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"Historischer Moment": Neues Strafjustizzentrum in Muttenz

Das neue Strafjustizzentrum in Muttenz ist eröffnet

Novum in der Schweiz: Untersuchungs-Häftlinge, Strafverfolger und Gericht unter einem Dach


Von Peter Knechtli


Nach einer Bauzeit von knapp zweieinhalb Jahren ist heute Mittwoch in Muttenz das kantonale Strafjustizzentrum offiziell eröffnet worden. Der 75 Millionen-Bau ist ein Prototyp: Er vereinigt die Staatsanwaltschaft, das Strafgericht und das Untersuchungsgefängnis in einem einzigen Gebäude.


Ob den Untersuchungshäftlingen in Zukunft schmeckt, was auf den Teller kommt, ist zu hoffen, aber noch offen. Klar ist hingegen, dass sie einem Unfreiheits-Alltag entgegenblicken können, der von den äusseren Bedingungen ein Optimum an Würde bietet: Freundlich helle, schlicht eingerichtete Zellen, hoffnungsgrüne Böden, bunte Duvet-Anzüge, orangene Matratzen, Dusche, WC. Und Fernseher. Die hohen Fenster sind in der unteren Hälfte matt gebleicht, so dass nicht erkennbar ist, was sich draussen in der Freiheit abspielt. Die obere Hälfte erlaubt aber einen Blick in die nördliche Weite des Rheintals oder auf die nahen Hügelzüge südlich von Muttenz.

Gerichtssal direkt an der Bahnlinie

Die 47 Zellenplätze und zwei Innenhöfe sind im obersten der fünf Geschosse eingerichtet, die insgesamt das neue Baselbieter Strafjustizzentrum bilden. Der Innenausbau fällt durch schmucklosen Sichtbeton und einen über vier Stockwerke führenden eleganten und mit Kunstinterventionen bereicherten Lichthof auf.

Es ist kein Wohlfühlbau, aber das 120 Meter lange Gebäude ist so angenehm gestaltet, wie es die jeweilige Tätigkeit erfordert. Hell und schlicht präsentieren sich die Gerichtssäle. Der etwas höhere Stuhl des oder der Vorsitzenden kostete 3'000 Franken – und nicht 12'000, wie offenbar herumgeboten und schleunigst dementiert wurde.

Ein besonderes Augenmerk schenkten die Planer dem Schallschutz, da die nördliche Gebäudefront und auch der grosse Gerichtssaal direkt an die SBB-Stammlinie Basel-Olten angrenzen. Ein erster Praxis-Schnelltest im Rahmen eines Rundgangs erweckte nicht den Eindruck, dass Gerichtsverhandlungen künftig nicht durch vorbeirasselnde Züge gestört werden könnten.

Schweizweit einmalig

Unmittelbar westlich des Bahnhofs Muttenz an der Bahnlinie gelegen, präsentiert sich das langgezogene Gebäude aussen anthrazitfarben (wie einige benachbarte Wohnhäuser auch) mit einem strengen Fensternetz. Die Südseite markiert mit ihrer wellenförmigen Verschränkung auch die strenge funktionale Trennung im Innern.

Das Strafjustizzentrum ist nämlich ein Schweizer Novum, Architekt Philipp Kunz von "Kunz und Mösch" sprach von einem "Prototypen": Erstmals in der Schweiz werden Staatsanwaltschaft, Untersuchungsgefängnis und Strafgericht unter einem Dach vereinigt.

Dadurch werden einerseits Abläufe vereinfacht und "Flächeneffizienz" (so Baudirektorin Sabine Pegoraro) geschaffen – 14 kantonale Liegenschaften und Mietstandorte können aufgehoben werden. Anderseits war es eine der architektonischen Herausforderungen, darauf zu achten, dass die Angehörigen der verschiedenen Funktionsfelder möglichst getrennt arbeiten. So sollen Richter und Strafverfolger beispielsweise nicht Häftlingen begegnen. Auch zwischen Richtern und Staatsanwälten soll auch räumlich die Funktionstrennung gewährleistet werden.

