© Visualisierung by Herzog & de Meuron / Hoffmann-La Roche
"Demokratische Debatte fehlt": Geplantes Hochhaus-Konglomerat von Roche

Hochhaus-Debatte (I): "Zerstörung kann sehr anregend sein"

Gastkommentar: Stararchitekten realisieren unangefochten ihre Projekte – dabei wäre eine öffentliche Debatte dringend nötig


Von Albert M. Debrunner


Der erste Roche-Tower hat die Skyline Basels verändert wie kein Bauwerk zuvor. Sein Zwilling wird diese Veränderung im wahrsten Sinne des Wortes zementieren. Weitere Türme sind im Bau oder in Planung. Das über Jahrhunderte gewachsene Stadtbild verschwindet aus dem Blickfeld. Das Neue stellt das Alte in den Schatten.

Der Stararchitekt Rem Koolhaas sagte in einem Interview mit einer deutschen Zeitschrift: "Zerstörung kann sehr anregend sein." Rem Koolhaas wurde 1944 in Rotterdam geboren. Vier Jahre zuvor hatte die deutsche Luftwaffe die Stadt nahezu vollkommen zerstört. Nach dem Krieg wurde Rotterdam nicht wiederaufgebaut, sondern durch eine komplett neue Stadt an derselben Stelle ersetzt. Sogar die alten Wasser- und Stromleitungen wurden ausgegraben, um wirklich ganz neu beginnen zu können.

Heute ist Rotterdam eine Stadt, die das Herz jedes Modernisten höher schlagen lässt, etwa das des deutschen Schriftstellers Norbert Hummelt: "... die dauernden Reminiszenzen, die sonst zu meiner Art Wahrnehmung gehören, haben in Rotterdam Totalausfall: Ich bin an einem neuen Ort, irgendwo auf dem Globus und in naher Zukunft, und es fühlt sich gut an." Auch die Einheimischen, so Hummelt, vermissten den alten Zustand Rotterdams, die verwinkelte, historisch gewachsene Stadt, nicht, und seine niederländischen Kollegen liebten "an Rotterdam gerade die Absenz von Holzschuhen, die Aufbruchstimmung und den befreienden Wind der Moderne."

Ein neuer Ort, irgendwo auf dem Globus: Rotterdam ist überall und nirgends. Seine Identität ist austauschbar. Carl Fingerhut, dem ehemaligen Kantonsbaumeister von Basel-Stadt zufolge ist das die Signatur der Globalisierung: "Das Spezifische des Ortes wird aufgegeben." An seine Stelle tritt ein urbanes Erscheinungsbild, das nichts mit den Menschen, die die neuen Städte bewohnen, nichts mit ihrer Kultur, und vor allem nichts mit ihrer Geschichte zu tun hat.


"Ohne das Auslöschen des Alten
ist das Neue nicht zu haben."



D
ie ideale Stadt der Moderne ist ort- und zeitlos. Ihr Gesicht wird nicht von einer Summe von Ideen bestimmt, nicht von den Vorstellungen vieler, sondern von den Konzepten einzelner, die auf die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft so viel Einfluss ausüben, dass sie sich durchsetzen können, ohne auf Widerstand zu stossen. Die Stadt der Moderne verdankt ihre Entstehung nicht demokratischen Prozessen, sie widerspiegelt nicht den Willen der Bevölkerung, sondern ist ein ideologisches Konstrukt. Sie ist der Glas, Stahl und Beton gewordene Ausdruck einer Weltanschauung.

Auf die Frage, warum er seinen Beruf ergriffen habe, antwortete Rem Koolhaas: "Mein Grund, Architekt zu werden war (...) die Faszination für die grüne Stadt der Sowjetmoderne und die utopischen Entwürfe zur Auflösung Moskaus."

