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Gastgeber Edi Belser, Prospektausriss: Akquisiteure zu Gast in der Jagd- und Fischereiverwaltung

Mit Edi Belsers freundlicher Empfehlung

Merkwürdige Baselbieter Staats-Privilegien für Pariser Verlagshaus


Von Peter Knechtli


Der Baselbieter Wirtschaftsminister Edi Belser liess sich in das Geschäft einer Pariser Privatfirma einspannen - bis hin zum Gastrecht in einem staatlichen Verwaltungsgebäude.


Die Pariser Verlagsfirma "SARL Média Presse", domiziliert an der mondänen Champs-Elysées, kann sich glücklich schätzen: Ihr Projekt einer "Revue Kanton Basel-Landschaft" trägt die grosszügige Schirm- und Schutzherrschaft des Baselbieter Volkswirtschaftsdirektors Edi Belser. Die "Revue" (Untertitel: "Das Europa der Regionen") ist ein Hochglanz-Serienprodukt, das die französischen Verleger schon für andere Kantone wie Bern, Freiburg und Neuenburg produzieren liessen. Die Baselbieter Version soll zweisprachig und in einer Auflage von 20'000 Exemplaren gratis gestreut werden - vom Europaparlament bis zu Schweizer Bundesstellen. Kommerziell interessant daran: Die Farbanzeigen zum Preis zwischen 3'750 und 25'000 Franken, mit denen sich im Kanton ansässige Industriefirmen, aber auch OeV-Betriebe und selbst staatliche Spitäler präsentieren sollen. Regierungs-Brief als Blanko-Empfehlung Auf ihrer Akquisitionstour legten die französischen Anzeigenbeschaffer den potentiellen Kunden auch einen Brief vor, den Edi Belser am 7. März 1997 als "Regierungspräsident" unterschrieben und an die Firma in der französischen Metropole adressiert hatte: "Mit diesem Schreiben empfehlen wir deshalb den Ansprechpartnern im Kanton Basel-Landschaft, den Anliegen der SARL Média Presse, Paris, ein entsprechendes Interesse entgegenzubringen." Pikant daran: Der französische Adressat im Briefkopf war wegretouchiert, so dass Belsers Brief möglichen Anzeigekunden wie eine Blanko-Empfehlung erschien. Von der regierungspräsidialen Referenz war Urs Häner, Direktor der Autobus AG Liestal, jedenfalls so beindruckt, dass er eine Anzeige buchte. "Sonst", räumt er heute ein, "hätte ich sicher nicht inseriert". Büro mit Telefon und Fax zur Verfügung gestellt Auch weitere Indizien erweckten im Verkehrs-Manager den Eindruck, als handle es sich bei der "Revue" um eine halbstaatliche Angelegenheit: Als "Kontakt für diese Angelegenheit" dokumentierte eine Konzeptunterlage das Domizil von Anzeigen-Administrator Daniel Michel in einem Büro der Jagd- und Fischereiverwaltung am Rufsteinweg 4 in Liestal. Diese Amtsstelle gehört zu Belsers Volkswirtschafts- und Sanitätsdirektion. Die angegebene Telefonnummer des Akquisiteurs ist der offizielle Anschluss einer staatlichen Sekretärin. Gegenüber der SonntagsZeitung bestätigte Belser, der Kanton habe der Pariser Firma einen Arbeitsraum "inklusive Telefon und Faxgerät zur Verfügung gestellt". Die Einlogierung "während drei Monaten" sei mit seinem Einverständnis zustandegekommen. Laut Recherchen wird das Büro mit unterschiedlicher Intensität aber bereits seit rund eineinhalb Jahren von "Revue"-Leuten belegt. Belser erhofft sich "neue Impulse" für regionale Entwicklung Offenbar sind auch dem Baselbieter Gewerbeverband bei der Kontaktnahme durch den französischen Anzeigenagenten gewisse Indizien sauer aufgestossen. Laut Direktor Hans Rudolf Gysin sei der Verband derzeit daran, "eigene Abklärungen vorzunehmen", nachdem auch ihm "die Sache etwas spanisch vorkam". Gysin sarkastisch: "Wir gehen nächstens auch auf die Volkswirtschaftsdirektion und verlangen staatliche Unterstützung für unsere Projekte." Als Motiv für seinen grossherzigen staatlichen Sukkurs nannte Sozialdemokrat Belser die "neuen Impulse" für die regionale Entwicklung von Handel und Wirtschaft - aber auch die bereits vorliegenden "Revue"-Produkte, ebenso die "entsprechenden Empfehlungsschreiben und Modalitäten der Durchführung". Eine "Direktion für öffentliche Arbeiten" im Baselbiet? Nach Belsers Angaben hat er vom Inhalt - eigene Beiträge ausgenommen - keine Kenntnis. Dabei wäre Vorsicht angesagt: In einer Inhaltsskizze ist von einer "Direktion für öffentliche Wirtschaft" und von einer "Direktion für öffentliche Arbeiten" die Rede, die im Baselbiet nicht existieren. Belsers Service gegenüber dem mindestens konzeptionell fragwürdigen Projekt stösst bei politischen Beobachtern auf Unverständnis: Der kommendes Jahr zurücktretende Regierungsrat und frühere Ständerat gilt als äusserst solide und zurückhaltend. Er ist auch Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank - ihm werden Ambitionen aufs Präsidium nachgesagt. Recherchen-Bewertung

