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"Grundlegendes muss sich ändern": Psychologie-Professor Udo Rauchfleisch

Priester-Sex mit Kindern: Die Mitschuld der katholische Kirche

Die Rolle der Kirche an den Vergehen ihrer Würdenträger und ihr Versuch, die sexuelle Ausbeutung herunterzuspielen


Nicht nur in den USA, auch in der Schweiz wächst dramatisch die Zahl bekannt gewordener Fälle, in denen sich Priester an Kindern in teils schwerer Weise vergangen haben. Udo Rauchfleisch, Extraordinarius für Klinische Psychologie an der Universität Basel und Autor zahlreicher Publikationen, äussert sich im folgenden Aufsatz kritisch zur Verantwortung der katholischen Kirche für die sexuelle Ausbeutung durch ihre Würdenträger.


Von UDO RAUCHFLEISCH

Das Bekanntwerden einer erschreckend grossen Zahl von sexuellen Übergriffen gegenüber Kindern durch Priester hat in den vergangenen Wochen in den USA und in verschiedenen europäischen Ländern, so auch in der Schweiz in Walenstadt, für Schlagzeilen gesorgt. Diese Häufung zeigt, dass das sonst von der katholischen Kirche gerne verwendete Argument, es handle sich um "Einzelfälle" - und daraus wird der Schluss gezogen, die Ursachen lägen nicht in grundsätzlichen Problemen der Kirche, sondern seien rein individueller Art - nicht zutrifft. Höchst befremdlich und der Bischöfe unwürdig erscheint mir auch der Versuch der Schweizer Bischofskonferenz, die Brisanz des Themas mit dem Argument herunterzuspielen, die Anzahl von Pädophilie-Anklagen sei bei Priestern proportional geringer als bei anderen Bevölkerungsgruppen.

Was liegt der sexuellen Ausbeutung von Kindern zugrunde?

Ich spreche absichtlich nicht von "Pädophilie", da mit diesem Begriff ("philie" = Liebe) die Gewalt, die durch sexuelle Übergriffe ausgeübt wird, verschleiert und verharmlost wird. Wir verwenden deshalb heute eher die Bezeichnung "Pädosexualität", wobei dieser Begriff allerdings den sexuellen Aspekte einseitig in den Vordergrund stellt, oder wir sprechen noch treffender von "sexueller Ausbeutung".

Ein Problem bei der Beurteilung pädosexueller Handlungen liegt darin, dass wir es nicht mit einem einheitlichen Persönlichkeitstyp, sondern mit unterschiedlichen Persönlichkeiten zu tun haben. Es ist deshalb auch nicht möglich, eine für alle diese Menschen in gleicher Weise zutreffende Entwicklung zu beschreiben. Unsere psychoanalytischen Theorien, in denen unter anderem von fehlgelaufenen Identifizierungen, von einer Wiederholung der ursprünglich selbst erlittenen Traumatisierung und von zentralen Selbstwertstörungen die Rede ist, sind bei der therapeutischen Arbeit mit einzelnen Persönlichkeiten hilfreich, bleiben aber hypothetisch und können keine Allgemeingültigkeit beanspruchen. Je nach den zugrunde liegenden Ursachen bestehen auch grosse Unterschiede bezüglich der Möglichkeit einer Änderung der sexuellen Präferenz. Bei eindeutiger pädosexueller Orientierung müssen wir im allgemeinen von einer Unveränderbarkeit ausgehen. Das Ziel therapeutischer Massnahmen liegt hier darin, wie es dem Betreffenden gelingen kann, mit dieser Veranlagung umzugehen. Die einzige Gemeinsamkeit bei pädosexuellen Handlungen besteht darin, dass sich das Begehren auf Kinder richtet, und dass es um eine Machtausübung gegenüber Schwächeren geht.

Pädosexuell ist nicht homosexuell

Eine erste wichtige Differenzierung ist in bezug auf die sexuelle Orientierung zu machen: Mehrheitlich werden pädosexuelle Handlungen von heterosexuellen Männern gegenüber Mädchen ausgeübt, eine kleinere Zahl von Tätern weist eine gleichgeschlechtliche Orientierung auf. Diese Tatsache ist insofern wichtig, als in der Öffentlichkeit das Phänomen "Pädosexualität" häufig mit "Homosexualität" gleichgesetzt wird, was den Tatsachen nicht gerecht wird und eine Verunglimpfung gleichgeschlechtlich empfindender Männer bedeutet.