Damit sprach er offen aus, dass am Anfang seiner Laufbahn als Architekt seine Begeisterung für architektonische Riesenprojekte stand, die sich nur verwirklichen liessen, wenn für sie durch die Zerstörung des Bestehenden Platz geschaffen wurde. Vorraussetzung für die Umsetzung von Plänen wie dem von der totalen Neugestaltung Moskaus, von der die sowjetischen Machthaber träumten, ist die tabula rasa, die leergeräumte Fläche. Ohne die tabula rasa, das Auslöschen des Alten, ist das Neue nicht zu haben.

1936, nach der Eroberung Addis Abebas, bot Le Corbusier Mussolini an, die alte Kapitale Aethiopiens in eine faschistische Kolonialhauptstadt zu verwandeln. Die niederländische Architekturhistorikerin Rix Woudstra weist darauf hin, dass die erhaltenen Skizzen Le Corbusiers Addis Abeba wortwörtlich als tabula rasa zeigen. Auf Le Corbusiers Plan seien alle Spuren von menschlicher Präsenz und Jahrhunderten urbaner Kultur getilgt. Le Corbusier schrieb Mussolini, sein Ziel sei es, eine Stadt zu bauen, die den Eindruck erwecke, "die Kolonie sei ein Raum ohne Zeit, und deshalb ohne Geschichte, und ohne besondere geographische Bedeutung".


"'Erneuerung, Reinemachen, Säuberung'
blieben die gültigen Parolen."



A
ls Pétain nach der militärischen Niederlage vom Frühling 1940 in Frankreich die "nationale Revolution" ausrief, was so viel bedeutete wie das Ziel zu verfolgen, Frankreich den Vorstellungen des Siegers anzupassen, begrüsste Le Corbusier die einschneidenden Veränderungen als notwendige "Erneuerung, Reinemachen, Säuberung". Er sah im Zusammenbruch der Dritten Republik die Chance, das Alte hinwegzufegen und bei Null anfangen zu können. Adolf Hitler sagte 1945 angesichts der Zerstörung Berlins durch alliierte Bomber zu Albert Speer, diese habe auch ihre gute Seite: Man müsse später weniger abreissen, um die neue Reichshauptstadt "Germania" zu bauen.

Albert Speer hatte bereits 1943 einen "Arbeitsstab für den Wiederaufbau bombenzerstörter Städte" gebildet, dessen modernistische Pläne nach dem Krieg dem faktischen Neubau vieler deutscher Städte zu Grunde lagen. Kaum jemand störte sich daran, dass diese von nationalsozialistischen Architekten entworfenen Pläne vom Konzept der tabula rasa ausgingen. "Erneuerung, Reinemachen, Säuberung" blieben die gültigen Parolen.

Was den Faschisten Le Corbusier, den Nationalsozialisten Albert Speer und den Stararchitekten Rem Koolhaas verbindet, ist die Überzeugung, dass das Gewordene den Ansprüchen einer neuen Zeit nicht gerecht werden könne, da diese radikal anders als das Gestern sei, oder um es mit Rem Koolhaas zu sagen: "Die Vergangenheit ist zu klein, um darin zu wohnen." Das Neue braucht Raum. Ist dieser erst einmal geschaffen, zum Beispiel durch einen Bombenkrieg wie im Falle Rotterdams, kann er neu und anders besetzt werden.

Gemeinsam ist den architektonischen Träumen Le Corbusiers und Speers, dass sie jedes bisherige Mass sprengen. Auf die Frage, was denn das genuin Nationalsozialistische seiner Architektur ausmache, antwortete Albert Speer 1970, es sei der unmenschliche Massstab, mit der sie operiere. Rem Koolhaas entwickelte in den neunziger Jahren das Konzept der "XL-Architektur".

