1'500 Lehrstellen oder die Bewirtschaftung der "Euro 08"-Gäste.

Flair für Kasse und Geldvermehrung zeigte Gysin schon in einem Jugend-Job als Service-Boy der Speisewagen-Gesellschaft. Pro Kanne Kaffee musste er fünf Portionen abrechnen. Durch sparsames Abfüllen verkaufte er aber acht Becher.

Im "Haus der Wirtschaft" angesiedelt ist nicht nur das Management von 50 Verbandseinheiten – darunter auch schweizweite –, sondern auch der Bereich KMU-Förderung, die Berufsbildung, die Lehrstellenförderung, aber auch die Vermietung von Sitzungs- und Konferenzfazilitäten, Baselland Tourismus und ein Bauern-Shop mit einheimischen kulinarischen Produkten. Zu den tragenden Säulen des Betriebs gehören auch die von Gysin gegründete AHV-Ausgleichskasse und die Familienausgleichskasse. Die Kampagnen-Aktivitäten sind in der Tochterfirma "Institut für Wirtschaftsförderung AG" mit dem neckischen Kürzel IWF zusammengefasst. Die Gewerbezentrale betreibt auch den Lehrbetriebsverbund – einen der grössten der Schweiz –, dem 121 Lehrbetriebe und 220 Lehrlinge angeschlossen sind.

In die Liestaler Grammetstrasse ausgelagert sind die umfangreichen Aktivitäten, welche die Umsetzung der flankierenden Massnahmen wie Schwarzarbeits- oder Baustellenkontrolle, die Schweizerischen Kautionsverwaltungsstelle und die paritätischen Tätigkeiten der Sozialpartner betreffen.

Ghostwriter und Hofnarren

Ohne Image-Helfer von aussen hätte Gysin seine Omnipräsenz nicht bewältigen können. Fünf bis sechs Berater stehen ihm rechtlich und publizistisch zur Seite. Der verstorbene rechtskonservative "Trumpf Buur"-Redaktor und EWR-Gegner Hans-Georg Giger und der frühere SPK-Chefredaktor Anton Stadelmann waren seine ersten Ghostwriter. Diese Aufgabe nahmen in den letzen Jahren freie Autoren wie Edi Borer und Peter Amstutz sowie seine Bereichsleiter wahr. Zu seinen Rechtsberatern zählt Martin Wagner, der den im "Haus der Wirtschaft" betreuten regionalen Autogewerbeverband präsidiert und perfekt vernetzt ist. Wagner ist Konzernanwalt der "Basler Zeitung", in deren Verwaltungsrat Gysin sitzt und die Medienpartner von Gysins Verabschiedungs-Party vom 11. September ist, und deren Chefredaktor sich in Gysins "Standpunkt" zur "zentralen Bedeutung der KMUs für die Region" interviewen lassen durfte.

Die Vizedirektoren Markus Meier, der demnächst in die SVP-Landratsfraktion nachrückt, und Urs Berger berichten übereinstimmend, ihr Chef frage "viel und ausgeprägt", er wolle von den Mitarbeitenden kritische und nicht affirmative Meinungen hören und denke "immer schon einen Schritt weiter". Gysin pflichtet bei. Er habe sich stets zwei bis drei Hofnarren ("gute Freunde"), unter ihnen Martin Wagner,  gehalten, die ihm den Spiegel vorhielten, damit er auf dem Boden bleibe.

Dass alles plötzlich anders sein kann, erfuhr Hans Rudolf Gysin nach der Gründung der AHV-Kasse im Jahr 1975, als "ganz schwere psychosomatische Reaktionen" eine therapeutische Behandlung und einen sechswöchigen Aufenthalt in einer Tessiner Klinik erforderlich machten. Dort traf er "Leute, die nicht mehr aus der Depression herauskamen", und dort lernte autogenes Training.