Ein zweiter Aspekt bei der Beurteilung pädosexueller Handlungen liegt in der Frage, welche Rolle die Gewalt dabei spielt. Die Begriffe "Pädophilie" und "Pädosexualität" verschleiern hier wieder die Realität, während "sexuelle Ausbeutung" sie beim Namen nennt: Auch wenn die Täter gerne den liebevollen Aspekt in den Vordergrund stellen - so sprach der Posener Erzbischof Paetz angesichts der gegen ihn gerichteten Vorwürfe davon, seine "Güte und menschliche Wärme" seien missverstanden worden! -, geht es bei der sexuellen Beziehung eines Erwachsenen mit einem Kind primär immer um die Befriedigung des Erwachsenen, zumal seine Erotik und Sexualität in ihrer Struktur und Dynamik eine andere ist als die des Kindes. In Bezug auf die offensichtliche Gewalt finden wir bei den pädosexuellen Handlungen allerdings grosse Unterschiede. Aufgrund der oft reisserischen Berichte über sadistische Handlungen an Kindern herrscht bei vielen Menschen die Vorstellung, sexuelle Ausbeutung verlaufe stets auf diese Art. Dies trifft glücklicherweise nur für eine sehr kleine Zahl pädosexueller Handlungen zu. Typischerweise ist die bei sexueller Ausbeutung ausgeübte Gewalt von subtilerer, oft auf den ersten Blick gar nicht erkennbarer Art. Aus diesem Grund bleiben derartige Übergriffe oft über lange Zeit der Umgebung verborgen.

Sexuelle Ausbeutung durch Priester: Not des Zwangszölibats

Bei Abweichungen des Verhaltens von den Postulaten der katholischen Kirche wird, vor allem wenn es um Priester geht, gerne von "Einzelfällen" gesprochen und ein Zusammenhang mit den Strukturen der Kirche strikt verneint. So hat die Schweizer Bischofskonferenz auch bei den jüngsten Vorfällen ausdrücklich in Abrede gestellt, dass ein Zusammenhang zwischen den sexuellen Übergriffen von Priestern und dem Zölibat bestehen könne. Bei der Beurteilung dieser Übergriffe sind drei Fragen zu prüfen:

1. Warum richten sich sexuelle Übergriffe von Priestern offensichtlich häufiger gegen Knaben als gegen Mädchen? Ich gehe hier von der - allerdings nicht belegten - Annahme aus, dass Übergriffe gegenüber Knaben und Mädchen von den Opfern in gleicher Weise öffentlich gemacht werden. Zwei Ursachen können dafür genannt werden: Zum einen ist bekanntlich der Anteil von Männern mit gleichgeschlechtlicher Orientierung im Klerus und in den Orden um etliches höher als in der übrigen Bevölkerung. Nicht wenige dieser Männer haben gehofft, durch den spirituellen Rahmen eine wirksame Hilfe gegen ihre Homosexualität zu finden, was allerdings, wie nicht zuletzt die Übergriffe zeigen, eine vergebliche Hoffnung ist. Ausserdem bietet ihnen die Gemeinschaft mit anderen Männern die Möglichkeit, ihre Homosexualität, zumindest in sublimierter Form, ein Stück weit zu leben.

2. Haben wir es bei den Übergriffen von Priestern wirklich mit Handlungen pädosexuell orienterter Männer zu tun? Unter den Tätern befindet sich vermutlich ein nicht geringer Anteil von Männern, die in der Not, in die sie durch den Zwangszölibat geraten sind, den "Weg des geringsten Widerstandes" gehen und sich den Kindern als den Schwächsten nähern. Die besondere Tragik liegt darin, dass hier Menschen durch die Strukturen der Kirche zu Handlungen gedrängt werden, die sie unter anderen, "normalen" Lebensbedingungen nie ausgeübt hätten!

3. Lassen sich diese Übergriffe nur auf der individuellen Ebene erklären, oder muss hier nicht auch die Struktur der katholischen Kirche auf ihre Mitschuld hin kritisch untersucht werden? Mit der Erwähnung des Zwangszölibats ist bereits ein Zusammenhang mit der Institution Kirche genannt. Gewiss gibt es Priester, die in der Lage sind, unbeschadet und konsequent ein zölibatäres Leben zu führen. In Anbetracht der heute in unserer Welt geltenden Normen und Verhaltensweisen fällt dies vielen Priestern aber schwer, worauf beispielsweise die in der Vereinigung ZöFra zusammengeschlossenen Frauen wiederholt hingewiesen haben. Die sexuellen Übergriffe sind Ausdruck und Ventil des Drucks, unter den viele Priester geraten. Insofern ist die katholische Kirche, die diesen Druck erzeugt, mitschuldig an den Übergriffen und lässt die Priester einmal mehr schmählich im Stich, wenn sie, wie die Schweizer Bischofskonferenz, betont, die sexuelle Ausbeutung durch Priester habe nichts mit dem Zölibat zu tun.