Gleichsam als Illustration dafür, was er unter diesem Begriff verstand, zeichnete er einen Plan für ein gigantisches multifunktionales Hochhaus, das in der Folge auch tatsächlich gebaut wurde. "De Rotterdam" heisst dieses Gebäude, das seit seiner Vollendung im Jahr 2013 alles bisher in den Niederlanden Gebaute in den Schatten stellt. Rem Koolhaas nannte sein Hochhaus eine "vertikale Stadt". Die neue, vertikale Stadt tritt an die Stelle der alten, horizontalen: Aus "Rotterdam" wird "De Rotterdam". Der bestimmte Artikel bringt zum Ausdruck, dass hier nicht Heterogenität sondern Homogenität angestrebt wurde. Was in Rotterdam in den Himmel ragt, ist der Wille eines Einzelnen, der den Rest der Stadt flachlegt."


"Während 'De Rotterdam' die Stadt ersetzt,
ignoriert der 'Roche Tower' sie."



I
n Basel, einer der Partnerstädte Rotterdams, steht das höchste Gebäude der Schweiz, der "Roche Tower", ein Werk von Herzog & de Meuron, dem international renommiertesten Architekturbüro der Schweiz. Jacques Herzog und Pierre de Meuron haben mit diesem 178 Meter hohen Büroturm ihrer Heimatstadt ebenso einen Stempel aufgedrückt wie Rem Koolhaas mit "De Rotterdam" dem Ort seiner Geburt. Der "Roche Tower" dominiert die Stadt Basel. Er manifestiert sowohl die ökonomische Potenz des Unternehmens F. Hoffmann-La Roche AG als auch den Sichtbarkeitsanspruch, den das Architektenduo Herzog & de Meuron von je her für seine Bauten erhob. Man denke nur an die Kontroverse um das Dach des Basler Museums der Kulturen.

Während "De Rotterdam" die Stadt ersetzt, ignoriert der "Roche Tower" sie. Er nimmt in keiner Weise Rücksicht auf das architektonische Umfeld, in dem er steht. Darin gleicht er dem neuen Hochhaus der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main, einem weiteren gigantischen Bau, der nach Aussage seines Architekten Wolf D. Prix ein "dreidimensionales Zeichen" ist, das "Europa eine Identität verleiht": So sieht das neue Europa aus.

Die Journalistin Corinne Elsesser schrieb nach der Einweihung des neuen Hochhauses der EZB, das Gebäude sprenge "jede Massstäblichkeit der Umgebung. Formale Bezugnahmen sucht man vergebens. [...] Das Zeichen, das man hier setzen wollte, verweist im Grunde nur auf sich selbst." Dies lässt sich auch über "De Rotterdam" und den "Roche Tower" sagen. In ihrer wortwörtlichen Masslosigkeit sind diese Bauten beliebig, sie könnten, um noch einmal Norbert Hummelt zu zitieren, "irgendwo auf dem Globus" stehen, sie nehmen keine Rücksicht, wie Carl Fingerhuth es formulierte, auf "das Spezifische des Ortes".

Positiv formuliert sind sie Bauten des Globalismus, negativ betrachtet sind sie Manifestationen eines Kulturimperialismus, der den Rückgriff auf eine totalitäre Ideologie wie den Nationalsozialismus oder den Sowjet-Kommunismus nicht einmal mehr nötig hat, sondern sich ebenso selbst genügt wie die Architektur, die er hervorbringt. Die der modernen Architektur inhärente Ideologie des stets Neuen, des ewigen Frühlings, kommt dennoch den genannten verheerenden Weltanschauungen viel näher, als ihren Exponenten vielleicht bewusst ist.


"Die Stadt Basel
gehört keinem Konzern."



E
ine demokratische Debatte über die städtebauliche Entwicklung fehlt in Basel weitgehend. Dabei wäre eine solche schon allein deshalb wünschenswert, weil es in einer Demokratie nicht sein darf, dass die Gestaltung des öffentlichen Raums diskussionslos der Privatwirtschaft überlassen wird. Die Stadt Basel gehört keinem Konzern. Sie ist der Besitz des Souveräns und dieser sollte das letzte Wort darüber haben, wie Basel aussehen soll.

