Sarah Bühler: "Und übrigens ..."

<< [ 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | (...) | 27 ] >>

Neujahrsvorsätze: Bitte nicht Joggen

Sieben Kilo abnehmen! Mehr Zeit für mich selber, mir ab und zu etwas Gutes tun. Mehr Bio essen. Weniger Zeit auf "Facebook" verbringen, dafür mehr im Wald spazieren. Generell mehr Sport machen. Nur noch ein Bier pro Woche trinken, nie mehr rauchen. Mich im Job besser durchsetzen, dann hoffentlich mehr verdienen. An mich glauben, meine Ziele vor Augen haben, meine Träume verwirklichen, und so weiter.

Die Zeit der Neujahrsvorsätze ist absolut unerträglich. Nicht weil ohnehin kaum eines dieser rührenden Vorhaben den verkaterten ersten Tag im neuen Jahr überdauert. Das Schlimme ist vielmehr: Unsere Sehnsucht nach Selbstoptimierung erreicht ausgerechnet jetzt ihren Höhepunkt. Es wird auf allen Kanälen verkündet, dass man im neuen Jahr hart sein wolle mit sich selber – für sich selber.

Noch etwas mehr "performen", weiter "pushen", insgesamt gesünder, erfolgreicher und vor allem schöner werden. Kurz nach Weihnachten, dem Fest der Familie, des Nichtstuns, der Geschenke, der Unvernunft und manchmal etwas Völlerei, muss der Selbst-Manager anscheinend besonders gründlich durchgreifen. Jetzt sollen die Sünden der vergangenen Festtage gesühnt werden.

Diese Einstellung ist unsinnig, weil sie egoistisch ist. Unter dem Deckmantel christlicher Moralbegriffe wie Schuld, Leid und Sühne plötzlich ins Fitness-Studio zu pilgern, zielt an der Sache vorbei, vor allem wenn die "workouts" laut verkündet und mit Fotos auf Social media dokumentiert werden. Wenn sich alle zu Beginn eines neuen Jahres vornehmen, sich selbst in ihren eigenen Interessen zu verbessern, dann haben wir ein Problem.


"Warum schlägt eigentlich niemand vor,
die Steuern im Baselbiet zu erhöhen?"



E
rstens bedeutet das nämlich, dass wir glauben, es sei ausschliesslich in unserem persönlichen Interesse, noch etwas fleissiger, schneller und konformer zu werden. Das stimmt aber nicht. Krankenkassen sind heilfroh, wenn wir mehr Sport machen, weniger Kranke bedeuten mehr Gewinn. Auch Arbeitgeber freuen sich über strebsame, konforme Mitarbeiter – sie sind der Schlüssel zu mehr Umsatz.

Zweitens bedeuten solche Neujahrsvorsätze, dass sich alle brav auf sich selbst konzentrieren möchten, aber niemand auf die Gesellschaft. Und hier liegt das Hauptproblem: Es ist nicht besonders schwierig, etwas für sich selbst zu tun. Natürlich braucht es Überwindung, im Winter joggen zu gehen. Aber ganz im Ernst: Verdienen wirklich diejenigen, die am effizientesten sind, am wenigsten Schlaf brauchen und noch weniger essen, unsere grösste Bewunderung?

Es gäbe, finde ich, bessere Vorsätze. Mehr Widerspruch leisten zum Beispiel. Man könnte sich doch vornehmen, im Jahr 2018 einzugreifen, wenn man nicht mehr einverstanden ist. Die Stimme für eine Sache, ein Gefühl, oder eine Person zu erheben, die sonst wenig Gehör finden.

Gesellschaftlicher Widerspruch beginnt meistens im Kleinen, indem man beispielsweise in Diskussionen mit Freunden einen unbeliebten Standpunkt vertritt. Wenn ein Mitarbeiter andere Kollegen unmöglich behandelt, oder die Chefin eindeutig zu viele Überstunden fordert. Schüler und Studenten könnten ihren Lehrern und Professorinnen widersprechen, statt deren Meinungen möglichst perfekt auswendig zu lernen.

Wissenschaftlerinnen könnten sich öffentlich gegen "fake news" positionieren, statt sich heimlich zu ärgern. Politiker unbequeme Vorschläge machen, statt auf möglichst viel Gegenliebe zu hoffen. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Warum schlägt eigentlich niemand ernsthaft vor, die Steuern im Baselbiet endlich zu erhöhen? Schulen, die Universität, Kultur, Züge und Strassen wären dann auf ihrem gewohnt hohen Niveau finanziert.

Ein solcher Vorschlag würde zwar Streit provozieren, und das ist unangenehmer als die Vorstellung, künftig etwas mehr Sport zu machen. Aber es würde im 2018 so viel interessanter.

Frohes neues Jahr!