Kirche muss lebensfeindliche Postulate hinterfragen

Was ist zu tun? Drei Dinge erscheinen mir von vorrangiger Bedeutung:

• Die Opfer müssen als solche anerkannt werden und Hilfe finden. Dabei reichen finanzielle Wiedergutmachungen nicht aus, die sich nach Pressemeldungen in den USA bereits in Millionenhöhe bewegen - ganz abgesehen von den "Schweigegeldern", die die Kirche gezahlt hat, um die Opfer mundtot zu machen!. Es kommt vielmehr auf eine effiziente, fachkundige Hilfe bei der Verarbeitung der durch die Übergriffe erlittenen Traumatisierungen an, die gerade deshalb besonders schwer wiegen, weil sie von Menschen ausgeübt worden sind, zu denen ein Vertrauensverhältnis bestanden hat und die als "Männer Gottes" eine ganz besondere Rolle im Erleben der Kinder gespielt haben.

• Opfer und damit therapeutischer Hilfe bedürftig sind aber auch die Täter, die in einem sie schädigenden, ihre Persönlichkeit "verbiegenden" System leben, das sie gerade dann im Stich lässt, wenn Hilfe am dringendsten angesagt ist.

• Letztlich ist eine effiziente Änderung der Situation und die Verhinderung weiterer Übergriffe aber nur möglich, wenn die Leitenden in der Kirche bereit sind, überholte (Macht-)Strukturen und lebensfeindliche Postulate kritisch zu hinterfragen und zu verändern. Insofern macht es sich auch Papst Paul II zu einfach, wenn er in seiner vorösterlichen Botschaft von der "Macht des Bösen" sprach, der "einige unserer Mitbrüder" nachgegeben hätten. Es geht gerade nicht um den einzelnen Priester, sondern um die Strukturen der Kirche als Ganze. Erst wenn sich hier Grundlegendes ändert, kann auch in der Kirche ein entwicklungsfördernder, den Menschen in seiner leibseelischen Existenz - zu der auch die Sexualität als göttliches Geschenk gehört! - akzeptierender Raum geschaffen werden.

Dieser Aufsatz wurde erstmals im "St. Galler Tagblatt" publiziert.

2. Mai 2002


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"Zwangszölibat sollte abgeschafft werden!"

Papst Paul II hat mit Recht selbst gesagt, dass sexuelle Uebergriffe gegenüber Kindern ein Verbrechen ist. In seiner vorösterlichen Botschaft von der "Macht des Bösen" hat er erwähnt, dass "einige unserer Mitbrüder" dieser bösen Macht nachgegeben hätten. Die Schweizer Bischofskonferenz hat bei den jüngsten Vorfällen aber ausdrücklich in Abrede gestellt, dass ein Zusammenhang zwischen den sexuellen Uebergriffen von Priestern und dem Zwangszölibat bestehen könne und es handle sich nur um Einzelfälle.

Da bin ich ganz anderer Meinung ! Sicher gibt es Priester, die konsequent ein zölibatäres Leben führen können und die sexuellen Kräfte in geistige Werte wie Nächstenliebe, Opferbereitschaft, Demut, Versöhnlichkeit usw., umzuwandeln imstande sind. Dies ist bewundernswert, ist aber ein schwieriger Weg und erfordert ein diszipliniertes Leben in Gedanken und Taten, vergleichbar mit Yoga, einer Lehre der alten Weisen Indiens, durch deren Anwendung ein menschliches Wesen vollständige Beherrschung von Seele und Köper verlangt. Nur wenige Menschen können oder wollen diesen Weg gehen. Sexualität ist das Natürlichste der Welt und ein Geschenk Gottes. Im ganzen Tierreich bezweckt die Sexuallust die Fortpflanzung oder Arterhaltung. Das Gleiche gilt für den Menschen. Ohne Sexualität gäbe es uns alle nicht. In der biblischen Schöpfungsgeschichte 1. Mose 1.28 sprach Gott zu den ersten Menschen: "Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan". So kann auch ein Priester in einer Ehe sein Amt ebenso gut oder noch besser ausüben als in einem Zwangszölibat. Damit könnten in vielen Fällen sexuelle Uebergriffe aller Art, besonders aber an wehrlosen Kindern vermieden werden.