Doch Pläne für Hochhäuser und andere Grossbauten stiessen während der letzten zwei Jahrzehnte in Basel kaum auf politischen Widerstand. Niemand wollte sich dem Verdacht aussetzen, von gestern zu sein und sich nicht auf die schöne neue Welt zu freuen, die am Rheinknie entsteht. Aus lauter Angst vor drohendem Wohlstandsverlust getraute man sich nicht, ästhetische Bedenken zu äussern oder dem offensichtlichen Gigantismus der Unternehmen das der Humanistenstadt Basel anstehende menschliche Mass entgegenzuhalten.

Der von der Architektengemeinschaft Morger Degelo Marques entworfene Messeturm konnte  problemlos realisiert werden. Von 128 Grossrätinnen und Grossräten sagten lediglich drei nein zum ersten „Roche Tower“, der zweite wurde ebenfalls durchgewinkt. Die Volksabstimmung über den "Claraturm" von Morger + Dettli Architekten fiel zu Gunsten des Projekts aus. Kurzum: In Basel darf gebaut werden.

Eine Schwierigkeit bleibt jedoch bestehen: Der fehlende Platz. Basel konnte sich wegen seiner doppelten Grenzlage zwischen Deutschland und Frankreich nicht unbeschränkt ausdehnen. Ausserdem wurde Basel vom Krieg verschont, so dass ein konsequenter Modernismus wie in Rotterdam undenkbar war und ist.

Im Kleinen, und mittlerweile zunehmend auch im Grossen, liess sich trotzdem etwas machen. Was in Rotterdam die Luftwaffe fertigbrachte, erledigten in der Schweiz Abbruchunternehmen. Jacques Herzog brachte es mit der ihm eigenen Gabe zur präzisen Formulierung auf den Punkt: "Die Schweiz hat sich in den 60er- und 70er-Jahren selbst zerbombt." Damals konnten zur Freude aller Modernisten noch ganze mittelalterliche Strassenzüge abgerissen werden.


"Der 'Goldene Sternen'
wurde ballenbergmässig in seine
Einzelteile zerlegt."



I
n Basel wurde die Denkmalpflege vor die Wahl gestellt, ob sie die linke oder die rechte Seite der Aeschenvorstadt erhalten wolle. Ein mittelalterlicher Gasthof, der "Goldene Sternen", wurde ballenbergmässig in seine Einzelteile zerlegt und am Rhein wiederaufgebaut. Ein Disneyland-Gebäude für Touristen trat an die Stelle der historisch gewachsenen Wirklichkeit. Heute sind grossflächige Aktionen wie der Abriss der alten Aeschenvorstadt nicht mehr opportun. Also schreitet die Zerstörung punktuell fort. In Rotterdam legten die deutschen Bomber in 14 Minuten eine Fläche von 2,6 Quadratkilometer frei. In Basel geben sich Architekten schon mit Parzellen von 72 Quadratmeter zufrieden, solange sie auf ihnen ihre Pläne realisieren können, Hauptsache tabula rasa.

Buchner Bründler Architekten, deren Arbeit Jacques Herzog zu den zur Zeit "interessantesten 'jüngeren' Positionen der Schweiz" zählt, bauten 2012 im Unteren Kleinbasel, einem Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Quartier, ein Zweifamilienhaus, das von der Fachpresse in den höchsten Tönen gelobt wurde. Errichtet wurde es laut Website des Architekturbüros "in der 6m schmalen Baulücke eines ehemaligen Einfamilienhauses aus dem Jahre 1870".

Worüber die Website sich ausschweigt, ist die Enstehung der Baulücke. Trotz massiven Protesten der Anwohnerschaft, immerhin tausend Unterschriften kamen zusammen, liess die Bauherrschaft des von Buchner Bründler Architekten entworfenen Zweifamilienhauses ein intaktes, bewohnbares Haus aus den Anfangsjahren des Quartiers abreissen, um Platz für einen Beton-Turm zu schaffen.