Dany Waldner: Gysins "wandelndes Memo"

Sein Lebenswerk hätte der Durchsetzungs-Stratege wohl nicht ohne die Hilfe eines Mannes im Hintergrund perfektionieren können: seinen Sekretär Dany G. Waldner (56). Er ist der Organisator, der VIP-Chauffeur, das "Mädchen für alles" (wie er sagt), der sichere Termin-Kontrolleur, der Telefon- und Mail-Checker, der perfekte Archivar, das Elefanten-Gedächtnis und wandelnde Memo, der Telefonist und der rollenbewusste Untergebene des Chefs. Zeitungen und Online-Plattformen muss Gysin nicht mehr lesen: Frühmorgens liefert ihm Waldner brandaktuell und elektronisch die Ergebnisse seiner "Medienbeobachtung". Gysin kann sich darauf verlassen, dass Waldner spürt, was er wissen muss.

Politisch, sagt Dany G. Waldner im Gespräch mit OnlineReports, sei er "völlig neutral". Seine Hobbies sind Umweltfragen und Verschwörungstheorien. Seinen Boss, mit dem er auch nach 34 Jahren der Zusammenarbeit immer noch "per Sie" verkehrt, bezeichnet er als "eine Art väterlichen Freund". Als "120-prozentig überzeugter Background-Man" begegne er Gysin und seinem Umfeld mit einer "gesunden Unterwürfigkeit", die er sogleich in "Respektsbezeugung" präzisiert.

Waldner schilderte sodann eine Insider-Perspektive, die stark mit der Aussensicht kontrastiert. Gysin ("er lässt seine Mitarbeiter nicht im Stich") sei ein "echter Patron", der sich in Ombudsfällen auch gegen Mobbing-Opfer und für Witwenansprüche einsetze, der sich "voll und ganz engangiert, wenn ein Mitarbeiter ein Problem hat". Noch nie habe er einen Mitarbeiter wie eine heisse Kartoffel fallen lassen. Er sei diesbezüglich ein Seelenverwandter des verstorbenen Volkstribuns Karl Flubacher, den Gysin auf dessen Wunsch als Nationalrat und Hauseigentümer-Präsident beerbte. Noch heute sei Flubacher, dessen Porträt in der Chefetage hängt, Gysins Vorbild.

Flankierende Massnahmen als Pensions-Job

Am 31. August wird auch die Zeit des Sekretärs im "Haus der Wirtschaft" abgelaufen sein: Der Geheimnisträger wird gleichzeitig mit dem Chef das Büro räumen und dem neuen Direktor Christoph Buser Platz machen. Er werde Gysin aber auch in seiner neuen Funktion als Strategie-Chef der flankierenden Massnahmen und Präsident der neuen Einfachen Gesellschaft "Arbeitsmarkt-Services" (ASM) im "Tenum-Gebäude" an der Liestaler Grammetstrasse "noch ein Zeitlein begleiten dürfen", sagt Waldner. "Das hat mich sehr, sehr gefreut."

Einen Teil des Lohns seines "persönlichen Mitarbeiters", der "verschwiegen wie ein Grab" und "200 Prozent loyal ist", zahlte "der Gysin" (wie er die Ich-Form gern ersetzt) aus seiner privaten Kasse, "weil Herr Waldner auch private Verrichtungen für mich übernahm". Über den Lohn, den Gysin selbst bezog, war bisher nie auch nur gemunkelt worden. Von OnlineReports um eine konkrete Zahl gebeten, zog er lediglich einen Vergleich mit einem Baselbieter Regierungsrat. Ein Insider nannte gegenüber OnlineReports eine Grössenordnung von 300'000 Franken. Dazu kamen Honorare aus verschiedenen Verwaltungsratsmandaten, von denen ein Teil in die Kasse des Arbeitgebers floss. Diese Mandate seien alle durch die Unterschrift von Verbandspräsident Andreas Schneider bewilligt.

Im Bewusstsein, dass er im Glashaus sitzt, ist der ehemalige Handelslehrer auch in seiner privaten Fiskalpolitik vorsichtig. Seine Steuererklärung erstellt ein Treuhänder. "Steueroptimierung Ja, aber im Zweifelsfall nicht, denn ich habe einen Eid auf die Verfassung geschworen." Auch verfügt er über einen notariell beglaubigten Arbeitsvertrag, damit alles seine Ordnung hat. Rund 40'000 Franken seiner jährlichen Nationalrats-Entschädigung gab er seinem Arbeitgeber ab.