 

Die katholische Kirche sollte endlich ihre veralteten Strukturen ändern und dieses unheilvolle Zwangszölibat abschaffen, sonst wird es immer schwieriger werden, Menschen für das Priesteramt zu finden.


Heinz Jäggi, Buus


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"Als FCB-Goalie mischte Christian Reinwald das Nachtleben auf – heute verdient er sein Geld mit Tauchen und Vögeln"

BZ Basel
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vom 14. November 2018
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Eindeutig zweideutig.

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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die Bau- und Raumplanungs-Kommission des Basler Grossen Rates spricht sich für den Neubau von Staatsarchiv und Naturhistorischem Museum im St. Johann-Quartier aus.

Matthias Gysin, heute Verwaltungsleiter in der Gemeinde Aesch, wird ab 1. April 2019 neuer Geschäftsführer des "Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden" (VBLG) und Nachfolger von Ueli O. Kräuchi.

• Das Projekt eines Ozeaniums des Basler Zoos hat mit starkem Wellengang zu kämpfen: Das gegnerische Komitee reichte fast 5'000 Referendums-Unterschriften ein, wodurch es zu einer Volksabstimmung kommen wird.

Yvette Harder wird per 18. März 2019 neue Generalsekretärin des Basler Finanzdepartements und damit Nachfolgerin von Alexandra Schilling, die in die Kommandoabteilung der Kantonspolizei wechselte.

• Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli übernahm an der ordentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins Universität Basel von Jean-Luc Nordmann das Präsidium.

• In weniger als sieben Wochen sammelte das parteiunabhängige Komitee "Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park" mehr als 3500 Unterschrift'en für seine Petition.

• Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal für das Jahr 2019 einen Teuerungsausgleich von 1,4 Prozent auszurichten.

Elena Hermann wird neue Leiterin der Staatlichen Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten Basel-Stadt und löst Ernst Jost ab, der per Ende Jahr in Pension gehen wird.

• Das Basler Komitee gegen die kantonale Vorlage zur "Steuervorlage 17", das sich aus linken Parteien und Gewerkschaften rekrutiert, hat 3'300 Unterschriften für das Referendum gesammelt.

Andreas Häner, von 2009 bis 2015 schon Vorstandsmitglied, wird neuer Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes und damit Nachfolger von Paul Dilitz, der nach elfjähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt.

Daniel Roth (61) wird im Baselbiet neuer Leiter des Rechtsdienstes von Regierung und Landrat, als Nachfolger von Hans Jakob Speich, der sich vorzeitig pensionieren lässt.

Irene Heinimann wird neue Baselbieter Kantonsapothekerin und folgt als bisherige Stellvertreterin auf Hans-Martin Grünig, der Ende Dezember in Pension geht.

• Vertiefte Kostenkontrollen zum Umbau der Kunsteisbahn Sissach zur geschlossenen Halle zeigen, dass der Bau bis zu zehn Prozent teurer wird als vorgesehen.

• Der Baselbieter alt Landratspräsident Jürg Degen und der Läufelfinger Gemeindepräsident Dieter Forter sind von "Pro Bahn Schweiz" für ihr Engagement zur Erhaltung des "Läufelfingerlis" mit dem Preis "Premio Pro Spez 2018" ausgezeichnet worden.

Steigende Bildungs- und Sozialkosten belasten das Ergebnis der Gemeinde Reinach, so dass für 2019 ein Defizit von 1,67 Millionen Franken budgetiert werden muss.

Olivier Aebi wird per 1. Februar 2019 neuer CEO des Basler Ingenieur- und Planungsunternehmens Gruner AG und Nachfolger von Kurt Rau ab, der die Gruner-Gruppe interimistisch leitet.

• Aufgrund einer umfassenden Kontrolle der Stadtgärtnerei müssen im Kanton Basel-Stadt 229 Bäume zum grössten Teil aus Sicherheitsgründen gefällt und ersetzt werden; die Liste der betroffenen Bäume wird im Kantonsblatt vom 10. Oktober publiziert.

Andrea Schenker-Wicki, die Rektorin der Universität Basel, ist durch den Universitätsrat für weitere vier Jahre bestätigt worden.

• Am 1. Oktober beginnen in Basel die Vorarbeiten für den Bau des unterirdischen Kunstmuseum-Parkings mit der Umlegung unterirdischer Leitungen.