Kosten und Zeit eingehalten

An der heutigen, von frischer Country-Musik untermalten Eröffnung freute sich Regierungsrätin Pegoraro, dass sowohl die prognostizierten Kosten von 75 Millionen Franken (2 Millionen davon zahlt der Bund an den Gefängnisbau) wie auch die Bauzeit von knapp zweieinhalb Jahren und die versprochenen Qualitätsstandards eingehalten werden konnten.

Sicherheitsdirektor Isaac Reber bezeichnete das Strafjustizzentrum als "einen weiteren architektonischen Leuchtturm" im Baselbiet neben der Kantonsbibliothek und dem Staatsarchiv. Die meisten der 170 Mitarbeitenden der Staatsanwaltschaft, die bisher an 14 Standorten verteilt warten, arbeiten künftig in Muttenz. Einzig die Fahndungs-Bereiche des Organisierten Verbrechens und der Drogendelikte bleiben in Liestal. Ebenfalls in Liestal bleibt das gesamte Kantonsgericht.

Zellenplatz-Knappheit bleibt ein Problem

Allerdings bleibt ein Wermutstropfen, wie Reber einräumte: Weil die Polizei letztes Jahr 50 Prozent mehr Täter verhaftete als im Vorjahr, ist die Zellenplatz-Knappheit nach wie vor akut. So wird das Gefängnis in Arlesheim "bis auf weiteres offen bleiben", ebenso das wiederaktivierte Gefängnis in Laufen. Einzig das vor wenigen Monaten eilends errichtete Container-Provisorium kann dank der Muttenzer Anlage "gelegentlich" (Reber) aufgehoben werden.

Kantonsgerichtspräsident Andreas Brunner pries die Eröffnung des Zentrums als "historischen Moment" mit zwanzigjähriger Vorgeschichte. Es sei das erste Baselbieter Gerichtsgebäude, das "zumindest zum Teil" für die Gerichte und den Gerichtsbetrieb gebaut wurde. Damit sei ein "wichtiges Etappenziel" auf dem Weg zu einer angemessenen Unterbringung der kantonalen Justiz erreicht. Diese Feststellung muss so interpretiert werden, dass auch das Kantonsgericht gelegentlich Neubau-Wünsche konkretisiert.

Der Muttenzer Gemeindepräsident Peter Vogt betonte, das neue Strafjustizzentrum am Eingang zum Polyfeld bedeute eine weitere "Aufwertung dieses Ortsteils". Country-Musik freilich wird so schnell die Justiz-Räume nicht mehr durchdringen.

Erste Bild-Eindrücke am Eröffnungstag:


Zelle


Lichthof
Gerichtssaal
Südfassade
14. Mai 2014


Fünf geteilte Stockwerke


Im Erdgeschoss des Strafjustizzentrums befinden sich der Empfang, die Gerichtssäle und die Warteräume.

Das erste und zweite Stockwerk belegt die Staatsanwaltschaft.

Im dritten Stock sind das Strafgericht, das Zwangsmassnahmengericht und das Jugendgericht untergebracht.

Im vierten und obersten Stock befindet sich das Untersuchungsgefängnis.


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"Räumliche Zusammenfassung unverzeihlich"

Es ist ja wunderschön, das neue Justizzentrum in Muttenz. Doch unverständlich, wenn nicht gar unverzeihlich ist die räumliche Zusammenfassung von Ankläger und Richter. Das ist und bleibt für mich eine unzulässige alltägliche Nähe. Häufig wohl eine positive Nähe, die den Verteidiger schlechterstellt. Und im schlimmeren Fall auch einmal eine negative Nähe, die sich für den Angeklagten nachteilig auswirken kann. Diese Nähe dient der Unabhängigkeit des Richters ganz sicher nicht.


Ruddolf Mohler, Oberwil


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