© Fotos by Klinik Sonnenhalde / OnlineReports.ch
"Das war vielleicht ein Fehler": Klinik, Kontrahenten Hollstein, Fringer

"Sonnenhalde"-Direktorin stoppt Männerberatungs-Projekt

Flyer zur Eröffnung eines Pionier-Angebots in der Psychiatrie-Klinik Riehen waren schon gedruckt


Von Peter Knechtli


Der Basler Soziologie-Professor Walter Hollstein wollte zusammen mit Spitzen-Psychiatern der Riehener Klinik "Sonnenhalde" ein Pilot-Beratungsprojekt für Männer starten. Doch die Spitaldirektorin bremste das Projekt aus – wenige Tage vor seiner Eröffnung.


Die Flyer waren in einer Auflage von 5'000 Exemplaren schon gedruckt. In der Psychiatrieklinik "Sonnenhalde" in Riehen lagen sie zum Versand bereit. Das freudige Communiqué war schon ausformuliert: Gestern Freitag hätte das Männerberatungs-Projekt "Pro Mann" eröffnet werden sollen. Vorgesehen waren wenige Ansprachen, ein Apéro und Buffet – und die erste Möglichkeit einer Beratung.

Flyer sind Makulatur

Initiator des Projekts war der emeritierte Basler Soziologie-Professor Walter Hollstein (70), seit dreissig Jahren international anerkannter Männer-Forscher. Mit ihm bildeten Chefarzt Samuel Pfeifer, sein Stellvertreter Andreas Gschwind, Walter Meili und Pfarrer Thomas Widmer den harten Kern der "Interessenkreis Männerberatung". Für Januar kommenden Jahres war schon eine Fachtagung im Bürgersaal des Riehener Gemeindehauses organisiert.

Doch die Flyer sind bereits Makulatur und die Tagung eine obsolete Idee: Während einer vierwöchigen Abwesenheit von Chefarzt Pfeifer stoppte "Sonnenhalde"-Direktorin Ursula Fringer (49) den Flyer-Versand und brach das gesamte Projekt ab. Vorgesehen war, dass Initiator Hollstein jeweils ehrenamtlich ein für die Klienten unentgeltliches Beratungsgespräch geführt und dann über eine vertiefende, kostenpflichtige Beratung durch die Klinik-Ärzte unter der Schirmherrschaft der "Sonnenhalde" entschieden hätte.

Männer zunehmend unter Druck

Das Projekt "Pro Mann" geht nach jahrzehntelangem Kampf der Frauen um Gleichberechtigung davon aus, dass Männer durch die gesellschaftliche Umwälzung und die Rollenveränderung der Geschlechter zunehmend von psychosozialen Problemen oder ernsthaften Krankheitssymptomen betroffen sind. Buben in der Pubertät bringen sich mindestens achtmal häufiger um als Mädchen. Die Beratung von Männern hätte der "Sonnenhalde" zu einem ebenso zukunfts- wie publizitätsträchtiges Beratungsangebot verholfen. Der Abbruch des Projekt aber, so Hollstein zu OnlineReports, sei "prototypisch für den gesellschaftlichen Umgang mit Männerproblemen".

Denn aus der Männer-Beratung wird vorläufig nichts – zu Hollsteins Entsetzen: "So ein zwischenmenschlicher Umgang ist mir in meiner ganzen Karriere noch nie passiert. Und das in einer christlichen Institution, das Mitarbeitenden Ethikkurse anbietet." Direktorin Fringer, die "über jeden Schritt des Projekts durch den Chefarzt informiert war", habe es unterlassen, ihn über den Projekt-Abbruch zu informieren. Dies habe erst auf seine Anfrage hin der stellvertretende Chefarzt am 19. April übernommen.

Gewisse Distanzierung von Hollstein

Im Gespräch mit "Pro Mann"-Motor Samuel Pfeifer gewann OnlineReports den Eindruck, dass er sich von Hollstein in gewisser Weise absetzt. "Die Grundlage einer vertrauensvollen Zusammenarbeit ist nicht ganz gegeben. Und das hatte auch mit Herrn Hollstein selbst zu tun." Wortreich vermied es Pfeifer, konkret zu werden. Er sprach von "Sand im Kommunikations-Getriebe" und "Geprächsblockade", auch sei die Art, "wie Herr Hollstein den Konflikt weiter trägt, nicht vertrauensfördernd".

Wie Pfeifer hält auch Direktorin Fringer ("ich kann die Enttäuschung verstehen") die "Pro Mann"-Plattform für "sehr gut". Aber: "Wir brachten die Anforderung zwischen der einzelpraxisgewöhnten Person und einer Institution nicht auf die Reihe." Das Projekt sei "mit sehr viel Herzblut und Euphorie aufgegleist" worden. Dabei sei aber "den formalen Aspekten" einer staatlich subventionierten Privatklinik zu wenig Beachtung geschenkt worden. Beispielsweise sei die Abgrenzung von unentgeltlicher und kostenpflichtiger Beratung "nicht geklärt" gewesen. Auch habe es "keinen Vertrag der Klinik mit Herrn Hollstein" gegeben.

Auflauf vor der Klinik?

Auf die Frage, ob nicht auch der Informationsfluss zwischen Chefarzt und Direktion in diesem Fall zu spärlich gewesen sei, widersprach Fringer: "Wir sehen uns täglich." Sie räumt immerhin ein: "Wir hätten sicher den Projektablauf klarer definieren müssen." Auch habe sie nie direkt mit Hollstein verhandelt. "Das war vielleicht ein Fehler."

Gar keine Freude am abrupten Abbruch dieses "sehr professionell aufgezogenen Pionierangebots" hat die "Vereinigung verantwortungsvoll erziehender Väter und Mütter" (VEV), die grosse Hoffnungen in dieses Beratungsprojekt setzte. Präsident Oliver Hunziker zeigte sich gegenüber OnlineReports "höchst erstaunt" über die "nicht nachvollziehbare" Weise des Vorgehens: "Ich erwarte eine Erklärung durch die Direktion." Andernfalls seien "Aktionen" im Bereich des Möglichen: "Ich könnte mir auch einen Auflauf vor der Klinik vorstellen."

Direktorin "keine Emanze"

Pikant ist die Tatsache, dass eine Frau in leitender Stellung ein Männer-Projekt sistierte. Um jedoch Spekulationen in eine bestimmte Richtung vorzubeugen, sagte Direktorin Ursula Fringer zu OnlineReports: "Ich bin definitiv keine Emanze."

7. Mai 2010


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"Wovor hat die Direktorin Angst?"

Es ist mir immer noch nicht klar, vor was oder wem die Frau Direktorin eigentlich Angst hat.


Bruno Heuberger, Oberwil


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