Vorsichtig ist Gysin seit 1994 auch am Steuer. Als er damals an einem Abend bis nach Mitternacht in einer Sissacher Gastwirtschaft hängen blieb und sich über die Polizei-Notruf-Nummer 117 ein Taxi nach Pratteln organisieren liess, setzte es einen Medienrummel ab. "Blick": "Das war eindeutig Amtsmissbrauch."

Misserfolge häufen sich

Seit letztes Jahr sein Rücktritt als Direktor bekannt wurde, zeigt seine Erfolgsbilanz Erosions-Erscheinungen. Entlarvend und als Misserfolg für das "System Gysin" endete im Juni seine Kampagne  zur Abstimmung über das umstrittene Entlastungsrahmengesetz: Als Präsident des Ja-Komitees verschickte Gysin an mehrere tausend Empfänger ein Flugblatt, das eine persönliche Botschaft der Kantonsregierung enthielt. Als "Helfer" (wie er sich gern bezeichnet) der Regierung, die die Ablehnung der Vorlage ahnte, verführte er diese juristisch ins Abseits: Die Exekutive habe damit, so urteilte das Kantonsgericht einstimmig auf Beschwerden hin, "verbotene Abstimmungspropaganda" betrieben und die Volksrechte verletzt.

Ungenügend vorbereitet wirkte Gysins Vorgehen gegen die Wiedervereinigung beider Basel. Erst lancierte er eine "Zusammenarbeits-Initiative", die in den Ruch geriet, die Einheit der Materie zu verletzen. Nur gerade zwei Wochen später startete er sicherheitshalber zwei weitere Initiativen, die den Inhalt des ersten Begehrens aufteilten und erweiterten. Nun sagte Gysin gegenüber OnlineReports, er erwäge eine vierte Initiative, die wiederum die Inhalte der Initiativen zwei und drei zusammenfasse.

Als einen "Schuss in den Ofen" bezeichnen Kritiker Gysins Rezepte gegen Strassen-Stau. Ausgerechnet ein Weniger-Staat-Verfechter liess die unnötige Staatsstelle eines Anti-Stau-Beauftragten schaffen: Die langen Staus sind geblieben. Das Public viewing-Stadion der "Euro 08" in Bubendorf, projektiert durch die Wirtschaftskammer, geriet zum millionenteuren Besucher-Flop. Beobachter vermuten, der Gewerbe-General sei in der Phase des Loslösens vom Bundeshaus und "Haus der Wirtschaft" dem Tempo der politischen Dynamik nicht mehr gewachsen und werde flüchtig.

Die Abschieds-Show steht noch bevor

Gysin, der den Begriff "parlament" noch immer in seiner Mail-Adresse führt, sieht das anders. Nach eigenem Bekunden fällt es ihm nicht schwer, nach dem Bundeshaus nun auch das "Haus der Wirtschaft" zu verlassen. Mit Ratschlägen geholfen hat ihm dabei ein befreundeter Coach. Diese Betreuung dringt auch durch, wenn der Demissionierende sagt: "Der Gysin wird sich aus diesem Haus verabschieden und ein halbes Jahr nicht mehr auftauchen. Ich will Christoph Buser und seinen Leuten Gelegenheit geben, aus meinem Schatten zu treten." Seit einem Jahr sei er daran, Buser "den grössten Teil meines Netzwerkes und Knowhows zu übertragen".

Schon an seinem letzten Arbeitstag, am 31. August 2012, wird Hans Rudolf Gysin ausfliegen – nach Wien, mit seiner AHV-Ausgleichskasse. Angst vor dem grossen schwarzen Loch danach hat er nicht: "Mein Netzwerk habe ich nach wie vor."

Dies zeigt sich schon am 11. September, wenn in der St. Jakobs-Halle offiziell das 125-jährige Bestehen der Wirtschaftskammer Baselland im Beisein von 800 Gästen gefeiert wird, unter ihnen Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Die Aufmerksamkeit gilt aber der formellen Verabschiedung des Mannes, der die grossen Auftritte kultivierte und liebte und für sein Gewerbe während 44 Jahren das Beste herausholte: Hans Rudolf Gysin, e. Direktor der Wirtschaftskammer Baselland.