8. Januar 2018
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Sarah Bühler, geboren 1988, studierte Geschichte an der Universität Basel, an der sie bis August 2016 einen Lehrauftrag innehatte. Sie schreibt derzeit ihre Dissertation zum Ende des Römischen Reiches an der Universität Tübingen. Aufgewachsen in Gelterkinden präsidierte sie bis 2015 die lokale Sektion der Grünen Baselland. Sarah Bühler lebt inzwischen in Tübingen und Strassburg. Seither beschränkt sich ihre politische Aktivität auf die Beobachtung der gesellschaftlichen Entwicklung der Schweiz.

sarah.buehler@unibas.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

RückSpiegel


In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Der Basler Zeitung fiel in einem Leserbrief in OnlineReports auf, dass der frühere Baselbieter Polizeisprecher auf der SVP-Liste für den Landrat kandidiert.

Telebasel, nau.ch und 20 Minuten bezogen sich in ihren Beiträgen über Sachbeschädigungen gegen die Jüdische Genossenschafts-Metzgerei auf OnlineReports.

Im Interview mit Claudia Sigel geht die Basler Zeitung auf eine Aussage der Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller in einem OnlineReports-Interview ein.

In ihrem Bericht über das Ja der Wettbewerbs-Kommission zur Übernahme der "Basler Zeitung" durch Tamedia erwähnt die NZZ auch OnlineReports.

Die BZ Basel, Telebasel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-Nachricht vom Tod der FCB-Legende Peter Ramseier auf.

Prime News geht in ihrem Überblick über die Perspektiven des Medienplatzes Basel auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung geht in ihrem Bericht über den "Spagat der CVP-Präsidentin" Brigitte Müller auf ihre Aussagen im OnlineReports-Interview ein.

Die Basler Zeitung, die Basellandschaftliche Zeitung, Prime News und Telebasel zitierten in ihren Berichten zur Baselbieter CVP aus dem OnlineReports-Interview mit Parteipräsidentin Brigitte Müller.

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Er nimmts mit einem Lächeln"

BZ Basel
vom 23. Januar 2019
über die Verurteilung von
Cristiano Ronaldo zu
18,8 Millionen Euro
wegen Steuerbetrugs
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das sind die Götter der heutigen Zeit.

In einem Satz


• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.

Titus Hell ist als Nachfolger von David Pavlu zum neuen Präsidenten der Jungfreisinnigen Basel-Stadt (JFBS) gewählt worden.

Anna Ott gibt das Amt als Vizepräsidentin der Grünen Baselland aufgrund ihres Masterstudiums in Nordeuropa ab; eine Nachfolge steht noch nicht fest.

• Das von der Fondation Franz Weber massgeblich unterstützte Referendum gegen ein Ozeanium auf der Basler "Heuwaage" ist mit 4'649 Unterschriften zustande gekommen.

• Der Reinacher Gemeinderat hat beschlossen, ab Februar 2019 mit einem neuen TV-Sendeformat zu starten, das wöchentliche Fernsehsendungen mit Inhalten aus Gemeinde und Vereinen bietet.

• Der Basler "Basta"-Grossrat Daniel Spirgi tritt per 12. Februar 2019 nach nur zweieinhalb Jahren aus dem Kantonsparlament zurück, der Grüne Jérôme Thiriet rückt nach.

Henriette Götz wird am 1. Mai 2019 die Nachfolge von Danièle Gross als Kaufmännische Direktorin am Theater Basel antreten.

• Mit 12'673 Studierenden und Doktorierenden, die sich im Herbstsemester 2018 für ein Studium an der Universität Basel eingeschrieben haben, ist die Gesamtzahl der Studierenden im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen.

• Der EuroAirport begrüsste am 4. Dezember seinen 8 Millionsten Passagier und erzielte damit die höchste Jahres-Frequenz seit Gründung im Jahr 1946.

Erik Rummer (48) ist seit 2002 bei den IWB, seit 2016 als Leiter Public Relations, übernimmt auf Jahresbeginn die Leitung des Bereichs Kommunikation & Marketing und folgt damit auf Lars Knuchel, der sich selbstständig macht.

• Die Baselbieter Regierung will bei der Staatssteuer den Vergütungszins für das Jahr 2019 bei 0,2 Prozent belassen, ebenso bleibt der Verzugszins bei 6 Prozent.

• Die Bau- und Raumplanungs-Kommission des Basler Grossen Rates spricht sich für den Neubau von Staatsarchiv und Naturhistorischem Museum im St. Johann-Quartier aus.

Matthias Gysin, heute Verwaltungsleiter in der Gemeinde Aesch, wird ab 1. April 2019 neuer Geschäftsführer des "Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden" (VBLG) und Nachfolger von Ueli O. Kräuchi.

• Das Projekt eines Ozeaniums des Basler Zoos hat mit starkem Wellengang zu kämpfen: Das gegnerische Komitee reichte fast 5'000 Referendums-Unterschriften ein, wodurch es zu einer Volksabstimmung kommen wird.

Yvette Harder wird per 18. März 2019 neue Generalsekretärin des Basler Finanzdepartements und damit Nachfolgerin von Alexandra Schilling, die in die Kommandoabteilung der Kantonspolizei wechselte.

• Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli übernahm an der ordentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins Universität Basel von Jean-Luc Nordmann das Präsidium.