Vorgehen Edi Belser hat einer privaten Firma einen Empfehlungsbrief geschrieben, mit dem sie bei Anzeigenkunden weibelt. Solche Propagandabriefe sind fragwürdig, weil sie Privilegierte schaffen und gleichzeitig missbräuchlich verwendet werden können. - In dieses Kapitel gehört auch das Gratisdomizil der Anzeigen-Akquisiteure in der Jagd- und Fischereiverwaltung, samt Gratis-Telefon und Gratis-Fax. Wie es dazu kam, ist näher erklärungsbedürftig.
Entlastend Zu Edi Belsers Entlastung kann höchstens ins Feld geführt werden, dass die "Revue" den Kanton Baselland zum Gegenstand hat - und den Kanton nichts kostet. Zudem steht Belser nicht im Ruf, ein Mischler-Politiker zu sein. Dies ändert jedoch nichts daran, dass es sich im ein privatwirtschaftliches, gewinnorientiertes Produkt ohne staatlichen Auftrag handelt, das vor allem den Produzenten Ertrag verspricht.
Die "Revue" Was die Baselland-"Revue" inhaltlich zu bieten haben wird, ist nicht einmal Edi Belser klar. Skepsis ist angesagt: Unnötiges Allgemein-Geplauder, Unverbindlichkeiten, Schulterklopfen dürften der Trend sein. Alles andere wäre eine Ueberraschung.
Fazit Die Broschüre ist vor allem ein ökologisches Problem: Sie dürfte schnell im Papierkorb landen - noch besser: im Altpapier. Die angeblich 20'000 Empfänger haben wahrscheinlich Gescheiteres zu tun als sich in eine ungefragt zugestellte Gratis-"Revue" zu vertiefen.


20. September 1998


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über Wind-Energie
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RückSpiegel


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Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die Grünen Baselland folgten dem Vorstand und nominierten Isaac Reber für die Regierungsratswahlen 2019 (dritte Amtsperiode).

• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.

• Nach Konditionstrainer Marco Walker verlässt nun auch Fitness-Chef Werner Leuthard (56) per Ende Saison den FC Basel.

Barbara Gafner soll zur neuen Vorsteherin der unabhängigen staatlichen Finanzkontrolle des Kantons Baselland gewählt werden.

• Die Baselbieter FDP-Sektionen Binningen und Bottmingen haben in getrennten Abstimmungen die Fusion zur FDP Binningen-Bottmingen beschlossen.

• Die BKB-Filiale am Basler Neuweilerplatz 1, während der letzten Monate umfassend modernisiert, wurde am 5. Mai mit einem Eröffnungsfest für das Quartier neu eröffnet.

• Die Baselbieter Grünen werden in der Oberwiler Dorfpolitik aktiv, indem sie die Themen und das personelle
Engagement der sich auflösenden Neuen Liste Oberwil (NLO) übernehmen.

• Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer übernimmt per 1. Mai das Präsidium der Stiftung "éducation21", einer Fachagentur der Schweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK), die sich der Bildung für nachhaltige Entwicklung widmet.

10'454 Patienten weist die Psychiatrie Baselland für das Geschäftsjahr 2017 aus.

Peter Brodmann wird neuer Baselbieter Kantonschemiker und Leiter des Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen als Nachfolger von Peter Wenk, der Ende August in Pension geht.

• Die Grünen Baselland nominieren im Hinblick auf die Delegiertenversammlung vom 5. Mai in Olten Landrätin Florence Brenzikofer als Vizepräsidentin der Grünen Schweiz.

• Der Gemeinderat von Birsfelden hat auf einen Vorstoss von Désirée Jaun (SP)beschlossen, als erste Gemeinde in der Nordwestschweiz die Auszeichnung als "Fair Trade Town" anzustreben.

• In der Amtsperiode 2018-2022 bilden die Grünliberalen (GLP) im Einwohnerrat Riehen gemeinsam mit dem parteilosen David Moor eine Fraktion.

• Die Basler Badesaison beginnt im beheizten Sportbad St. Jakob (28. April), in den unbeheizten Becken des Gartenbads St. Jakob (12. Mai), im Gartenbad Eglisee (19. Mai) und im Gartenbad Bachgraben infolge Sanierungsarbeiten (2. Juni 2018).

• Die SP Muttenz hat an ihrer Generalversammlung Kathrin Schweizer einstimmig als Regierungsrats-Kandidatin der SP Baselland nominiert.

• Nach fast zwanzig Jahren Tätigkeit verlässt Moderatorin Tamara Wernli Telebasel, weil sie sich künftig aufs Schreiben konzentrieren will.

• Die Gemeinde Riehen ist laut der Einschätzung des Gemeinderates "weiterhin kein Hotspot für kriminelle Aktivitäten".

Heidi Mück und Tonja Zürcher bleiben laut Wahl durch die Mitglieder für weitere zwei Jahre Co-Präsidentinnen von "Basta".