27. August 2012

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"Das Beste für sich selbst herausgeholt"

Hat er wirklich das Beste fürs Baselbieter Gewerbe herausgeholt? Hat er nicht viel eher das Beste für sich selber herausgeholt? Bereits in seinem Studentenjob als Servierboy der SBB hat er sein Gehalt optimiert, in dem er die Kunden um die korrekte Kaffeemenge betrog. Und offenbar ist er noch stolz darauf. Er hat doch durch die Gründung diverser Komitees, Ligas, etc. vor allem dafür geschaut, dass seine Kasse stimmt. Der Wirtschaftsrat war offenbar zu schwach und liess ihn gewähren. Die angeschlossenen Mitglieder sind offenbar zu träge, um hier Einhalt zu gebieten. Erst in letzter Zeit hört man hie und da von etwas Widerstand. Ich habe die Konsequenzen für mich gezogen und bin aus dieser Wirtschafts-Dunkelkammer ausgetreten.


Margareta Bringold, Laufen


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"Das Aussenministerium in der Schweiz hat inzwischen vor Reisen nach Deutschland gewarnt"

BZ Basel
vom 3. September 2018
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Einkäufe in Weil und Lörrach ab sofort unterlassen – Gefahr droht!

Frisch pubertiert

Schein-Stories auf Instagram
RückSpiegel


Die Basler Zeitung geht in ihrem Bericht über den "Spagat der CVP-Präsidentin" Brigitte Müller auf ihre Aussagen im OnlineReports-Interview ein.

Die Basler Zeitung, die Basellandschaftliche Zeitung, Prime News und Telebasel zitierten in ihren Berichten zur Baselbieter CVP aus dem OnlineReports-Interview mit Parteipräsidentin Brigitte Müller.

persoenlich.com erwähnte OnlineReports und seine frühere Praktikantin Valerie Zaslawsky im Zusammenhang mit ihrem Weggang bei der NZZ und ihrem Umzug nach Berlin, wo sie als Freie Journalistin arbeitet.

In seinem Artikel über medienpolitische Entscheide der Wettbewerbskommission erwähnt Rainer Stadler in der NZZ auch OnlineReports.

Roland Stark, Kolumnist der Basler Zeitung, nahm in seinem Text über Meinungsvielfalt auf OnlineReports Bezug.

In der Meldung über das neue Basler Nachrichten-Portal "Prime News" bezogen sich die BZ Basel, Nachrichtenagentur SDA und das Branchenmagazin Persönlich auf OnlineReports.

Das SRF-Regionaljournal bezog sich in seiner Meldung über die Selbst-Vergiftung des Basler Museumsdirektors Michael Kessler auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über den Streit der Basler SVP mit ihrem Grossrat Patrick Hafner über Ausstände bei den Mandatabgaben auf.

Das SRF-Regionaljournal und die Schweiz am Wochenende nahmen auf die OnlineReports-Recherche über den durch die Suva verfügten Baustopp am neuen Werkhof in Sissach Bezug.

Die WochenZeitung verweist darauf, dass textfokussierte Nachrichtenportale wie OnlineReports gemäss dem Entwurf des neuen Bundesgesetzes über elektronische Medien nicht in den Genuss einer Bundesförderung kämen.

20 Minuten
entlarvte die von OnlineReports vermeldete Besetzung des Gewächshauses auf dem Dreispitz-Lok-Depot als Scheinbesetzung.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Bericht über den Rückzug des potenziellen Baselbieter FDP-Regierungs-Kandidaten Daniel Recher Bezug auf OnlineReports.

20 minuten online
bezog sich im Bericht über die Email-Affäre um Joël Thüring auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm in ihrer Meldung über Christian Kellers Abgang bei der "Basler Zeitung" Bezug auf eine vorangegangene Nachricht in OnlineReports.

Barfi.ch
und die Gundeldinger Zeitung zogen die OnlineReports-Meldung über den Velofriedhof am Basler Bahnhof SBB weiter.