Einer der letzten architektonischen Zeugen der Geschichte des Quartiers wurde weggeräumt, um einem modernistischen Vorzeigeobjekt Platz zu machen. Die Zeitschrift "Hochparterre" schrieb geradezu hämisch, der Neubau lasse die ihn flankierenden alten Häuser anachronistisch wirken.

In der Tat wirken die beiden Häuser mit ihren romantischen Gärten und der Patina von über hundert Jahren Leben, das in ihnen schon stattgefunden hat, fremd neben dem Turm, auf dessen Dach sich gut eine Fliegerabwehrkanone platzieren liesse. Dies dürfte indes nicht nötig sein. Bombergeschwader hat Basel zum Glück keine zu befürchten, ihre Arbeit erledigen heute Architekten.

red. Eine Interview-Anfrage im Sinne einer Replik hat Architekt Jacques Herzog positiv beantwortet. Der Termin steht noch aus. Es dürfte Dezember werden.

24. August 2016

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Der Autor




Albert M. Debrunner, geboren 1964, Lehrer am Basler Gymnasium Bäumlihof und Literaturvermittler, hat Englisch, Deutsch und Philiosophie studiert und interessiert sich für die Geschichte und Kultur der Stadt und Regio Basel. Er ist Autor mehrer Bücher, darunter "Literarische Spaziergänge durch Basel". Der Erhalt historischer Baudenkmäler und die Sorge um ein harmonisches Stadtbild sind ihm ein persönliches Anliegen. Er wohnt mitten in der Stadt im Unteren Kleinbasel.


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"Konstruktion geometrischer Ameisenhaufen"

Alle von A.M. Debrunner genannten Architekten outen sich auf ihre Weise als eigentliche Anarchisten: Altes zerstören um Neues zu schaffen. Gerne sehen sich manche Konstrukteure als Erschaffer schöner, neuer Welten, als Schöpferhalbgötter. Speer und Le Corbusier stellten ihre Kreativität gleichzeitig in den Dienst megalomaner Diktaturen.

Heute geht der Trend vor allem zur Konstruktion geometrischer Ameisenhaufen aus Stahl und Glas für menschliche Krabbeltiere. Dem sagt man glaub ich "verdichtet bauen".

Zugegeben, es gibt ein Platzproblem in manchen Ballungszentren. Doch vielleicht löst sich alles in absehbarer Zukunft von selbst duch irgendeine globale Katastrophe. Falls ein Teil der Menschheit diese überleben sollte, landen die humanoiden Ameisen erst mal wieder in Höhlen oder auf Bäumen.


Esther Murbach, Basel



"Roche schiebt sich in Wohngebiete vor"

Herr Waldner, das architektonische Umfeld der Rochetürme mag nicht über alle Zweifel erhaben sein. Allerdings besitzen die Bewohner dieses Umfelds ihren Boden und ihr Wohneigentum seit Jahrzehnten, schon vor der Roche. Sie leben in einem kleinbaslerischen Dorfgeist mit Nachbarschaftshilfe und gegenseitiger Rücksichtsnahme.

Roche mit seinen neuen Bürotürmen ist bei der Weiterentwicklung des Quartiers durchaus willkommen. Sie hat allerdings das Pech, über keinen eigentlichen Campus zu verfügen. Dies gibt ihr aber nicht das Recht, sich krakengleich in bisherige Wohngebiete vorzuschieben, eine Einstellhalle für 700 Pendler am Bahndamm zu errichten (wo ohnehin durch die Güterzüge eine erhöhte Gefahrenlage herrscht und wo solche Bauten eigentlich verboten sind) oder mitten in der Wettsteinallee und Grenzacherstrasse (Allmend) Garagenausfahrten zu bauen. Hier darf ein zugegeben guter Steuerzahler ein ganzes Quartier zerstören. Nicht "nur" Lehrer, wie Herr Waldner anführt, haben mit einer solchen Entwicklung Mühe.