Die OnlineReports-Erstnachricht vom Tod des ehemaligen Basler Regierungsrates Lukas "Cheese" Burckhardt wurde von Barfi.ch, der BZ Basel, die Basler Zeitung, vom SRF-Regionaljournal und von der Nachrichtenagentur SDA aufgenommen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zum Urteil gegen den Basler Datenschnüffler-Polizisten auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der 33-jährige FCB-Mittelfeldspieler Geoffroy Serey Die hat den bis zum 30. Juni 2019 laufenden Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert.

• Der 41-jährige Betriebsökonom Daniel Arni, derzeit noch Leiter der Fachstelle Messen und Märkte im Präsidialdepartement, wird ab Dezember neuer Leiter der Basler Allmendverwaltung und Nachfolger von Niklaus Hofmann.

• Die Elektra Baselland (EBL) senkt auch im Jahr 2019 wieder ihre Strompreise, diesmal um 3,1 Prozent.

• Die Basler Kantonalbank eröffnet am 27. August direkt vis-à-vis des Badischen Bahnhofs ihre neue Filiale Rosental, was schon am 25. August gefeiert wird.

• Der FCB-Captain und Innenverteidiger Marek Suchy hat sich am 12. August im Spiel gegen den FC Sion einen Teilriss der Achillessehne am linken Fuss zugezogen und fällt damit für unbestimmte Zeit aus.

• Die Wirtschafts- und Abgabekommission des Grossen Rates unterstützt den "Basler Kompromiss" zur Umsetzung der Steuervorlage 17 und stimmt dem Ratschlag der Regierung mit einer Änderung zu.

• Nach zwei Jahren wechselt in Basel-Stadt das Präsidium der Fraktion "Grünes Bündnis" wieder von "Basta" (Beatrice Messerli) zu den Grünen (Jürg Stöcklin).

Pierre Lavielle, der Präsident des EuroAirport-Verwaltungsrats, ist am 2. August unerwartet gestorben.

• Verschiedene Baselbieter Gemeinden wie Therwil oder Gelterkinden haben aufgrund der Trockenheit ein totales Verbot des Abbrennens von jeglichen Feuerwerkskörpern (Raketen, Vulkane, Heuler usw.) erlassen, bevor auch der Kantonale Krisenstab ein generelles Verbot aussprach.

• Der Riehener CVP-Einwohnerrat Patrick Huber tritt von seinem Amt als Vizepräsident der Basler CVP und als Leiter der Arbeitsgruppe Wirtschaft auf Ende Juli zurück.

Patrick Huber wird im August neuer Geschäftsführer der Basler Bankenvereinigung (BBVg) als Nachfolger von Raphael Vannoni.
 
"Parterre Basel" ist die neue Pächterin des Basler Konzertlokals "Atlantis" am Klosterberg.

Ueli O. Kräuchi, Geschäftsführer des Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG), gibt die Leitung der VBLG-Geschäftsstelle per 31. März 2019 altershalber ab.

• Das Bürgerspital Basel übernimmt per 1. Januar 2019 die Spektrum Werkstätte für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel.

• Die Gewerkschaft Unia hat am 4. Juli 2'300 Unterschriften für das Referendum gegen längere Ladenöffnungszeiten eingereicht.

• Der Basler Gewerbeverband reichte zusammen mit den Parteien FDP und SVP, der "IG Lysbüchel" sowie verschiedenen Branchenverbänden das Referendum "gegen die Fehlplanung Lysbüchel" mit 2'972 Unterschriften ein.

Dominique Tellenbach, bisheriger Direktor der Berufsfachschule Basel, wird ab 1. Februar 2019 neuer Rektor der beiden Gewerblich-industriellen Berufsfachschulen Liestal und Muttenz.

Alexander Lenzlinger wird ab 1. August neuer Finanzchef der IWB und Nachfolger von Michael Ackermann, der eine längere berufliche Auszeit nimmt.

• Die Grünen Baselland folgten dem Vorstand und nominierten Isaac Reber für die Regierungsratswahlen 2019 (dritte Amtsperiode).

• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.