Peter Bächle, Basel



"Die Spitze des Eisbergs"

Die Hochhäuser widerspiegeln die Spitze des Eisbergs. Darunter gibt es die Tausendschaften von Crèmeschnittenbauten mit Aquariumsfenstern, in denen sich Goldfische tummeln. Es gibt Basler Büros, welche für eine geschichtslose Klientel Klötze hinstellen und dafür gut gebaute, stimmungsvolle und sogar bezahlbare Baumeister-Architekturen der Vormoderne mit hohem Lebens- und Wohnwert den Garaus machen.

So geschehen zum Beispiel am Waldeckweg in Binningen, beim Bahnhof in Aesch oder beim Kraftwerk in Birsfelden. Die zunehmende Wucherung dieser Komfortkisten ist nicht aufzuhalten. Investoren lieben solche Projekte. Die Architekturen verfolgen keinen anderen Zweck, als "an bester Lage" und unter dem Motto "Traumwohnung" Flachbildschirme und Autos mit Beton und Glas einzufassen und mit irgendwelchen herbeizitierten Designerideen zu kaschieren.

Zugsfahrten zwischen Basel, Zürich, Luzern und Bern verschaffen höchst anregende Bildungsfahrten auf diesem Gebiet. Was dem Stadtbasler sein Hochhaus, das ist dem Landmann sein Südhang. Verkrümmte Balkongeländer und Knicke der Trennwände in der neuen Überbauung beim Bahnhof Aesch sind ein herrliches Beispiel für das angestrengte Suchen nach Aufmerksamkeit in den Architektur-Pornoheftchen.

Solche Überbauungen auf CAD-Basis verbetonieren gewachsene Orte, Gärten, handwerklich einwandfrei gemachte Häuser, die klug proportioniert sind und richtig stehen. Neubauten lassen viele Orte zunehmend anonym und trostlos erscheinen. Es zeigt sich in vielen Projekten vor allem in der Agglomeration der wohlfeile, aber infantile Narzissmus von Bauherrschaften und Architekten, die tatsächlich daran glauben, damit einen Beitrag für eine schöne neue Welt abzuliefern.

Merken die denn nicht, dass sich diese zunehmend verkrümelnd davonschleicht? Aber ja, man guckt doch meistens auf sein Smartphone!


Stephan Tramèr, Basel



"Konzerne sind keine Bau-Diktatoren"

Im Grund hat er durchaus Recht – eine öffentliche Debatte kann nie schaden. Allerdings tatsächlich nur über "Hochhäuser"? Die Frage heutzutage lautet ja nicht, ob Hochhäuser ja oder nein, vielmehr wo; und selbstverständlich dann auch, wie sie beispielsweise an den Verkehr angeschlossen werden sollen.

Für einen Lehrer typische Sätze wie "Die Stadt Basel gehört keinem Konzern" unterstellt, dass jetzt böse Konzerne – die "Basel" natürlich weder braucht noch will – als Bau-Diktatoren auftreten. Dem ist nicht so, zumal "die Humanistenstadt Basel" auch räumlich weit entfernt von dem Ort stand, an dem sich die Roche ansiedelte; ja eigentlich sowieso nur auf der anderen Seite des Rheins steht.

Das "architektonische Umfeld", in dem der "Roche-Tower" steht, ist sicher ganz nett, aber bestimmt historisch nicht dermassen hochstehend oder wertvoll, um einem der grössten Arbeitgeber unserer Region deswegen Rücksichtslosigkeit vorzuwerfen. Basel kann sich auch nur solcher Arbeitgeber wegen leisten, Schrebergärten dem Bau von Hochhäusern an für diese durchaus geeigneten Orten vorzuziehen.


Peter Waldner, Basel


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Frisch pubertiert

Luxusproblem "Motz-Kultur"
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"Regula Rytz ist somit der*die einzige Bundesratskandidat*in, welche sich klar hinter die Forderungen der Klimastreik-Bewegung stellt."

Dominik Waser
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in einem Communiqué
vom 6. Dezember 2019
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